Den Schuss fühlen
Quelle: Trainertipps Mai 2023
Dieses Gefühl, wenn sich der Schuss löst und man schon, bevor der Pfeil auf der Auflage landet, weiß, dass er in der 10 steckt, ist wohl eins der besten Momente im Bogenschießen.
Um zu diesem Gefühl überhaupt kommen zu können, muss man sich und seinem Material vertrauen. Das perfekte Tuning für Bogen und Material ist damit nicht gemeint. Nicht jeder hat die Ressourcen und das Wissen, wie man einen Bogen gut einstellt und noch keiner hat ein Wunderrezept gefunden, wie die perfekte Einstellung aussieht. Man sollte jedoch seinem Material vertrauen, sich damit sicher fühlen und versuchen, es nach bestem Wissen und Gewissen einzustellen oder einstellen zu lassen. Wenn das getan ist, kann man mit Vertrauen in sein Material in einen Wettkampf oder ins Training starten und an sich als Schütze arbeiten.
Um sich selbst beim Schießen vertrauen zu können, muss man wissen, wie sich der eigene gute Schuss anfühlt. Jeder hat seinen eigenen Schießstil und muss sich auch nicht unbedingt verbiegen, um zu schießen, wie jemand anderes das tut. Natürlich kann man sich aber auch etwas von dem einen oder anderen Topschützen abschauen. Man muss es schaffen sich und seinen Stil in Einklang zu bringen und die Schüsse immer nach dem gleichen Schema zu schießen. Nach einem Schuss sollte man, wenn möglich sagen können, welche Note man diesem Schuss geben würde. Wichtig bei dieser Einschätzung ist es, dass man das Treffen bei der Bewertung nicht mit einbezieht, es soll lediglich der Schussablauf „benotet“ werden.
Eigenlob stinkt nicht
Quelle: Trainertipps Juni 2023
Wenn man die Schützen bei einem Wettkampf an der Schießlinie mal beobachtet, findet man schnell Schützen, die den Kopf schütteln. Gegenfrage: Habt ihr schon einmal einen Schützen an der Schießlinie gesehen, der genickt hat und nach einem Schuss vielleicht ein Lächeln auf den Lippen hatte? Also ich persönlich kenne nur wenige Schützen, die das tun. Aus rein psychologischer Sicht ist Kritisieren oder Kopfschütteln aber alles andere als fördernd. In der Verhaltenspsychologie wird auf ein Belohnungssystem gesetzt. Sprich Gutes wird gelobt und Schlechtes wird ignoriert, denn jeder strebt danach Lob zu bekommen. Da wir nicht jedes Mal jemanden hinter uns stehen haben, der uns für gute Schüsse lobt, sollten wir das für uns selbst übernehmen. Dabei ist nicht gesagt, dass man einfach bei jedem Schuss sagen soll:“ Oh der war aber großartig!“ Man kann entweder kleine Dinge loben (stehen gelassener Bogenarm, gutes Lösen, mutig durchgezogen…) oder auch den ganzen Schuss, wenn er denn gut war. Vermeiden sollte man das Kopfschütteln oder das Nennen der Dinge, die nicht gut waren. Denn wie gesagt, die Psyche reagiert besser auf Belohnung als auf Bestrafung. Es ist schwer, nun seine Gewohnheiten von jetzt auf gleich abzulegen, aber man sollte beim Kopfschütteln (wenn es dann doch mal passiert) immer auch daran denken, mal zu loben bzw. zu nicken.
Jedes Kind und auch wir Erwachsenen streben danach Anerkennung und Lob für geleistetes zu bekommen. Sie möchten auch mal in der Rolle sein, gelobt zu werden. Egal ob bei der Arbeit, zu Hause oder eben bei unserem Hobby. Wer einen Hund hat, weiß ebenfalls, wie gut Belohnungen bei der Erziehung helfen können.
Das Lob muss sich nicht immer nur auf den Schussablauf beziehen, es kann sich auch auf geschossene Ringzahl beziehen. Nur sollte es ehrlich und häufiger sein als eine Kritik.
Gefühl und Wollen
Quelle: Trainertipps Februar 2024
Jetzt möchte ich auf ein paar mentale Aspekte hinweisen, die unser Schießen beeinflussen. Wenn ein Schütze einen „perfekten Schuss“ fühlen und gleichzeitig bewusst ein X schießen will, so kommt er in einen Konflikt, da das Gefühl immer dominanter sein wird. Der Verstand kann mit dem X nur wenig anfangen, da es ein abstraktes Gebilde ist. Erst wenn das innere Gefühl (des guten Schusses) und ein geschossenes X zusammentreffen, kommt es zum Kick.
Dass dies so ist, erkennt man daran, dass wenn das Schussgefühl im Moment des Lösens zwar sehr gut ist, aber das X nicht getroffen wurde. In diesem Fall wird meist das gute Gefühl als Reaktion auf das nicht getroffene X durch das schlechte Gefühl des „Versagens“ ersetzt. Das schlechte Gefühl des „das verstehe ich nicht“ aufkommt und somit dominanter gegenüber dem Wollen wird. Üblicherweise beginnt der betreffende Schütze dann mit (sinnloser) Visierschrauberei.
Die Menschen glauben, dass sie mit „Wollen“ in der Lage sind, Ziele zu erreichen. Prinzipiell ist das richtig, weil „Wollen“ die Fokussierung auf einen noch zu erreichenden Zustand darstellt.
Das Ziel beim Bogenschießen ist aber nicht das X oder die Zehn, sondern vielmehr der perfekte Schussablauf, denn das X ist die Folge einer langen Reihe aus vielen bewussten und unbewussten Handlungen und Abläufen.
Wenn man bewusst schießen wollte, müsste man seinem Denkapparat einen Auftrag geben und ihn zwingen alle diese Abläufe und Handlungen nacheinander abzuarbeiten. Damit allerdings beginnt man das
„Denken“ und der Verstand spielt dann mit dem Schützen z.B. folgenden Ablauf durch:
„ich stehe an der Linie...ich will das X....wie stehe ich?...nicht richtig...Fuß bewegen...gut so...stimmt meine Schulter?...ja...nee, doch nicht...jetzt aber ...Druckpunkt ist gut...ich steh im Gold...gut so...jetzt müsste der Klicker... Mist, unruhig... korrigieren...jetzt müsste...wieder unruhig...was macht denn mein Kopf?...wo bleibt denn der Klicker?...absetzen? nee, jetzt, doch?...jetzt verkrampfe ich...wieder im Gold...KLICKER...geht’s noch?...Jetzt, endlich...“.
Hoffentlich war das jetzt eine 6 oder 7 und der Schütze hat gelernt, dass er besser abgesetzt hätte. Es wäre für den Verstand fatal, wäre dieser Schuss eine 10 ist, denn so hätte er ein Erfolgserlebnis, würde dieses mit dem vollkommen verkorksten Schuss verbinden und auf diese Weise den Mist wiederholen. Denn der „Job“ des Verstandes ist ja, reproduzierbare Muster anzulegen.
Der Verstand sollte aber nur aus guten (wenn schon nicht perfekten) Schüssen Muster ableiten, die er dann im Unterbewusstsein speichert um sie später wieder abzurufen.
Im beschriebenen Fall würde sich das Absetzen zu einem Notfallprogramm entwickeln anstatt zu dem natürlichen Vorgang, der immer ablaufen sollte, wenn ein oder mehrere Elemente im Schuss nicht „passen“. Aus dieser Erkenntnis sollte Absetzen als Chance (zum Neuaufbau eines guten Schusses) und nicht als Fehler verstanden werden.
Es gibt keine Möglichkeit, bewusst ein X zuschießen, ebenso wenig wie wir in der Lage sind unsere grundlegenden Körperfunktionen (Herzschlag, Verdauung...) bewusst zu steuern. Bewusst zu schießen bedeutet immer, dem Verstand eine Aufgabe zu geben und diese bewusst abzuarbeiten. Das dies nicht, bzw. nur sehr unzureichend funktioniert, kann man durch einen kleinen Versuch beweisen.
Man stelle sich auf die Schießlinie und gebe sich vier Schwerpunkte vor, auf die man bei den folgenden Schuss achten will (vier Schwerpunkte sind nur ein Bruchteil dessen, was man für einen perfekten Schuss benötigt). Nach dem Schuss wird man feststellen, wie unruhig man innerlich war, worauf man wirklich geachtet hat und vor allem, auf was man alles nicht geachtet hat.
Das Gold braucht keine eigene (isolierte und teils zur Verkrampfung führende) Konzentration. Das Gold ist vielmehr ein natürlicher Bestandteil des gesamten (perfekten) Ablaufs. Es gilt der Merksatz: Ich richte mein Handeln auf ein Ziel aus. Das Ziel aber darf nicht das Gold, sondern muss der perfekte Ablauf sein.
Bewusst ein Ergebnis (die 10) schießen zu wollen, würde diesen Satz umkehren und das Handeln dem Ziel unterzuordnen.
Das Unterbewusstsein kann viel besser schießen als das Bewusstsein. Unser Ziel muss sein, die Konzentration auf den Ablauf und nicht auf das Ziel (die 10) zu legen.
Dazu noch zwei Anmerkungen:
- Es gibt das Sprichwort: „wenn man einen Stock aufhebt, dann hat man immer beide Enden in der Hand“. Auf uns angewendet bedeutet das, wenn man eine 10 schießen will, dann hat man sich im gleichen Moment auch mit der „Nicht-10“ auseinanderzusetzen und man braucht (schon vorher) einen Plan, wie man mit dieser „Nicht-10“ umgeht.
Jeder kann für sich selbst prüfen, welche negativen Reaktionen (körperlich/geistig) eine „Nicht- 10“ auslöst und wie man damit umgeht.
Besser ist der Wille einen sauberen Schuss auszuführen, dann kann man, sofern dieser gelungen ist, immer noch ein gutes Gefühl haben, auch wenn es u.U. keine 10 war.
- Es ist möglich, das Bogenschießen bis zu einem bestimmten Leistungsstand auch unbewusst durch Beobachten zu lernen, weil man durch Beobachten sehr viel mehr aufnehmen kann als durch langes Erklären und Beschreibungen.
Aus diesem Grund schadet es nicht, sich Videos von sehr guten Schützen anzusehen (YouTube, archery-TV), aber auch das Beobachten von guten Schützen im eigenen Verein oder auf Turnieren kann hilfreich sein.
Wichtig ist dabei, die Konzentration auf den Schützen und nicht auf das Ziel zu lenken. Gut ist das Beobachten von Schützen, die nicht auf Auflagen schießen, da hier sowohl die Schützen als auch die Beobachter nicht vom Ziel abgelenkt werden können.
