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Wer mich noch nicht kennt: Mein Name ist Andreas Tornow, ich bin Trainer C-Breitensport Bogen und Trainer der Ligamannschaften in Heidelberg. Außerdem Ligaleiter Bogen beim BSV und selbst Bogensportler mit dem Recurvebogen. Ich möchte Euch hier Tipps und Informationen rund um den Bogensport geben, die Euch helfen sollen, Dinge zu verstehen, auszuprobieren, oder einfach mal gehört (gelesen) zu haben. Ich hoffe, ich finde viele Interessierte an den Artikeln und viele eifrige Ausprobierer.

Meiner "Trainer-Tipps" erscheinen regelmäßig in unserer Vereinszeitschrift "Blattgold". Hier werden sie zusätzlich in leicht überarbeiteter Form eingestellt. Ausgehend von einer ausführlicheren Darstellung des Positionsphasenmodells mit speziellen Hinweisen zum Lösen und zum Klicker ("Grundlagen") gibt es Anfängertipps, Informationen zu Pfeilen und Bogen ("Ausrüstung"), Hinweise für Wettkämpfe, einige Gedanken zur Psychologie des Bogensports und Empfehlungen zum Aufwärmen bzw. Krafttraining. 


Positionsphasenmodell

Das sog. Positionsphasen-Modell wurde vom derzeitigen Bundestrainer entwickelt und soll von Trainern aller Stufen zur Ausbildung der Schützen verwendet werden. Diese Ausgaben der Trainertipps basieren auf den Ausbildungsunterlagen des Trainerlehr­gangs (Breitensport C).

Es handelt sich dabei um ein trainingsmethodisches Konzept für das Erlernen und Vermitteln der Schießtechnik. Das „Positionsphasenmodell“ beinhaltet Technikvarianten, die den Sportler in biome­chanisch optimierte Kraftlinien führen und die Bewegungskonstanz fördern.

 

Überblick

Die folgende Abbildung 1 zeigt die Abfolge der Positionsphasen am Beispiel von Lisa Unruh, eine der besten Bogenschützen Deutschlands.

Abbildung 1: 

Die Nullstellung und die Positionsphasen 1 bis 4 sind vorübergehende (temporäre) statische Elemen­te des kompletten Bewegungsablaufs:

  1. Nullstellung
  2. Vorspannungsposition (PP 1)
  3. Anhebeposition (PP 2)
  4. Halteposition (PP 3)
  5. Nachhalteposition (PP 4)

Zwischen diesen statischen Elementen liegen die dynamischen Bewegungsphasen 1 bis 4. Diese Be­wegungsphasen enthalten eine Folge von Techniken, die den Schützen in die jeweils nachfolgende Positionsphase führen.

Quelle der Darstellungen zum Positionsphasenmodell: Trainertipps Juni bis Oktober 2024

 

1. Nullstellung (PP0)

Die Nullstellung ist die Ausgangsstellung des kompletten Bewegungsablaufs, den wir bei jedem Schuss wiederholen. Mit dieser Nullstellung (ma­nche Trainer bezeichnen diese auch als Positionsphase 0) beginnt und endet der Schussablauf.

In der Nullstellung steht der Schütze entspannt auf der Schießlinie, die beiden Füße befinden sich jeweils links und rechts davon. Beide Füße stehen parallel und ungefähr schulterbreit (Eure Schul­tern, nicht die von Arnold Schwarzenegger) voneinander entfernt.

Es wird neuerdings empfohlen, den Stand offen zu gestalten, d.h. der Fuß vor der Schießlinie ist leicht nach hinten versetzt, laut dem Bundestrainer erhöht der offene Stand die Stabilität - bei korrekter Technikausführung (Abbildung 2). Beide Füße sind gleichmäßig belastet, dabei soll der Körper­schwerpunkt leicht nach vorn verlagert sein, das Gewicht also leicht auf den vorderen Fußballen liegen. Die genaue Angabe von 60% des Gewichts, die man gelegentlich in der Literatur findet, ist natürlich für Hobby-Schützen wie uns eher nicht sinnvoll, da wir sie nicht genau messen können. Bundeskaderschützen trainieren gelegentlich auf Kraftmessplatten und können dabei die Gewichtsverteilung genauer definieren. 

Abbildung 2: 

Nach dem Einnehmen des Standes wird dieser im Verlauf des Schusses nicht mehr verändert.

Der Pfeil wird aufgelegt und eingenockt und danach wird der Bogen mit dem unteren Wurfarm auf dem vorderen Fuß abgestützt (das schützt die u.a. Wurfarmspitze vor Verschmutzung). Die Bogen­hand hält den Bogen locker, die Bogenschlinge ist angelegt.

Beide Schultern sind tief, die Arme hängen locker. In der Nullstellung soll der Kopf noch nicht in Schussrichtung gedreht sein, sondern entspannt in Richtung der Schießlinie zeigen. Beim Übergang in die nächste Positionsphase wird der Kopf dann in Schussrichtung gedreht. Abbildung 2 zeigt Chri­stian Weiss von der SGi Welzheim in der Nullstellung, er hat schon den Kopf in Richtung zur Scheibe gedreht.

In dieser Phase entspannt sich der Schütze, beruhigt die Atmung, fixiert mit den Augen einen weit entfernten Punkt (Horizont, Hallenwand...) und baut so die Konzentration für die folgenden Phasen auf.

Man sollte für sich im Laufe der Zeit für diese Phase (und alle folgenden Phasen) eine Art Ritual ent­wickeln und diesen ritualisierten Ablauf dann immer gleich durchführen (Ausbildung von Automatismen). Dazu sollte man sich eine Abfolge von „Kontrollpunkten“ definieren, die man nacheinander „abarbeitet“.

Für das Einnehmen der Nullstellung könnte diese Folge von Kontrollpunkten beispielsweise folgen­dermaßen lauten:

  1. Bogen aufnehmen und an die Schießlinie gehen
  2. Füße schulterbreit und parallel stellen
  3. Bogenschlinge anlegen und festziehen
  4. Pfeil aus dem Köcher ziehen, auflegen, unter den Klicker legen und einnocken
  5. Bogen auf dem vorderen Fuß abstellen
  6. Beide Schultern und Arme entspannen, Halsmuskeln entspannen
  7. Ruhig atmen, Blick fixieren

Die oben genannte Abfolge ist jedoch nur ein Beispiel und jeder Schütze muss für sich selbst eine Abfolge definieren. Diese Folge sollte man (wie auch später die Abfolgen für die folgenden Positions­phasen) aufschreiben.

 

2. Positionsphase 1 (PP1, Vorspannungsposition) und der Übergang von der Grundstellung

2.1 Stand

Wir spannen die Rumpfmuskulatur (Bauch-, Rücken-, Becken- und Wirbelsäulenmuskulatur) an und kippen dabei das Becken nach hinten, um einem Hohlkreuz entgegenzuwirken. Beide Schultern blei­ben entspannt in der tiefen Ausgangslage, die wir in der PP0 erreicht haben:

Abbildung 3: 

Die angespannte Muskulatur im Körperkern, das gekippte Becken und die niedrige Position der Schultern müssen wir nun bis zum Ende des Schusses (PP4) beibehalten.

Die Körperspannung sorgt für eine hohe Stabilität während des Schusses. Ganz wichtig ist, eine Hohlkreuzbildung zu vermeiden, da Ihr in diesem Fall sehr instabil in der Körpermitte werdet. Versucht aber unbedingt eine übermäßige Anspannung der Beinmus­kulatur zu vermeiden, da dies schnell zu Verkrampfungen führen kann. Die Stellung der Füße und die Gewichtsverlagerung nach vorn (aus der PP0) wird nicht verändert.

2.2 Zugarm, Zughand und Zugfinger

Der Zugarm ist leicht abgewinkelt (siehe Abbildung 3) und der Oberarm bleibt nahe dem Brustkorb. Die Zughand steht senkrecht nach unten. Das Handgelenk ist gerade bis überstreckt und der Hand­rücken ist entspannt. Die Zugfinger liegen parallel. Der Daumen liegt im Handteller, der kleine Finger ist gewinkelt.

2.3 Positionierung der Sehne

Die Sehne liegt genau in der Beuge des ersten Fingergelenks des Zeige-, und Ringfingers, die Lage auf dem Ringfinger ergibt sich dann meist etwas hinter dem ersten Gelenk (siehe Abbildung 4). Die Nocke des Pfeils befindet sich zwischen Zeige- und Mit­telfinger.

Abbildung 4: 

Die Angabe zur Sehnenbela­stung (etwa 40% am Zeigefin­ger, 50% am Mittelfinger und 10% am Ringfinger) die man gelegentlich in der Literatur findet, ist nicht wortwörtlich zu befolgen (wie auch?) sondern soll nur ausdrücken, daß die Hauptlast auf Mittel- und Zeigefinger liegt und der Ringfinger nur unterstützend wirkt.

Wichtig ist, dass man tief in die Sehne greift, das bedeutet, dass die Sehne wirklich in den Gelenken und nicht auf den Fingerspitzen liegt (siehe Abbildung 5).

Abbildung 5: 

Man nennt diese Position auch einen „tiefen Haken“. Auch wenn es im ersten Moment unlogisch erscheint, diese Posi­tion lässt ein deutlich besseres (fließendes) Lösen zu, als wenn die Sehne auf den Fingerspitzen gehalten würde.

Diese erreichte Fingerposition wird bis zum Lösen der Sehne gehalten. Ganz wichtig ist, dass die Zugfinger die Sehne nur halten und nicht aktiv in den Zug einwirken.

2.4 Bogenarm, Bogenhand und Griff

Der Bogenarm ist gestreckt, aber nicht überstreckt. Er zeigt nach unten (~45°) und nach vorn. Diese Ausrichtung des Bogenarms bezeichnet der Bundestrainer als „Linie 1-2“ (siehe Abbildung 6).

Abbildung 6: 

Das Netz der Hand (der Hautlappen zwischen Daumen und Zeigefinger) liegt im tiefsten Punkt der Griffschale. Der Druckpunkt liegt (bei Rechtsschützen) rechts von der Lebenslinie im Bereich des Daumenballens. Der Anstellwinkel der Bogenhand beträgt etwa 45 Grad, der Ellbogen ist leicht aus­gedreht (Abbildung 7).

Abbildung 7: 

Die Position des Druckpunkts sowohl in der Hand, als auch auf dem Bogengriff muss unbedingt bei jedem Schuss gleich sein, damit man in der Lage ist, konstante Trefferbilder zu erreichen. Der Druck­punkt darf sich im weiteren Verlauf des Schusses nicht ändern.

Um die Position der Finger auf der Sehne und die Position der Hand im Griff zu definieren, muss die Sehne leicht angezogen werden (Vorspannung). Diese Vorspannung entspricht etwa einem Zugweg von 10 cm.

2.5 Kopf und Körperpositionierung

Wir drehen nun den Kopf und blicken zum Ziel. Die Hüfte bleibt weiter parallel zum Stand positioniert und wir drehen unseren Oberkörper um die Wirbelsäule, bis die Bogenschulter in Richtung Ziel zeigt und die Schulterblätter parallel zum Ziel ausgerichtet sind. Dabei müssen wir darauf achten, dass bei­de Schultern weiterhin tief positioniert bleiben.

Würde man nun einen Pfeil an die Schulterblätter anlegen, so würde dieser in Richtung Ziel zeigen. Nach unserem Bundestrainer erhöht sich durch diese Drehung um die Wirbelsäule noch einmal die muskuläre Spannung im Körperkern und optimiert dadurch die Stabilität. Bei der Drehung erhöht sich auch die Vorspannung an der Sehne noch etwas.

Wie für die PP0 sollte man sich auch für diese Phase eine Art „Kontrollpunktliste“ definieren, die man “abarbeitet“, um so einen Automatismus zu entwickeln. Für das Einnehmen der PP1 könnte diese Folge von Kontrollpunkten beispielsweise folgendermaßen lauten:

  1. Becken kippen und Muskeln anspannen
  2. Kontrolle ob Füße schulterbreit und parallel stehen
  3. Finger auf der Sehne korrekt positionieren
  4. Bogenhand auf dem Griff positionieren
  5. Sehne leicht vorspannen
  6. Bogen leicht anheben
  7. Kopf heben und zum Ziel schauen
  8. Oberkörper zum Ziel drehen, Schultern bleiben tief.

 

3. Übergang in die Positionsphase 2 (PP2, Anhebeposition)

Der Stand wurde bereits zu Beginn der PP0 eingenommen und ist seitdem unverändert. Die Kopfposition wurde beim Übergang in die PP1 fixiert, der Blick ist in Richtung Ziel ausgerichtet.

3.1 „Mindset“

Vor dem Übergang in die nächste Positionsphase folgt nun eine Art Konzentrationsphase, die unser Bundestrainer „Mindset“ nennt. Der Schütze soll sich dabei auf die folgenden Abläufe konzentrieren.

Manche Schützen nutzen diese kurze Phase, um z.B. die Fahnen an den Scheiben beobachten (Wind einschätzen) zu können. Andere durchlaufen gedanklich nochmals die folgenden Abläufe. Diese Kon­zentrationsphase sollte jeder Schütze in seinen Ablauf einbauen, das Ende dieser Phase sollte die Entscheidung sein, den folgenden Schuss jetzt auszuführen.

Nutzt diese Phase, um nochmals alles Vorhergegangene zu prüfen (Hand richtig im Bogengriff, Finger richtig in der Sehne, Schulterlinie tief...), konzentriert Euch auf das Ziel und wenn Ihr Euch sicher seid, dann kommt das gedankliche Kommando: „Jetzt!“.

Abbildung 8 zeigt Lisa Unruh am Ende dieser Konzentrationsphase. Der Bogenarm ist (im Vergleich zur PP1) leicht angehoben, der Bogen ist leicht vorgespannt. Die Bogenschulter ist tief positio­niert und der Blick liegt auf dem Ziel.

Abbildung 8: 

3.2. Übergang in die Positionsphase 2

Nach dem „Mindset“ wird der Zug- und der Bogenarm gemeinsam angehoben (siehe Abbildung 9 links) bis sie ungefähr auf Augenhöhe sind. Manche Schützen heben etwas mehr, andere wieder etwas weniger an. Wichtig ist dabei, dass der Pfeil auf keinen Fall stark nach oben zeigt, da dies ziem­lich sicher vom Kampfrichter angemahnt wird (siehe SpO 6.2.3: „Beim Spannen des Bogens darf keine Technik angewendet werden, aufgrund derer nach Ansicht des Kampfrichters ein unbeabsichtigt ausgelöster Pfeil über die Sicherheitszone oder die Sicherheitsvorkehrungen hinausfliegen kann. Schützen, die nach einem entsprechenden Hinweis durch den Kampfrichter oder Schießleiter weiter auf einer solchen Technik bestehen, sind sofort zu disqualifizieren.“).

In dieser Position wird die Bogenschulter leicht nach innen gebracht, damit die Gelenke (Schultern, Hand) möglichst in einer Linie (1-2-3) sind. Dadurch stützen sich die Knochen und Gelenke gegenein­ander ab und der Schütze braucht weniger Kraft um den Bogen in Richtung Ziel zu halten.

Abbildung 9: pitMkG

Manche Trainer nennen diesen Vorgang „Schulter verriegeln“. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass es Trainer gibt, die diese eher statische Verriegelung nicht gut finden und einen dynamischen Spann­vorgang beider Schultern bevorzugen.

Bei der Verriegelung darf die Schulter nicht nach oben wandern, sondern die Schulterlinie muss wei­terhin tief bleiben und während der Anhebe- und der Schulterbewegung darf sich der Kopf nicht be­wegen.

Der Schütze muss darauf achten, dass diese Schulterverriegelung immer gleich vorgenommen wird. Mit zunehmender Trainings- oder Wettkampfdauer wird fast immer an dieser Stelle zuerst „ge­schlampt“ und die Schulter wird nachlässig positioniert.

Wenn aber die Schulter „offen“ bleibt, d.h. der Punkt 2 (Bogenschulter) nicht in der beschriebenen Linie liegt, braucht der Schütze viel Kraft in der Schulter um den Bogen auf das Ziel ausgerichtet zu halten. Oft lässt diese Kraft dann im Schuss nach, die Bogenschulter und damit die Bogenhand geben nach und es folgt ein unsauberer Schuss (meist links tief (bei Rechtshandschützen)).

Nach dem Positionieren der Schulter wird die Spannung der Sehne erhöht (Der Bundestrainer schreibt auf ca. 70% des Vollauszugs, wobei unklar ist, wie der Schütze dies messen soll). Die Span­nung darf dabei aber nicht von den Armmuskeln (Bizeps) kommen, sondern muss vielmehr von den Rückenmuskeln aufgebracht werden.

Nach dem Anheben soll das Visier etwas oberhalb des Ziels stehen und ab jetzt darf das Ziel nicht mehr aus dem Blick gelassen werden. Der Bundestrainer empfiehlt in der aktuellen Ausgabe seines Buchs, den Fokus auf dem Visier und nicht auf dem Ziel zu haben. Damit entspricht die Empfehlung der Vorgabe, die auch die Pistolenschützen anwenden.

In einer früheren Ausgabe war diese Empfehlung noch genau entgegengesetzt. Ich persönlich komme besser zurecht, wenn ich das Ziel scharf sehe und das Visier unscharf, aber das liegt u.U. daran, dass ich nur mit einer Lochblende und nicht mit einem Zielpin schieße. Welche Art des Visierens für Euch besser ist, müsst Ihr selbst herausfinden.

Entgegen der Meinung des Bundestrainers ist es für mich in dieser Phase zu früh, den Sehnenschat­ten zu prüfen (siehe unten).

Nach dem Anheben des Bogens ist die Positionsphase 2 erreicht. In der folgenden Bewegungsphase in die Ankerposition wird die Rückenspannung zunehmen.

Wie für die bisherigen Phasen PP0 und PP1 sollte man sich auch für diese Phase eine Art „Kontrollpunktliste“ definieren, die man “abarbeitet“, um so einen Automatismus zu entwickeln. Für das Ein­nehmen der PP2 könnte diese Folge von Kontrollpunkten beispielsweise folgendermaßen lauten:

  1. Konzentration („Mindset“) auf das Ziel
  2. Bogenhand ok?
  3. Sehnengriff ok?
  4. Kopf oben?
  5. „Jetzt!“
  6. Bogenarm und Zugarm anheben
  7. Bogenschulter „verriegeln“
  8. Kopf bleibt stehen, zum Ziel schauen (Vorzielen).

 

4. Übergang in die Positionsphase 3 (PP3, Halteposition)

Der Stand wurde bereits zu Beginn der PP0 eingenommen und ist seitdem unverändert. Die Kopfpo­sition wurde beim Übergang in die PP1 fixiert und beim Übergang in die PP2 wurde die Schulter ver­riegelt. Der Blick ist in Richtung Ziel ausgerichtet und das Visier steht in der Vorzielposition leicht über dem Zielpunkt.

Es folgen nun drei Bewegungsphasen, die zusammen in die Halteposition führen. Dabei ist wichtig, dass diese Bewegungen flüssig ineinander übergehen, es darf dabei keinen Stillstand geben.

4.1. „Laden“

Schon im Übergang zur PP2 wurde die Bogenschulter in eine stabile Position gebracht und mit der Muskulatur verriegelt. Beim „Laden“ (das ist eine seltsame Bezeichnung und ich hätte diesen Vor­gang anders genannt, aber ich behalte die Namen aus der Trainerausbildung bei) wird die Zughand in die Ladeposition - etwa ein bis zwei Zentimeter unterhalb des Kinns - gebracht.

Diese Bewegung kommt in der Hauptsache durch eine Bewegung des Zugellenbogens um die Zug­schulter zustande, es darf dabei nicht der Bizeps des Zugarms angespannt werden. Abbildung 10 zeigt Christian Weiss beim Übergang in die Ladeposition:

Abbildung 10: hTEEzB

Bei der Bewegung der Zughand gibt es zwei mögliche Ausführungsarten. Bei der einen bewegt sich die Zughand geradlinig nach hinten; bei der biomechanisch korrekteren bewegt sich die Zughand auf einem Kreisbogen um die Zugschulter.

Exkurs: Wie spanne ich den Bogen?

Quelle: Trainertipps Oktober 2023

Seltsame Frage, denn jeder von Euch weiß doch wie man den Bogen spannen soll, oder? Tatsächlich gibt es prinzipiell zwei etwas unterschiedliche Möglichkeiten seinen Bogen zum Schuss zu spannen.

Methode 1

Die eine ist, bei der Bewegung die Zughand geradlinig nach hinten zum Ankerpunkt zu führen:

wU2AGL

Diese Bewegung (obwohl vom Bundestrainer empfohlen und in der Trainerausbildung gelehrt) hat zwei gravierende Nachteile:

  • Es entsteht beim Zug eine Kraft, die die Zughand nach außen drücken will und das Zughand­gelenk muss abgeknickt werden.
  • Diese Kraft erzeugt ein Drehmoment im Zug-Ellenbogen, welches durch den Einsatz des Bi­zeps (Beugemuskel im Oberarm) im Zugarm ausgeglichen werden muss. Dadurch ist der Bi­zeps im Zugvorgang nicht entspannt und diese Spannung ist im Endauszug nicht kontrollier­bar wegzubekommen.

Es kann dadurch zu Problemen kommen, wenn der Schütze den Bizeps mit dazu benutzt, um durch den Klicker zu kommen und nur gute Schützen können diese Probleme vermeiden.

Auf diese Art wird nicht unbedingt schlecht geschossen, es gibt genügend Schützen, die mit dieser Technik Weltcups gewonnen haben.

Schützen, die diese Probleme nicht gut in den Griff bekommen, erkennt man üblicherweise daran, dass ihre Zughand nach dem Schuss nicht hinter dem Kopf zu liegen kommt, sondern neben dem Kopf bzw. unter dem Kinn verbleibt.

Methode 2

Im biomechanischen Sinn ist es besser, nur mit den Rückenmuskeln zu spannen, und dann geht es aber nicht anders, als im "Halbkreis" zu spannen. „Halbkreis“ bedeutet dabei, dass sich die Zughand auf einem Kreisbogen um das Schultergelenk bewegt. Das folgende Bild verdeutlicht diese Bewegung:

5cg21I

Bei dieser Bewegung (die man sehr häufig bei amerikanischen und koreanischen Schützen sieht) knickt das Zughandgelenk nicht ab (Pfeil und Unterarm bilden immer eine gerade Linie), der Bizeps ist entspannt und beim Spannen dreht sich der Bogen leicht in der Bogenhand.