„Einfrieren („freezing“)“ oder „Hängenbleiben („hang-up“)“ unter dem Klicker
Quelle: Trainertipps Oktober 2025
Zum Thema „Einfrieren („freezing“)“ oder „Hängenbleiben („hang-up“)“ unter dem Klicker habe ich wieder einmal auf einen Artikel einer online-Zeitung zurückgegriffen und ihn übersetzt. Wenn jemand am Original von Andrew Smith interessiert sein sollte, Ihr findet ihn in der Ausgabe 119 des „Bow International magazine“ unter der Adresse: http://www.bow-international.com/features/psychology/how-to-cure-your-shooting-hang-ups/.
Einfrieren („freezing“) oder hängenbleiben („hang-up“) unter dem Klicker sind zwei Namen für das gleiche Problem: die Unfähigkeit, den Schuss sauber durchzuführen. Meine eigenen Anmerkungen habe ich wie üblich kursiv geschrieben.
1. Einleitung
Es kann schwierig werden, das genannte Problem auf dem Papier zu lösen, aber viele Schützen finden sich (zumindest hin und wieder) in der Position, in der sie den letzten Millimeter einfach nicht ziehen können. Es wird nicht jeder Pfeil sein, aber wichtige, kritische Pfeile während eines Wettkampfs oder in einer Finalsituation. Der Klicker ist vollständig in den Schussablauf integriert, daher wird man bei der Betrachtung des Klickers allein zwar über Lösungsansätze nachdenken, aber die Lösung des Problems erfordert eine vollständige Betrachtung der Technik und des mentalen Bereichs.
Es besteht kein Zweifel, dass der Gebrauch des Klickers die Ergebnisse eines Schützen verbessern wird und dies ist der Grund, warum alle internationalen Top-Schützen einen Klicker verwenden.
Viele Vereinsschützen scheinen allerdings immer wieder Probleme damit zu haben und selbst erfahrene Schützen können gelegentlich unter dem Klicker „festfrieren“.
Die Benutzung des Klickers ist einfach: Man legt den Pfeil auf die Auflage und unter das Blech des Klickers, spannt den Bogen bis der Pfeil gerade unter dem Klickerblättchen durchgezogen wurde. Nun macht es „Klick“ und in diesem Moment lässt man den Pfeil los, erinnert sich an das Nachhalten und beendet einen starken Schuss.
Der Klicker ist ein hörbares Gerät, welches dem Schützen zeigt, wann er den Pfeil lösen soll. In seiner einfachsten Form ist er nur eine Auszugskontrolle, die sicherstellt, dass man den Pfeil immer gleich weit auszieht. Der Grund dafür ist, dass die Pfeile immer die gleiche Energie bekommen und somit immer gleich fliegen sollten. Die Wahrheit ist allerdings, dass die ganze Schussausführung mehr Einfluss auf Genauigkeit und Entfernung hat. Persönlich betrachte ich [der Verfasser] den Klicker als eine Bestätigung, dass ich richtig schieße. Komme ich nicht durch den Klicker oder kommt er zu früh, dann stimmt etwas nicht mit meiner Technik. In diesem Fall gibt der Klicker ein Signal abzusetzen und den Schuss neu aufzubauen.
Entspannt sein, den Schuss machen zu wollen („commitment to the shot“), aufrecht stehen, die Linie halten und die Sehne über die Rückenmuskeln nach hinten ziehen sind Schlüsselelemente für eine gute Ausführung eines Schusses mit Klicker. Das bedeutet allerdings nicht, dass man perfekt schießen können muss, um einen Klicker zu verwenden, auch ein Anfänger kann lernen, seinen Schuss mit dem Klicker richtig auszuführen.
Der Schlüssel ist, sich auf das Nachhalten zu konzentrieren und je häufiger man trainiert, um so vollkommener wird man werden.
2. Warum frieren wir ein?
Wenn Dir Deine Schüsse auf dem Trainingsgelände leicht und einfach gelingen, ist das, was Dir bei dem Schuss durch den Kopf geht, wahrscheinlich das größte Problem, wenn es zum „Einfrieren“ kommt.
Es kann eingegrenzt werden auf eine unterbewusste Angst vor dem Versagen, den Gedanken daran, was passieren könnte und was die „anderen“ sagen könnten, wenn Du Dein Ziel nicht erreichst. Unabhängig von Ermüdung, wenn wir während eines Wettkampfs in einer kritischen Situation sind, wenn wir die Medaille gewinnen oder eine Bestleistung erzielen wollen, dann wissen wir instinktiv, dass der nächste Pfeil treffen muss.
Ohne dass wir das Wahrnehmen, treten wir an die Schießlinie und geraten in Panik. Unser Bewusstsein setzt ein, möchte uns „beruhigen“ und will die Kontrolle über den Schussablauf übernehmen. Als Ergebnis verspannen wir uns und es wird schwer zu schießen. Alles, was wir sonst im Training ohne bewussten Aufwand tun, ist vergessen und wir beginnen wie ein Anfänger zu schießen.
3. Angst vor dem Versagen
Der Schlüssel ist, dass statt dem Unterbewusstsein das Bewusstsein die Kontrolle übernommen hat. Das bedeutet, dass wir den Schussablauf plötzlich wieder bewusst wahrnehmen und beginnen, jeden Teilabschnitt daraufhin zu analysieren, ob wir alles richtig machen. Und je mehr wir versuchen wieder ein Gefühl für den Schuss zu bekommen, umso mehr konzentrieren wir uns auf Teilabläufe (z.B. das Zielen).
Es hat einmal jemand gesagt: „Durch mein Training und die vielen geschossenen Pfeile ist mein Unterbewusstsein in der Lage ohne Aufwand viele hundert 10er zu schießen. Warum lasse ich dann in einer kritischen Situation zu, dass mein Bewusstsein eingreift, obwohl ich ganz genau weiß, dass ich damit nur eine Handvoll 10er geschossen habe?“.
So, was können wir nun gegen diese „Übernahme“ tun? Unser Bewusstsein wird immer versuchen zu übernehmen und um das zu verhindern, müssen wir es ablenken. Wir müssen dem Bewusstsein etwas zu tun geben, damit es sich nicht in den Schussablauf einmischt. Das kann irgendeine Aufgabe sein und es ist egal, um was es sich handelt. Möglich ist dabei die Konzentration auf die Ellbogenbewegung oder das aufrechte Stehen oder aber die Gedanken an das Lieblingslied.
Diese Ablenkung erlaubt es dem Unterbewusstsein, den so oft eingeübten und über die Jahre verbesserten Schussablauf allein durchzuführen.
Prinzipiell bin ich mit dem Autor einverstanden, was die Ablenkung angeht, würde aber versuchen das Bewusstsein eben nicht mit Teilbereichen des Schussablaufs (Ellbogenbewegung) abzulenken. Denkt an Euer Lieblingslied, denkt an eine schöne Situation oder eine gute Erfahrung, bloß nicht ans Schießen.
4. Bring den Schuss zum Ende
Der Schuss ist nicht beim „Klick“ zu Ende, aber es ist leicht für das Gehirn an dieser Stelle abzuschalten und den Fokus auf die restliche Ausführung zu verlieren.
Gute Pfeile zu schießen hat viel damit zu tun, in einen Rhythmus zu kommen. Hast du schon einmal bemerkt, dass Wenn Du gut schießt, alles vollkommen einfach und leicht geht?
Einfrieren kann auch ein Ergebnis davon sein, dass man den Schuss beim „Klick“ beendet und nicht mit dem Nachhalten. Der Klick ist zwar im letzten Teil des Schussablaufs, aber er ist eben nicht das Ende. Also konzentriert Euch nicht auf den Klick, sondern stellt sicher, dass Ihr auch richtig nachhaltet, was bedeutet, dass Ihr die Rückenspannung durch den ganzen Schuss aufrechterhaltet.
Wenn Ihr die Rückenspannung verliert und die Sehne nicht mehr weiter nach hinten gezogen wird, wird der Schussrhythmus gestört und es ist sehr schwer, wieder in die Bewegung zu kommen. Ein üblicher Grund für das Einfrieren ist die Tatsache, dass die Rückenspannung und die Bewegung nach hinten während des Zielens „vergessen“ wird, weil die Aufmerksamkeit auf eine bewusste Kontrolle des Visiers (Zielen) gelenkt und der unterbewusste Schussablauf unterbrochen wird.
Ein starkes, deutliches Nachhalten ist ein gutes Zeichen dafür, dass der Klicker richtig in den Schussablauf integriert ist und dass die Rückenspannung auch nach dem „Klick“ erhalten blieb. Wenn Ihr den Schuss schon beim Klick beendet, besteht die Gefahr, dass genau in diesem Moment die Rückenspannung verlorengeht und Ihr im Schuss quasi zusammenfallt, was üblicherweise einen katastrophalen Fehlschuss zur Folge hat.
5. Entfernungen
Interessanterweise haben einige Schützen Probleme mit dem Einfrieren nur bei bestimmten Entfernungen, meistens bei den längeren. Das kann damit zusammenhängen, dass bei diesen Entfernungen der Bogenarm höher gehoben wird, anstatt die Linie zu halten und sich in der Hüfte zu beugen.
Diese Art von Fehler erzeugt zwei Probleme. Einerseits wird der gesamte Schussaufbau aus der Linie gezogen, was unterschiedlichen Druck auf den Zugfingern und eine Verlagerung des Druckpunkts zur Folge haben kann. Zum zweiten wird die Auszugslänge reduziert, was das Durchziehen durch den Klicker erschwert.
6. Müdigkeit
Wenn wir müde werden besteht die Gefahr, dass wir unsere Technik verlieren. Die Hüfte beginnt sich in Richtung Ziel zu bewegen, Die Bogenschulter kommt hoch und wir vergessen, unsere Rückenmuskeln richtig einzusetzen. Jedes dieser Probleme allein oder in Kombination macht es schwerer durch den Klicker zu kommen.
Ein weiteres Problem findet sich u.U. in unserer Zughand. Man wird es selten selbst bemerken, aber manche Schützen finden die wenigen fehlenden mm zum „Klick“, indem sie die Zugfinger zusätzlich krümmen. Das ist alles andere als ideal, da es zu einem unsauberen, ungleichmäßigen Lösen führt.
7. Zusammenfassung
Der Gebrauch des Klickers, der Schussablauf und die Schießtechnik hängen miteinander zusammen und funktionieren nicht isoliert. Einfrieren unter dem Klicker ist ein verbreitetes Problem und kann jederzeit während eines Wettkampfs bzw. im Verlauf einer „Karriere“ auftreten.
Das Verständnis, warum und wie dieses Problem entsteht, kann helfen, eine schnelle Lösung für den nächsten Pfeil zu erarbeiten. Der Schlüssel ist zu erkennen, dass es sich beim Einfrieren um ein Symptom für einen Fehler im Ablauf und fehlendes Vertrauen in den Schuss handelt.
Ein Hinweis noch von mir:
Ihr werdet im Zusammenhang mit dem Einfrieren (besonders während eines Wettkampfs) bestimmt schon den Rat bekommen haben, den Klicker etwas vorzuschieben, um leichter durchzukommen. Aus dem Artikel solltet Ihr erkannt haben, dass dies eine falsche Vorgehensweise ist.
Wenn Ihr einfriert, dann habt Ihr (abgesehen vom mentalen Problem der Versagensangst) ein Problem mit Eurer Technik/Haltung und das verschlimmert Ihr, wenn Ihr in dieser Situation den Klicker verstellt. Überlegt lieber, wo Euer Problem gerade liegt, und versucht es zu beheben, anstatt am Symptom herumzudoktern.
Aktuelle Gedanken
Quelle: Trainertipps März 2026
Jetzt möchte ich über ein paar Dinge philosophieren, die mir in den letzten Monaten durch den Kopf gegangen sind oder die ich in verschiedenen Publikationen gefunden habe. Teilweise sind es kommentierte Übersetzungen von Artikeln aus dem Internet, teilweise eigene Gedanken, die ich mit Euch teilen möchte - ohne sie dabei abschließend diskutieren zu wollen oder zu können. Sie sollen eigentlich mehr als Denkanstöße dienen, über die wir im Training auch einmal reden können.
Sollen wir Profis kopieren?
In jeder Sportart wird darüber nachgedacht, Profis und ihr Verhalten zu kopieren. Die Frage ist, sollten wir Bogenschützen das auch tun? Meine Antwort ist nein, außer man kopiert alles, nämlich Trainingsumfang, Trainer, Ausrüstung... eben alles. Andernfalls ist es keine gute Idee.
Artikel in einem Golf-Blog, in dem darüber diskutiert wurde, dass Golf-Profis häufig ein Spiel mit neuen Bällen beginnt und ob Amateure dies auch tun sollten.
Warum nehmen Profis bei einem neuen Spiel neue Bälle oder tauschen sie aus, wenn sie eine kleine Fehlstelle darauf sehen? Aus zwei Gründen: erstens müssen sie ihre Bälle nicht bezahlen und zweitens bringt ihr Verhalten Vorteile für ihren Sponsor, der nämlich mehr Bälle verkauft, wenn die Amateurspieler auch dauernd gebrauchte Bälle (die noch vollkommen in Ordnung sind) durch neue ersetzten, weil die Profis das ja auch tun. Die Profis werden sicherlich nicht dafür kritisiert, zu viele Bälle zu brauchen, solange sie die Amateure dazu bringen mehr Bälle zu kaufen.
Beim Bogenschießen machen wir teilweise dasselbe. Wir akzeptieren Empfehlungen von Profis und anderen sehr guten Schützen bezüglich unseres Materials und unserer Technik. Sie erzählen uns, dass sie dies oder jenes bei ihnen gut funktioniert und fast automatisch denken wir: „ich brauch das auch!“. In Wirklichkeit sind diese Schützen so gut, dass sie quasi mit jeder Ausrüstung besser zurechtkommen als wir es je könnten. Ich betrachte all diese Hinweise und Empfehlungen von Schützen, die von der Industrie gesponsert werden, als wenig hilfreich.
Ich hatte einmal eine Aussage eines gesponserten Schützen, der behauptete, dass der Bogen seines Sponsors genauer sei als der eines Wettbewerbers. Aber Bögen erzeugen keine Genauigkeit. Sie erzeugen die Startgeschwindigkeit für die Pfeile, sie erzeugen den Startwinkel und sie sorgen dafür, dass diese beiden Faktoren bei jedem Schuss so gleich wie möglich sind. Aber sie erzeugen keine Genauigkeit. Das macht der Schütze selbst durch richtiges Zielen und gleichmäßiges, sauberes Lösen.
Dieser Schütze wollte mit seiner Behauptung allerdings niemanden in die Irre führen, er wollte nur helfen, dass sein Sponsor mehr dieser Bögen verkauft, indem er etwas Gutes darüber sagte. Er selbst mag unter Umständen mit diesem Bogen bessere Ergebnisse geschossen haben, was aber nicht an seinem Bogen, sondern vielmehr an seinen Fähigkeiten liegt.
So, was ist nun die Gefahr dabei, wenn man versucht Profis zu kopieren? Die Gefahr liegt darin, ein Ziel zu verfolgen, für das wir gar nicht vorbereitet oder ausgerüstet sind es zu erreichen. Dadurch
wird der Versuch eine Verschwendung von Zeit und Geld, meistens sehr viel Geld. Beispielsweise erzählt uns ein Profi, er hätte mit seinem neuen Stabi-System dieses oder jenes Turnier gewonnen. Also laufen wir los und kaufen uns auch ein solches System. Wir bauen es an unseren Bogen und ... es fühlt sich anders an. Viele von uns meinen nun, sie hätten Ihr Equipment „besser“ gemacht. Aber haben wir das wirklich? Der einzige Weg, das festzustellen ist, die erzielten Ringzahlen beider Setups (nämlich von und nach dem Tausch) zu vergleichen. Die wenigsten von uns werden dies tun [weil es nämlich ein Haufen Arbeit wäre, diesen Vergleich mit genügend Pfeilen unter kontrollierten Bedingungen zu machen].
Nicht falsch verstehen, natürlich kann man sich bessere Ergebnisse kaufen. Das beste Beispiel dafür ist der Austausch eines alten, verbrauchten Satzes von Pfeilen gegen einen neuen, genau ausgeschossenen und getunten Pfeilsatz. Sofort wird man einen großen Unterschied in den erzielten Ergebnissen sehen. Aber wird man den gleichen Unterschied bemerken, wenn man einen solchen ausgeschossenen und getunten Satz gegen einen ebenso behandelten eines anderen Herstellers tauscht?
Ich gehe jede Wette ein, unsereins wird dabei keinen Unterschied bemerken. Bei einem Top-Schützen mag dies anders sein, bei diesen werden sich kleinste Unterschiede eventuell in kleinen Verbesserungen niederschlagen. Bei diesen Schützen, bei denen zwei, drei Ringe Unterschied eventuell mehrere Platzierungen im Weltcup ausmachen können, macht es auch Sinn, viel Zeit und Geld in das Equipment zu stecken, Zeit und Geld, die uns Amateuren typischerweise fehlt.
Ist es nun falsch von Profis, Ihr Equipment zu loben? Man muss sich nur selbst fragen: wenn jemand dafür Geld bezahlt, damit man ein bestimmtes Material schießt und es den erzielten Ergebnissen nicht schadet, würde man das Geld nehmen? Würde man etwas Nettes über das Material und den Sponsor sagen? Denkt darüber nach, Es ist ein großer Unterschied zwischen der Situation eines Profis und der eines Amateurs, sowohl im Hinblick auf die Fähigkeiten, als auch im Hinblick auf das verfügbare Budget.
Ziele festlegen
Wenn man mit dem Bogenschießen beginnt, sollte man sich seine Ziele festlegen und dabei können folgende Fragen hilfreich sein.
- Welche Art des Bogenschießens möchte ich schwerpunktmäßig betreiben?
Recurve, Compound, Blank?
Scheibe, Feld oder 3D?
- Was bedeutet mir der Sport?
Was bin ich bereit für den Sport zu geben (Zeit, Aufwand...)?
- Will ich auf Wettkämpfen schießen?
Welche Wettkämpfe, mit welchem Ziel?
Einsatz und Ertrag
Bogenschießen ist eine hochkomplexe Sportart (ähnlich wie Golf). Erlernen und Beherrschen erfordert Geduld, Beharrlichkeit und Frustrationstoleranz. Das gestellte Ziel definiert den zur Erreichung erforderlichen Aufwand.
Wer nur einmal in der Woche trainiert und keine Wettkämpfe schießt, wird sich ziemlich sicher nicht verbessern. Das ist überhaupt nicht schlimm, es muss einem nur bewusst sein. Um sich langfristig zu verbessern, ist es erforderlich, mindestens zweimal (besser dreimal) pro Woche regelmäßig über eine längere Zeit zu trainieren.
Je öfter trainiert wird, desto größer der Effekt. D.h. je mehr Stunden Training (= mehr Pfeile) pro Woche, desto schneller wird die Entwicklung sein. Grundsätzlich gilt Trainingshäufigkeit vor Trainingsumfang (also lieber öfter und kürzer als selten und lang), da ein Training der komplexen Abläufe in ermüdetem Zustand nicht mehr sinnvoll ist. Erst viel später (mit guter Technik) wird auch ganz bewusst unter Ermüdung (mental und körperlich) trainiert.
Zuggewicht
Bis ein Schütze sein endgültiges Zuggewicht erreicht, vergeht viel Zeit, bei Kindern und Jugendlichen oft mehrere Jahre. Zu schnelles Steigern kann Probleme (Gelenke) bereiten (besonders bei Kindern), daher immer nur in kleinen Schritten steigern und die Wurfarme am Anfang besser mieten, um Neukäufe in relativ kurzen Abständen zu vermeiden.
Mit geringerem Zuggewicht kann Technik viel besser trainiert werden, zu hohes Zuggewicht verhindert gute Technik.
Ältere Schützen müssen dabei aufpassen, dass sie nicht zu lange mit dem einmal erreichten Zuggewicht weiter schießen. Mit dem Alter werden wir nicht stärker und müssen auch nicht mehr die Entfernungen der jüngeren Schützen bewältigen.
Ehrliches Umgehen mit sich selbst
Wenn ein Schütze mit seinen Leistungen und seinem Fortschritt unzufrieden ist, muss man analysieren, ob Erwartung und Einsatz (Zeit, Trainingshäufigkeit) zueinander passen. Nach dieser Analyse erfolgt dann die Entscheidung, ob man mehr trainiert oder weniger erwartet. Wenn Erwartung und Einsatz längerfristig nicht zueinander passen, dann wird es nahezu immer frustrierend und führt nicht selten dazu, dass Schützen den Sport aufgeben.