Durch den beim Zug entspannten Bizeps kommt der Schütze weniger in Versuchung den Klickerzug mit dem Bizeps zu unterstützen und spannt den Bogen nur mit den Rückenmuskeln. Schützen, die diese Technik gut beherrschen, erkennt man an der Zughand, die nach dem Lösen hinter dem Kopf liegen wird. Auch bei der Technik mit dem geraden Zug, bei dem der Vorauszug mit dem Bizeps gemacht wird, können wenn der Transfer vom Bizeps zum Rückenzug gut umgesetzt wird, nach dem Lösen die Zughand hinter dem Kopf zum Liegen bringen. Wie gesagt, hier ist der Übergang von Bizeps zum Rückenzug wichtig, da sonst der Bizeps zum Entspannen vom Ankerpunkt nach außen löst und nicht nach hinten.

Weitere Informationen:

Hier ein paar Videos als Link, die die beiden Techniken von verschiedenen erfolgreichen Bogenschützen beispielhaft zeigen und erklären.

https://www.youtube.com/watch?v=SFvDUUjyeUQ An San shooting from different angles

https://www.youtube.com/watch?v=LVmMj4mzqdw Jan Ginzel - Technikanalyse

https://www.youtube.com/watch?v=9oGaBbv2th4 Der Schussablauf mit Lisa Unruh

https://www.youtube.com/watch?v=9o0g6FQPhts Ki Bo Bae Archery in slow motion

https://www.youtube.com/watch?v=S2uMHsjm_Sk Brady Ellison Archery in slow motion

Von oben betrachtet sieht das „Laden“ demnach folgendermaßen aus:

EvkKmY

4.2. Ankern

Nach dem Erreichen der Ladeposition, bewegen sich Zugarm und Zughand nach oben bis die Hand Kontakt mit dem Kiefer hat. Wenn man einen Tab ohne Ankerplatte verwendet, soll der Zeigefinger einen festen Kontakt mit dem Kieferknochen haben. Die Sehne berührt idealerweise die Nasenspitze und die Seite des Kinns.

Während der gesamten Bewegungsfolge darf sich die Kopfposition nicht ändern. Abbildung 11 zeigt Florian Kahllund zunächst in der Ladeposition (links) und beim Ankern (Mitte). Man sieht den Kontakt des Zeigefingers mit dem Kiefer (er schießt einen Tab ohne Ankerplatte).

Abbildung 11: cfih8m

Spätestens jetzt hat der Schütze die Sehne vor dem zielenden Auge und nimmt ein unscharfes Bild der Sehne vor dem Auge wahr. Dieses Bild wird im allgemeinen Sprachgebrauch „Sehnenschatten“ genannt (obwohl es natürlich nichts mit einem Schatten zu tun hat). Dieser Sehnenschatten ist die einzige horizontale Referenz zur Ausrichtung des Bogens.

Man muss sich eine immer gleiche Position in der Nähe des Visiers oder des Mittelteils seines Bogens suchen, mit der man diesen Sehnenschatten in Deckung bringt, damit der Bogen bei jedem Schuss gleich ausgerichtet ist. Zum Erzielen gleichmäßiger Pfeilgruppierungen ist es sehr wichtig, dass der Sehnenschatten immer exakt an der gleichen Stelle gesetzt wird.

Abbildung 12: abBULw

Dabei ist es egal, wo der Schütze den Sehnenschatten hinlegt, je näher er am Visier liegt, umso kleiner ist die Bewegung, die das Auge zur Kontrolle machen muss.

Ebenfalls in dieser Position bringt der Schütze das Visier mit dem angestrebten Zielpunkt (der je nach Windverhältnissen nicht unbe­dingt die Mitte der Auflage sein muss) in Deckung und erreicht so die korrekte Ausrichtung des Bogens.

Wichtig dabei ist, sich klarzumachen, dass es nicht möglich ist, das Visier vollkommen unbeweglich auf dem Ziel zu halten, da der na­türliche Tremor (Zittern) verhindert, dass das Visier konstant ruhig auf einen Punkt gerichtet werden kann. Man muss vielmehr versuchen, das Visier in einer sogenannten Haltefläche zu halten. Ein Ziel des Trainings ist, diese Fläche langfristig zu verkleinern.

Wichtige Kennzeichen der Ankerposition sind:

  • Der Kopf befindet sich in einer natürlichen, aufrechten, in Richtung Ziel gedrehten Position
  • Der Mund ist geschlossen, die Zähne liegen locker aufeinander
  • Die Sehne ist fest am Kinn
  • Die Zughandkante und der Kiefer bilden einen festen Block
  • Der Zughandrücken und das Handgelenk sind locker und gerade.

4.3. Transfer

Mit dem sogenannten „Transfer“ (auch eine Bezeichnung, die ich anders gewählt hätte) bewegt sich der Ellbogen des Zugarmes wenig, aber konsequent um das Schultergelenk (siehe Abbildung 13). Dabei wird das „Kraftdreieck“ noch etwas optimiert. Dabei muss man darauf achten, dass der Ellbogen nicht unter die Pfeil-Linie absinkt, da dadurch die Drehbewegung behindert wird.

Abbildung 13: 

JR7QF0

kpsaod

Es handelt sich dabei um eine sehr kleine Bewegung, die von außen kaum sichtbar ist. Der Bogen wird nun hauptsächlich von den Rückenmuskeln gehalten. Die Pfeilspitze befindet sich kurz vor dem Fallen des Klickers (max. 1-3 mm Restzugweg).

4.4. Positionsphase 3 (PP3, Halteposition)

Wir sind jetzt in der 3. Positionsphase, die gelegentlich auch Halteposition oder Ankerposition genannt wird.

Wichtig ist, dass man als Schütze jetzt nicht die Bewegung anhält, sondern den Zugarm-Ellbogen im­mer weiter um die Schulter dreht. Auch wenn der Bundestrainer es eine Positionsphase nennt, es handelt sich (wie in allen Phasen davor auch) nicht um eine statische Position, sondern die begonne­ne Bewegung wird (wenn auch ganz langsam) weitergeführt.

Dabei bleibt der Blick über das Visier auf dem Ziel, die Bogenschulter ist tief und verriegelt.

Wie für die bisherigen Phasen hatten wir eine Art „Kontrollpunktliste“ definiert, die man “abarbei­tet“, um so einen Automatismus zu entwickeln. Da es sich beim Übergang in die PP3 um eine mög­lichst flüssige Bewegung handeln soll, gibt es hier eigentlich keine solche Punkte. Man muss wäh­rend der Bewegung auf folgendes achten:

  1. Bogenhand ok?
  2. Kopf oben?
  3. Beim Anheben von Bogen- und Zugarm Blick auf dem Ziel halten (Vorzielen)
  4. Kopf bleibt stehen, zum Ziel schauen (Zielen, Sehnenschatten prüfen)
  5. Konsequent weiter „ziehen“, Zug-Ellbogen oben halten

5. Positionsphase 4 (PP4, Nachhalteposition)

5.1. Übergang in die Nachhalteposition

Der Übergang von der PP3 in die PP4 ist das, was ein außenstehender Beobachter als den eigentli­chen Schuss wahrnehmen wird, korrekterweise, und das wissen alle erfahrenen Bogenschützen, bil­den alle Phasen von PP0 bis PP4 in ihrer Gesamtheit den vollständigen Schuss.

Die Elemente "Zielen", "Expansion" und "Lösen" führen in ihrer Abfolge in die PP4. Am Ende der Nachhaltephase entspannt sich der Schütze, nimmt wieder die Grundstel­lung ein und beginnt mit dem Ablauf für den nächsten Pfeil.

Es ist sehr wichtig, dass man sich klar macht, dass es zu keinem Zeitpunkt im Ablauf zu einem Stillstand der Zugbewegung kommt.

Daher nochmals der dringende Hinweis: Die Zug­bewegung wird zum Ende zu immer langsamer, darf aber nie aufhören.

5.2. "Zielen"

Wir erinnern uns, in der PP3 hat der Zielvorgang bereits begonnen. Wir haben das Visier bereits auf das Ziel gerichtet und der Zielpunkt ist idealerweise leicht oberhalb des angestrebten Punkts. Der Sehnenschatten (das unscharfe Bild der Sehne, das wir mit dem zielenden Auge wahrnehmen) befin­det sich an der bevorzugten Stelle, die für jeden Schützen eine andere sein kann. Nun wandert das Visier (z.B. der Visierpin oder der Mittelpunkt der Lochblende) auf den gewünschten Zielpunkt (der je nach Windverhält­nissen nicht unbedingt genau die Mitte der Scheibe sein muss) und der Schütze prüft währenddessen die Lage des Sehnenschattens. 

Abbildung 14: YbkPna

Wie schon gesagt, wo der Sehnenschatten positioniert wird, ist relativ unwichtig, es ist aber extrem wichtig, dass er bei jedem Schuss an der gleichen Stelle zu liegen kommt. Der Fokus der Augen bleibt (je nach Vorliebe des Schützen) auf dem Ziel oder dem Visier.

Nochmals der Hinweis: die Zugbewegung wird während des Zielens immer fortgeführt.

5.3. „Expansion“

Diese Bezeichnung ist, wie einige, die der Bundestrainer in seinen Büchern gewählt hat, etwas missverständlich, da hierbei nicht klar ist, was denn expandiert (also ausgeweitet) werden soll. Ich versu­che daher, den Vorgang in meinen Worten zu erklären.

Wie schon gesagt, wird die Auszugsbewegung (die in Wirklichkeit eine Bewegung des Zugellenbogens um die Zugschulter ist) immer weiter fortgesetzt, indem die Rückenspannung weiter erhöht wird. Dabei muss man beachten, dass die dazu notwendigen Muskeln nicht willentlich angesteuert werden können, man konzentriert sich vielmehr auf die angesprochene Bewegung des Ellenbogens.

Bei dieser Bewegung wird der Pfeil, der in der PP3 knapp 1-3 mm vor dem Klicker stand, nach hinten bewegt und der Klicker löst aus („fällt“). Abbildung 15 zeigt Christian Weiss bei der Expansion von oben.

Abbildung 15: 524O89

Der Bundestrainer beschreibt das folgendermaßen: „Die Oberarmrückseite wird parallel zur Schießlinie nach hinten geführt“. Ich denke allerdings, dass dies ebenfalls zu Missverständnissen führen kann und spreche lieber von der Drehbewegung um die Schulter (siehe auch Exkurs zum Thema "Wie spanne ich den Bogen?"oben).

Bei dieser kleinen Bewegung muss der Schütze natürlich weiter zielen und darf dabei seine Kopf- und Schulterhaltung nicht verändern. Besonders die Positionierung der Bogenschulter ist jetzt extrem wichtig, da sich ein Nachgeben („Hochkommen“) der Schulter sehr negativ auf die folgenden Abläufe auswirkt.

5.4. „Lösen“

Beim Lösen wird die Sehne freigegeben. Es ist wichtig, dass man nicht versucht aktiv zu lösen (also bewusst die Finger öffnet), weil dies üblicherweise zu verrissenen Schüssen führt. Das Lösen ge­schieht, wenn es richtig gemacht wird, durch ein Entspannen der Muskeln, die die Finger gekrümmt (Fingerbeuger) gehalten haben. Dabei gleitet dann die Sehne durch die entspannten Zugfinger. Da die Spannung in den Rückenmuskeln erhalten bleibt, bewegt sich nun der Zugellenbogen weiter nach hinten und die Zughand folgt dieser Bewegung.

Die beiden Bilder in Abbildung 16 zeigen Jan Christopher Ginzel beim Lösen. Man sieht sehr gut, wie die Sehne durch die Finger gleitet.

Abbildung 16: 5vVAc8

Da nach dem Lösen keine Zugkraft mehr auf den Bogen wirkt, löst sich der Bogen aus der Bogenhand und bewegt sich nach vorn, bis er von der Fingerschlinge gebremst wird. Die Bogenhand bewegt sich ebenfalls leicht nach vorn, da keine Kraft mehr auf sie wirkt.

Während des Lösens bleibt der Blick weiterhin auf das Ziel gerichtet, man sollte unbedingt vermei­den, bewusst dem Pfeil nachzublicken. Abbildung 17 zeigt Lisa Unruh in der Nachhalteposition. Man sieht die oben schon angesprochenen Punkte 1-2-3, zu denen nun noch das Ellbogengelenk des Zugarms (4) kommt.

Abbildung 17: smu2qq

Besonders bei den koreanischen Damen sieht man immer wieder ein deutliches Abkippen, teilweise Überdrehen des Bogens um die Bogenhand. Diese Bewegung wird durch ein aktives Abkippen der Bogenhand eingeleitet.

Diese Bewegung ist kein Muss. Sie zeigt dem Trainer oder Betreuer jedoch dass der Schütze sauber nachhält. Es ist aber vollkommen ausreichend, wenn der Bogen locker aus der Hand in die Bogen­schlinge fällt. Es besteht bei dieser Art der Bewegung (wie auch bei immer wieder bei Weltcup-Schützen gesehenen Bewegungen des Bogenarms) die Gefahr, dass diese Bewegung bewusst durchgeführt wird und sich der Schütze auf die Ausführung dieser Bewegung konzentriert.

Ja, es sieht gut aus, wie Lim Sihyeon, oder Jeon Hunyoung den Bogen rotieren lassen, aber man muss sich immer vor Augen halten, wieviel sie trainieren (2400 Pfeile/Woche) und dass sich bei einem solchen Pensum diese Bewegungen automatisieren.

Nähere Erläuterungen (Exkurse) zum Thema "Lösen" und "Klicker" finden sich unten.

5.5. Positionsphase 4 (PP4, Nachhalteposition)

Wir sind jetzt in der 4. Positionsphase, die auch Nachhalteposition genannt wird. Beim Nachhalten wird die Körperspannung aufrechterhalten. Während der Einübungsphase (Technikvermittlung) kann man diese Position ruhig für eine Zeit von 2...3 Sekunden halten (Ein gutes Maß ist es, wenn die Posi­tion mindestens so lange gehalten wird, bis der Pfeil im Ziel ist).

Anschließend wird der Bogenarm wieder heruntergenommen, wir gehen wieder in die Grundstellung und bereiten uns auf den nächsten Pfeil vor (bzw. verlassen die Schießlinie, falls es der letzte Pfeil war, den wir in der Passe schießen mussten).

Es scheint manchmal, dass diese letzte Phase des Schusses unwichtig sei, da der Pfeil ja schon den Bogen verlassen hat und der Schütze nun nichts mehr am Flug und damit am Ergebnis tun könne, tatsächlich ist diese Phase aber sehr wichtig.

Ein Grund für die Wichtigkeit ist die Tatsache, dass unser Körper bestimmte Bewegungsabläufe schon einleitet, lange bevor wir diese Abläufe bewusst wahrnehmen. Man nennt dies „Antizipation“. Ein Beispiel dafür ist folgendes: Wenn man als Schütze nicht sauber nachhält, sondern den Bogenarm quasi direkt nach dem Schuss fallen lässt, nimmt der Körper diese Bewegung vorweg und beginnt mit dem Absenken des Arms schon während des Schusses, was Tiefschüsse zur Folge haben wird. Hält man dagegen nach, wird der Körper eben genau das vorwegnehmen und den Arm stehen lassen.

Ein weiterer Grund für das Nachhalten ist eigentlich nicht die Bewegung selbst, sondern vielmehr die (wenn auch kurze) Zeitspanne der Ruhe, in der man als Schütze den eben vergangenen Ablauf noch einmal rekapituliert und eventuelle Fehler identifiziert.

 

Exkurs: "Sauberes Lösen"

Quelle: Trainertipps September 2025

Das Vorschnellen der Sehne

In einem Video wird gezeigt, wie sich die Sehne nach dem Lösen verhält. Man sieht dabei deut­lich, dass die Sehne durch die Finger gleitet und den Pfeil beschleunigt. Je sauberer nun gelöst wird, umso weniger Störungen (=seitliche Schwingungen) erfährt die Sehne und umso gleichmäßiger wird sie die Pfeile auf die Reise schicken.

Deutlich wird hier, dass ein "Verreißen" der Sehne beim Lösen die Vorwärtsbewegung beeinträchti­gen würde und sich zwangsläufig auf den Pfeilflug auswirkt. Es kommt dann zur Streuung der Pfeile auf der Scheibe.

Man kann sich auch (und das empfehle ich jedem Schützen) Videos auf YouTube ansehen. Empfeh­lenswert halte ich dabei die des Kanals „Archery-TV+“(kostenpflichtig), auf dem die Finals jedes World-Cups gezeigt werden. Abgesehen davon, dass ich unwahrscheinlich gern diese spannenden Wettkämpfe sehe, bin ich der Meinung, dass man allein vom Zusehen bei den besten Schützen der Welt immer etwas lernen kann.

Das Einhaken der Sehne

Zum Einhaken der Zugfinger in der Sehne kann man sich vorstellen, man hebt mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger einen Eimer Wasser hoch. Beim Anheben lässt man die Hand vollkommen entspannt; nur die ersten Fingergelenke sind gekrümmt und halten den Drahtbügel des Eimers. Ähnlich erfolgt das Einhaken der Finger auf der Sehne. Wichtig ist, dass die Druckverteilung auf den Fingern bei jedem Schuss gleich ist (vgl. Abbildung 4 in Abschnitt 2.3). 

Der Handrücken ist flach und entspannt. Theoretisch sollte sich nach dem Ankern folgende Druckver­teilung ergeben:

  • 40 % auf dem Zeigefinger
  • 50 % auf dem Mittelfinger
  • 10 % auf dem Ringfinger.

Allerdings kann niemand (zumindest nicht mit unseren Mit­teln) diese Verteilung messen und die absoluten Werte sind auch nur begrenzt wichtig. Es gibt Schützen, die den Ring­finger gar nicht einsetzen und ich habe auf einer DM schon eine Schützin gesehen, die nur mit dem Mittel- und Ringfin­ger schoß (siehe Abbildung 18).

Abbildung 18: RLAvg6

Es ist zu empfehlen, nach dem Einhaken den Bogen auf eine leichte Vorspannung zu bringen (Vorspannposition PP1). Dabei werden die immer gleiche Position der Bogenhand im Griffstück und die Position der Zughand an der Sehne über­prüft und ggf. korrigiert. Erst danach hebt man den Bogen an und beginnt ihn auszuziehen (Übergang in Anhebeposition PP2).

Das Lösen der Sehne

Das störungsfreie Lösen ist lediglich ein Entspannen der Fingermuskulatur. Jedes bewusste Öffnen (ruckartiges Aufreißen) wird ziemlich sicher zu verrissenen Schüssen führen. Einprägen kann man sich das entspannte Lösen durch die Vorstellung, dass man einen Eimer Wasser hält und ihn fallen lässt.

Wenn man sich die vielen Videos von Topschützen ansieht (Lisa Unruh ist dabei eine Schützin, deren Lösen besonders gut aussieht) kann man beobachten:

  • Die Schützen ankern dicht am Hals und unter dem Kinn,
  • die Rückenspannung wird erhöht,
  • nach nur wenigen Sekunden (1,5...3,5 Sek.) löst der Schütze die Sehne,
  • die Zughand wird durch die Rückenspannung entlang der Kieferlinie nach hinten gezogen,
  • die Zughand gleitet dabei dicht am Hals entlang.

Es gibt natürlich (wie zu jeder Regel) einige Ausnahmen. Manche Schützen (relativ häufig handelt es sich um Schützen aus der Ukraine oder Russland) verwenden einen Nackenanker, bei dem der Dau­men hinter dem Nacken „eingehakt“ wird. Bei diesen Schützen sieht das Lösen immer etwas anders aus.

Ein Beispiel für Lösen mit aufgerissener Hand ist auch Michelle Kroppen, die sich aber davon nicht abhalten lässt, einen Zehner nach dem anderen zu schießen und in Salt Lake City zweite im World Cup wurde. Man sieht allerdings auf dem Foto in Abbildung 18a auch, dass ihre Hand beim Lösen nicht nach unten geht (was ein Fehler wäre), sondern durch die richtig eingesetzte Rückenspannung nach hinten geführt wird.

Abbildung 18a: YWkrTH

Beim Lösen soll es sich um eine Reflexbewegung handeln, d.h. das Training muss darauf ausgerichtet sein, dass beim Fallen des Klickers die Finger quasi „automatisch“ aufgehen und keine bewusste Ent­scheidung zum Lösen erforderlich ist. Mir ist bewusst, dass es dazu andere Meinungen gibt. Mir ist auch bewusst, dass es gute Schützen gibt, die bewusst lösen. Dennoch bin ich der Meinung, dass das reflexartige Lösen die bessere Technik ist. Es wird immer wieder als Gegenargument genannt, dass man eventuell nicht „im Gold“ steht, wenn der Klicker fällt und man dann einen Fehlschuss produziert. Diese Aussage ist richtig, geht aber fälschlicherweise davon aus, dass der Schütze erst ins Gold zielt, wenn er im Anker steht.

Besser ist es, während des Übergangs von PP2 (Anhebeposition) zu PP3 (Ankerposition) mit dem Visier ins Gold zu gehen und das Visier während des Spannvorgangs dort zu halten. Das Ablauftraining muss nun darauf ausgerichtet werden, dass der Schütze im Gold ist, wenn der Klicker fällt.

Ein klassischer Fehler beim Lösen

Das Foto in Abbildung 18b zeigt einen klassischen Lösefehler. Der Bogenschütze reißt im Moment des Lösens die Hand nach rechts unten. Die Zughand gleitet nicht sauber nach hinten, sondern verlässt im Mo­ment des Lösens den Hals und verreißt dadurch die Sehne:

Abbildung 18b: VI1jWt

Das Ergebnis des Schusses wird eine Fahrkar­te, zumindest aber eine niedrige Ringzahl sein. Der Grund für diesen Lösefehler ist die zu geringe Rückenspannung. Bei einer kor­rekten Rückenspannung wird die Hand un­mittelbar dicht am Hals nach hinten geführt, ohne dass dies eine bewusste Bewegung ist. Die Bewegung ergibt sich automatisch aus der richtigen Rückenspannung.

Gelegentlich sieht man Schützen, die ohne saubere Rückenspannung lösen (Ich zähle mich auch dazu). Man erkennt dies daran, dass nach dem Schuss die Zughand noch neben dem Kinn liegt und manchmal in einer bewußten Bewegung nach hinten geführt wird.