Leistungsentwicklung
Die Leistungsentwicklung eines Schützen verläuft normalerweise in Wellen. Zu Anfang werden die Ergebnisse schnell besser und nach Erreichen eines gewissen Stands, werden sich gute und schlechtere Phasen normalerweise abwechseln. Das muss man akzeptieren. In einem solchen Fall heißt es: Dran bleiben und geduldig weiter trainieren. Rückschritte sollte man erwarten, dann sind sie nicht mehr so schlimm. Denn: „um auf den nächsten Berg zu kommen, muss man zunächst durch ein Tal“.
Dieser Satz gilt besonders, wenn man dabei ist, etwas an seiner Technik umzustellen. Fast immer führt eine Änderung der Technik zu einer Verschlechterung der Ergebnisse, bevor sie dann zu der angestrebten und erwarteten Verbesserung führt.
Wettkämpfe bzw. Leistungsüberprüfungen helfen dabei sich weiter zu entwickeln. Das Ergebnis auf dem Schießzettel lügt nicht.
Training
Wer im Training immer nur schießt (und noch dazu nur auf die Auflage), wird sich eher langsamer entwickeln als derjenige, der sich auf unterschiedliche Trainingsformen einlässt. Dabei hilft es sich bei vielen Quellen zu informieren (Internet, Bücher), wobei es wichtig ist, diese Quellen kritisch zu hinterfragen.
Bogenschießen ist ein sehr individueller Sport (unterschiedliche körperliche Voraussetzungen). Was für einen Schützen gut ist, muss für den zweiten nicht unbedingt passen. Nur weil ein Weltcup-Schütze etwas macht, heißt das nicht unbedingt, dass das für einen Hobby-Schützen nachahmenswert ist.
Zu ergänzendem Kraft-Training für Bogenschützen habe ich einiges in den letzten drei Ausgaben der Trainertipps (Januar bis März 2026) geschrieben.
Training soll Spaß machen und darf nicht nur monotones Schießen sein. Mögliche Trainingsmittel:
- Blindschiessen, Steifen schießen
- (Spaß)-Wettkämpfe (z.B. Vereinsliga)
- Unterschiedliche Entfernungen, unterschiedliche Ziele, wenig Auflageschießen
- Video-Delay als Hilfsmittel nutzen
Jedes Mal, wenn Ihr ins Training geht, solltet Ihr Euch vorher überlegen, was Ihr in dieser Trainingseinheit machen wollt bzw. an welchem Element eurer Technik Ihr arbeiten möchtet. Macht Euch einen Plan für Euer Training.
Wettkämpfe und Turniere
Das Schießen auf Wettkämpfen kann eine besondere Motivation bringen und lehrt uns, mit Erfolg und Misserfolg („der Tag ist entweder dein Freund oder dein Lehrer“) umzugehen. Beides muss man lernen.
Ein Misserfolg ist kein Weltuntergang, sondern normalerweise nur das Ergebnis eines schlechten Tages. Wenn man Stress zu Hause oder auf der Arbeitsstelle hat, wenn man nicht gesund ist oder den Kopf gerade mit ganz anderen Problemen voll hat, dann kann man kaum gute Ergebnisse erwarten. Man darf sich ein schlechtes Ergebnis nicht zu Herzen nehmen, wir definieren uns ja nicht über unsere Ergebnisse.
Einen Erfolg oder Misserfolg sollte man nie an der erreichten Platzierung festmachen. Ich habe den Spruch gehört: “Das Ergebnis bestimmt der Schütze, die Platzierung der Gegner“. Ihr allein bestimmt die geschossene Ringzahl und wenn Ihr im Rahmen Eurer Trainingsleistungen geblieben seid, solltet Ihr Euch freuen bzw. zufrieden sein. Wenn ein Konkurrent besser war, so ist das halt so, Ihr hättet nichts anderes tun können als das, was Ihr getan habt.
Ich persönlich orientiere mich während eines Wettkampfs nicht an den Ergebnissen meiner Konkurrenten, weil ich mich nicht mehr unter Druck setzen möchte.
Ihr müsst selbst herausfinden, ob Ihr ähnlich reagiert, oder ob das Wissen um die aktuelle Wettkampfsituation Euch beflügeln kann.
Einige Gedanken zur Wettkampfvorbereitung
Quelle: Trainertipps April 2024
Die meisten, die schon an Wettkämpfen teilgenommen haben, kennen das Problem. Morgen findet ein wichtiger Wettkampf statt und Abend steigt beim besten Freund die Party des Jahres. Natürlich geht man da hin und fasst (ebenso natürlich) die besten Vorsätze wie „ich trink‘ nichts“ oder „ich geh‘ ganz früh nach Hause“.
Wenn man allerdings erst mal auf der Party ist, verpuffen diese Vorsätze ziemlich schnell und eh‘ man es sich versieht, ist es 3:00h, man fällt leicht angesäuselt ins Bett und hat bis zum Aufstehen gerade mal drei bis vier Stunden Schlaf.
Das ist keine optimale Vorbereitung für einen Wettkampf, und es ist kaum zu erwarten, dass mit einer solchen Vorbereitung ein guter Wettkampf herauskommt. Je nachdem, welche Ziele Ihr Euch im Sport setzt, müsst Ihr für Euch entscheiden, was für Euch wichtiger ist: Party oder Wettkampf.
Die folgenden Tipps sollen Euch helfen, Euch gut auf den kommenden Wettkampf vorzubereiten. Dabei steht weniger die sportliche Vorbereitung im Vordergrund (dafür kommt Ihr ins Training), sondern mehr die persönliche Vorbereitung und die des Materials.
Die Wochen vor dem Wettkampf
Sinnvoll ist es, in der direkten Vorbereitungszeit auf den Wettkampf zu der gleichen Tageszeit in Training zu gehen (sofern das möglich ist), damit Ihr Euch an diese Zeit gewöhnt. Es ist schon ein Unterschied, ob ein Wettkampf früh um 8:00h beginnt oder erst gegen Nachmittag.
Testet während dieser Trainingseinheiten auch, was Ihr während des Wettkampfs an Essen vertragt und was nicht.
Am Tag zuvor
Überprüft am Abend vor dem Wettkampf nochmals Eure Ausrüstung. Schaut nach, ob Ihr alles zusammengepackt habt (was in die Ausrüstung gehört und Ihr auch dabeihaben solltet, findet Ihr in den Trainer-Tipps vom Dezember 2023).
Prüft ob Eure Pfeile beschriftet und vollständig befiedert sind, schaut nach Sehne und Ersatzsehne und überprüft, ob alle Schrauben fest angezogen sind. Bei Meisterschaften müsst Ihr Schützenausweis, Personalausweis und Startkarte dabeihaben.
Schaut nach der Wettervorhersage und richtet Euch auf das entsprechende Wetter ein. Packt ggf. Regensachen ein, wenn es sein kann, dass es während des Wettkampfs regnen könnte. Nehmt eher zu viel Kleidung mit als zu wenig, was Ihr nicht braucht, könnt Ihr dann im Auto lassen.
Klärt frühzeitig, wie Ihr zum Wettkampf kommt. Bildet, wenn möglich, Fahrgemeinschaften und fahrt gemeinsam zu den Wettkämpfen. Kalkuliert lieber zu viel als zu wenig Zeit für die Anfahrt ein (Denkt an Staus und Straßensperrungen...). Schaut in der Ausschreibung, wo der Wettkampf genau ist und schaut, ob eine Kontaktadresse angegeben ist, bei der Ihr Euch melden könnt, wenn Ihr z.B. im Stau steht.
Tankt das Auto (sofern vorhanden) auf, nicht überall könnt Ihr früh am Morgen noch tanken und packt euch eine leichte Wegzehrung ein.
Am Abend zuvor
Stellt Euch den Wecker, damit Ihr nicht verschlaft und geht nicht zu spät ins Bett, damit Ihr am nächsten Tag ausgeschlafen seid. Allerdings wäre es nun auch verkehrt, seinen gewohnten Ablauf vollkommen zu ändern, nur weil morgen ein Wettkampf ist.
Am Wettkampftag
Fahrt frühzeitig los und plant eventuelle Verzögerungen (Stau, schlechtes Wetter...) ein. Gewöhnt euch an, mindestens eine Stunde (besser noch 1,5h) vor Wettkampfbeginn am Wettkampfort zu sein. Unter Umständen dauert es etwas, bis Ihr den Schießplatz und dort einen Parkplatz gefunden habt und außerdem braucht Ihr Zeit, Euer Material aufzubauen und Euch über die dortigen Verhältnisse zu Informieren.
Es gibt nichts Schlimmeres am Wettkampftag, als abgehetzt und aufgeregt am Wettkampf zu erscheinen und unter Zeitdruck die restliche Vorbereitung (Anmeldung, Bogenaufbauen, Aufwärmen...) absolvieren zu müssen.
Wenn Ihr am Wettkampfort angekommen seid, meldet Euch beim Veranstalter an, damit dieser einen Überblick über das Starterfeld hat. Bei der Anmeldung erhaltet Ihr Eure Startnummer und wisst somit, auf welcher Scheibe Ihr schießen werdet. Sucht Euch einen Platz und baut Euren Bogen in Ruhe auf, prüft nochmal alles auf Vollständigkeit und korrekte Einstellungen (ist das Visier auf die Wettkampf-Entfernung eingestellt?).
Informiert Euch nun in Ruhe, wo es etwas zum Essen und Trinken gibt und wo die Toiletten sind. Und, auch wenn Ihr es nicht mehr hören wollt: Wärmt Euch auf, es erleichtert Euch den Wettkampf und beugt Verletzungen vor.
Eine Bemerkung zu Ritualen
Die meisten von uns haben gewisse Rituale, die sie vor und während dem Wettkampf durchführen. Auch wenn es für Außenstehende manchmal etwas verwunderlich klingt, diese Rituale sollte man als Schütze pflegen und beibehalten. Diese Rituale oder Gewohnheiten (der Glücksbringer am Köcher, der immer gleiche Ablauf beim Aufbau des Bogens, dass immer gleiche Paar Schuhe...) geben uns Sicherheit, weil wir uns, wenn wir ihnen folgen, immer in einer bekannten Situation befinden, auch wenn wir auf einem unbekannten Platz schießen.
Versucht für Euch, einen immer gleichen Ablauf der Wettkampfvorbereitung zu entwickeln. Das hat, wie oben schon gesagt, den Vorteil, dass Ihr Euch immer in einer bekannten Abfolge von Vorgängen befindet, und es wird es Euch helfen, die notwendige Konzentration zum Wettkampf aufzubauen.
Turniervorbereitung
Quelle: Trainertipps April 2025
Und wieder habe ich es mir einfacher gemacht, indem ich einen guten Artikel übersetzt und kommentiert habe (bin halt doch ein fauler Mensch). Auch diesmal stammt der Artikel von der website www.bow-international.com, die ich Euch dringend ans Herz legen möchte.
Den Original-Artikel von Andrew Smith, in dem er besonders Anfängern eine Art Checkliste für das erste Turnier an die Hand gibt, findet Ihr unter http://www.bow-international.com/features/essential-guide-to-tournament-prep/, wenn es Euch interessiert. Ich habe mir die Freiheit genommen, den Artikel frei zu übersetzen und meine eigenen Anmerkungen dazu zuschreiben; wie üblich sind meine Kommentare, die ich zusätzlich zu der Übersetzung in diesen Tipps geschrieben habe, in kursiv gesetzt. Einen ähnlichen, wenn auch deutlich kürzeren Artikel habe ich schon im April 2024 geschrieben.
1. In den Wochen vor dem Wettkampf
Es ist eine offensichtliche Aussage, dass man, je mehr man trainiert, umso besser auf den Wettkampf vorbereitet ist. Ausreichendes Training macht einen fit und man steigert sein Selbstvertrauen. Aber man sollte nicht nur trainieren, um trainiert zu haben. Es ist wichtig sich daran zu erinnern, dass jede Trainingseinheit einen Sinn haben sollte und daher sollte man in jeder Einheit auch an einem bestimmten Element seines Ablaufs arbeiten und dabei jeden Pfeil konzentriert angehen.
In der direkten Vorbereitung ist es kein Fehler, zu der Tageszeit zu trainieren, zu der auch der Wettkampf stattfinden wird, da es schon ein Unterschied macht, ob man um 9:00h oder um 14:00h starten muss.
Viele Top-Schützen nehmen die Pfeilzahl pro Trainingseinheit vor wichtigen Wettkämpfen zurück, man darf aber nicht vergessen, dass diese Schützen täglich trainieren. Unsereins, der mit Mühe auf zwei bis drei Trainings pro Woche kommt, hat zwar selten das Risiko des Übertrainierens, sollte aber doch beherzigen: Am Tag vor dem Wettkampf ist trainingsfrei.
In Anbetracht der Tatsache, dass wir unsere Wettkämpfe bei jedem Wetter schießen, ist es eine gute Idee auch zum Training zu gehen, wenn es regnet, heiß oder windig ist. Dadurch lernt man die Gegebenheiten kennen, gewöhnt sich an die unterschiedlichen Bedingungen und ist somit auf alles vorbereitet, was am Wettkampftag passieren kann.
Was Ihr bei Regen oder großer Hitze beachten solltet, steht weiter unten.
Wenn die Wettervorhersage für den Wettkampftag schon Regen ankündigt, schießt Eurer Abschluss Training ruhig in den Regenklamotten.
Etwas, was oft vergessen wird: Je fitter Ihr seid, umso besser schießt Ihr. Wenn Ihr also die Möglichkeit habt, etwas zusätzlich für Eure Fitness zu tun (z.B. Joggen, Fahrradfahren, schwimmen), so solltet Ihr das auch tun.
1.1 Macht Euch Notizen
Wenn Ihr Euch bislang keine Notizen gemacht habt, wird es Zeit damit anzufangen. In diesen Notizen sollte man alles Wichtige aufschreiben. Das beinhaltet auch die Visiermarken und vor allem die Abweichungen davon, die man bei unterschiedlichem Wetter festgestellt hat. Dazu gehören auch die Bedingungen, die Ihr im Training hattet, was Ihr dabei getan und gefühlt habt.
Wenn Ihr gelegentlich höherklassige Wettkämpfe besucht, werdet Ihr sehen, dass die Top-Schützen teilweise nach jeder Passe zu ihren Aufzeichnungen greifen und Notizen machen.
1.2 Nehmt Eure Visier-Kennlinie früh auf
Die meisten Ringe verlieren Schützen aller Stufen bei der ersten Passe nach einem Entfernungswechsel. Das betrifft nur die Schützen, die Wettkämpfe schießen, die solche Entfernungswechsel beinhalten (z.B. Große FITA, 900er-Runde). Falls Ihr also auf solchen Wettkämpfen startet, dann solltet Ihr unbedingt die verschiedenen Entfernungen frühzeitig ausschießen, Euch die Visiermarken aufschreiben und in den Trainings immer wieder überprüfen. Dabei werdet Ihr lernen, dass diese Visiermarken vom Wetter und anderen Bedingungen beeinflusst werden und Ihr lernt, mit diesen Veränderungen umzugehen.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Marken dann beim Wettkampf wieder etwas unterschiedlich sind, aber durch die Erfahrungen beim Training könnt Ihr Euch darauf leichter einstellen.
1.3 Ausrüstung
Es ist wichtig, dass Eure Ausrüstung in Ordnung ist. Nehmt Euch Zeit, eventuelle Reparaturen vorzunehmen oder Ersatzteile zu beschaffen.
1.3.1 Pfeile
Draußen schießen wir sechs Pfeile pro Passe, daher sind acht gute Pfeile das absolute Minimum, um mit eventuellen Defekten und/oder Verlusten klarzukommen. Achtet darauf, dass Ihr Pfeile habt, die ordentlich gruppieren. Es gibt nichts Schlimmeres als den einen Pfeil von sechs, der immer aus der Gruppe fliegt. Denkt daran, dass Eure Pfeile mit Euren Initialen markiert sein müssen (auf dem Schaft, nicht auf den Federn, da diese wegfallen könnten). Es ist im Übrigen eine gute Idee, seine Pfeile zu nummerieren.
Es gibt verschiedene Methoden sich eine Anzahl gut gruppierender Pfeile auszuschießen. Ich mache es mir dabei relativ einfach und verzichte auf komplizierte Ausschießprozeduren mit statistischer Auswertung.
Meine Pfeile tragen alle eine Nummer und ich merke mir die Nummer des Pfeils, der außerhalb der Gruppe steckt und ich keinen Fehler beim Schuss erkennen konnte. Er wird in diesem Training aussortiert. Dieser Pfeil bekommt immer eine 2. Chance. Sollte er weiterhin außerhalb der Gruppe stecken, wird er eliminiert.
Beim nächsten Wettkampf verwende ich dann immer die Pfeile, die im Training am Besten funktioniert haben. Diese Methode erhebt nicht den Anspruch auf besondere Wissenschaftlichkeit, reicht aber für meine Belange vollkommen aus.
1.3.2 Ausrüstungs-Kennwerte
Stellt sicher, dass Ihr die Kennwerte eurer Ausrüstung, speziell des Bogens kennt. Ihr müsst die Zahlenwerte von Tiller, Standhöhe und Nockpunktüberhöhung kennen, damit Ihr jederzeit prüfen könnt, ob sich eventuell etwas verstellt hat. Die Werte schreibt Ihr euch am besten in Eure Notizen, wo auch die anderen Werte, wie Visiermarken stehen.
Vor dem Wettkampf solltet Ihr immer diese Werte nochmals prüfen, nachdem Ihr den Bogenaufgespannt habt (und am besten nochmals während/nach dem Einschießen). Achtet, während dem Schießen auf ungewöhnliche Geräusche, da man an diesen oftmals frühzeitig ein Lockern von Ausrüstungsteilen (Stabilisator lose, Visierschraube locker...) erkennen kann.
Ich habe mir angewöhnt, während dem Schießen regelmäßig zu prüfen, ob Button, Visier und Stabilisatoren noch fest sind. Ich habe wegen eines losen Buttons wahrscheinlich eine Landesmeisterschaft verloren.
1.3.3 Haltet Ersatzteile griffbereit
Es ist sehr wichtig, Ersatzteile griffbereit zu haben. Zumindest einen zweiten eingeschossenen Tab, eine zweite, ebenfalls eingeschossene Sehne und eine zweite Fingerschlinge muss man dabei haben. Wenn man sich keine zweite Pfeilauflage leisten möchte, eine der billigen Hoyt-Auflagen sollte man immer im Koffer haben (die sind nicht schlechter, Koreaner schießen mit sowas Weltrekorde).
Ob man einen zweiten Button dabeihaben soll, will ich nicht sagen, eine Ersatzfeder und ein Ersatzstift gehören in den Bogenkoffer. Ein Ersatzkorntunnel (das kann ein billiger sein) und ein Ersatzklicker schadet auch nicht. Es ist selbstverständlich, dass man alle notwendigen Werkzeuge für seinen Bogen dabei hat.
Was sonst noch alles in einen Bogenkoffer gehört und was man zu Wettkämpfen dabei haben sollte findet Ihr in den Trainer-Tipps vom Dezember 2023.
1.4 Wettkampfort
Man sollte sich frühzeitig darüber informieren, wo der Wettkampf genau stattfindet und wie man dort hinkommt. Schaut in der Ausschreibung, wo der Wettkampf genau ist und schaut nach, ob eine Kontaktadresse angegeben ist, bei der Ihr Euch melden könnt, wenn Ihr z.B. im Stau steht.
Vor Meisterschaften sollte man mindestens 1,5h früher anwesend sein (steht auch so auf den Startkarten), und eine gute Stunde vor dem Wettkampf ist immer eine gute Zeit, damit man sich mit den örtlichen Gegebenheiten (wo gibt’s was zu essen, wo sin die WC`s...) vertraut machen kann.
Denkt daran, Ihr braucht Zeit zur Anmeldung, dem Aufbauen des Bogens und dem Aufwärmen (das habt Ihr doch nicht etwa vergessen?).
Je früher Ihr dort seid, umso eher bekommt Ihr einen guten Platz, an dem Ihr Euer Zelt (sofern Ihr eines habt) aufbauen könnt und müsst nicht mit dem übriggebliebenen Platz vorlieb nehmen. Anstelle eines Zelts kann man auch einen großen Schirm (oder ein sog. Anglerzelt) verwenden.
Versuche möglichst früh herauszufinden, wie der Wettkampf ablaufen wird. Schießt Ihr drei oder sechs Pfeile pro Passe? Gibt es Tonsignale? Gibt es eine Ampel mit oder ohne Zeitanzeige? Diese Informationen stehen üblicherweise in der Ausschreibung, die man gründlich lesen sollte.
1.5 Wetter
Schaut nach dem Wetterbericht für den Wettkampftag und vergesst dann, was Ihr gehört / gelesen habt. Bereitet Euch stattdessen auf alle Möglichkeiten vor. Das bedeutet, dass Ihr sowohl die Regensachen (wasserdichte Jacke, Regenhose, eventuell Regenüberschuhe) als auch den Sonnenhut und Sonnencreme mitnehmt für den Fall, dass es nicht regnet und ein heißer Tag wird.