Arbeit mit der Rückenspannung

Ein wichtiger und oft vergessener Punkt im Bewegungsablauf ist dass die Zugbewegung nahezu aus­schließlich mit den Muskeln im Rücken durchgeführt wird. Die Zugfinger sollen beim Spannen des Bogens nur die Sehne halten und sie sollen dabei nach dem Eingreifen der Finger in die Sehne ihre Position nicht mehr ändern.

Idealerweise haben wir in der Anhebeposition (PP2) bereits eine Position eingenommen, bei der das Handgelenk unserer Bogenhand, der Ellbogen unseres Bogenarms und das Schultergelenk des Bo­genarms in einer Linie sind. Beim Anheben wird nun auch die Zugschulter in diese Linie gebracht (siehe oben Abbildung 9 in Abschnitt 3.2).

Die folgende „Spannbewegung“ wird nun nur noch von den Rückenmuskeln durchgeführt. Da man diese Muskeln (im Gegensatz zum Bizeps) nicht bewusst ansprechen kann, ist die Vorstellung, dass man seinen Zugellenbogen in einer Kreisbewegung um die Zugschulter bewegt, hilfreich.

Beim Spannen des Bogens wird nun die Zughand knapp unter das Kinn geführt (der Bundestrainer nennt das „Laden“) und dann, unter Beibehaltung der Rückenspannung leicht nach oben in den Anker gebracht. Wichtig ist dabei, dass zu keinem Zeitpunkt die Rückenspannung verlorengeht, und dass die Spannbewegung nicht aufhört, sondern immer weitergeführt wird.

Ich versuche das Wort „Zug“ bewusst zu vermeiden, da es sich bei der Bewegung nicht um ein Ziehen sondern um ein Drehen des Oberarms um das Schultergelenk handelt. Stellt man sich diese Bewegung gedanklich als ein Ziehen vor, so besteht die Gefahr, dass man beginnt den Bizeps zur Unterstützung einzusetzen oder aber die Zugschulter nach hinten bewegt.

Der Klicker muss so eingestellt sein, dass in der Ankerposition der Pfeil nur noch um ca. 2 mm nach hinten bewegt werden muss. Während der gesamten Bewegung soll das Visierkorn im Gold stehen. Wenn nun der Klicker fällt, ent­spannen sich die Zugfinger und die Sehne wird freigegeben (siehe Abbildung 18c).

Abbildung 18c: Ky8GHt

Man sieht, dass die Finger der Zughand ent­spannt und locker sind und dass die Hand sau­ber am Kiefer anliegt, bevor sie von der Rückenspannung nach hinten gezogen wird.

Wie kann man die Rückenspannung trainieren? Am einfachsten geht dies mit einem Theraband, des­sen eines Ende man sich um den Zugellenbogen legt und die Spannbewegung übt. Wenn man dann zum Bogen wechselt, kann man mit Hilfe einer Videosoftware (z.B. Coach`s Eye, video delay...) prü­fen, ob der Ablauf korrekt ist.

Das reflexartige Lösen übt man meiner Meinung nach am besten durch „Blindschießen“ auf kurze Entfernung. Es dauert allerdings einige hundert Schüsse, bis man beginnt, den Reflex auszubilden und mehrere Tausend Schüsse, bis dieser auch im Wettkampf sicher funktioniert.

 

Was ist jetzt "sauberes Lösen"?

Quelle: Trainertipps Februar 2025

Im Zusammenhang mit dem Lösevorgang kommt es immer wieder zu Diskussionen zwischen den Bogenschützen, da es im Prinzip zwei unterschiedliche Philoso­phien gibt.

  • Die eine „Gruppe (und zu dieser gehöre ich) vertritt die Ansicht, dass das Klickersignal der Auslöser des Lösens ist. Wir ha­ben uns darauf konditioniert, dass beim Fallen des Klickers die Finger aufgehen und der Pfeil fliegt. Dabei wird das Lösen zu einer mehr oder weniger unbewussten Handlung.
  • Die andere Gruppe nutzt den Klicker im Prinzip nur zur Auszugskon­trolle und löst bewusst.

Hier will ich kurz erklären, warum ich die von mir verwendete Technik des Lösens für die bessere halte.

Das Lösen ist der Moment, den ein Außenstehender als den Moment des Schusses bezeichnen wird. Jeder Bogenschütze mit ein wenig Erfahrung weiß aber, dass ein Schuss aus wesentlich mehr Bestand­teilen besteht. Wie bereits in den Trainer-Tipps von Juni 2024 bis Oktober 2024 beschrieben, beginnt der Schuss mit dem Einnehmen des Standes und endet mit dem Nachhalten.

Beim Lösen wird die Sehne freigegeben. Es ist wichtig, dass man dabei nicht aktiv löst (also bewusst die Finger öffnet), weil dies üblicherweise zu verrissenen Schüssen führt.

Das Lösen geschieht, wenn es richtig gemacht wird, durch ein Entspannen der Muskeln, die die Finger gekrümmt gehalten haben. Dabei gleitet dann die Sehne durch die jetzt entspannten Zugfinger (siehe Abbildung 19). 

Abbildung 19: L99Cfz

Da die Spannung in den Rückenmuskeln erhalten bleibt, bewegt sich nun der Zugellenbogen weiter nach hinten und die Zughand folgt dieser Bewegung. Da nach dem Lösen keine Zugkraft mehr auf den Bogen wirkt, löst sich der Bogen aus der Bogenhand und bewegt sich nach vorn, bis er von der Fingerschlinge gebremst wird (siehe Abbildung 20). Man sieht sehr schön die entspannten Zugfinger der Bogenhand, die wiederum auf dem Weg hinter den Kopf ist. Gleichzeitig sieht man, wie sich der Bogen nach vorn bewegt hat und von der Bogenschlinge aufgehalten wird.

Abbildung 20: vq0Bko

Man kann als Trainer sehr gut erkennen, ob der Schütze einen sauberen Rückenzug und ein ent­spanntes Lösen beherrscht, in dem man auf die Posi­tion der Zughand in der Nachhalteposition (PP4) achtet. Wenn der Schütze korrekt mit den Rückenmuskeln gespannt und nicht aktiv gelöst hat, wird die Zughand oberhalb der Schulter, hinter dem Kopf zu liegen kommen (siehe Abbildung 21).

Abbildung 21: IoLAmL

Bleibt die Hand dagegen neben dem Kinn liegen, ist dies ein deutliches Zeichen für den ungenügenden Einsatz der Rückenmuskeln. Die Haltung der Finger nach dem Schuss lässt Rück­schlüsse auf den Verlauf des Lösens zu. Sind die Fin­ger so entspannt wie auf dem Bild, so kann man da­von ausgehen, dass das Lösen auch korrekt gewesen ist.

Bilder von schlechtem Lösen findet man selten, wenn man die Bilder der Weltcup-Schützen betrach­tet. Wenn man sich allerdings auf den Turnieren umschaut, auf denen wir starten, findet man öfters Schützen, deren Finger nach dem Schuss gespreizt sind, was auf aktives Lösen hindeutet.

Gelegentlich (und da muss der Trainer dann genau hinschauen) kommen zwei Fehler zusammen. Der eine wäre der schlechte Rückenzug und der zweite der dadurch resultierende Endauszug durch das ver­mehrte Krümmen (Anspannen) der Zugfinger, die die Sehne halten.

Dieser zweite Fehler wird meist durch eine falsche Klickerpositionierung oder durch eine zunehmen­de Ermüdung hervorgerufen. In beiden Fällen erreicht der Schütze die korrekte Position, in der der Klicker fällt, nicht mehr durch den Einsatz seiner Rückenmuskeln und unterstützt den Endauszug daher durch das Krümmen der Finger. Das wiederum lässt ein entspanntes Lösen kaum mehr zu und führt nahezu unweigerlich zum „Aufreißen“ der Finger.

 

Exkurs: "Der Klicker"

Quelle: Trainertipps Februar 2025; siehe auch: Abschnitt "Der Klicker" auf der Seite "Ausrüstung"!

 Der Klicker ist im einfachsten Fall eine federnde Metall- oder Carbon Zunge, die über den im Bogen aufgelegten Pfeil gelegt wird (Abbildung 22). 

Abbildung 22: sIQaWK

Wird der Bogen gespannt, wird der Pfeil unter der Zunge durchgezogen, bis die Pfeilspitze sie freigibt und die Zunge an den Bogen anschlägt. Das dabei entstehende Klick-Geräusch gibt dem Schützen ein Signal, dass er korrekt gespannt hat und lösen kann.

Ursprünglich war der Klicker eine reine Auszugskon­trolle, mit der sichergestellt werden sollte, dass die Auszugslänge bei jedem Schuss gleich ist. Früher wurden zu diesem Zweck auch kleine Spiegel ver­wendet, gegenüber denen der Klicker den Vorteil hat, dass der Schütze seinen Blick nicht vom Ziel abwenden muss. Außerdem ist das akustische Signal („Klick“) eindeutiger als das Bild in dem Spiegel, welches durch die aktuellen Lichtverhältnisse stark verfälscht werden kann. Schnell nach der Einführung des Klickers hat man herausgefunden, dass die Schützen, die einen Klicker verwenden, deutlich bessere Ergebnisse erzielten als die Schützen, die ohne Klicker schossen.

In den folgenden Abschnitten beziehe ich mich auf die Betrachtungen eines Trainers, der eine eigene Website betreibt und dort immer wieder interessante Artikel veröffentlicht. Seine Abhandlungen zum Klicker findet man unter http://rz-home.de/~cnentwig/18_11_15_Klicker_Modellbildung.html, ich werde im Folgenden nur Auszüge davon verwenden.

1 Der Klicker als Auszugskontrolle

Zur Untersuchung des Einflusses der Auszugslänge wurde mit Hilfe einer rechnerischen Simulation untersucht, welchen Einfluss eine Änderung der Auszugslänge von ±10 mm auf die vertikale Trefferla­ge hat. Dazu wurden die technischen Daten der Ausrüstung einer ausgebildeten Schützin genommen.

  • Auszugsweg: 0,616 m
  • Anfangsgeschwindigkeit des Pfeiles: 56,4 m/s
  • Endhaltekraft: 130 N (29,2 lbs)
  • Abgangswinkel bei Schussentfernung 70 m: 6,92°
  • Pfeiltyp ACE 1000, Pfeilmasse 0,01594 kg

Die Annahme von einer Gesamtschwankung von 20 mm ist für einen ausgebildeten Schützen sehr konservativ und wird praktisch eher im Millimeterbereich liegen. Mit Absicht wurde für diese Unter­suchung ein Schütze mit einem schwachen Bogen gewählt.

Wird die Pfeilgeschwindigkeit höher, wird die Flugbahn flacher und damit der Einfluss eventueller Geschwindigkeitsschwankungen geringer. Die Grundlagen der Abschätzungen können auf der o.g. Website nachgelesen werden.

Auszugswegänderung (mm) 

Geschwindigkeit (m/s) 

Ablage 70 m (cm) 

Ablage 18 m (mm) 

-10

55,2

-34

-18

-5

55,8

-16

-7

0

56,4

0

0

+5

56,9

+16

10

+10

57,3

+33

20

Man sieht aus den Ergebnissen, dass die max. Ablage auf 18 m gerade mal die Hälfte des Durchmessers der „10“ beträgt, was bedeuten würde, dass ein genau gezielter Pfeil immer noch die Zehn träfe, auch wenn die Auszugslänge um den genannten Betrag verändert würde. Auf 70 m wäre die Ablage natür­lich größer, aber die Pfeile würden selbst bei diesem schwachen Bogen (der für Entfernungen von 70 m nicht wirklich geeignet ist) im schlimmsten Fall immer noch in der „7“ einschlagen.

Aus dieser Untersuchung kann man erkennen, dass der Klicker als reine Auszugskontrolle nicht für die verbesserten Ergebnisse verantwortlich sein kann.

2 Der Klicker als Lösesignal

Wie gesagt, der Klicker sorgt dafür, dass der Pfeil immer gleich ausgezogen wird. Es konnte aber ge­zeigt werden, dass das allerdings nicht der Grund für die Verbesserung der Ergebnisse ist, die man nach seiner Einführung feststellen konnte.

Seine Hauptfunktion ist vielmehr, dass er ein eindeutiges Signal gibt, wann das Lösen erfolgen soll. Ein ausgebildeter Schütze ist darauf konditioniert worden, dass beim Fallen des Klickers („Klick“) die Fin­ger aufgehen und der Pfeil fliegt. Dabei wird das Lösen zu einer mehr oder weniger unbewussten Handlung.

Bei sehr erfahrenen Schützen ist das Gefühl für die Klicker Position bereits so gut entwickelt, dass sie gar nicht mehr auf das eigentliche Signal reagieren, sondern unbewusst wissen, wann der Klicker fallen wird. In einem Versuch hat man Weltcupschützen unbemerkt Pfeile gegeben, die etwas länger waren als ihre Eigenen. Die Schützen haben diese Pfeile nahezu ausnahmslos „durch den Klicker ge­schossen“, weil sie genau in der für ihre richtigen Pfeile korrekten Position gelöst haben.

Man kann, so man möchte, auf der o.g. Website die Zusammenhänge im Detail nachlesen, im Folgenden möchte ich in eigenen Worten erklären, wie ich den Klickereinsatz verstehe.

Ein Schütze, der ohne Klicker schießt und somit bewusst löst, kommt unter Umständen in die Situati­on, in der er mit seinem Zielbild „nicht zufrieden“ ist. Er wird nun versuchen, dieses Zielbild zu ver­bessern (genauer/besser zielen). Dabei versucht er, genau in dem Moment den Pfeil loszulassen, in dem das Visier mittig im Gold steht. 

Allerdings besteht dabei das Problem, dass das Gehirn nur mit einer gewissen Verzögerung auf das Zielbild reagieren kann und es nach dem gedanklichen Löse-Signal an die entsprechenden Muskeln zu weiteren Verzögerungen kommt. Diese Verzögerungen (die sog. Reaktionszeit) werden im günstigsten Fall ca. 0,2 sec betragen, was bedeutet, dass der Schütze viel spä­ter löst, als er eigentlich beabsichtigt hat. In dieser Zeit ist allerdings das Visier aufgrund des normalen Muskeltremors schon lange wieder an einer anderen Position und der Schuss trifft nicht die beabsichtigte Stelle.

Außerdem wird das Zittern sich verstärken, je länger der Schütze versucht, sein Zielbild zu verbessern, was zusätzlich noch die Qualität des Schussen verschlechtern kann.

Abbildung 23: ztWHBW

Es ist nicht möglich, den Muskeltremor (Zittern) vollständig auszuschalten. Das bedeutet, dass bei jedem Schützen das Visier sich in einem mehr oder weniger großen Bereich, der sog. Halte­fläche bewegen wird. Der Sinn der Verwendung des Klickers ist nun, dem Schützen ein eindeutiges Signal zu geben, das Zielen zu beenden und den Pfeil loszulassen.

Es muss nun das Training dahin ausgerichtet werden, dass der „Klick“ zum richtigen Zeitpunkt kommt. Der Schütze muss lernen, sein Ziel- und Auszugsverhalten so zu koordinieren und zu optimieren, dass beim Fallen des Klickers das Visierkorn in seiner Haltefläche steht. Dabei muss konsequent darauf geachtet werden, dass wirklich auf den „Klick“ gelöst wird und sich somit ein Automatismus bildet.

Die Lage des Klickers sollte möglichst mit Hilfe des Trainers oder eines erfahrenen Schützen eingestellt werden. Dazu beobachtet man zunächst den Schützen im Auszug (über einen längeren Zeitraum) und merkt sich die Lage der Pfeilspitze in Bezug auf den Bogen. An diese Stelle wird man dann den Klicker positionieren.

Das folgende Training muss immer mit einem Zielpunkt (nicht unbedingt mit einer Auflage) erfolgen, da der Schütze ja die Koordination Visier in der Haltefläche +“ Klick“ = dann Lösen trainieren soll.

Zum Erlernen des reflexartigen Lösens kann dieses Training mit „Blindschießen“ abgewechselt wer­den. Dabei soll der Schütze auf kurzen Entfernungen (≤ 5 m) nach dem Anheben des Bogens (PP2) die Augen schließen, spannen, ankern (PP3), auf den „Klick“ lösen und nachhalten (PP4).

Wenn Ihr das Schießen mit Klicker richtig und lang genug trainiert habt, wisst Ihr, wann der Klicker fällt. Wenn Ihr merkt, dass Ihr zu lange braucht, um zum Lösen zu kommen, ist irgendetwas im Auf­bau nicht korrekt und Ihr solltet absetzen. Jetzt auf den Klicker zu schauen wäre richtig falsch, da Ihr in diesem Fall das Zielbild verliert und beim Klick vollkommen falsch steht.

Warnung: Ich möchte aber davor warnen, zu früh abzusetzen, da es sein kann, dass man sich damit sein Selbstvertrauen nimmt. Mit der Zeit kann man eine Art „Angst vor dem Schuss“ entwickeln und hat regelrecht Hemmungen durch den Klicker zu ziehen, sobald das Gefühl da ist, dass irgendetwas nicht stimmt. Zum Schluss kann es so schlimm werden, dass man einen Pfeil teilweise dreimal absetzt und dadurch in Zeitnot kommen kann.

Wichtig ist, dass man unterscheiden lernt, wann Absetzen richtig ist und wann nicht - und dabei kann Euch leider kaum jemand helfen.

3 Argument gegen den Automatismus

Wie bereits angedeutet, es gibt einige Schützen und Trainer, die den beschriebenen Automatismus kritisieren und meinen, dass man den Klicker eben nicht als Löse-Signal verstehen dürfe. Das Argu­ment, welches immer wieder genannt wird ist: „Was ist, wenn man nicht im Ziel steht und der Klicker fällt?“

Das Argument ist richtig und in einem solchen Fall wird es wahrscheinlich kein guter Schuss, würde der Schütze nur auf das Klicken lösen. Aber wie geschrieben, das Ziel des Trainings für den Klicker Einsatz ist ja, dass der „Klick“ eben zum richtigen Zeitpunkt kommt. Je besser der Schütze trainiert ist, umso genauer weiß er, wann sein Klicker fallen wird und er wird beispielsweise bei Wind seinen Aus­zug entsprechend verzögern.

Richtig angelernt und korrekt trainiert wird der Schütze nicht einfach beim „Klick“ seine Finger auf­machen, sondern er hat gelernt, dass zum Lösen sowohl der Klick als auch die Position des Visiers in der Haltefläche gehört. Nur wenn beides zusammenpasst, wird er lösen oder aber absetzen.

Ich möchte niemanden dazu überreden, seine lang geübte Technik umzustellen. Wer den Klicker nur zur Auszugskontrolle verwendet und so zurechtkommt, kann so weiter machen. Immerhin kann man mit einem solchen Stil (wie Adolf Mohr) auch mehrfacher deutscher Meister werden. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass ich keinen der aktuellen Weltcup-Schützen so schießen sehe, wenn ich mir die Videos auf YouTube ansehe.

Zu guter Letzt: bitte folgenden Fehler beim Klicker-Training vermeiden: Kein Schießen ohne Auflage!

Schießen ohne Zielpunkt ist nur sinnvoll:

  • zum Aufwärmen (Einschießen) und beim Ausschießen
  • bei Anfängern, die die Grundlagen des Spannens und Schießens erlernen und
  • bei Fortgeschrittenen, die Änderungen an ihrem Schießstil vornehmen wollen.

Ansonsten ist das Schießen ohne Zielpunkt und damit ohne Kontrolle der Haltefläche nicht sinnvoll. Es ist wichtig, dass das Trainieren des Spannens und Lösens nur in Verbindung mit dem Trainieren der Koordination des Zielvorganges vorgenommen wird. Es muss zu diesem Training nicht zwangsläufig eine Auflage verwendet werden. Je näher man allerdings einem wichtigen Wettkampf kommt, umso wichtiger ist es, auch das korrekte Zielbild im Training zu verwenden.

Hinweis: Auf der Seite zum Thema "Wettkämpfe" gehe ich auf das Einfrieren („freezing“) oder Hängenbleiben („hang-up“) unter dem Klicker ein.



8 Tipps für neue Bogenschützen, die ihre erste Außensaison bestreiten

Quelle: Trainertipps September 2023

Für diese Trainer-Tipps habe ich einen Artikel einer amerikanischen Web-Site als Basis genommen, den Inhalt übersetzt und dabei etwas verändert bzw. ergänzt. Es handelt sich dabei um acht Tipps, die der Verfasser für neue Bogenschützen, die ihre erste Außensaison bestreiten, bereithält. Das Original von Andrew Smith finden alle Interessierten unter dem Link: http://www.bow-international.com/features/8-top-tips-for-new-competitive-archers/

Für Anfänger kann der erste Wechsel vom Schießen in der Halle zum Schießen auf dem Bogenplatz ein kleiner Schock werden. Nicht nur, dass man sich draußen mit den Unbilden des Wetters ausein­andersetzen muss und auf größere Entfernungen geschossen wird, mancher Schütze versteht nicht, warum die wenigen Meter mehr plötzlich zu so viel schlechteren Gruppen führen können. Andere vergleichen die geschossenen Ringzahlen in der Halle mit denen im Freien und sind regelmäßig ent­täuscht über die scheinbar schlechtere Leistung.

Draußen zu schießen ist schwieriger; dabei muss man noch mehr auf saubere Technik und Schussausführung achten. Technikfehler sowie Fehler in Bogenabstimmung und/oder Pfeilauswahl werden verstärkt, wenn die Pfeile weiter fliegen müssen. Dazu kommt der Einfluss des Wetters und durch die höhere Pfeilzahl pro Passe kommt u.U. auch noch ein Müdigkeitseffekt hinzu.

Wenn aber das Bogensetup stimmt und die Pfeile richtig ausgewählt sind, dann sind alle Änderungen, an die man denken muss, nur noch vom Schützen und nicht mehr von seiner Ausrüstung abhängig. Auf was müssen wir also achten?

1 Bieg Dich in der Hüfte

Einer der typischen Fehler beim Schießen auf größere Entfernungen ist es, dass der Schütze den Bogenarm anhebt, anstatt die sogenannte T-Stellung zu halten und sich in der Hüfte zu „biegen“.

Es ist wichtig zu verstehen, dass es prinzipiell keinen Unterschied macht, ob man drinnen oder draußen schießt. Die „T-Stellung“, also die Ausrichtung der Schultern“, die man in der Halle gelernt hat, soll beibehalten werden.

Abbildung 1: 

Um weiter zu schießen, darf man nun nicht den Bogenarm anheben, sondern es muss die Schulteraus­richtung beibehalten werden, der Schütze knickt leicht in der Hüfte ab und richtet so den Bogen wei­ter nach oben.