1.6 Ernährung
Top-Schützen haben gewöhnlich einen Ernährungsplan, der speziell auf ihre Bedürfnisse vor und während des Wettkampfs abgestimmt ist. Für unsereins empfehle ich, das zu essen, was man normalerweise essen würde und auf Experimente während eines Wettkampfs zu verzichten.
Es macht keinen Sinn, etwas Besonderes zu essen, um dann festzustellen, dass der Körper darauf negativ reagiert. Besonders am Wettkampftag sollte man seine übliche Routine beibehalten. Wenn man normalerweise zum Frühstück zwei Tassen Kaffee trinkt, dann sollte man das auch am Wettkampftag tun, da der Körper genau das erwartet.
Denkt daran, dass Ihr während des Wettkampfs etwas trinken solltet, besonders wenn es heiß ist. Esst nichts Schweres während dem Schießen oder in der Pause, hebt Euch Schnitzel oder Bratwurst lieber für nach dem Wettkampf auf.
2. Am Tag zuvor
Macht Euch eine Liste der Dinge, die Ihr mitnehmen müsst (diese Liste kann z.B. in Euren Unterlagen stehen). Packt alles zusammen und überprüft lieber zweimal, ob Ihr alles dabeihabt. Ich kenne Schützen, die haben ihre Pfeile vergessen, ich kenne Schützen, die ohne Visier auf dem Wettkampf standen. Sagt nicht, das kann Euch nicht passieren; morgens in der Hektik bei der Abfahrt bleibt auch manchmal ein ganzer Bogenkoffer zurück.
Bei Meisterschaften vergesst nicht Schützen- und Personalausweis, ohne die werdet Ihr nicht zum Start zugelassen. Die Startkarte dagegen druckt Euch der Veranstalter gern nochmal aus, lässt sich das aber mit 5,--€ teuer bezahlen.
Bleibt nicht lange auf, sondern versucht gut zu schlafen. Am Tag vor dem Wettkampf lange aufzubleiben oder eine Party zu feiern, gibt nur eine gute Entschuldigung dafür schlecht geschossen zu haben hilft aber für gute Ergebnisse nicht unbedingt.
3. Am Wettkampftag
3.1 Anreise
Steht rechtzeitig auf, frühstückt wie üblich, ladet Euer Auto (prüft nochmals, ob Ihr alles dabeihabt) und fahrt lieber zu früh als zu spät los. Rechnet immer mit Staus auf der Anreise und plant lieber eine Reserve ein.
3.2 Anmeldung und Aufbau
Wenn Ihr ankommt, meldet Euch frühzeitig an, holt Eure Startnummer, so es welche gibt und findet heraus, wo Euer Startplatz ist. Baut Euren Bogen auf und prüft nochmals, ob alles korrekt ist. In der Hektik wärt Ihr nicht die ersten, die Ihre Wurfarme falsch eingebaut, die Sehne verkehrt aufgezogen oder den Button vergessen haben. Prüft Standhöhe, Tiller, Nockpunktüberhöhung und die Visiereinstellung für die erste Wettkampfentfernung.
Sprecht Euch mit Euren Scheibenkameraden ab, schaut, ob Ihr mit den eventuell aufgestellten Spektiven zurechtkommt (im Zweifel redet mit dem Kampfrichter und lasst sie entfernen, wenn sie Euch stören). Wartet nun auf die Materialkontrolle, esst noch eine Kleinigkeit und freut Euch auf den Wettkampf.
3.3 Wettkampf
Wettkämpfe sind nicht die Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren, hebt Euch das für das Training auf. Schaut während des Schießens nicht nach den Ringzahlen der anderen Wettkämpfer, es gibt nichts, was Ihr daran ändern könntet. Wer mit den Ergebnissen Probleme hat, sollte auch in der Pause nicht nach den Zwischenergebnissen sehen. Steht ihr schlecht, dann besteht die Gefahr, dass ihr euch „runterzieht“, steht ihr gut, werdet ihr eventuell übermütig.
Kümmert Euch nur um Euch, versucht Euch so gut es geht, zu entspannen und normal zu schießen. Versucht nicht etwas anders (etwas Besonderes) zu machen, nur weil es jetzt ein Wettkampf ist, das wäre der erste Schritt zu schlechten Ergebnissen.
Wir haben uns über unser Training darauf konditioniert, gute Pfeile im Gold zu bemerken. Und wenn Ihr auf die Scheiben der anderen Schützen schaut, werdet Ihr genau diesen Pfeil eines Konkurrenten bemerken. Das könnte gerade der beste Pfeil seiner Passe gewesen sein, aber wenn Ihr darüber nachdenkt, könntet Ihr davon überzeugt sein, dass derjenige besser schießt als Ihr und in negative Gedanken verfallen (obwohl das Ergebnis am Ende eventuell gerade das Gegenteil zeigt).
Vermeidet negative Gedanken oder „was wäre, wenn“-Überlegungen. Die meisten von uns nehmen Wettkämpfe zu ernst. Denkt immer daran, wir machen das zum Spaß und zur Entspannung. Das gilt nicht für den Fall, dass Ihr gerade im Weltcup-Finale schießt, da geht es wirklich um etwas, aber nur die wenigsten von uns werden eine solche Gelegenheit bekommen. Und selbst in einem solchen Fall hilft es nichts, wenn der Schütze dann verkrampft und etwas anders macht als im Training.
Wettkämpfe sind nichts Schlimmes, sie sind ein Gradmesser dafür, wie gut wir schießen und wir können damit unsere Fortschritte überprüfen. Ungewohnte Umgebungen und die allgemeine Wettkampf-Atmosphäre bringen uns aus unserer „Komfort-Zone“ und es ist möglich, dass unsere Ergebnisse schlechter sind als im Training oder als wir erwartet haben.
Ihr könnt nichts mehr an den Pfeilen, die Ihr schon geschossen habt, ändern, aber mit einer positiven Einstellung könnt Ihr noch immer die Pfeile beeinflussen, die Ihr noch schießen dürft. Eine negative Einstellung und entsprechendes Verhalten beeinflusst auch die Schützen um Euch herum, was wahrscheinlich ein Grund ist, warum gute Schützen immer versuchen werden, sich von Schützen mit negativen Einstellungen fernzuhalten.
Bleibt positiv, auch wenn Ihr denkt, dass Ihr nicht gut schießt. Alle andern sitzen im gleichen Boot und am Ende des Tages schießt Ihr Euch vielleicht doch noch auf eine gute Platzierung.
Ich weiß, „Bleib positiv“ ist einfach gesagt, aber es schwierig getan. Ich habe von einer Psychologin in einem anderen Zusammenhang einmal einen Rat bekommen, wie man eine negative Gedankenspirale unterbrechen kann. Sie gab mir den Tipp, mir eine, von mir sehr positiv empfundene Erinnerung bildlich vorzustellen. Dieses Bild soll ich mir ins Gedächtnis rufen, wenn ich negative Empfindungen erfahre. Das kann z.B. Ärger in der Firma sein oder aber schlechte Pfeile während eines Wettkampfs. Es klappt nicht immer, aber dieser Tipp hat mir in schwierigen Situationen schon geholfen.
Nach dem Wettkampf, nachdem Ihr Euren Schießzettel überprüft und unterschrieben habt, bedankt Euch bei Euren Scheibenkameraden, Ihr seht Euch mit Sicherheit immer wieder auf Wettkämpfen.
Eine Bemerkung zu den Schießzetteln: Ihr seid allein verantwortlich für die Richtigkeit der Schießzettel und der darauf vermerkten Ergebnisse. Die Auswerter/Veranstalter rechnen nicht nach und nehmen die unterschriebenen Ergebnisse als richtig an. Wenn Ihr später einen Fehler zu Euren Ungunsten entdeckt, wird dieser nicht mehr berücksichtigt. Schreibt deutlich und schreibt im Zweifel, falls der Schreiber eine unsaubere Handschrift hat, die Ergebnisse noch einmal extrem sauber auf den Zettel.
3.4 Nach dem Wettkampf
Nehmt Euch dann ein paar Minuten Zeit, den Wettkampf Revue passieren zu lassen und schreibt Euch die Erfahrungen des Tages auf, bevor Ihr sie vergesst. Diese Erfahrungen können Euch helfen, Euch beim nächsten Mal zu verbessern, also schreibt sowohl die Punkte auf, bei denen Ihr Verbesserungspotential seht, als auch die Punkte, die Ihr gut gemacht habt, weil Ihr die im Rahmen der folgenden Trainings festigen solltet.
Ich wünsche euch auf jeden Fall viele positive Erfahrungen und viel Spaß bei euren nächsten Wettkämpfen und Turnieren.
Psychospiele
Quelle: Trainertipps März 2025
Ich habe mir die Arbeit wieder etwas einfacher gemacht und wieder einen Artikel einer amerikanischen Bogensport-Web-Seite als Basis genommen, ihn übersetzt und mit eigenen Anmerkungen versehen. Wer am Original interessiert ist, findet es unter dem folgenden Link http://www.bow-international.com/features/how-to-combat-competitive-mind-games/
Von gutgemeinten, aber zum falschen Zeitpunkt gegebenen Tipps und Hinweisen bis zu richtigen „Psycho-Spielchen“ der Konkurrenz gibt es eine Reihe von Dingen, die einen Schützen in seiner Konzentration stören kann. Der folgende Artikel, der auf den Erfahrungen von Danielle Brown, einer englischen Para-Schützin, basiert, soll eine Hilfe geben, mit diesen Dingen umzugehen. Wie üblich sind meine Kommentare, die ich zusätzlich zu der Übersetzung in diesen Tipps geschrieben habe in kursiv gesetzt.
1. Wie geht man mit „Psycho-Spielen“ um?
Schießen im Wettkampf erfordert Konzentration, aber diese über die gesamte Wettkampfdauer aufrecht zu halten ist ein schwieriges Unterfangen und es können schon Kommentare oder Bemerkungen von anderen Schützen diese Konzentration nachhaltig stören.
Andere Wettkämpfer mit psychologischen Mitteln (Danielle nennt dies „mind games“) zu beeinflussen, wird oft als ein Teil des Wettkampfs betrachtet. Kommentare und clevere Manipulationen können die Fähigkeiten eines Schützen beeinflussen, wenn er dafür empfänglich ist und sich sein mentaler Zustand dadurch verändert.