Moderne Bögen sind sehr effizient und so ist der notwendige Höhenwinkel (der Ballistiker spricht von Elevation) nicht besonders groß (sofern man ein der Entfernung angemessenes Zuggewicht schießt), besonders für Anfänger, die selten über 50 m hinaus schießen.

Bei größeren Entfernungen nimmt dieser Winkel jedoch zu und man muss ganz bewusst der Versu­chung, den Bogenarm anzuheben entgegenwirken. Würde man (anstelle in der Hüfte zu knicken) den Arm anheben, so würde sich der Auszug verkürzen, der Klicker würde nicht mehr passen und der ganze Schussablauf käme durcheinander. Von daher, achte auf Deine T-Stellung, egal ob Du auf 18 m oder 90 m schießt und beuge die Hüfte, um den Höhenwinkel anzupassen. Achte aber darauf, dass Du dabei nicht die Hüfte vorschiebst oder ins Hohlkreuz fällst.

2 Bogenhand

Du solltest in der ersten Zeit schon gelernt haben, den Bogen nicht festzuhalten. Dafür hast Du die Bogenschlinge, die Du hoffentlich auch verwendest. Wenn man zum er­sten Mal draußen schießt, dann kann es passieren, dass man vor Aufregung all die Lektionen vergisst, die man in der Halle sicher beherrscht hat.

Du solltest vermeiden, den Bogen fest zu umgreifen, aber auch das Gegenteil, das Spreizen der Fin­ger ist nachteilig. In beiden Fällen besteht das Risiko, dass Du über den Griff Drehmomente auf den Bogen überträgst, die dann zu unerwünschten Bewegungen im Schuss führen können.

Die beste Position der Bogenhand erreichst Du, wenn Du die Form des Griffes nutzt und die Hand locker und entspannt in ihm liegenlässt. Dabei sollte die Hand den Griff nur in der Gegend des Dau­menballens berühren, der Daumen selbst zeigt zum Ziel und die restlichen Fingerknöchel zeigen mit ca. 45° nach hinten und unten. Du musst in der Lage sein, mit Deinen Fingern zu „wackeln“, ansonsten hast Du zu viel Spannung in der Bogenhand.

Der Schwerpunkt der meisten Bögen ist hinter dem Griff, sodass der Bogen nach dem Lösen nach hinten kippt. Dieses Verhalten ist meist nicht erwünscht und daher sollte man frühzeitig einen Mo­nostabilisator verwenden, mit dem der Schwerpunkt nach vorn verlegt und somit der Bogen nach­ dem Schuss nach vorn kippt.

Der Stabilisator wird außerdem dafür sorgen, dass der Bogen träge wird und weniger auf kleine Stö­rungen, die von der Bogenhand ausgehen, reagiert. Das wird dafür sorgen, dass sich Deine Gruppen deutlich verbessern.

3 Die Sehne richtig ausziehen

Zieh die Sehne nicht weiter nach hinten, als Du es beim Schießen in der Halle tust. Wenn man drau­ßen auf größere Entfernungen schießt, ist man versucht, die Sehne weiter auszuziehen, damit der Pfeil weiterfliegt.

Das ist allerdings wenig hilfreich und wird typischerweise dazu führen, dass der Schuss schlechter wird. Ein übliches Symptom dafür ist, dass die Sehne den Bogenarm berührt, weil man die Stellung des Arms verändert hat, um weiter ausziehen zu können. Wenn dies passiert, muss man genau auf die korrekte Stellung des Bogenarms und das richtige Ausdrehen des Ellbogens achten. In diesem Zu­sammenhang kann es passieren, dass es aufgrund der falschen Armhaltung zum „Zusammenbrechen“ der Körperspannung und dadurch zu einem schlechten Schuss kommt.

4 Fußposition

Die richtige Position der Füße im Bezug zur Schießrichtung (bzw. zum Ziel) ist ein sehr wichtiger Bei­trag zum Erreichen guter Ringzahlen. Es ist wichtig, dass die Position der Füße und damit die Ausrich­tung des Körpers zum Ziel korrekt sind und dass diese Position zu jedem Schuss immer wieder gleich eingenommen wird.

Baumlinien oder die Art wie das Gras gemäht ist, können optische Täuschungen hervorrufen, die dazu führen, dass der Schütze nicht richtig zum Ziel steht.

Du solltest Dir angewöhnen, vor Beginn des Schie­ßens Deine Schulterlinie in Richtung auf Deine Schei­be auszurichten und Dir dann Markierungen auf dem Boden suchen (oder aber anbringen) damit deine Füße in jeder Passe gleich stehen. Solche Fußmarkierungen sind, solange sie nicht höher sind als 1 cm, nach der Sportordnung zulässig.

5 Bögen haben keine Kimme

Im Gegensatz zu einem Gewehr (bei dem die Visierlinie durch Kimme und Korn festgelegt wird) haben unsere Bögen keinen „hinteren Teil der Visierung“, sondern nur einen Korntunnel vorn. Damit ist es wichtig, dass wir anstelle einer Kimme eine andere Art finden, den hinteren Teil unserer Visierlinie festzulegen. Diese Festlegung erfolgt bei uns durch eine Kombina­tion von der Position der Sehne im Gesicht (Nasen­kontakt), der Position der Hand unter dem Kinn, dem unscharfen Sehnenbild vor dem zielenden Auge (als „Sehnenschatten“ bezeichnet).

Selbst kleine Veränderungen dieser Positionen, womöglich kombiniert mit schlechtem Lösen können dazu führen, dass Deine Pfeile am Ziel vorbeifliegen.

Ein oftmals unterschätzter Punkt ist, ob der Mund offen oder geschlossen ist. Wenn man die Position des Unterkiefers ändert, verändert man sofort auch (u.U. deutlich) die Höhenlage seiner Pfeilgrup­pierung. Hochschüsse werden durch einen offenen, Tiefschüsse durch einen geschlossenen Kiefer hervorgerufen.

Das Sehnenbild muss immer an derselben Stelle (bezogen auf den Bogen) gesehen werden. Schon kleine Abweichungen können dafür sorgen, dass Du am Ziel vorbeischießt, obwohl Dein Pin ins Gold zeigt.

6 Visiereinstellungen

Du solltest Dir Deine Visiereinstellungen immer notieren und gut aufbewahren. Die meisten Ringe gehen verloren, wenn in einem Wettkampf die Entfernungen geändert werden (z.B. bei einer „gro­ßen FITA“). Daher sollte man vor jedem Wettkampf seine Visierkennlinie (die Einstellungen für jede der geschossenen Entfernungen) ausschießen und notieren.

Je besser Du wirst, umso besser passen diese ausgeschossenen Werte von Wettkampf zu Wett­kampf, wobei es wichtig ist zu wissen, dass sich diese Werte aufgrund von Wetter und Licht ändern können. Es darf Dich daher nicht überraschen, wenn die Werte auf einem fremden Platz anders sind als auf dem heimischen Trainingsplatz. Das Verhältnis zueinander wird jedoch gleich sein, d.h. wenn Du bei der ersten Entfernung etwas tiefer einstellen musst, wird das bei den folgenden Entfernungen ähnlich sein.

7 Nachhalten

Das Nachhalten (im englischen als „follow-through“ bezeichnet) ist wie auch in anderen Sportarten sehr wichtig. Ein gutes, sauberes Nachhalten ist die Bestätigung, dass du den Schuss sauber ausgeführt hast. 

Wenn du den Bogenarm nach dem Lösen für ungefähr eine Sekunde oben lässt, verhinderst Du, dass sich der Bogenarm bereits während des Schusses nach unten bewegt, was ein häufiger Grund für schlechte, tiefe Schüsse ist.

Dabei sollst Du aber auch nicht bewusst dem Pfeil nachblicken (und womöglich dabei den Bogenarm seitlich verziehen, nur um den Pfeil zu sehen). Es ist zwar schön, einen sauber geschossenen Pfeil im Gold einschlagen zu sehen, aber wenn es sich dabei um Deine Pfeile handelt, hast Du nicht richtig nachgehalten und schickst Deine Pfeile unsauber in Richtung Ziel. Schöner ist es, wenn Du es richtig machst und schon im Schuss spürst, dass der Pfeil im Gold sitzen wird.

8 Verwende einen Klicker

Ein Klicker wird Dir helfen, gleichmäßiger zu schießen und engere Gruppen zu erzielen, und das ist der Grund, warum so gut wie jeder gute Schütze einen Klicker verwendet. 

In seiner einfachsten Form ist der Klicker ein kleines Blech, das am Bogen befestigt ist, und mit dessen Hilfe sichergestellt wird, dass Du den Pfeil immer gleichweit ausziehst.

Wenn es allerdings so einfach wäre, wäre ein Klicker an jedem Bogen angebracht, aber das ist nicht der Fall. Manche Trainer raten sehr früh zum Gebrauch eines Klickers, andere wiederum warten damit sehr lange.

Der Schlüssel zur richtigen Verwendung des Klickers ist die korrekte Einstellung der Auszuglänge, bei der der Klicker fällt. Man kann das nur sehr schlecht allein und sollte dabei von einem erfahrenen Schützen oder Trainer angeleitet werden. Richtig angewendet ist der Klicker eine große Hilfe, bei Fehlern allerdings kann er eine echte Plage werden.

Häufige Fehler

Quelle: Trainertipps Dezember 2024

Hier habe ich mir die Arbeit einfach gemacht und einen Artikel, der auf der Website der WA (World archery) veröffentlicht wurde, mehr oder weniger nur übersetzt und mit eigenen Anmer­kungen versehen. Wenn jemand das Original lesen möchte, man findet es unter https://worldarchery.org/news/149488/9-common-recurve-archery-mistakes-and-how-fix-them

Alle eigenen Anmerkungen und Ergänzungen zu dem Artikel habe ich durch kursive Schrift kenntlich gemacht.

Top Schützen zeigen einfache Fehler und wie man sie ausmerzen kann

Eine gute Technik zu entwickeln braucht Zeit, Anleitung und eine Zutat, die man nicht ignorieren darf: Training. Die Verbesserung von Kleinigkeiten, die zur Folge haben, dass jemand genauer schießt, ist wichtig, und wer könnte diese Kleinigkeiten besser aufzeigen als die Schützen und die Trainer, die diesen Prozess schon hinter sich haben? Im folgenden Artikel erklären einige der besten Schützen der Welt, wie man die häufigsten Fehler beim Recurve-Schießen beheben kann.

Verlust des Zielpunkts

„Obwohl ein Schütze im Vollauszug genau auf einen Punkt zielt, verliert er diesen Zielpunkt oft in dem Moment, in dem er löst“, sagt Ki Bo Bae, die 2012 in London die Goldmedaille gewonnen hat.

Sie weist darauf hin, dass sie ein Visier benutzt, bei dem ein Visierpin von einem Ring umschlossen wird. Sie meint, dass ein Schütze sich nicht auf den Ring konzentrieren sollte, sondern vielmehr dar­auf, wo sich der Pin auf dem Ziel befindet.

Ich gehe davon aus, dass Ki Bo Bae beim Zielen das Visierkorn scharf sieht und die Scheibe unscharf, so wie es auch unser Bundestrainer empfiehlt. 

Wenn man mit dieser Art des Zielens klarkommt, ist der Tipp goldrichtig. Ich persönlich kann so nicht zielen und fokussiere lieber auf das Ziel und sehe daher die Scheibe scharf. Meine Augen sind nun nicht mehr gut genug, um dabei den Pin noch zu sehen und ich kann mich daher nur auf den Visierring konzentrieren. Dadurch kann ich nicht mehr so genau auf einen Zielpunkt außerhalb des Goldes anhalten (z.B. bei Wind) und rate daher jedem Schützen, es mit einem Visierpin zu versuchen.

Zu genau zielen

Der Cheftrainer der US-Mannschaft warnt, dass übermäßiges Zielen gefährlich sein kann. „Zu viel Den­ken und zu viel Zielen gehört zusammen. Wer zu viel denkt, der wird auch länger zielen und dann auch zu lange halten“, sagt er. Dieses falsche Verhalten kann nur mit Training ausgemerzt werden und wie der italienische Trainer Wietse van Alten hinzufügt, soll man im Wettkampf so schießen wie im Training: „Mach im Wett­kampf nichts Besonderes an der Schießlinie, man muss die Dinge genauso machen wie im Training“.

Das ist einer der wichtigsten Hinweise über­haupt. Viele Schützen denken, sie müssten im Wettkampf etwas Besonderes tun, weil es jetzt „um etwas geht“, und dabei verändern sie (teilweise unbewusst) ihre lang eingeübten Ab­läufe. Man muss sich darauf konzentrieren, dass man die im Training eingeübten und perfektionier­ten Abläufe eben nicht ändert und somit einen immer gleichen Schuss produziert.

Zu lange halten

Eine Schuss-Routine und ein gleichmäßiges Timing ist, wie viele Schützen und Trainer sagen werden, der Schlüssel zur Genauigkeit. Viele der Top-Schützen verbringen nur sehr kurze Zeit im Vollauszug, und das Wichtigste ist, das gewohnte Timing beizubehalten. 

“Eine der größten Herausforderungen ist es, das Timing aus dem Training in den Wettkampf zu bringen“, sagt Bernardo Olivera [ein brasi­lianischer Weltcup-Schütze]. „Man sieht eine große Anzahl Schützen, die den Schuss zu lange halten. Schützen sind manchmal verzagt und es ist hart, das Selbstvertrauen aufrecht zu halten. In einem Wettkampf wirst Du getestet und wenn man kein starkes Selbstvertrauen hat, ist es schwer, das gewohnte Timing zu behalten“.

Dieser Tipp hängt mit dem vorhergehenden zusammen. Wenn man meint, im Wettkampf etwas be­sonders machen zu müssen, dann wird man seine Abläufe ändern und dabei läuft man Gefahr, dass man die Schüsse zu lang hält. Glaubt an Euch, vertraut Euren Fähigkeiten und macht im Wettkampf einfach das, was Ihr im Training lang geübt habt.

Gegen den Wind kämpfen

“Ich denke, das ist der schlimmste Fehler, weil [der Wind] etwas ist, das Du nicht kontrollieren kannst. Du kämpfst immer mit dem Wind, aber das musst Du nicht, Du musst ihn verstehen und ein­fach schießen“, sagt Ana Maria Rendon [Kolumbien].

Sie sagte das in Kolumbien, wo es nicht „zu viel Wind“ gibt, während sie mit ihrer Mannschaft trai­niert, neben das Gold zu zielen, um abschätzen zu lernen, wie der Wind die Pfeile über die Scheibe bewegt. „Es gibt Dir das Vertrauen, dass selbst wenn Du ins Rote zielst, die Pfeile im Gold landen“. 

US Coach Mel Nichols ergänzt, dass es wichtig sei, egal wo man hin zielt, diesem Zielpunkt zu vertrauen und egal wie stark der Wind ist, den bestmöglichen Schuss abzuliefern. „Wenn Du neben das Ziel halten musst beginnen die Schützen ihr Selbstvertrauen zu verlieren“.

Das beschreibt ein Problem, das wir im Trai­ning leider viel zu selten angehen. Wir trainie­ren eigentlich fast gar nicht das sogenannte „Anhalten“, also das bewusste neben (oder auch drüber/drunter) das Gold zielen, um den Windeinfluss auszugleichen. Unser Trainingsplatz wäre sehr gut hierfür geeignet.

Fokus auf die Ausrüstung zu legen

Es ist leicht sich selbst an die neueste und schönste Ausrüstung zu verlieren, aber dies ist ein sehr alter Fehler. „Konzentriere dich zunächst auf Deine Form und Technik und mach‘ sie so wiederholbar wie möglich, bevor du dich mit den kleinen Unterschieden der Ausrüstung beschäftigst“, sagt der Ingenieur George Tekmitchov. „Jede Ausrüstung ist normalerweise besser als der Schütze. Die besten Schützen der Welt legen 95% ihrer Anstrengungen in Verbesse­rungen ihrer physischen und mentalen Fähig­keiten und nur den Rest – wenn überhaupt- in die Ausrüstung“.

Ich behaupte darüber hinaus, dass ein guter Schütze mit einer günstigen Ausrüstung immer besser schießen wird als ein schlechter Schütze mit dem Top-Material. Nicht das Material schießt ins Gold, das muss immer noch der Schütze selbst. Wichtig ist, dass Euer Material nicht defekt ist, alle Schrauben fest und alle Federn geklebt sind.

Das soll aber nicht heißen, dass gutes Material nicht wichtig sei. Kauft die teuersten Pfeile, die Ihr Euch leisten könnt, kauft Euch das Material, das euch gefällt, wenn Ihr Euch damit wohl fühlt (dann schießt Ihr auch besser). Denkt nur nicht, dass teures Material schlechte Technik und mangelndes Training ausgleichen kann.

Verlust der Rückenspannung

Eines der Dinge, die am schwierigsten zu korrigieren sind, ist der Fehler, dass die Zughand beim Lösen nach vorn springt, anstatt sich in Zugrichtung nach hinten zu bewegen. 

„Die Zugbewegung ist mehr als das blosse Halten der Sehne mit den Fingern, die Kraft muss vielmehr aus dem Schulterbereich kommen. Die Zugbewegung ist eigentlich eine Bewegung der Schulter“, sagt der koreanische Weltmeister Kim Woojin.

Naomi Folkard ergänzt, dass manche Schützen im Auszug die benutzten Muskeln ändern, wenn sie in den Vollauszug kommen. Es sei aber wichtig, die Bewegung beizubehalten.

Wichtig ist, dass man lernt, den Bogen richtig zu spannen (siehe "Grundlagen" Abschniff 4. / Trainer-Tipps vom Oktober 2023) und zu verstehen, dass die Spannbewegung eigent­lich eine Bewegung des Zugellenbogens um die Zugschulter ist. Wenn man diese Bewegung gelernt hat (und das sieht der Trainer daran, dass die Zughand nach dem Schuss hinter dem Kopf ist) wird man kein „nach-vorne-Lösen“ mehr erle­ben.

Fehlender Druck

“Trainer sagten mir immer, dass ich ziehen müsse, aber niemand hat mir gesagt, dass ich auch drücken muss und wie ich drücken muss“, sagt Lisa Unruh. „Ich denke, dass ist einer der häufigen Fehler“. Sie bezieht sich dabei auf das Ziehen mit den Rückenmuskeln, der Zughand und –schulter und dem Drücken mit der Bogenhand. “Gefühlsmäßig drücke ich stärker, wenn ich in der Halle schieße. Das blieb so beim Wechsel zum Schießen im Freien, aber nach einigen Wochen verlor ich dieses Gefühl. Im letzten Jahr habe ich realisiert, wie wichtig es für mich auch draußen ist und ich habe mich darauf konzentriert.“

Letztes Jahr - 2016 - war auch das Jahr, in dem Lisa die Silbermedaille bei den olympischen Spielen gewann. Zufall?

Ein stabiler Bogenarm und der entsprechende Druck nach vorn (auch wenn es einen mehr oder weni­ger bekannten Theoretiker gibt, der behauptet, man könne nicht drücken) ist extrem wichtig, um eine stabile Basis für den Schuss zu bilden. Ein Einknicken im Bogenarm und/oder der Bogenschulter resul­tiert nahezu immer in einem schlechten Schuss (meist tief und links, betrachtet für einen Rechtshand-Schützen).

Schußabbruch beim Klicker

Target-Panik, Goldangst oder wie es die Koreaner nennen „Klickerkrankheit“ sind schlimme Erfahrungen, die man als Recurve-Schütze machen kann.

Nicht mehr fähig zu sein den Schuss auszuführen, wenn man im Ziel steht, das fehlende Vertrauen durchzuziehen und den Pfeil so zu schießen, wie man eigentlich möchte, ist meist ein Zeichen dafür, dass man nicht gelernt hat, den Klicker richtig zu nutzen.

„Der Klicker ist nicht das Ende des Schusses, sondern vielmehr der Anfang“, sagt Sjef van den Berg, der in Rio den vierten Platz belegte. „Die beste Möglichkeit das zu beheben, ist sich dar­auf zu konzentrieren, Zugellenbogen und Bo­genhand auseinander zu bewegen und sich nicht zu entspannen, bevor der Schuss tatsächlich zu Ende ist“.

Und wann ist der Schuss zu Ende? „Wenn der Pfeil im Ziel ist“, sagt Sjef.

Meiner Meinung nach sind Target-Panik und Goldangst nicht das, was Sjef hier beschreibt und ich verstehe den Artikel hier nicht ganz.

Dennoch, man sieht öfters Schützen, die im Schuss quasi „zusammenfallen“ und vollkommen die Kör­perspannung verlieren, was meist in katastrophalen Schüssen endet. Man muss sich unbedingt darauf konzentrieren, den Schuss zu Ende zu bringen (die Trainer nennen es „nachhalten“). Lasst den Bogen­arm stehen, bis Ihr den Pfeil im Ziel einschlagen hört (und in der Halle ruhig noch ein klein wenig län­ger).

Das Streben nach Perfektion

“Die Technik, die du nutzt, ist ganz allein deine Technik. Die Technik ist für jede Person einzigartig, und meine Technik ist sehr speziell für mich“, sagt J. C. Valladont. Er nennt drei wichtige Schlüs­selelemente für einen starken Schuss. 

„Obwohl jedermanns Technik immer etwas unterschiedlich ist, die zentralen Punkte der weltbesten Schützen sind die gleichen. Wir schießen mit einer Bewegung des Schulter­blatts, halten eine stabile Position und einen starken Bogenarm in Richtung auf das Ziel.“

JC fügt hinzu, dass die Bewegungen, die man­che Schützen nach dem Schuss ausführen ei­gentlich nur Show sind. „Der Pfeil fliegt dann bereits. Es ist die Millisekunde, in der du deine Finger öffnest, die wirklich wichtig ist”.

Ich verstehe seine Hinweise dahingehend, dass jeder Schütze seine eigene Technik finden muss. Es ist nicht sinnvoll, die Technik eines Weltcup-Schützen zu kopieren, man muss vielmehr die Prinzipien ver­standen haben und diese möglichst wiederholbar einsetzen.

Visier-Korrektur

Quelle: Trainertipps November 2023

Ich möchte noch kurz erklären, wie Ihr am besten die Visier-Einstellung korrigiert, wenn die geschossene Gruppe nicht im Gold steckt.

Ich gehe davon aus, dass Ihr alle wisst, dass „das Visier dem Pfeil folgt“. Das bedeutet, dass wenn die Pfeile z.B. zu weit links stecken, Ihr das Visier nach links stellen müsst, bzw. wenn die Pfeile zu tief sind, muss auch das Visier nach unten gestellt werden. Die Frage ist nun noch, wie weit müsst Ihr verstellen, damit die nächsten Pfeile (sofern Ihr nicht schlecht schießt) im Gold stecken.

Die folgende Betrachtung gilt nur für bekannte Entfernungen auf dem Platz und in der Halle.

1. Etwas Mathematik

Die Basis für die folgende Betrachtung ist der Strahlensatz, der gelegentlich auch als Satz des Thales bezeichnet wird.

Hier gilt folgende Formel:

A/B = C/D

2. Wie wendet man das auf die Visierverstellung an?

Wenn man den Satz verstanden hat, ist die Anwendung ganz einfach.

Die Formelzeichen in der Grafik oben entsprechen folgenden realen Entfernungen:

A: Entfernung Auge – Visierkorn

B: notwendige Verstellung

C: Entfernung Schießlinie – Auflage

D: Abweichung der Pfeile von der Mitte

Die Schießentfernung (in Metern) kennt Ihr (hoffentlich), und die Entfernung von eurem Auge zum Visierkorn solltet Ihr einmal messen. (sie wird bei Erwachsenen, sofern Ihr das Visier nicht hereinfahren müsst) ungefähr bei einem Meter liegen. Wenn Ihr nun feststellt, um wieviel die Pfeile neben dem Gold liegen, könnt Ihr die notwendige Verstellung B leicht ausrechnen, indem Ihr die Formel umstellt:

B = A x D/C = D x A/C

Beispiel 1: Wenn Ihr auf 30 m (C) schießt und die Pfeile um 20 cm (D) links vom Gold stecken kommt bei der Rechnung folgende Verstellung B zustande (wenn wir von der Visierentfernung A = 1 m ausgehen):

B = 20 cm x 1 m/30 m

B = 0,66 cm

Das bedeutet, dass Ihr das Visier um mehr als einen halben Zentimeter verstellen müsst, damit die Pfeile richtig treffen.

Beispiel 2: Wenn Ihr auf 18 m (C) schießt und die Pfeile um 5 cm (D) links vom Gold stecken kommt bei der Rechnung folgende Verstellung zustande (wenn wir von der Visierentfernung A = 1 m ausgehen):

B = 5 cm x 1 m/18 m

B = 0,27 cm

Das bedeutet, dass die notwendige Visierverstellung fast 3 mm beträgt.

Ich habe oft beobachtet, dass viele Schützen bei der Verstellung des Visiers viel zu zaghaft sind und meist viel zu wenig verstellen. Stellt deutlich und korrigiert bei der nächsten Passe gegebenenfalls noch einmal nach.

3. Woher weiß man, wie weit die Pfeile daneben stecken?

Wenn man die Pfeile holt, kann man relativ einfach messen, wie groß der Fehler ist. Der Nachteil ist, dass dabei die gesamte Passe schon geschossen ist.

Um den Fehler schon von der Schießlinie aus abschätzen zu können, muss man wissen, wie die Maße der einzelnen Auflagen (hauptsächlich die Breite der einzelnen Ringe) sind. Dieses Maß habe ich in der folgenden Tabelle für die verschiedenen Auflagen zusammengestellt.

Wenn Ihr nun beispielsweise seht, dass euer Pfeil auf 30 m in der 7 steckt (und Ihr Euch sicher seid, dass Ihr gut geschossen habt) bedeutet das, dass die Ablage ungefähr 140 mm beträgt (siehe folgendes Bild). Damit könnt Ihr nach der Formel oben wieder ausrechnen, dass Ihr das Visier um

B = 14 cm x 1 m/30 m

B = 0,46 cm

verstellen müsst.

Beispiel: 80er Auflage auf 30 m, Pfeilgruppe in der „7“, ermittelte Ablage sind ca. 140 mm

Entsprechend könnt Ihr nun für alle anderen Auflagen die notwendige Visier-Verstellung leicht überschlagen. Wie schon gesagt, stellt nicht zu zaghaft. Ein „Klick“ (z.B. bei einem Shibuya-Visier) bedeutet eine Verstellung von 1/20 mm und das entspricht nach der Formel (wenn man in der Halle auf 18 m schießt) einer Verlagerung des Trefferpunkts um gerade einmal 1 mm. Niemand von uns schießt so gut, als dass er diesen Unterschied bemerken würde.


Ausrüstung

Quelle: Trainertipps Dezember 2023

Zunächst möchte ich Euch ein paar Tipps geben, was Ihr in Eurem Bogenkoffer, Bogenrucksack bzw. Wettkampftasche immer dabeihaben solltet. Im Freien oft mehr als in der Halle.

1. Ausrüstung

Zu Eurer Ausrüstung muss ich eigentlich nichts sagen; Ihr wisst alle, was Ihr zu einem Wettkampf benötigt. Es lohnt sich allerdings, den Inhalt vor der Abfahrt noch einmal zu kontrollieren, dann kommt es nicht vor, dass man ohne Visier beim Wettkampf steht.

  • Bogen (Mittelteil, Button, Pfeilauflage)
  • Wurfarme,
  • Visier (ein Ersatzkorntunnel ist kein Luxus, wenn ein Bogen umfällt, gehen die gern kaputt)
  • Stabilisatoren, Spinne, Dämpfer
  • Pfeile (mindestens 2 mehr als pro Passe geschossen werden)
  • Sehne (und eine eingeschossene Ersatzsehne)
  • Tab (davon sollte man zwei haben, die beide eingeschossen sind)
  • Bogenschlinge (auch davon möglichst zwei, da sie gern verlorengehen)
  • Armschutz
  • Bruststreifschutz (wenn Ihr einen verwendet)
  • Bogenständer
  • Spannschnur (nicht überall findet Ihr einen Bogenspanner)
  • Köcher
  • Pfeilzieher
  • Kugelschreiber, Bleistift, Notizblock
  • Werkzeug für Bogen und Zubehör (alle erforderlichen Innensechskantschlüssel, bogenspezifisches Werkzeug, scharfes Messer, Feuerzeug, Wurfarmschablonen, Schraubendreher...)
  • Kleines Handtuch
  • Schützenausweis, Startkarte und Personalausweis (bei Meisterschaften)

Verschiedene Kleinigkeiten benötigt man nicht oft, sollte sie aber dennoch greifbar haben:

  • Sehnenwachs
  • Material für Nockpunkte (je nachdem, welche Nockpunkte Ihr verwendet), z.B. Zahnseide, Klemmnockpunkte (und die zugehörige Zange)
  • Kleber
  • Klebeband
  • Ersatznocken (manche Schützen haben verschiedenen Nockenfarben dabei und tauschen diese eventuell aus, damit sie auf der Scheibe ihre Pfeile leichter erkennen)
  • Ersatzfedern (sofern man diese leicht austauschen kann (z.B. Spinwings o. ä.)
  • Brillenputztücher (auch für die Sonnenbrille)

2. Was ist im Freien zusätzlich nützlich?

Zusätzlich zu der Ausrüstung, die Ihr möglichst in einem Koffer oder Rucksack aufbewahren solltet, rate ich zur Anschaffung einer kleinen Tasche, oder Rucksack, in die man die folgenden Ausrüstungsgegenstände verpacken (und auch aufbewahren) kann:

  • Regenjacke (enganliegend)
  • Regenhose
  • Regenschuhe (ersatzweise tun es dazu zwei große Plastik-Tüten, die man mit Klebeband zubinden kann. Sieht dämlich aus, macht aber trockene Füße)
  • Regenschirm, kann man auch gut als Sonnenschirm nutzen
  • Faltstuhl zum ausruhen
  • Anglerzelt gegen Sonne und Regen
  • Mütze
  • Trockene Kleidung zum Wechseln (T-Shirt, Sporthose) für den Fall, dass es regnet
  • Hilfsmittel gegen verschwitzte Hände (Antitranspirant, Babypuder)

3. Was sollte man noch einpacken?

Was sollte man noch zusätzlich einpacken? Meiner Meinung nach könnte dazu folgendes gehören:

  • Ersatzstifte
  • Zusätzliche Kleidung gegen Kälte (T-Shirt mit langen Ärmeln)
  • Geld
  • Trainingsjacke zum Überziehen in den Pausen
  • Etwas zu essen für den Fall, dass man beim Wettkampf nichts einkaufen kann. Dabei nichts Bela­stendes und keine „Zuckerbomben“ nehmen.
  • Etwas zu trinken für den Fall, dass man beim Wettkampf nichts einkaufen kann
  • Pflaster
  • Alle erforderlichen Medikamente (was Ihr braucht, wisst Ihr selbst)

 

Einstellungen am Bogen

Quelle: Trainertipps Mai und Juni 2025

Es wird davon ausgegangen, dass wir einen Bogen komplett neu aufbauen und einstellen. Im ersten Teil geht es um die Grundeinstellungen, im zweiten Teil kümmern wir uns auch um die Abstimmungsarbeiten und die dazu notwendigen Tests. Wenn man sich mit diesen Themen beschäf­tigt, findet man (so man sucht) viele mehr oder weniger ausführliche Anleitungen in Büchern, auf Websites oder auch als Video auf YouTube.

Dennoch möchte ich eine weitere Anleitung für unsere Sportler schreiben, da ich nicht mit allen die­sen erwähnten Anleitungen einverstanden bin und teilweise auch eigene Ansichten zu bestimmten Themen habe. Ich verstehe meine Ausführungen jedoch nicht als der Weisheit letzter Schluss und bin für jede Kritik und Anregung offen.

Wenn man sich das selbst nicht zutraut, kann man natürlich auch beim Bogenhändler seines Vertrauens diese Einstellungen vornehmen lassen.

Grundeinstellungen am Bogen

Die Einstellungen und Prüfungen, die in den folgenden Abschnitten beschrieben sind, sind für alle Recurve-Bögen gültig, egal, ob sie als Blankbogen oder als olympischer Recurvebogen mit Visier geschossen werden. Wenn es zwischen den Bogenarten Unterschiede gibt, werde ich speziell darauf hinweisen. Es werden nur Bögen behandelt, die zerlegbar sind, also aus Mittelteil und zwei Wurfarmen beste­hen. Bögen, die aus einem Stück bestehen (wie z.B. Langbogen, Reiterbogen) gehören nicht in diese Katego­rie.

Alle modernen Recurvebögen bestehen heutzutage aus einem Mittelteil und zwei Wurfarmen. Es gibt verschiedene Methoden, die Wurfarme am Mittelteil zu befestigen, aktuell sind allerdings nur noch das sog. ILF-System (international limb fitting) und das Formula-System von Hoyt gängig, die al­lerdings nicht zueinander kompatibel sind, d.h. die jeweiligen Wurfarme lassen sich nicht im anderen System montieren. Ältere Bögen (teilweise auch die Holzbögen, die wir im Verein haben) verwenden noch Schraubverbindungen, die wir im Folgenden nicht behandeln.

1 oberer/unterer Wurfarm

Allen genannten Systemen ist gemeinsam, dass es einen oberen und einen unteren Wurfarm gibt. Diese beiden Wurfarme sind nicht genau gleich und sind üblicherweise mit „lower“, „bottom“ oder „btm“ markiert bzw. mit „upper“ oder „top“. Die in Abbildung 1 mit den roten Pfeilen gekennzeichneten Markierungen findet man an dem Ende, welches im Mittelteil befestigt wird, auf der Innensei­te.

Abbildung 1: 

Die anderen Angaben auf den Wurfarmen geben an, wel­che nominelle Stärke (in Pfund = lbs) die Wurfarme in ver­schieden langen Mittelteilen ergeben. Die Wurfarme in der Abbildung ergeben in einem Mittelteil der Nennlänge 25 (23) Zoll einen Bogen der Nennlänge 70 (68) Zoll mit einem Zuggewicht von 24 (26) Pfund. Diese Angabe gilt genaugenommen nur bei einem ge­nau definierten Normauszug von 28 Zoll.

An die englischen Maßeinheiten müssen wir uns als Bogenschützen leider genauso gewöhnen wie an die Tatsache, dass an nahezu allen Bögen alle Gewinde Zoll-Maße haben.

Um beim Einstellen des Bogens immer die gleichen Voraussetzungen zu haben, sollten die Wurfarme auch immer in den entsprechenden Positionen eingebaut werden.

Fast jeder Schütze hat schon einmal im Eifer des Gefechts die beiden Wurfarme vertauscht und sich gewundert, warum der Bogen anders schießt. Früher gab es eine FITA-Regel, dass der obere Wurfarm auf der Innenseite keinerlei sichtbare Markierungen haben darf und damit konnte man schnell erkennen, wenn man seinen Bogen falsch montiert hat. Diese Regel gibt es nicht mehr (auf Druck der Hersteller) und daher tragen beide Wurfarme heute meist auch auf der Innenseite Markierungen, die in aller Regel die Schrift immer in Einbaurichtung lesbar haben.

Ich rate jedem Schützen auf einem der Wurfarme eine deutlich sichtbare Markierung anzubringen, mit deren Hilfe er einfach prüfen kann, ob die Montage richtig ist. Rolf Kühn bringt z.B. einen kleinen Aufkleber am unteren Wurfarm an.

2 Wurfarmausrichtung prüfen und einstellen

Nachdem wir festgestellt haben, welcher Wurfarm oben bzw. unten montiert werden muss, werden die Wurfarme mit den Schwalbenschwanzführungen im Mittelteil befestigt. Achtet darauf, dass der Schlitz unter den Tillerschrauben liegt und dass beide Wurfarme sicher und hörbar einrasten. Beach­tet bitte, dass man den Bogen nun aber nicht an einem der Wurfarme tragen kann, da die Befestigung dazu nicht stark genug ist. Mir ist einmal, da ich das nicht beachtet habe, mein Bogen heruntergefal­len.

Spannt nun die Sehne auf. Dabei verwendet Ihr bitte nur eine Spannschnur oder einen Bogenspanner und biegt den Bogen nicht über die Hüfte, wie man es gelegentlich bei manchen Schützen sieht. Man kann sich bei falschem Aufspannen die Wurfarme verdrehen und damit irreparabel beschädigen.

Nun prüft Ihr, ob die Sehne genau mittig über den Bogen verläuft. Dazu kann man die Schablonen verwenden, die es von der Fa. Beiter zu kaufen gibt (siehe Abbildung 2), man kann aber auch auf den Wurfarmen mit Hilfe von Klebestreifen und ei­nem Filzstift Mittenmarkierungen anbringen, die man nach der Prüfung wieder entfernen kann.

Abbildung 2: 

Die Schablonen werden auf die Innenseiten der Wurfarme geklippt und man betrachtet dann den Bogen von der Sehne aus mit einem gewissen Abstand um den Verlauf gut sehen zu können. Wenn man schon das Geld ausgibt, kann man sich auch die Schablonen für die Wurfarm-Enden kaufen, mit denen man an den Enden der Wurfarme prüfen kann, ob die Wurfarme in sich verdreht sind.

Für einen schnellen Check, den man auch mal während eines Wettkampfs machen kann, genügt es, den Verlauf der Sehne über die Tillerschrauben zu prüfen. Wenn man nun feststellt, dass die Sehne nicht mittig über die Wurfarme und das Mittelteil verläuft, muss man die Wurfarme korrekt einstellen. Dazu gibt es, je nach Hersteller verschiedene Verfahren und es ist dazu notwendig, die Gebrauchsanleitung des Bogens genau zu lesen. Einige Modelle von Hoyt verwenden ein etwas um­ständliches Verfahren mit kleinen Unterlagscheiben („hard-lock alignment system“), während Modelle anderer Hersteller mit Verstell-Mechanismen arbeiten, was ich persönlich für ein besseres Verfahren halte. Egal aber welches System verwendet wird, das Ziel ist, dass die Sehne genau mittig über den Bogen verläuft (siehe Skizze = Abbildung 3).

Abbildung 3: 

Lasst Euch bei der Einstellung Zeit und macht es sorgfältig. Macht die Änderungen nicht unter Spannung, sondern spannt den Bogen ab, bevor Ihr den Verstellmechanismus betätigt (bei Hoyt-Bögen geht es sowieso nicht anders). Nach jeder Änderung zieht Ihr die Sehne wieder auf und spannt den Bogen mehrmals, bevor Ihr wieder prüft.

Ein Problem bei dieser Einstellung ist immer, den Bogen aufgespannt irgendwo hinstellen zu müssen, um den Sehnenverlauf zu prüfen. Dazu hat die Fa. Beider einen Halter entwickelt, der aber etwas teuer ist. Ihr könnt das auch mit Hilfe eines anderen Schützen machen, der Euch den Bogen zur Besichtigung gerade hält.

3 Sind die Wurfarme verwunden?

Als nächstes prüfen wir, ob die Wurfarme, die jetzt korrekt ausgerichtet sind, verwunden (also in sich verdreht) sind. Dazu benutzen wir einfach vier Pfeile und legen den Bogen dazu entweder auf zwei Stühle (wie in Abbildung 4) oder aber wir benutzen den Beiter-Halter.

Abbildung 4: 

Achtet darauf, dass die Pfeile wirklich senkrecht zur Richtung der Wurfarme liegen und peilt dann entlang der Sehne über die Pfeile. Wenn die Wurfarme nicht verwunden sind und die Wurfarm-Auflagen im Mittelteil wirklich parallel sind, dann liegen die Pfeile auch parallel zueinander. Die Prü­fung kann man unterstützend auch mit den Schablonen für die Wurfarm-Enden (siehe Abbildung 2) vornehmen.

Eine geringfügige Verdrehung schadet nichts, bei einer stärkeren Verdrehung sollte man entweder die Wurfarme oder das Mittelteil (je nachdem, wo die Verdrehung herkommt) dem Händler zurückgeben. Um zu vermeiden, sich mit dem Händler darüber zu streiten, ob man selbst die Verdrehung durch falsche Montage verursacht hat, sollte man diese Überprüfung wenn möglich, direkt beim Kauf vom Händler vornehmen lassen.

Es gibt einige wenige Mittelteile, die mit Verstellmechanismen versehen sind, mit denen man gering­fügige Verdrehungen ausgleichen kann, im Notfall kann man versuchen durch geeignetes Unterlegen der Wurfarme in den Wurfarmaufnahmen mit dünnen Unterlagen (z.B. Blechen aus einer Fühlerlehre) die Ausrichtung der Wurfarme zu korrigieren.

4 Tiller einstellen

Als Tiller bezeichnet man die Differenz der Sehnenabstände am oberen und am unteren Wurfarm, also: Tiller = Abstand oben – Abstand unten.

Dabei werden die beiden Abstände so gemessen, wie in Abbildung 5 zu sehen ist.

Abbildung 5: 

Achtet darauf, dass der Checker (habt Ihr doch, oder?) sauber am Wurfarm und am Bogen anliegt und bewegt das andere Ende leicht nach oben und unten, bis Ihr das kleinste Maß ermittelt habt.

Dann zieht Ihr die beiden ermittelten Werte voneinan­der ab und kommt auf den Tillerwert.

Zur Einstellung des Tillers schaut Ihr bitte in die Bedie­nungsanleitung Eures Mittelteils, diese Einstellung ist bei allen Fabrikaten ein wenig anders. Typischerweise muss man dazu die Sicherungsbolzen der Tillerschrauben öffnen, dann die Tillerschrauben in die ge­wünschte Richtung drehen und anschließend die Sicherungsschrauben wieder festziehen.

Als ersten Anhaltswert kann man den Tiller eines Bogens zunächst auf ca. 4 mm einstellen, moderne Bögen haben typischerweise etwas weniger Tiller als ältere Fabrikate, bei denen auch Werte von 8 mm nicht unüblich waren. Blankbogenschützen, die mit Abgreifen schießen, haben teilweise auch negative Tillerwerte.

Wenn Ihr gut und konstant schießt, könnt Ihr versuchen, den für Euch, Euren Bogen und Euren Schießstil passenden Tillerwert auszuschießen, in dem Ihr den Tiller verstellt und dann die Größe der Gruppierungen, die Ihr erreicht, messt und die Lautstärke des Bogens vergleicht. Der optimale Wert ist dann der, bei dem die Grup­pe am höchsten steckt und der Bogen am leisesten ist. Man kann auch mit einer Kamera versuchen, die Wurfarme beim Lösen zu filmen und über die Einzelbilder zu sehen, ob die Wurfarme gleichzeitig am Endpunkt ankommen.

Eventuell findet Ihr in der Literatur noch die Bezeichnungen statischer und dynamischer Tiller. Was das bedeutet, seht Ihr in Abbildung 6, in der auch noch den Unterschied zwischen rechnerischer (geometrischer) und energetischer Mitte des Bogens dargestellt ist.

Abbildung 6: 

5 Standhöhe messen und einstellen

Die nächste Einstellung ist die der Standhöhe. Die Standhöhe eines Bogens ist der Abstand der Sehne zum tiefsten Punkt der Griffschale, was bei üblichen Bögen gleich dem Abstand zwischen Sehne und Button ist (sofern man nicht an der Griffschale herumgefeilt hat, oder aber sich eine eigene Griffscha­le gebaut hat).

Für den Wert der Standhöhe gibt es Erfahrungswerte in Abhängigkeit der Bogengröße. Folgende Werte findet man immer wieder in der Literatur, wobei es immer kleine Abweichungen zwischen den Autoren gibt. Am besten schaut Ihr in die Bedienungsanleitung Eures Mittelteils.

Bogenlänge (Zoll) 

Standhöhe (cm) 

64

19...20

66

20...21

68

21...23

70

22...24

Auch hier gilt, dass man, wenn man über den Anfängerstatus hinaus ist, somit besser und konstanter schießen kann, den für sich und seinen Bogen passenden Wert ausschießt. Dabei verändert man die Standhöhe in kleinen Schritten und misst dann die Größe der Gruppierungen, die man erreicht. Der optimale Wert ist dann wieder der, bei dem Ihr die kleinsten Gruppen schießt.

Die Standhöhe wird verändert, indem man die Sehne ein- bzw. ausdreht. Durch Eindrehen wird die Sehne kürzer und die Standhöhe wird größer, durch Ausdrehen wird die Sehne länger und die Stand­höhe somit kleiner. Eine Sehne muss daher schon von Anfang an etwas eingedreht sein, damit sie zur Anpassung gegebenenfalls auch etwas ausgedreht werden kann.

Damit sich die Sehne nach dem Abspannen des Bogens nicht wieder unkontrolliert ausdrehen kann, steckt man nach dem Abspannen die Sehnenöhrchen ineinander und verhindert so das Verdrehen.