Psycho-Spiele können ein richtiges Problem werden. Manche dieser „Spielchen“ werden aus Spaß gespielt, andere dagegen in vollem Ernst. Es ist aber vollkommen egal, welche Motivation hinter diesen Spielen steckt, wenn es die Fokussierung auf den Wettkampf stört, den Druck verstärkt und die Erwartungen erhöht, dann braucht ein Schütze wirksame Strategien, sich mit solchen „Spielchen“ auseinander zu setzen.
Danielles Ansicht zu dieser Art von „Spielchen“ ist, dass es eigentlich gar nicht wert ist, sich damit zu beschäftigen. Zum ersten meint sie, dass sie lieber ein Turnier gewinnt, weil sie an diesem Tag die beste der Teilnehmer ist. Ein Sieg, der durch die mentale Beeinflussung anderer Schützen erzielt wurde, ist für sie nicht viel wert. Zum anderen ist sie der Meinung, dass wenn man sich darauf konzentriert einen Konkurrenten zu beeinflussen, konzentriert man sich nicht auf das, was man eigentlich tun sollte. Im Wettkampf sollte man sich auf sein eigenes Schießen konzentrieren, wenn unser Kopf wo anders ist, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass wir schlechter schießen.
Sie weist darauf hin, dass die Mehrzahl aller Schützen freundliche und nette Personen sind, die hauptsächlich Spaß am Schießen haben wollen und beschreibt, wie ihr in einem Wettkampf ein Teil ihrer Ausrüstung kaputt ging und andere Schützen ihr bei der Reparatur halfen und sie dann noch das Turnier gewinnen konnte. Traurigerweise gibt es aber wie in jeder Sportart auch beim Bogenschießen ein paar Individuen, die das Ganze zu ernst nehmen und dabei bösartig werden können. Sie würden alles tun, um zu gewinnen und es ist ihnen egal, wem sie dabei weh tun.
1.1 Strategien gegen Ablenkung
Top-Schützen haben verschiedene Methoden entwickelt, um nach Ablenkungen ihre Konzentration wieder auf den Wettkampf zu lenken. Im Folgenden sind drei Strategien beschrieben, mit denen man auf Psycho-Spielchen reagieren kann.
1.1.1 Akzeptiere, das es vorkommt
Viele Schützen erklären, dass sie besser geschossen hätten, wenn sie nicht von anderen absichtlich aus der Konzentration gebracht worden wären. Sport ist nicht immer fair und damit muss man sich leider abfinden.
Der Trick ist, sich klarzumachen, dass Psycho-Spielchen nur wirken, wenn man es zulässt. Der erste Schritt damit klarzukommen ist zu akzeptieren, dass diese Spielchen Teil des Sports sind. Es ist nichts Persönliches, es ist nur ein Mittel zum Zweck. Die Leute, die solche Spielchen anwenden, wollen gewinnen und sie kennen keine anderen Wege, dieses Ziel zu erreichen. Die Akzeptanz dieser Tatsache macht einen Schützen stärker, da sie den entstehenden Frust und die Bitterkeit reduziert und es ihm erlaubt, sich auf seinen eigenen Schuss zu konzentrieren.
1.1.2 Unterstützung von außen
Druck abzulassen ist ein guter Weg, mit diesem Problem umzugehen. Wenn man seine Probleme in sich hineinfrisst, wird man irgendwann explodieren, wie eine Flasche Sprudel, die man zu sehr geschüttelt hat.
Man sollte sich eine Person suchen, der man vertraut, die ein offenes Ohr hat und der es nichts ausmacht, wenn man in ihrer Gegenwart Druck ablässt. Ein guter Freund wird einen, wenn nötig, unterstützen und bestätigen, wird einem aber auch sagen, wenn man auf einem falschen Weg ist. Gelegentlich ist eine andere Sichtweise notwendig, um die Realität zu erkennen.
Die besten Unterstützer sind nicht die, die sich zu jeder Zeit mit dem Schützen identifizieren und immer seiner Meinung sind, sondern die, die wenn nötig auch „Teufels Advocat“ sein können
1.1.3 Nimm es als Kompliment
Niemand wird mit einem Schützen Psycho-Spielchen spielen, wenn nicht die Möglichkeit besteht, dass dieser Schütze den Wettkampf gewinnen kann. Diese Psycho-Spieler denken, dass sie nicht mit eigenen Mitteln gewinnen können und so setzen sie alles daran, dass die anderen Schützen schlechter schießen, als es ihnen möglich ist.
Diese Tatsache ist für die eigene Wahrnehmung sehr wichtig, da dadurch eine eigentlich negative Situation sich das Ganze in eine positive verändert kann. Wenn andere Schützen beginnen Psycho-Spielchen zu spielen, dann erkennen sie den Schützen als wertigen Gegner an, den sie auf andere Weise nicht schlagen können und das sollte das eigene Selbstvertrauen eigentlich stärken.
Man kann nicht kontrollieren, was andere sagen oder tun, man kann aber kontrollieren, wie man auf solche Vorgänge reagiert. Man kann sich dazu entscheiden, diese Vorgänge an sich heranzulassen und damit seine eigene Leistung schwächen oder man kann sich dazu entscheiden, diese Vorgänge zu ignorieren und sich auf sich selbst zu fokussieren. Man muss immer daran denken, dass die Kommentare und Bemerkungen der Psycho-Spieler immer eine Reflexion der anderen sind und diese niemals auf sich beziehen.
2. Unbeabsichtigte Beeinflussung
Gelegentliche schlechte Ergebnisse sind Teil jedes Sports, die dauernde Fokussierung auf Ergebnisse kann zu einer Negativ-Spirale führen. Je mehr man während des Wettkampfs über die Ringzahlen nachdenkt, umso eher kommt man ins Grübeln und besonders bei schlechten Ergebnissen wird fast immer auch die Stimmung schlechter, man „zieht sich selbst runter“ und die Ergebnisse werden noch schlechter. Daher sollte man während eines Wettkampfs alles vermeiden, was einen dazu bringt über die Ergebnisse nachzudenken. Besser man sieht sich während eines Wettkampfs die Ergebnislisten nicht an.
In gewisser Weise ist es leichter, mit absichtlichen Beeinflussungsversuchen (echten Psycho-Spielchen) klarzukommen als mit gedankenlosen Kommentaren von Leuten, die es eigentlich gut meinen. Damit sind Leute gemeint, die einem Schützen eigentlich helfen wollen, aber reden, bevor sie nachgedacht haben und dann in einer Situation das Falsche sagen.
Ein Wettkampf zielt immer auf Ergebnisse und so beziehen sich Gespräche oftmals auf eben diese Ergebnisse, oder aber lenken die Aufmerksamkeit eines Schützen auf die Ergebnisse. Ein Einfaches „Wie läuft’s bei Dir?“ hören die meisten Schützen während eines Turniers. Das ist eine unschuldige Frage, aber sie lenkt die Aufmerksamkeit des Schützen auf die erzielten und/oder gewünschten Ergebnisse. Als Antwort kann man in einem solchen Fall z.B. sagen: „Ich habe heute Spaß“ oder „ganz gut“ und man sollte versuchen, dann auch gleich das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Auch Bemerkungen wie „Heute läuft‘s aber gut bei Dir“ oder „Klappt heute nicht so toll“ beziehen sich auf die Ergebnisse und können dazu führen, dass ein Schütze ins Grübeln kommt. Man sollte versuchen, sich von solchen Gesprächen möglichst zu lösen.
3. Negative Personen
Es gibt noch eine weitere Art von Personen (seien es Wettkämpfer oder Begleiter), die den mentalen Status eines Schützen negativ beeinflussen können. Danielle nennt diese Personen „Vampire“. Dies sind Leute, die man besser nie danach fragt wie es ihnen geht, weil man in einem solchen Fall für lange Zeit festhängt und sich (meist in tiefsten Details) anhören muss, was ihnen seit dem letzten Aufeinandertreffen widerfahren ist. Diese Art von Personen ist dann in ihrem Element, wenn sie sich über irgendetwas beklagen kann und ihre dauernde negative Einstellung kann ihren Zuhörern jegliche Energie rauben. Dies kann sehr belastend sein und traurigerweise ist der beste Weg mit so einer Situation umzugehen, sich umgehend daraus zu entfernen.
Wenn man sich in einem Wettkampf befindet und gut schießen möchte, soll man sich mit Leuten umgeben, die einem helfen eine positive Stimmung aufzubauen und man sollte Leute meiden, die einem Erfolg abträglich sind. Grundsätzlich sollte man sich von Leuten fernhalten, die immer und überall meckern und negative Stimmung verbreiten. Ebenso lästig können aber auch Personen sein, die einfach nicht aufhören zu reden und einen dadurch in der Konzentration stören.
Es gibt Mittel und Wege sich von solchen Leuten zu entfernen, ohne dabei gleich unhöflich zu sein. Ein schneller Weg zur Toilette oder ein „Ich muss mal kurz zum Kampfrichter“ können ganz gut wirken. Im Notfall kann man aber auch deutlich sagen, dass man jetzt gerne allein wäre.
Das Tragen von Kopfhörern (auch wenn man tatsächlich keine Musik hört) ist auch ein höflicher Hinweis darauf, dass man jetzt nicht in der Stimmung ist zu reden.
Wetter: Regen
Quelle: Trainertipps März 2024
Zum Glück kommt es in unserer Gegend nicht so häufig vor, dass ein Turnier oder eine Meisterschaft bei Regen stattfindet. Ich hatte in den 17 Jahren, in denen ich jetzt schieße, bislang nur 5 Wettkämpfe, die komplett verregnet waren.
Dennoch ist es lohnend, sich darüber Gedanken zu machen, was sich bei Regen ändert und wie man als Schütze darauf reagieren sollte.
Haltet Euch trocken
Das hört sich jetzt einfach an, ist aber tatsächlich nicht ganz einfach.
Wenn es stärker regnet, solltet Ihr eine enganliegende Regenjacke tragen. Meistens ist es bei Regen auch etwas kälter und der nasse Körper kühlt schnell aus. Achtet bei der Jacke darauf, dass sie wirklich eng anliegt, damit sie nicht mit der Sehne in Konflikt kommt. Falls Ihr normalerweise ohne Steif-schutz schießt, solltet Ihr überlegen, ob Ihr das bei Regen ändert.
Besonderes Augenmerk müsst Ihr auf den Bogenarm legen. Dort dürfen auf keinen Fall störende Falten entstehen. Falls notwendig, kann mit einigen Streifen Klebeband (solltet Ihr in der Wettkampftasche haben) der Ärmel eng gewickelt werden. Alternativ mit einem Überziehärmel (auch bei Kälte sinnvoll), den es von verschiedenen Herstellern gibt.