Im Übrigen sollte man bei jedem Aufspannen des Bogens die Standhöhe überprüfen und auf den ermittelten Wert einstellen, damit sichergestellt ist, dass sich der Bogen immer gleich verhält. Damit man sich den Wert nicht merken muss, ist es praktisch auf dem Checker eine passende Markierung (z.B. Klebeband) anzubringen.

5 Pfeilauflage einstellen

Ich gehe davon aus, dass an Eurem Bogen eine Pfeilauflage angebracht ist, deren Finger einstellbar ist, da man mit einer solchen Auflage den Pfeil richtig vor den Buttonkopf positionieren kann. Mit den billigeren Klebeauflagen von Hoyt geht das mit etwas „Gefummel“ auch. Die meisten Auflagen haben heutzutage einen Finger, der beim Schuss wegklappt und so den Pfeil nicht ablenkt.

Richtig eingestellt ist die Pfeilauflage, wenn es von hinten (bei einem Rechtshandbogen) betrachtet aussieht, wie in Abbildung 7 dargestellt. Der Pfeil sollte möglichst genau mittig vor dem Buttonkopf liegen. Der Auflagefinger sollte nur sehr wenig über den Durchmesser des Pfeils hinausragen, da sonst die Gefahr besteht, dass beim Lösen der Auflagefinger die Pfeilbewegung stört.

Abbildung 7: jvJHiD

Zur Pfeilauflage noch eine kurze Bemerkung. Ein Recurve-Schütze kann so ziemlich jede Pfeilauflage schießen, die es auf dem Markt gibt, da bei ihm der Pfeil, wenn alles richtig eingestellt ist, sauber aus dem Bogen fliegt. Ein Blankbogenschütze, der mit Abgreifen schießt, sollte auf die Verwendung fili­graner Auflagen (z.B. Shibuya) verzichten, da bei ihm im Lösemoment Kräfte entstehen, die die Auf­lage beschädigen können (vgl. Abbildung 8).

Diese Kräfte kommen daher, dass im Moment des Lösens durch die räumliche Trennung von Zugfin­ger (Krafteinleitung) und Nocke der Punkt der Krafteinleitung quasi schlagartig von den (jetzt nicht mehr vorhandenen Fingern) zur Nocke wandert. Dadurch bewegt sich der untere Wurfarm für die dazu benötigte Zeit „leer“ und erreicht so eine höhere Geschwindigkeit als der obere Wurfarm.

In dem Moment, in dem die Krafteinleitung bei der Nocke angekommen ist, haben die beiden Wurf­arme unterschiedliche Geschwindigkeiten und die Nocke erhält einen starken Schlag nach unten, der Pfeil beginnt vertikal zu schwingen und drückt somit auf die Pfeilauflage.

Abbildung 8: o91G0D

6 Pfeilausrichtung einstellen

Eine der letzten Einstellungen am Bogen ist die Grundstellung des Pfeils. Um sicher zu sein, dass der Pfeil korrekt geschossen wird, sollte er an der Spitze ein wenig nach links (gültig für Rechshandschützen) zeigen. Diese Ausgangsstellung erreicht man durch die Stellung des Button-Fingers. 

Es gibt kein genaues Maß für diese seitliche Auslenkung des Pfeils. Üblicherweise wird diese Auslenkung eingestellt, in dem man einen Pfeil einnockt und auf die Pfeilauflage legt. Nun peilt man von hinten (also über die Sehne) und prüft, wie weit der Pfeil über die Sehne reicht. Wenn man neben der Sehne ungefähr einen halben Durchmesser erkennen kann ist das für den Anfang ausreichend. Es muss nur sichergestellt sein, dass der Pfeil links von der Sehne liegt.

Die endgültige Stellung des Buttons und der Druck der Buttonfeder wird (sehr viel später, wenn sich der Schießstil gefestigt hat) mit dem Berger-Test überprüft und eventuell korrigiert.

Außerdem gibt es eine Anleitung, wie man diese seitliche Auslenkung errechnen kann, dazu benötigt man allerdings das Maß für den sog. „Center-Schnitt“ des Bo­genfensters (wie weit ist dieses gegenüber der geometrischen Mitte des Bogens ausgeschnitten?), was leider heutzutage bei Bögen nicht mehr angegeben wird und nur schwer zu messen ist.

Abbildung 9: 7xVZRy

7 Visier mittig und Visierschlitten parallel zur Sehne

Wenn man schon am Peilen ist, kann man auch gleich überprüfen, ob das Visierkorn mittig hinter der Sehne liegt und der Visierschlitten parallel zur Sehne.

Solange man nur auf eine Entfernung schießt, ist eine eventuelle Schiefstellung des Visierschlittens nicht von Belang, sobald aber Entfernungen gewechselt werden und daher der Visierschlitten ver­schoben werden muss, hätte ein schief stehender Visierschlitten unterschiedliche seitliche Abwei­chungen bei unterschiedlichen Entfernungen zur Folge.

8 Dicke der Mittelwicklung prüfen

Bevor nun die Nockpunktbegrenzer auf die Sehne gesetzt werden, sollte man noch überprüfen, ob die Mittelwicklung zu den verwendeten Nocken passt. Dazu nockt man einen Pfeil ein und prüft, ob er durch das Eigengewicht wieder von der Sehne fällt. In diesem Fall wäre die Mittelwicklung deutlich zu dünn und es muss unbedingt eine neue mit einem dickeren Wickelgarn aufgebracht werden.

Wenn der Pfeil auf der Sehne hält, dann zieht man leicht an dem Pfeil und schaut, wie weit die Sehne sich durch den Zug mitbewegt, bis sie ausnockt. Das Maß sollte zwischen 5 mm und max. 10 mm liegen. Hält die Sehne stärker, so sollte eine dünnere Mittelwicklung angebracht werden.

9 Nockpunkthöhe

Der Nockpunkt ist die Stelle, an der die Pfeilnocke sitze, wenn der Pfeil ausgezogen wird. Meist be­zeichnet man die Markierungen auf der Sehne als Nockpunkte, was nicht ganz korrekt ist, da der Pfeil zwischen den beiden Markierungen eingenockt wird und diese Markierungen korrekterweise Nockpunktbegrenzer heißen.

Auch wenn einer dieser Begrenzer (nämlich der obere) aus­reichen würde, empfehle ich immer zwei Markierungen zu setzen, damit der Pfeil sicher geführt ist. Außerdem kann man so leicht erkennen, wenn sich einer der Begrenzer lockert und seine Lage verändert.

Der Nockpunkt soll so auf der Sehne sitzen, dass der Pfeil möglichst gerade abgeschossen wird. Er sitzt nie genau hin­ter der Pfeilauflage sondern immer ein klein wenig erhöht (Nockpunktüberhöhung), da wir den Pfeil nicht genau in der geometrischen Mitte des Bogens anle­gen (Abbildung 10).

Abbildung 10: CXd9py

Die Nockpunktposition wird von folgenden Parametern beeinflusst, wobei der Einfluss eines einzelnen Parameters nur selten deutlich bemerkt wird. Es spielen meist alle diese Parameter zusammen und daher muss der Nockpunkt bei jeder Veränderung des Setups überprüft und ggf. angepasst werden:

  • Zuggewicht
  • Eventuell Standhöhe
  • Eventuell Tiller
  • Pfeilgewicht/-steifigkeit (Spine)
  • Schießstil (Zugkraftverteilung auf den Fingern, Druckpunkt am Griff).

Man misst die Nockpunktposition mit einem Checker (Abbildung 11). So ein Teil sollte man haben, da man damit auch die Standhöhe messen kann. Damit man sich keine Werte merken muss (notieren), kann man auf dem Checker eine Markierung anbringen (wenn man für Sommer und Winter unterschiedliche Pfeile schießt braucht man unter Umstän­den auch unterschiedliche Nockpunktpositionen).

Abbildung 11: hrbMFP

Für einen Anfänger ist die genaue Nockpunkthöhe nicht wichtig, es muss nur sichergestellt werden dass der Nockpunkt oberhalb des Lotpunkts der Pfeilauflage zur Sehne liegt. Eine Nockpunkthöhe von 8...10 mm ist erst einmal nicht falsch.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten seine Nockpunktposition zu markieren.

  • Klemm-Nockpunkte (Saunders) aus Metall

Kennt jeder, werden mit einer speziellen Zange montiert und können bei falscher Montage wandern. Beschädigen das Tab-Leder, wenn sie nicht sehr sorgfältig angebracht werden.

  • Gewickelt aus Garn

Einfach zu machen, sind leichter als die Klemmnockpunkte und halten, wenn sie gut gemacht sind so lange wie die Sehne (Zahnseide hält nicht lang, ist aber für schnelle Reparaturen un­schlagbar)

  • Papiernockpunkt

Stabil, schnell gemacht und hält solange wie die Sehne (und kann farblich auf die Sehne abgestimmt werden ©)

  • Beiter

Müssen mit der Mittelwicklung zusammen aufgebracht werden, schwierige Montage, nicht mehr veränderbar.

Mit den bisher gemachten Einstellungen (alle Werte wie Standhöhe, Tiller, Nockpunktüberhöhung...) sollte man sich notieren) kann man anfangen, mit dem Bogen zu schießen.

 

Auswahl und Grobabstimmung des Pfeils

Quelle: Trainertipps Juni 2025

Pfeilauswahl

Wie schon gesagt, mit den bisherigen Grundeinstellungen (Trainertipps vom Mai 2025) kann man schon vernünftige Ergebnisse schießen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Pfeil auf den Bogen (und in gewisser Weise auch auf den Schützen) abgestimmt ist. Mit Abstimmung ist dabei gemeint, dass der sog. Spinewert des Pfeils zum Zuggewicht des Bogens passt.

Der Spinewert des Pfeils ist ein Maß für die Biegsamkeit eines Pfeils. Gemessen wird dieser Wert, in dem ein Pfeil auf zwei Auflagen im Abstand von 28“ (71,1cm) gelegt wird und genau in der Mitte zwischen diesen Auflagepunkten mit einem Gewicht von 2lbs (0,906kg) belastet wird. Die dadurch entstehende Durchbiegung wird in Tausendstel Zoll gemessen und angegeben. Ein Pfeil, der sich bei der gegebenen Belastung um 0,5“ durchbiegt hat einen Spinewert von 500. Man bezeichnet einen Pfeil mit geringer Durchbiegung (also niedrigem Spine) als hart, einen Pfeil mit starker Biegung (also hohem Spine) als weich. Je höher nun das Zuggewicht eines Bogens, umso härter muss der entspre­chende Pfeil sein.

Bei der ersten Auswahl des Spinewerts helfen Tabellen der verschiedenen Pfeilhersteller (z.B. Easton). Solche Tabelle findet Ihr beispielsweise in den Katalogen der Hersteller (eventuell auch auf deren Web-Sites). Man findet im Internet mit den Suchbegriffen „arrow selection chart“ aber auch online-tools, mit denen man den Spinewert seiner Pfeile bestimmen kann (z.B. https://eastonarchery.com/archery/). Abhängig von Bogenart und Pfeillänge bekommt man einen Wert für den Spine, auf den Herstellerseiten meist auch einen Vorschlag des Pfeiltyps.

Eine Beispieltabelle findet Ihr in der folgenden Abbildung (Fa. VICTORY):

nFQZff

Man muss dabei aber beachten, dass die Angaben der Hersteller max. für eine Vorauswahl gut sind, da meist von einem Standardgewicht der Pfeilspitze (üblicherweise 100 grain) ausgegangen wird.

Außerdem wird in den verschiedenen Tabellen die Pfeillänge immer in ganzen Zoll angegeben und passt somit nur in etwa zu den Pfeilen, die Ihr später schießen wollt.

1 Was für Pfeile soll man kaufen?

1.1 Fertigpfeile

Für einen Anfänger, der seine ersten Schritte im Bogensport unternimmt und sich noch nicht sicher ist, ob das sein zukünftiger Sport sein wird, genügt es vollkommen, beim Händler Fertigpfeile zu kau­fen, die nach einer solchen Tabelle ausgesucht werden. Dabei ist auch die genaue Länge noch nicht so wichtig, der Sportler sollte die Pfeile lieber etwas zu lang auswählen, da sich im Laufe des Trai­nings der Auszug üblicherweise verlängert und die Pfeile dafür lang genug sein sollen, um zu vermei­den, dass man relativ bald wieder neue Pfeile braucht.

Diese Fertigpfeile, die man für wenig Geld kaufen kann (ca.5...8€/Pfeil) reichen vollkommen aus, um damit das Schießen zu erlernen. Als Anfänger macht es keinen Sinn teure Pfeile zu kaufen, da davon auszugehen ist, dass der eine oder andere Pfeil im Laufe der Saison verlorengeht und das sich das Zuggewicht des Schützen erhöht und damit der Spinewert der Pfeile falsch ist, sodass neue Pfeile mit dem richtigen Spinewert notwendig werden.

Diese Fertigpfeile sind meist Voll-Karbon-Pfeile, die mit Befiederung und Spitzen versehen sind. Fragt beim Kauf der Pfeile am besten gleich nach Ersatzfedern und –Spitzen, da die Ersatzteilversorgung nicht immer gewährleistet ist. Denkt daran, auch gleich genügend Pfeile zu kaufen. Ihr braucht im Freien sechs Pfeile pro Passe und ich empfehle Euch, mindestens 8 Stück zu kaufen. Von Alumini­umpfeilen rate ich (bei Anfängern) ab, da diese Pfeile unbemerkt krumm werden können.

1.2. Höherwertige Pfeile

Wenn man als Sportler schon etwas weiter ist, die Schießtechnik schon gefestigt ist und die Ergebnis­se langsam besser werden, dann kann man beginnen, mehr Geld für die Pfeile auszugeben. Ich per­sönlich würde eher teure Pfeile kaufen als ein teures Mittelteil, weil üblicherweise teure Pfeile auch genauer gefertigt und damit gleichmäßiger sind als günstige. Das Mittelteil hat auf die geschossenen Ringzahlen den geringsten Einfluss, während die Gleichmäßigkeit der Pfeile viel wichtiger ist.

Diese Aussage wird wahrscheinlich für Widerspruch sorgen, aber man sollte dabei beachten, dass ein Recurvebogen ein relativ einfaches Teil ist und sich nicht so weiterentwickelt hat wie die Compoundbögen. In den späten 80er-Jahren wurden von Topschützen wie Darrel Pace in großen Fitas Ringzah­len oberhalb von 1350 Ringen geschossen mit Bögen, die nach heutigen Standards als primitiv be­trachtet würden. Der aktuelle Weltrekord bei den Frauen (1405 Ringe, Park Sung Hyun) datiert aus dem Jahr 2005. Solange die Ergebnisse eines Schützen nicht in diese Gegend kommen, ist anzuneh­men, dass auch ein einfacher Bogen ausreichend ist und man lieber mehr Aufwand in das Training stecken sollte.

Ich gehe davon aus, dass ein fortgeschrittener Schütze seine Pfeile selbst baut und daher nur die Komponenten (Schäfte, Spitzen, Nocken) kauft. Außer für Hallenpfeile (die man nicht wirklich braucht, siehe Abschnitt 1.3) würde ich keine Aluminium-Pfeile nehmen und daher bleiben nur noch die reinen Carbon-Pfeile, oder Alu-Carbon Pfeile (z.B. Easton A/C/G, Easton A/C/E, oder die entsprechenden Schäfte von anderen Firmen wie z.B. Victory). Persönlich würde ich mir die Pfeile kaufen, die ich mir leisten kann, damit ich mir sicher sein kann, dass es nicht am Material liegt, wenn ich danebenschieße. Bei den Pfeilen für fortgeschrittene Schützen würde ich immer darauf achten, dass ich dafür Spitzen mit unterschiedlichen Gewichten (z.B. Schraubspitzen oder breakoff Spitzen) bekomme, damit man die Möglichkeit hat, den Pfeil über die Änderung des Spitzengewichts anzupassen (dazu später mehr).

1.3. Braucht man Hallenpfeile?

Nein, braucht man nicht, kann man aber schießen, wenn man will. Viele Schützen wechseln für die Halle auf dickere Alu-Pfeile. Das Gerücht, dass man damit mehr Ringe ankratzt ist falsch, zumindest in den Ringzahlbereichen, in denen sich die meisten von uns bewegen. Es gibt statistische Untersu­chungen, die belegen, dass sich ein positiver Effekt bei Ringzahlen oberhalb von 580 Ringen einstellt.

Michelle Frangilli schießt z.B. in der Halle bewußt A/C/E, weil in Italien in der Halle nicht auf Ampel­auflagen geschossen wird und so drei dünne Pfeile leichter in die 10 passen. Andere Weltklasseschützen wechseln ihre Pfeile (und schießen aber auch deutlich oberhalb von 570 Ringen).

Wenn man auf Hallenpfeile wechselt, braucht man entweder ein zweites Mittelteil mit Pfeilauflage und Button (eingestellt auf die Pfeile) oder aber man muss seinen Bogen jede Saison zweimal umstel­len.

Für draußen gibt es keine Frage, da werden möglichst dünne/leichte Pfeile geschossen, weil sie schneller sind und vom Wind weniger abgelenkt werden. Es ist richtig, dass schwerere Pfeile vom Wind weniger abgelenkt werden aber dafür sind sie länger unterwegs, was die Aussage wieder relati­viert.

2 Vorauswahl der Pfeile

Gehen wir davon aus, dass man sich entschieden hat, welche Pfeilsorte es werden soll. Wir brauchen nun verschiedene Werte, mit denen man den Pfeilschaft aus einer der angesprochenen Tabellen auswählt.

Der erste Wert ist der Auszug des Schützen. Zur Bestimmung dieses Werts nehmen wir einen Messpfeil der mit Markierungen versehen ist (ein solcher ist in der Bogenhalle). Mit diesem Pfeil ziehen wir mehrmals den Bogen aus und ermitteln so die Länge des Pfeils bis zum But­ton. Zu diesem Wert addieren wir noch ca. 1,5“...2“. Allein ist das schwierig, lasst Euch dabei von ei­nem Kameraden helfen.

Der zweite Wert ist die Zugkraft des Bogens. Dabei verwenden wir aber nicht den Wert, der auf den Wurfarmen angegeben ist, sondern wir verwenden eine Bogenwaage (Mitschützen fragen, viele haben eine entsprechene Bogenwaage) und ermitteln die Kraft „auf den Fingern“, die der Schütze wirklich beim eben ermittelten Auszug zieht.

Mit diesen beiden Werten gehen wir nun in die entsprechende Tabelle und ermitteln den notwendi­gen Spinewert. Als Beispiel soll der Auszug 29“ betragen und die Zugkraft 35 lbs (an den Gebrauch der engl. Maßeinheiten müsst Ihr Euch gewöhnen, Angaben in cm und N findet Ihr selten). Mit diesen beiden Werten gehen wir nun für das Beispiel in die Tabelle (s. oben, Fa. VICTORY) und bekommen einen Spinewert von 600.

Wir suchen uns nun einen Pfeilschaft aus, dessen Spinewert 600 beträgt. Da in der Tabelle das ge­troffene Feld im oberen Bereich des 600er-Felds liegt, würde ich zu einem Schaft tendieren, der zwi­schen 600 und 700 liegt.

Nun machen wir uns die Pfeile (bzw. lassen sie machen). Die Schaftlänge wird 29“ (73,7 cm) bis zum Nockboden und als Spitzengewicht würde ich mit 100 grain anfangen. Ihr könnt die Schaftlänge auch ein wenig länger lassen, lieber ist der Pfeil zu weich, dann kann ich den Schaft noch etwas kürzen. Drei Pfeile werden befiedert, ein Pfeil bekommt keine Befiederung. Damit die Pfeile sich gleich verhalten, würde ich das Ge­wicht der Befiederung in Form von Klebeband dort anbringen, wo die Federn sitzen würden. Dieser Gewichtsausgleich ist nicht unbedingt nötig, sorgt aber für ein gutes Gewissen, da man an alles ge­dacht hat.

2.1. Befiederung

Für Hallenpfeile werden oft große (4“...5“) Naturfedern verwendet. Diese sorgen für eine schnelle Stabilisierung des Pfeils, was bei den kurzen Hallendistanzen gewünscht wird. Den gleichen Effekt erreicht man aber auch mit großen Kunststoff-Fletches (4“), die etwas stabiler und beständiger sind.

Für die dünnen Pfeile im Freien wird eine Befiederung gewählt, die möglichst geringen Luftwider­stand erzeugt. Kurze FFP (1,5“) sind üblich, in letzter Zeit werden immer häufiger „Spin-wings®“ oder ähnliche Typen („GasPro®“, „Kurly wings®“, „EliVanes®“...) verwendet. Die FFP lassen sich leicht ver­arbeiten und sind relativ widerstandsfähig, die anderen sehen „cool“ aus (besonders auf entspre­chenden Wraps) und werden von vielen Weltklasse-Schützen verwendet.

Prinzipiell ist es egal, welche Art von Befiederung Ihr wählt. Lasst Euch von der Werbung der Hersteller nicht blenden, die Art der Befiederung hat nur einen verschwindend geringen Anteil auf das Trefferbild. Wenn ein Top-Schütze mit bestimmten Vanes gute Ergebnisse schießt, liegt das dar­an, dass er gut schießen kann und nicht an den Vanes.

2.2. Nocken

Nocken müssen zum Pfeil und zur Sehne (Dicke der Mittelwicklung) passen. Es gibt sehr viele ver­schiedene Typen und jeder Schütze hat wohl seine Vorlieben. Ich verwende nur Nocken von Beiter (http://www.wernerbeiter.com/de/produkte/nocken/index.php ), die ich diese persönlich für die besten halte, andere schwören auf die Nocken von Easton.

Ich verwende auch sogenannte Pin-Nocken (bei denen steckt im Pfeilschaft ein Aluminium-Pin, auf dem wiederum die Nocke sitzt), damit die Beschädigung des Schafts bei einem „Robin-Hood-Schuss“ verhindert wird. Lohnt sich wahrscheinlich auch nur bei sehr teuren Pfeilen, oder bei Pfeilen, die nur als Paket zu kaufen sind.

Kontrolliert Eure Nocken regelmäßig und tauscht sie beim geringsten Zweifel aus. Mir wurde von einem Händler empfohlen, die Nocken regelmäßig (alle Jahre) zu tauschen. Klar, der will natürlich verkaufen, aber Kunststoff kann mit der Zeit verspröden und so ganz falsch ist der Rat dann nicht.

 

Bogentuning (Feinabstimmung des Systems Bogen-Pfeil-Schütze)

Quelle: Trainertipps Juli 2025

Gehen wir jetzt davon aus, dass die Wurfarme richtig mon­tiert und ausgerichtet sind, Standhöhe, Tiller und Nockpunktüberhöhung auf einen sinnvollen Wert voreingestellt sind, die Pfeilausrichtung stimmt und dass die Pfeile für die nächsten Tests vorbereitet sind. Dann können wir uns der Feinabstimmung des Systems Bogen-Pfeil-Schütze zuwenden.

Bei ein paar Händlern ist es auch möglich, dieses Ausschießen und anpassen des Pfeils (Blankschafttest) direkt vor Ort zu machen, was den Vorteil hat, dass im Falle des falschen Spinewert gleich andere Pfeile gewählt werden können und falls der Pfeil gekürzt werden muss, auch das beim Händler schnell erledigt werden kann. Der Händler hat dafür in der Regel eine Schießbahn mit mindestens 18 Metern und oft auch vorbereitete Pfeile zum Testen des korrekten Spinewertes. Der Händler hilft euch auch sicher gerne beim Anpassen. Hierfür solltet Ihr aber immer einen Termin vereinbaren. Damit Ihr versteht, was beim Händler passiert und durchgeführt wird erkläre ich untenstehend den Blankschafttest. Wenn Ihr Euch einigermaßen sicher seid und auch keine Berührungsängste mit Änderung der Pfeillänge, des Spitzengewichts und des Tillern habt, könnt Ihr das natürlich auch auf dem Bogenplatz, oder in der Halle durchführen. Hilfe bekommt Ihr bestimmt auch von einigen Mitschützen, die das selbst schon gemacht haben.

Blankschaft-Test

Beim sogenannten Blankschaft-Test werden nun die drei befiederten Pfeile und der unbefiederte Pfeil auf einen Zielpunkt geschossen, die Entfernung dabei liegt bei 15...20 m. Entgegen der Aussage mancher Schützen ist ein Blankschaft-Test auf größere Entfernungen nicht besonders sinnvoll, da man ja nur die sog. „Innenballistik“ des Systems abstimmen will. Kann man machen, bringt nur keine tieferen Erkenntnisse.

Das Trefferbild des Blankschaftes auf der Scheibe kann nun folgendermaßen aussehen:

Bildschirmfoto vom 2026 05 12 16 28 32

Achtung: Das Trefferbild gilt für Rechtshand-Schützen, bei Linkshandschützen gilt es seitenverkehrt!

Wenn nun der unbefiederte Pfeil (der Blankschaft) mehr oder weniger bei der Gruppe ist, kann man durch verschiedene Änderungen den Pfeil abstimmen.

  • Pfeil zu steif:

- schwerere Spitzen verwenden

- Federn größer

- Zuggewicht vergrößern

- längeren Schaft wählen (deswegen haben wir erst nur vier Pfeile gemacht)

  • Pfeil zu weich

- leichtere Spitzen einbauen

- Pfeilschaft kürzen (wenig! nur mm-weise)

- Zuggewicht verringern

Durch diese Maßnahmen bekommt man den Rohschaft in die Gruppe der befiederten Pfeile, wenn der Spine einigermaßen passt. Wie groß man seinen persönlichen Toleranzbereich macht (wann ist „in“ der Gruppe) hängt vom eigenen Perfektionsanspruch ab. Meine befiederte Gruppe passt norma­lerweise in den 8er-Ring (40er Auflage), und für mich ist es OK, wenn der Rohschaft dann irgendwo in diesem Be­reich ist.

Macht diese Art von Test nicht, wenn Ihr nicht fit oder wenn Ihr müde seid. Damit der Test vernünfti­ge Aussagen zulässt, müsst Ihr gut und gleichmäßig schießen. Und Ihr müsst den Test mehrmals ma­chen. Nehmt Euch einen Schießzettel mit Trefferbildauswertung und markiert die Trefferlagen der Pfeile. Nehmt dann den „Durchschnitt“ der befiederten und unbefiederten Pfeile und leitet daraus das Testergebnis ab.

Wenn Ihr es geschafft habt, dass der Rohschaft in der Gruppe ist, könnt Ihr die restlichen Pfeile des Satzes bauen (lassen). In der Halle genügen sechs Pfeile, für die Außensaison solltet Ihr schon 12 Pfei­le haben, damit Ihr auch einmal einen Verlust verschmerzen könnt.

Berger-Test

Nachdem Ihr nun Euren Pfeilsatz zusammen habt, muss jetzt noch der Bogen so eingestellt werden, dass Ihr auf verschieden langen Entfernungen möglichst keine unterschiedliche Seiteneinstellung be­nötigt. Das machen wir mit dem Bergertest, der dazu dient, die Härte der Buttonfeder und die Positi­on des Buttons festzulegen. Auch hier gilt der Hinweis: Vernünftige Ergebnisse bekommt man erst, wenn man einen gefestigten Schießstil hat. Auch dann sollte man den Test mehrmals machen.

1 Wie läuft der Bergertest ab?

Auf einer Scheibe setzt Ihr Euch einen Zielpunkt weit im oberen Bereich (ca. 25 cm vom oberen Rand). Idealerweise ein senkrechtes Klebeband über die ganze Scheibe und einen kurzen Querstreifen als Kreuzungs- und Zielpunkt.

Aus einer Entfernung von ca. 15 m schießt Ihr das Visier ein bis der Zielpunkt getroffen wird.

Von jetzt an wird am Visier nichts mehr verstellt. Holt Euch die Pfeile und schießt jetzt von 5 Meter den ersten Pfeil auf den Zielpunkt. Macht dann den Abstand immer ca. 5 Meter weiter und schießt je Entfernung einen weiteren Pfeil auf den Zielpunkt, bis Ihr das untere Ende der Scheibe erreicht habt. Sinnvoll sind Entfernungen von 5 bis max. 40 Meter. Die Pfeile werden ab der Entfernung von 15 Metern immer weiter unten die Scheibe treffen.

Denkt daran: das Visier wird nicht verstellt. Wiederholt diese Prozedur so lange wie Ihr Pfeile habt, oder das untere Ende der Scheibe erreicht ist.

2 Auswertungen

Idealerweise (sofern Eure Pfeile passen und alle Einstellungen korrekt wären) sollten die Pfeile eine gerade Linie vom Zielpunkt nach unten bilden. Aus verschiedenen Gründen wird das nicht so sein.

Ein Grund seid Ihr selbst, weil Ihr nicht wie eine Maschine schießen könnt und somit Eure Pfeile et­was streuen werden (Ihr denkt noch an den Hinweis oben?). Selbst ein Bundesligaschütze wird keine perfekte Linie schießen können, daher geben wir uns eine gewisse Toleranzbreite.

Wie groß man seine persönliche Toleranzbreite macht, hängt vom eigenen Können und seinem eige­nen Perfektionsanspruch ab. Meine übliche Gruppe auf 30 m passt normalerweise in den 9er-Ring, und daher ist meine Toleranzbreite am unteren Rand der Scheibe ca. 25 cm. Die folgenden Aussagen gelten nur für Rechtshandschützen, für Linkshandschützen gelten die jeweils entgegengesetzten Aus­sagen.

Bevor Ihr den Test beginnt, prüft bitte nochmals nach, ob die senkrechte Visierschiene wirklich paral­lel zu Eurem Mittelteil steht. Wenn diese Parallelität nicht gegeben ist, würde der folgende Test keine sinnvollen Ergebnisse liefern.

Auch die folgenden Trefferbilder gelten für Rechtshandschützen, für Linkshandschützen gelten sie entsprechend seitenverkehrt.

Erste Möglichkeit: Die Pfeile folgen einer gekurvten Linie nach links (bzw rechts)

EDqDYs

Abweichung (bei Rchtshandschützen) nach rechts: In diesem Fall muss die Federkraft des Buttons erhöht (härter) werden

Abweichung nach links: In diesem Fall muss die Federkraft des Buttons verringert (weicher) werden.

Stellt Euren Button entsprechend dem Ergebnis ein und wiederholt den Test, um zu überprüfen, ob die Umstellung den gewünschten Effekt hatte. Wenn nicht, dann ändert die Einstellung erneut und wiederholt den Test. Das macht Ihr so lange, bis Eure Pfeile innerhalb Eurer Toleranzzone landen.

Zweite Möglichkeit: Die Pfeile folgen einer deutlichen Kurve nach links (bzw rechts)

BwiBRP

Abweichung (bei Rchtshandschützen) nach rechts: In diesem Fall muss der Button weiter in Richtung Pfeil gedreht werden.

Abweichung nach links: In diesem Fall muss der Button weiter in Richtung Mittelteil gedreht wer­den

Stellt Euren Button entsprechend dem Ergebnis ein und wiederholt den Test, um zu überprüfen, ob die Umstellung den gewünschten Effekt hatte. Wenn nicht, dann ändert die Einstellung erneut und wiederholt den Test. Das macht Ihr so lange, bis Eure Pfeile innerhalb der Eurer Toleranzzone landen.

Dritte Möglichkeit: Das Trefferbild ist eine Mischung aus den beiden bisherigen Bildern.

In diesem Fall beginne ich mit der Federhärte des Buttons (das lässt sich an meinem Button leichter verändern), bis ich ein Bild ähnlich dem zweiten Bild erreicht habe und passe dann die Position des Buttons an.

Gewünschtes Trefferbild (nach Abschluss der Einstellungen):

CkW0zb

Die Pfeile landen alle in der definierten Toleranzzone und zeigen keine erkennbare Tendenz in eine bestimmte Richtung. Damit sind die Hauptarbeiten abgeschlossen und es liegt nun an Euch, gute Ergebnisse zu schießen.

Gruppierungen

Trotz der erfolgreichen Tests kann es vorkommen, dass Eure Pfeile nicht alle in einer Gruppe landen. Das kann einerseits an Euch liegen, es ist aber auch möglich, dass es an den Pfeilen liegt. Nummeriert daher Eure Pfeile, damit Ihr herausfinden könnt, ob es immer der gleiche Pfeil ist, der aus der Gruppe fliegt.

  • Prüft, ob alle Pfeile wirklich das gleiche Gewicht haben. Sorgfältig gebaute Pfeile haben einen max. Gewichtsunterschied von 1...2 grain.
  • Prüft, ob der betroffene Pfeil einen Schaden am Schaft hat und entsorgt ihn in diesem Fall.
  • Prüft, ob der betreffende Pfeil krumm ist (Alu) und tauscht ihn ggf. aus.

 

Bemerkungen zum Pfeilbau

Quelle: Trainertipps August 2025

Ich möchte im Folgenden ein paar Bemerkungen zum Bau von Pfeilen loswer­den. Ich habe an anderer Stelle schon erwähnt, dass man genügend Pfeile kaufen sollte. Ihr braucht im Freien sechs Pfeile pro Passe und ich empfehle Euch, mindestens 12 Stück zu kaufen. Damit die einzelnen Pfeile identifizierbar sind, solltet Ihr jedem Pfeil eine eigene Nummer geben (Ihr müsst Eure Pfeile nach der Sportordnung sowieso mit Euren Initialen versehen, da kann dann auch eine Nummer da­zu).

Ich gehe davon aus, dass ein fortgeschrittener Schütze seine Pfeile nicht fertig kauft, sondern aus gekauften Komponenten selbst baut. Dabei ist gewährleistet, dass für die Pfeile auch Ersatzmaterial (Spitzen, Nocken, Befiederung) erhältlich ist und von diesem Ersatzmaterial sollte man sich auch gleich genügend mitbestellen.

1 Werkzeug

Ihr braucht zum Bau von Pfeilen nur wenig Spezialwerkzeug. Zum Ablängen der Schäfte ist ein Schneidgerät erforderlich, da man die dünnwandigen Schäfte nicht sicher mit einer Säge schneiden kann. Wird aber auch vom Bogenhändler eures Vertrauens durchgeführt.

Wenn Ihr Carbon- bzw. Carbon/Aluminium-Pfeile schneidet, solltet Ihr entweder mit einer Absaugung arbeiten oder eine Atemschutzmaske tragen. Feiner Carbonstaub ist lungengängig und nicht besonders gesundheitsfördernd.

Zum Aufkleben der Befiederung macht man sich die Arbeit einfacher, wenn man ein Befiederungs-Gerät verwendet, sofern man die typischen FFP-Fletches oder Naturfedern verarbeiten will. Alle Spin-Wings und deren Varianten („Gas-Pro“, „XS-Wings“, uä.) werden üblicherweise ohne ein solches Ge­rät aufgebracht. Ein Befiederungsgerät kann für kleines Geld beschafft werden.

Ansonsten benötigt Ihr ein scharfes Messer und einen guten Kleber für Spitzen (Kunststoffheißkleber oder Easton Heißkleber) und ein Befiederungsgerät (z.B. Cartel oder Saunders NPV).

2 Pfeilgewicht

Wenn man einigermaßen sorgfältig arbeitet, ist es kein Problem, seine Pfeile auf ein annähernd glei­ches Gewicht zu bekommen und eine Streuung von deutlich weniger als 2 grain zu erreichen. Kon­trolliert dabei, dass Ihr vom Händler auch die richtigen Komponenten bekommen habt und lasst Euch beim Zusammenbau Zeit.

Allerdings ist ein Pfeilsatz, bei dem die Pfeile genau das gleiche Gewicht haben, noch lange keine Garantie dafür, dass diese Pfeile auch sauber gruppieren, da das Gruppierungsverhalten auch von weiteren Toleranzen (hauptsächlich der des Spinewerts) abhängen. Aus diesem Grund ist es notwen­dig, dass man als fortgeschrittener Schütze die am besten gruppierende Pfeile ausschießt. Ich prüfe meine Pfeile über einen Spinewerttester nach der harten und weichen Seite und kennzeichne die weiche Seite entsprechend. Dadurch ist die Gruppierung schon einmal voreingestellt.

3 Spitzen

Beim Einkleben der Spitzen müsst Ihr etwas vorsichtig sein, damit die Carbonschäfte, die Ihr eventuell verwendet, nicht überhitzt werden. Hierfür reicht ein Wasserkocher, um die Spitzen zu erwärmen und den Kunststoff aufzubringen. Verwendet einen guten Kleber (z.B. den Heißkleber von Easton) und vermeidet den Gebrauch von 2K-Kleber, da es damit schwierig (wenn nicht unmöglich) wird, beschädigte Spitzen zu tauschen.

Zum Abstimmen der Pfeile ist es meiner Meinung nach hilfreich, Inserts und Schraubspitzen zu ver­wenden, da man damit sehr leicht das Spitzengewicht der Pfeile ändern kann.

Ich verwende im Freien Easton ACE-Pfeile und bin Fan von den langen Inserts, die für diese Pfeile angeboten werden, da sie die Vorderteile der Pfeile sehr stabil machen und ziemlich sicher verhin­dern, dass die Pfeile in härterem Scheibenmaterial (Stramit) abbrechen. Je kürzer die eingeklebten Spitzen sind, um so größer ist das Risiko des Brechens, besonders wenn die Pfeile auf kurze Entfer­nung in harte Scheiben geschossen werden. Lange Spitzen machen die Pfeile übrigens nicht nen­nenswert steifer, da die Biegung der Pfeile beim Abschuss hauptsächlich in der Mitte stattfindet und die Enden quasi nicht gebogen werden.

Braucht man Wolfram-Spitzen? Nein. Diese Dinger sind sündhaft teuer und Ihr schießt damit um keinen Ring besser, auch wenn die Werbung Euch etwas anderes erzählen will.

4 Nocken

Nocken werden nicht eingeklebt, sie müssen ohne Kleber im Schaft halten. Falls es Euch passiert, dass die eine oder andere Nocke etwas locker sitzt, dann nehmt ein kleines Stück Teflon-Band (wird zum Abdichten bei Wasserhäh­nen verwendet) und drückt die Nocke durch dieses Band in den Schaft (Abbildung 1). Den Überstand entfernt Ihr mit einem scharfen Messer.

Abbildung 1: p6kuu3

Falls sich Nocken nicht ganz einschieben lassen sollten, könnt Ihr versuchen sie in den Kühl- bzw. Gefrierschrank zu legen und abzukühlen. Dabei werden sie etwas kleiner und passen dann eventuell besser in den Schaft.

Welche Nocken (Beiter, Easton...) Ihr verwendet ist egal, beide großen Hersteller liefern gute Qualität, wenngleich bei Beiter die Anzahl von Varianten größer ist. Ich verwende in meinen ACE die sog. Pin-Nocken von Beiter, um Beschädigungen des Schafts vermeiden, wenn ein Pfeil von hinten auf die Nocke trifft.

Zum Entfernen bzw. Einsetzen der Nocken sollte man besser keine Zange verwenden, sondern ein Werkzeug (z.B. Beiter „Push’n’pull“, siehe Abbildung 2), das die Nocke ganz umfasst und verhindert, dass die empfindlichen Teile beschä­digt werden. Dieses Werkzeug gibt es für jede Nockgröße.

Abbildung 2: 5Bzuy9

Beschädigte Nocken werden grundsätzlich ausgetauscht. Spart hier nicht am falschen Ende: Wenn Ihr den geringsten Zweifel habt, tauscht die Nocke aus, bevor sie Euch im Schuss bricht. Manche Händler raten wegen eventueller Versprödung des Kunststoffs auch zu einem regelmäßigen (z.B. jährlichen) Tausch der Nocken, besonders bei den Frei­luftpfeilen, da diese Nocken durch das UV-Licht besonders belastet sind.

Die Größe der Nocken muss zum Durchmesser der Mittelwicklung auf der Sehne passen. Es gibt von jedem Hersteller Nocken in verschiedener Größe, allerdings sind diese Größen nicht direkt vergleich­bar. Die Anpassung zwischen Sehne und Nocken erfolgt über die Auswahl des Mittelwicklungsgarns bei der Sehnen-Herstellung.

Nockgröße und Mittelwicklungsdurchmesser sollen so gewählt werden, dass der Pfeil einerseits sicher auf der Sehne gehalten wird, aber beim Schuss auch kein zu großer Widerstand beim Ausnocken entsteht. Als Anhaltspunkt kann folgendes gelten: wenn man am eingenockten Pfeil zieht, sollte es nach spätestens ca. 10-15 mm Weg zum Ausnocken kommen.

Einige Schützen (auch ich) haben mehrere Sätze Nocken für ihre Pfeile und wechseln diese im Wettbewerb abhängig davon, welche Nockenfarbe die Konkurrenten auf der Scheibe haben, damit sie Ihre Pfeile von der Schießlinie, oder bei der Auswertung besser erkennen können. Das wird mit zunehmendem Alter schwieriger, da meine Augen schlechter werden, um die Pfeile sehen zu können (mit Spektiv schieße ich nicht mehr, da mich das Teil beim Schießen stört und auch das Fernglas ist für mich eher eine Beruhigung als eine Hilfe). Wenn es Euch hilft, solltet Ihr diese Mög­lichkeit in Betracht ziehen.

5 Befiederung

Zum Aufkleben der Befiederung liest man immer wieder, dass die Federn in einem Winkel aufge­bracht werden sollten, damit sie die Pfeile beim Flug in Rotation versetzen und dadurch zusätzlich stabilisieren. Diesem Rat liegt allerdings ein Trugschluss zugrunde: Im Gegensatz zu Projektilen aus einer Laufwaffe (Gewehr, Pistole) handelt es sich bei Pfeilen um Geschosse, deren Verhältnis von Länge zu Durchmesser sehr groß ist und solche Geschosse werden nicht drallstablisiert.

Pfeile werden im Flug dadurch stabilisiert, dass der Luftangriffspunkt hinter dem Schwerpunkt liegt. Die Befiederung legt den Luftangriffspunkt noch weiter nach hinten und sorgt dadurch für eine schnellere Stabilisierung. Eine sehr schnelle Rotation wäre bei Pfeilen eher kontraproduktiv, da sie dabei durch die unvermeidlichen Fertigungstoleranzen und die dadurch entstehenden Unwucht erst recht ins Taumeln kommen könnten. Ausserdem ist die Befiederung zu weich, sodass sie aufgrund des Winddrucks eher nachgibt, als eine Rotation zu verursachen.

Aus diesem Grund sehe ich auch die immer wieder neu erfundenen Befiederungen (z. B. die „KSL Jet vanes“), die durch ihre Formgebung die Pfeile schneller rotieren lassen sollen, kritisch. Wenn man die Befiederung ohne einen definierten Winkel aufbringt, wird durch die kleinen Ungenauigkeiten der Pfeil dennoch leicht rotieren und das genügt vollkommen, die leichten Unter­schiede (Gewicht, Spine, Luftwiderstand...) zwischen den Pfeilen statistisch auszugleichen.

Der Einfluss der Befiederung auf den Luftwiderstand (von großen Naturfedern abgesehen) ist vernachlässigbar gering und von daher ist es fast egal, welche Befiederung man verwendet. Ein Weltcup-Schütze, der in der Werbung für einen bestimmten Typ Befiederung genannt wird, schießt diesen Typ, weil er dafür bezahlt wird und nicht, weil diese Befiederung mehr Ringe erzielt. Wenn dieser Top-Schütze mit bestimmten Vanes gute Ergebnisse schießt, liegt das daran, dass er gut schießen kann und nicht an den Vanes.

Was einen Unterschied bei leichten Pfeilen macht, ist das etwas höhere Gewicht der FFP-Fletches, was zu Folge hat, dass beim Umstieg von FFP auf z.B. Spin-Wings die Pfeile etwas höher liegen wer­den.

Alle Schützen, die ich kenne, schießen mit drei Federn/Fletches pro Pfeil, die um jeweils 120° versetzt sind. Ich habe von traditionellen Schützen gehört, die mit zwei Federn schießen, aber auch von Schützen, die vier Federn verwenden, denke aber, dass dies für die meisten Schützen keine Rolle spielt.

Üblicherweise werden die Federn/Fletches so angeordnet, dass die sogenannte Leitfeder (das ist die, die bei den mei­sten Schützen eine andere Farbe hat) vom Bogen weg zeigt (siehe Abbildung 3, für Rechtshandschützen).

Abbildung 3: Bildschirmfoto vom 2026 05 14 14 41 05

Schützen, die die Pfeilauflage der Fa. Beiter („Beiter Rest“) verwenden, sollen gemäß der Bedienungsanleitung dazu ihre Befiederung so orientieren, dass eine Feder direkt nach unten zeigt (siehe Abbildung 4, für Rechtshandschützen). Dies ist nötig, da diese Art von Pfeilauflage unbeweglich ist und bei der üblichen Orientierung zu Schäden an der Befiederung führen kann.