Bei Regen solltet Ihr, besonders wenn Ihr Brillenträger seid, eine Mütze tragen. Schildmützen sind dabei weniger geeignet, da im Vollauszug der Schirm mit der Sehne in Kontakt kommen kann. Besser sind da die Anglerhüte, die es für kleines Geld zu kaufen gibt. Diese kann man mit den weichen Rändern tief ins Gesicht ziehen, ohne daß sie die Sehne stören.
Bei starkem Regen ist eine Regenhose nützlich, auch Regenschuhe sind dann kein Luxus. Ersatzweise kann man zwei größere Plastiktüten über die Schuhe ziehen und mit Klebeband zubinden. Sieht doof aus, macht aber trockene Füße.
Wann immer möglich, stellt Euch unter, damit Ihr nur so viel Regen abbekommt wir unbedingt nötig. Zum Gang an die Scheibe und zum trockenhalten der Schießzettel kann ein Schirm gute Dienste leisten. Ihr solltet in Eurer Ausrüstung immer einen weichen Bleistift haben, da dieser auch auf feuchten Schießzetteln noch gut schreibt, während ein Kugelschreiber oft nicht mehr verwendet werden kann.
Für die Zeit nach dem Wettkampf solltet Ihr trockene Kleidung zum Wechseln dabeihaben, damit Ihr nicht durchnässt und frierend heimfahren müsst.
Haltet die Ausrüstung trocken
Versucht Euren Bogen trockenzuhalten, in dem Ihr ihn, wenn möglich in den Schießpausen unterstellt. Auch ein größerer Schirm kann dabei helfen, achtet aber darauf, dass Ihr Eure Mitschützen nicht behindert.
Direkt vor dem Schießen solltet Ihr die Sehne durch leichtes „Zupfen“ von eventuell anhaftendem Wasser befreien. Wenn die Sehne Nass ist, ist sie schwerer und wird dadurch langsamer. Eure Pfeile stecken dann tiefer. Bogenhand und Bogengriff könnt Ihr mit einem Handtuch direkt vor dem Schießen trocknen, Ihr werdet aber dennoch immer einen leichten Wasserfilm zwischen Hand und Griff haben, und das Griffgefühl wird anders sein, als Ihr es gewohnt seid.
Euer Tab solltet Ihr unbedingt trocken halten, damit sich das Verhalten auf der Sehne nicht ändert. Steckt es daher in jeder Pause in eine Tasche, um es vor Nässe zu schützen. Ledertabs kann man von Zeit zu Zeit mit Lederfett leicht einreiben, das erhöht die wasserabweisende Wirkung, die Betonung liegt dabei auf leicht.
Haltet den Körper warm
Im Frühjahr und im Herbst kann es morgens noch empfindlich kalt sein. Nutzt eine Trainingsjacke um den Körper in den Schießpausen warm zu halten, zieht ggf. unter das Wettkampf T-Shirt noch ein weiteres T-Shirt mit langen Ärmeln an.
Ich gehe in der Zwischenzeit davon aus, dass Ihr Euch vor einem Wettkampf aufwärmt, besonders bei Kälte ist das eine zwingende Voraussetzung für ordentliches Schießen.
Gegen kalte Hände und Finger helfen die kleinen Handwärmer, die man für wenig Geld kaufen kann (bekommt man öfters auch als Werbegeschenk). Dies sind kleine Plastik-Beutel, die mit einer speziellen Flüssigkeit gefüllt sind. Diese kann man durch Knicken der kleinen, in der Flüssigkeit liegenden, Metallteile (aber auch durch kräftiges „auf-den-Tisch-schlagen“) aktivieren. Die Flüssigkeit kristallisiert dann und gibt dabei Wärme ab.
Nach Gebrauch werden die Beutel für 10 Minuten in kochendem Wasser (dabei verflüssigen die Kristalle wieder) wieder gebrauchsfertig gemacht.
Warme Getränke (muss nicht Kaffee sein) helfen Euch auch, den Körper warm zu halten.
Gewöhnt Euch an die Bedingungen
Es kann im Wettkampf regnen und es kann kalt werden. Da wir das Wissen, sollten wir auch alle Möglichkeiten nutzen, uns an die geänderten Bedingungen zu gewöhnen. Das bedeutet, dass Ihr auch dann zum Training gehen solltet, wenn es regnet und kalt ist.
Ihr lernt dabei, Euren Körper kennen und lernt wie Ihr auf Regen und Kälte reagiert. Wichtig ist dabei, dass Ihr mit der Regenausrüstung schießt (Jacke, zweites T-Shirt...) um Euch an das geänderte Gefühl zu gewöhnen. Ihr lernt dabei auch, mit dem geänderten Griffgefühl umzugehen.
Wichtig ist, dass Ihr lernt, wie Ihr das Visier verstellen müsst, um den Einfluss der nassen und damit langsameren Sehne und dem Einfluss des Regens auf die Pfeile auszugleichen. Grundsätzlich werden die Pfeile tiefer liegen, Ihr müsst also auch das Visier tiefer stellen. Wenn es im Wettkampf plötzlich anfängt stark zu regnen und Ihr die Chance habt die Mitschützen zu beobachten, nutzt diese Möglichkeit, um Hinweise zu bekommen, wie stark Ihr verstellen müsst.
Keine Ausrede
Versucht den Regen zu ignorieren und denkt nicht dauernd daran, weil Ihr sonst den Fokus auf den Wettkampf verliert. Regen ist, wie alle anderen Umwelteinflüsse, nur etwas, mit dem alle Schützen an der Linie klarkommen müssen und in letzter Konsequenz ist es nur Wasser (und Ihr seid nicht aus Zucker).
Wetter: Hitze
Quelle: Trainertipps Mai 2024
Bei sehr heißem Wetter zu schießen kann schwierig werden, wenn man nicht darauf vorbereitet ist. In den letzten Jahren herrschten immer wieder Temperaturen oberhalb von 36°C, manchmal zusammen mit einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 70%.
Das Folgende ist eine Sammlung von Tipps, die ich aus einem englischen Artikel zusammengestellt habe. Das Original findet Ihr hier: https://worldarchery.org/news/142024/7-top-tips-shooting-hot-weather
Der Autor hat einige der Welt-Cup-Schützen nach Ihren Tipps gefragt, hier sind die Antworten.
Viel trinken
Achtet darauf, dass Ihr während des Wettkampfs immer genügend trinkt. Wenn Ihr Durst bekommt, habt ihr schon zu lange gewartet. Eine gute Idee ist es, nicht nur einfaches Wasser zu trinken, sondern auch noch die Mineralien, die Ihr beim Schwitzen verliert, wieder auszugleichen.
Dazu bieten sich Fruchtsaftschorle aus 1/3 Saft und 2/3 Mineralwasser an.
Bleibt im Schatten
Solange Ihr nicht an der Schießlinie steht, gibt es keinen Grund, Euch der Sonne auszusetzen. Sucht Euch einen schattigen Platz und wartet dort auf Euren Einsatz.
Wenn Ihr dann Pfeile holen geht, setzt Euch eine Mütze auf. Auch ein Sonnenschirm kann helfen.
Außerdem solltet Ihr Euch immer mit Sonnenschutzcreme eincremen, Sonnenbrand muss nicht sein.
Kühlt den Körper
Die niederländische Nationalmannschaft benutzt spezielle Kühlwesten, die dabei helfen, den Körper bei extremen Temperaturen kühlzuhalten. Diese Westen sind mit einem Gewebe ausgestattet, welches eine Mischung aus Kristallen und Gel enthält. Diese Westen werden in Wasser getaucht und dieses Wasser verdunstet dann in der Sonne.
Oft genügt aber schon ein feuchtes Handtuch oder eine Schirmmütze, die man in einen Eimer Wasser taucht.
Gewöhnt Euch an die Temperaturen
Im Sommer kann es warm werden. Da wir das Wissen, sollten wir auch alle Möglichkeiten nutzen, uns an die höheren Temperaturen zu gewöhnen. Das bedeutet, dass Ihr auch dann zum Training gehen solltet, wenn es heiß ist. Wenn es wahrscheinlich ist, dass die nächsten Wettkämpfe warm werden, nutzt die Zeit davor, auch bei warmem Wetter zu schießen.
Ihr lernt dabei, Euren Körper kennen, lernt wie Ihr auf die Hitze reagiert und Ihr könnt experimentieren, um herauszufinden, was Euch hilft.
Passt auf eure Ausrüstung auf
Auch wenn heute die modernen Bögen nicht mehr besonders von Temperaturwechseln beeinflusst werden, sollten die Bögen dennoch vor extremer Sonneneinstrahlung geschützt werden, wenn möglich.
Bringt Euren Bogen während der Schießpausen auch in den Schatten oder deckt ihn mit einem Handtuch ab. Die Standhöhe sollte bei extremer Hitze öfters geprüft und ggf. nachgestellt werden.
Gelegentlich kann es passieren, dass sich durch die Hitze das Zuggewicht des Bogens leicht verändert. Dadurch können sich Eure Visiereinstellungen ändern. Dagegen könnt Ihr nichts tun, durch Training bei Hitze seid Ihr aber darauf vorbereitet.
Euer Körper reagiert
Der menschliche Körper reagiert auf Hitze. Wenn es heiß wird, werdet Ihr schwitzen und mit verschwitzen Händen bekommt Ihr unter Umständen Probleme mit dem Griff. Vielleicht reicht es schon, dass Ihr Eure Hände häufiger wascht, aber die meisten von uns brauchen zusätzliche Maßnahmen.
Mir hilft es, meine Hände mit Babypuder einzureiben, um einen sicheren Griff zu behalten, bei anderen ist es Magnesia (nutzen Turner, bekommt man in der Apotheke). Für ganz harte Fälle gibt es auch Antitranspirant-Spray aus der Apotheke.
Auch spezielle Bogengriffe, oder Griffbänder z.B. für Tennisschläger können helfen.
Ihr könnt aber auch hergehen und immer mit rutschiger Hand schießen, z.B. durch Eincremen der Hände vor Training und Wettkampf, dann ist rutschen durch Schwitzen kein Problem mehr.
Und zum Schluss:
Keine Ausrede
Versucht die Hitze zu ignorieren und denkt nicht dauernd daran, weil Ihr sonst den Fokus auf den Wettkampf verliert. Hitze ist, wie alle anderen Umwelteinflüsse nur etwas, mit dem alle Schützen an der Linie klarkommen müssen. Wer sich davon weniger beeinflussen lässt, hat vielleicht am Ende einen Vorteil.