Abbildung 4: ImjmbJ

6 Wraps

Damit werden dünne Folien bezeichnet, die man am Nockende um den Pfeilschaft kleben kann. Es gibt diese Wraps in allen möglichen Farben und Designs, meist sind auch Linien aufgedruckt, an de­nen man die aufzuklebenden Fletches ausrichten kann. Die Länge der Wraps ist auf 22cm gemessen vom Nockboden begrenzt (SpO 6.2.3)

Man bekommt diese Wraps auch kundenspezifisch mit Na­men und Pfeilnummern hergestellt (z.B. https://www.custommadewraps.com), kann sie aber aus geeigneter Folie auch gut selberherstellen. Wraps haben keine Funktion, außer dass man mit ihnen seine Pfeile verschönern und individualisieren kann. Da nach der Sportordnung jeder Pfeil auf dem Schaft den Namen bzw. die Initialen des Schützen tragen muss, bieten sich Wraps zur Kennzeichnung an.

7 FOC

Muss man beim Bau seiner Pfeile auf den FoC (front of center, gemeint ist dabei die Lage des Schwer­punkts) achten? Nein, muss man nicht und die Begründung dazu habe ich in den Trainer-Tipps vom November 2024 geschrieben.

Aussagen wie: „Ist der FOC zu groß, geht die Spitze nach unten, ist er zu klein, geht die Spitze nach oben bzw. der Pfeil fängt an zu trudeln, weil das Heck nach vorne kommen will“ sind physikalisch voll­kommen falsch. Ein Pfeil wird sich immer entlang seiner Wurfparabel bewegen und dabei immer an der Tangente zu dieser Parabel ausgerichtet sein. Das macht er auch ohne Befiederung, da der Punkt, an dem die Luftwiderstandskraft angreift immer hinter dem Schwerpunkt liegt. Die Befiederung sorgt nun dafür, dass sich der Pfeil bei Störungen (z.B. Turbulenzen in der Luft) schneller ausrichtet.

Wichtig ist im Zusammenhang mit dem FoC lediglich, dass alle Pfeile eines Satzes den gleichen Wert haben sollten, aber das ergibt sich von selbst, wenn man seine Pfeile sorgfältig baut. Wichtig ist, dass alle Pfeile eines Satzes genau gleich lang sind, die gleiche Spitze haben und mit den gleichen Federn bestückt sind. Dann werden das Gewicht und auch der FOC gleich sein. Wie der Wert des FOC ist, ergibt sich dann und es ist auf keinen Fall sinnvoll die Pfeile auf einen bestimmten Wert auszulegen.

 

Bemerkungen zum Klicker

Quelle: Trainertipps Dezember 2025

Für die meisten Schützen ist der Klicker das kleinste und billigste Anbauteil an ihrem Bogen, aber er kann für großen Ärger sorgen und es sind unzweifelhaft mehr unrichtige Informationen über den Gebrauch des Klickers im Umlauf als über andere Aspekte des Recurvebogenschießens.

Dieser Artikel ist nicht gedacht, den Anbau, die Einstellung und den Gebrauch des Klickers zu erläu­tern, er soll vielmehr die „Wissenschaft“ hinter dem was der Klicker macht zu betrachten und zu zeigen, warum der Gebrauch eines Klickers dem Schützen Vorteile bringen kann.

Ein Klicker ist zum Schießen mit einem Recurve-Bogen keine Notwendigkeit, er löst aber zwei der wichtigsten Probleme beim Schießen: wie löst der Schütze ohne die sogenannte Antizipation, also die Vor­wegnahme einer Bewegung zum unerwünschten Zeitpunkt und wie erhält man den kompletten Schuss als eine zusammenhängende Aktion.

Um diese Probleme vollkommen zu verstehen, ist es notwendig zu betrachten, wie sich der Schussablauf entwickelt, wenn Anfänger zu Fortgeschrittenen werden und wie der Körper motorische Funk­tionen ausführt sowie auf seine Umgebung reagiert.

Der Schussablauf des Anfängers

Der Bewegungsablauf beim Schießen eines Bogens ist sehr komplex und erfordert eine Abfolge von vielen verschiedenen Bewegungen, oft verbunden mit dem Gebrauch von Muskelgruppen, die im täglichen Leben eher selten gebraucht werden. Um Anfängern zu helfen, beim Schießen Fortschritte zu machen, wird der Ablauf in eine Folge von Teilbewegungen zerlegt und es erfolgt beim Anfänger­training meist eine Fokussierung auf einen oder zwei dieser Teilbewegungen.

Dies ist analog dazu wie Menschen andere komplexe motorische Aufgaben wie Schreiben oder Auto­fahren erlernen. Das Ziel dabei ist im Verlauf der Trainings den Schussablauf mehr und mehr zu au­tomatisieren, so dass die zuvor erlernten Einzelteile ineinander übergehen und eine flüssige Bewe­gung ergeben. Wenn man vergleicht, wie ein kleines Kind seinen Namen schreibt und wie ein Er­wachsener ein Formular unterschreibt, bekommt man ein gutes Beispiel für diesen Vorgang.

Der Schuss als eine Gesamtbewegung

Das Ziel der Entwicklung ist, den Ablauf eines Schusses in eine Gesamtbewegung zu überführen. Ide­alerweise beginnt ein Schuss mit der Konzentration auf das Ziel und wird mit Fortschreiten des Ablaufs mehr und mehr automatisch.

Wenn der Schütze den Vollauszug erreicht, sollte das „Feedback“ des motorischen Teils des Nerven­systems das Gefühl eines gut ausgeführten Schusses unterstützen und der Schütze sollte im Auszug mehr und mehr entspannt werden, während er eine Art internen Fokus erreicht, der üblicherweise um die Muskeln zwischen den Schulterblättern zentriert ist. Das Problem beim Recurvebogenschießen ist, dass es sehr schwer (wenn nicht gar unmöglich) ist, zu schießen, ohne diesen entspannten internen Fokus zu gefährden.

Für viele Schützen bedeutet das, dass sie den Schuss auf zwei Teile reduzieren, den Teil vor und den Teil nach dem Lösen. Der Übergang zwischen diesen beiden Teilen ist eine Trennstelle im wichtigsten Moment des Schusses und kann der Ausgangspunkt für eine Reihe von Problemen werden. Das Primarziel beim Einsatz des Klickers ist die Überbrückung dieser Trennstelle im Herzstück des Schusses umso den Schuss einfacher als eine Bewegung auszuführen. Das führt dann zu einem stabileren Schussablauf mit er­höhter Genauigkeit, der auch unter Wettkampfbe­dingungen korrekt ausgeführt werden kann.

Der Gebrauch des Klickers trainiert eine reflexartige Reaktion des Schützen, die einen Großteil der bewussten Informationsverarbeitung beim Lösen eliminiert.

Geplante Bewegungen und Reflexe

Eine Funktion des Klickers ist, die Lücke zwischen „vor dem Lösen“ und „nach dem Lösen“ zu überbrücken.

Wenn das Gehirn entscheidet, den Körper in einer bestimmten Art zu bewegen (z.B. um beispielsweise ein Objekt aufzuheben), lädt es zuvor einen Bewe­gungsplan in die richtigen Teile des Nervensystems. Je komplizierter die Bewegung und je erfahrener die ausführende Person ist, umso länger dauert dieser Ladevorgang. Dieser Vorgang kann unter bestimmten Umständen bis zu zwei Sekunden dauern.

Beim Bogenschießen sollte dieser “Ladevorgang” unmittelbar vor der Schussausführung ablaufen und diese Phase wird typischerweise als eine Ruhephase gesehen, in der sich der Schütze bewegungslos auf das Ziel konzentriert. Wenn Anfänger sich entwickeln, entwickeln sie auch diese Planungsphase vor dem Schuss, aber üblicherweise geht diese Planung nur bis zum Erreichen des Vollauszugs.

Das Lösen und das Nachhalten (die Amerikaner nennen diese Phase „follow-through“, was meiner Meinung nach der bessere Begriff ist) werden als eine zweite Aktivität betrachtet, was zur Folge hat, dass viele Schützen viel Zeit im Vollauszug verbringen (mit dem Laden des nächsten Bewegungsplans), bevor sie den Schuss beenden.

Dieses Verweilen ist für den Schuss aus mehreren Gründen schädlich. Zum einen ermüdet die Zeit im Vollauszug, während der man den Bogen unter Spannung hält, den Schützen und verringert die An­zahl der Schüsse, die man sauber schießen kann. Zum anderen findet die Planung der nächsten Be­wegung genau zu dem Zeitpunkt statt, in dem der Schütze möglichst entspannt und fokussiert sein sollte. Der Planungsvorgang stört jedoch diese Fokussierung. Außerdem entstehen während des Vollauszugs unter Umständen unerwünschte Bewegungen, die den Schuss störend beeinflussen kön­nen.

Durchdachte Bewegungen sind oft nicht schnell genug im täglichen Leben, geschweige denn im Sport. Beim Aufschlag eines Tennisballs in Wimbledon benötigt dieser Ball typischerweise ca. 350ms für die Länge des Tennisfeldes. Es wäre vollkommen unmöglich für einen Tennisspieler, einen solchen Ball zu retournieren, wenn er sich auf durchdachte Bewegungen verlassen müsste. Es muss daher eine zweite Art von Bewegungen geben, um diesem Problem zu begegnen.

Diese zweite Art von Bewegungen sind die Reflexe. Dabei reagiert das motorische System auf externe Reize und das kann es sehr schnell. Reflexzeiten hängen von der Art des Reizes ab und Reaktionen auf Reize, die über das Gehör wahr genommen werden, gehören zu den schnellsten. Typische Reak­tionszeiten auf Audio-Reize liegen bei 170ms und können bei trainierten Sportlern bis auf 100ms sinken.

Die Rolle des Klickers

Wenn er einen Klicker benutzt, baut der Schütze seinen Schuss auf mit dem Fokus auf den Vollauszug. Wenn der Schütze kurz vor dem Vollauszug ist und wenn der Schussaufbau zufriedenstellend ist (soll heißen, der Schuss fühlt sich bis dahin gut an), dann wird die Empfindsamkeit für das Klicker-Geräusch ein Teil des Fokus.

Das Lösen ist dann ein trainierter Reflex auf den Audio-Reiz „Klick“ und typischerweise nach 100 ms ist der Pfeil auf dem Weg. Das bedeutet, das Lösen ist ein unwillkürlicher Reflex auf das Geräusch des Klickers. Der Vorteil gegenüber dem Schießen ohne Klicker ist, dass der Schuss ausgeführt werden kann, während der Fokus des Schützen immer noch auf dem Halten der Rückenspannung liegt und dass zwischen dem Fallen des Klickers und dem Lösen nicht genügend Zeit bleibt, unerwünschte Be­wegungen auftreten zu lassen.

Zusammenfassung

Schießen mit Klicker ist eine sehr hilfreiche Technik für Recurveschützen. Richtig angewandt sorgt es dafür, dass der Schuss zu einer einzigen Bewegung wird. Außerdem sorgt der Klicker dafür, dass der Schütze während des Lösens seinen Fokus auf die Körperspannung behält und er verhindert uner­wünschte Bewegungen während des Lösens.

Ein paar zusätzliche Bemerkungen

Ursprünglich war der Klicker eine reine Auszugskontrolle, mit der sichergestellt werden sollte, dass die Auszugslänge bei jedem Schuss gleich ist. Schnell nach der Einführung des Klickers hat man jedoch herausgefunden, dass die Schützen, die einen Klicker verwenden, deutlich bessere Ergebnisse erziel­ten, als die Schützen, die ohne Klicker schossen.

Ich habe Euch schon in den Trainer-Tipps vom Februar 2025 (siehe "Grundlagen" Abschnitt 5.)n Hinweise auf den Gebrauch des Klickers, seine Funktion als Auszugskontrolle und als Löse-Signal gegeben und möchte diese hier nicht noch einmal komplett wiederholen.

Dennoch will ich allen Recurveschützen (für die Blank-Schützen und die Compound-Schützen ist das Thema vollkommen unwichtig) dringend den Gebrauch eines Klickers ans Herz legen. Wenn Ihr auf den Klicker verzichtet und bewusst löst, verzichtet Ihr auf ein kleines Hilfsmittel, das Eure Ergebnisse deutlich verbessern kann. Es gibt keine Schützen im Weltcup oder in der nationalen Spitze, die auf den Klicker verzichten.

Ein Schütze, der ohne Klicker schießt und somit bewusst löst, kommt unter Umständen in die Situati­on, in der er mit seinem Zielbild „nicht zufrieden“ ist. Er wird nun versuchen, dieses Zielbild zu ver­bessern (genauer/besser zielen). Dabei versucht er, genau in dem Moment den Pfeil loszulassen, in dem das Visier mittig im Gold steht.

Er muss sich aber darüber im Klaren sein, dass allein seine Reaktionszeit vom Gedanken „jetzt Lösen“ bis zum Öffnen der Finger mindestens 0,2 s beträgt (und bei älteren Schützen wahrscheinlich deutlich mehr). Das bedeutet aber, dass durch den unvermeidlichen Muskeltremor (Zittern) der Bogen zum Zeitpunkt schon wieder ganz woanders hinzeigt als zum Zeitpunkt, an dem der Gedanke „Lösen“ kam.

Es ist prinzipiell nicht möglich, diesen Muskeltremor voll­ständig auszuschalten. Das bedeutet, dass bei jedem Schützen das Visier sich in einem mehr oder weniger gro­ßen Bereich, der sog. Haltefläche bewegen wird. Außerdem wird das Zittern sich verstärken, je länger der Schütze versucht, sein Zielbild zu verbessern, was zusätz­lich noch die Qualität des Schussen verschlechtern wird. Die Bewegung des Visiers in der Haltefläche kann man sehr schön im Lehrposter des DSB sehen (vgl. Abbildung).

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Das Training muss dahin ausgerichtet werden, dass der „Klick“ zum richtigen Zeitpunkt kommt. Der Schütze muss lernen, sein Ziel- und Auszugsverhalten so zu koordinieren und zu optimieren, dass beim Fallen des Klickers das Visierkorn in seiner Haltefläche steht. Dabei muss konsequent darauf geachtet werden, dass wirklich auf den „Klick“ gelöst wird und sich somit ein Automatismus bildet.

Es gibt einige (auch namhafte) Schützen und Trainer, die den beschriebenen Automatismus kritisie­ren und meinen, dass man den Klicker eben nicht als Löse-Signal verstehen dürfe. Das Argument, welches immer wieder genannt wird ist: „Was ist, wenn man nicht im Ziel steht und der Klicker fällt?“

Das Argument ist richtig und in einem solchen Fall wird es wahrscheinlich kein guter Schuss, wenn der Schütze wirklich nur auf das Klicken lösen würde. Aber wie geschrieben, das Ziel des Trainings für den Klickereinsatz ist ja, dass der „Klick“ eben zum richtigen Zeitpunkt kommt. Je besser der Schütze trai­niert ist, umso genauer „weiß“ er, wann sein Klicker fallen wird und er wird beispielsweise bei Wind seinen Auszug entsprechend verzögern.

Richtig angelernt und korrekt trainiert wird der Schütze nicht einfach beim „Klick“ seine Finger auf­machen, sondern er hat gelernt, dass zum Lösen sowohl der Klick, als auch die Position des Visiers in der Haltefläche und der korrekte Schussaufbau (siehe "Grundlagen") gehört. Nur wenn alles zusammenpasst, wird er lösen oder aber absetzen.

 

Ein neuer Bogen

Quelle: Trainertipps November 2025

Für den ersten Teil dieser Trainer-Tipps habe ich wieder auf einen Artikel aus dem Internet zurückgegriffen, ihn übersetzt und diesmal allerdings noch ein paar Sätze dazu geschrieben. Wenn jemand das Original lesen möchte findet er es in der Ausgabe 117 des „Bow International magazine“ unter der Adresse http://www.bow-international.com/features/do-you-really-need-a-new-bow/. Meine eigenen Anmerkungen habe ich wie üblich kursiv geschrieben.

Im zweiten Teil gehe ich etwas auf die Auswahl von Stabilisatoren und Dämpfern ein und widme mich ein wenig der Analyse von Werbeversprechen der Industrie.

1. Brauche ich wirklich einen neuen Bogen?

Denkst Du darüber nach, einen neuen Bogen zu kaufen? Wie wichtig ist es, mit dem technischen Fortschritt mit zugehen und ist es lohnenswert, sein Material immer auf dem neuesten Stand zu hal­ten? Oder ist es Geldverschwendung immer das neueste Material haben zu wollen? Der folgende Artikel soll eine Hilfe bei der Beantwortung dieser Fragen sein.

Es ist keine Frage, dass die Hersteller jedes Jahr versuchen ihre Produkte zu verbessern und keinen Stein auf dem anderen lassen, um kleine Verbesserungen zu finden. Um die eingangs gestellten Fra­gen beantworten zu können, ist es allerdings wichtig zu wissen, ob Du Recurve oder Compound schießt und auf welchem Wettkampflevel Du bist.

Wenn Du ein Top-Schütze bist, dann können kleinste Vorteile, die Dir das neue Material liefert, eine sinnvolle Investition sein und die zusätzlichen Ringe liefern, die Du in engen Wettkämpfen brauchst, um zu gewinnen.

Wenn Du ein Vereinsschütze bist, der ein gewisses Talent an den Tag legt (und die Fragen kommen meist von solchen Schützen) ist es nicht notwendig, deine Ausrüstung jedes Jahr (auch nicht im Ver­lauf mehrerer Jahre) zu tauschen. Wenn Du einen Bogen hast, den Du gern schießt, wirst Du eventu­ell gar nicht den Wunsch haben, ihn zu tauschen, selbst wenn es finanziell möglich wäre.

Betrachtet man einen Recurvebogen genauer, so handelt es sich um einen relativ einfachen Mecha­nismus, der wesentlich weniger von technischen Neuerungen profitiert wie ein Compoundbogen. Man sollte immer im Gedächtnis behalten, dass in den 1980’ern Schützen wie Darrel Pace Ergebnisse von mehr als 1350 Ringen (von 1440) in der großen Fita erreichte und dabei einen Bogen verwende­te, der nach heutigen Maßstäbe als primitiv betrachtet würde und dabei mit Aluminium-Pfeilen schoss. Der aktuelle Weltrekord der Damen für die große Fita steht bei 1405 (von 1440) Ringen und wurde 2005 erzielt, der der Herren liegt bei 1391 Ringen aus dem Jahre 2014. Solange ein Schütze nicht in diese Bereiche vorstößt, ist anzunehmen, dass seine Ausrüstung vollkommen ausreichend ist und er seine Aufmerksamkeit mehr auf seine Form und sei­ne Technik richten sollte.

Ähnliches gilt, trotz umfangreicher Änderungen am Design und der Technik, für Compounds. Clint Freemanns Weltrekord von 1409 Ringen, der aus dem Jahr 1998 stammt, hat jahrelang gehalten und der aktuelle Rekord ist nur 12 Ringe höher, obwohl Clints Bogen verglichen mit heutigen Bögen er­schreckend durchschnittlich war. Clint hat auf inoffiziellen Wettkämpfen mit seinem Bogen auch schon 1420 Ringe erzielt. Es ist also klar, dass trotz fortschreitender technischer Entwicklung des Materials nicht die Technologie der maßgebende Faktor zum erreichen höherer Ringzahlen ist, es ist vielmehr der Schütze selbst.

Das soll allerdings nicht heißen, dass es grundsätzlich falsch wäre, nach neuer Ausrüstung zu schauen. Es ist wichtig, dass sich ein Schütze mit seiner Ausrüstung wohl fühlt und gern damit schießt. Wenn man sich nun in ein neues Mittelteil „verguckt“ hat und es unbedingt haben will, dann sollte man es sich auch kaufen, sofern man es sich leisten kann.

Man darf nicht den Fehler machen und denken, dass ein älterer Bogen nicht in der Lage wäre hohe Ringzahlen zu schießen. Richte Deine Aufmerksamkeit im Training auf Deine Form und Technik und dein Bogen wird das seine zu den Ergebnissen tun, auch wenn er nicht das neueste Modell ist.

2. Stabilisierung und Dämpfer

So wenig wie ich der Ansicht bin, dass man seinen Bogen dauernd wechseln muss, um bessere Ergeb­nisse zu schießen, so sehr befürworte ich, dass ein Schütze offen für Veränderungen seiner Ausrü­stung ist (auch wenn ich nicht gerade ein Vorbild in dieser Richtung bin).

Nur durch immerwährendes Probieren und Testen neuer Ausrüstungsbestandteile kommt man der optimalen Kombination von Bogen und Zubehör näher.

2.1 Stabilisierung

Stabilisatoren haben zwei Funktionen. Einerseits verhindern sie im Auszug schnelle Bewegungen des Bogens (machen das Verhalten träge) und zum zweiten verhindern sie, dass sich der Bogen im Abschuss verdreht. Die Wirkung der Stabilisierung beruht auf dem Vergrößern des Trägheitsmoments. (nach der Formel J = m * l2).

Der prinzipielle Aufbau von Stabilisations-Systemen ist eigentlich immer gleich. Ein Gewicht ist über eine Stange am Bogen befestigt. Je schwerer das Gewicht bzw. je länger die Stange, umso größer die Stabilisierungswirkung. Aus der Gleichung sieht man, dass die Vergrößerung der Länge wirkungsvoller ist als die Erhöhung des Gewichts.

Üblich ist, einen Hauptstabilisator (meist 30“...32“) in Schussrichtung und zwei Seitenstabilisatoren (10“...12“, teilweise länger) zu verwenden. Die Stabilisatoren werden an der sog. Spinne (oder auch V-Bar) befestigt (Gewinde 5/16“x24). Feste Spinnen gibt es üblicherweise mit Winkeln von 70°...90°, teilweise auch nach unten geneigt. Es gibt auch verstellbare Spinnen, damit man experi­mentieren kann, welcher Winkel und welche Neigung zum eigenen Stil passen.

An den Enden der Stabilisatoren können Gewichte und Dämpfer (siehe 2.2) angebracht werden. Ob man einen Extender/Vorbau (und wenn ja, welcher Länge (3“...5“)) verwendet, muss man austesten.

Das System muss zum Schützen und zum Bogen passen und jeder Schütze muss selbst herausfinden, mit welchem System er gut schießt und mit welcher Ausstattung (Länge, Gewicht, Dämpfung...) er am besten zurechtkommt. Ich persönlich mag das Stabilisatorsystem von Gabriel, das die Dämpfung am Bogen und nicht am Ende des Stabilisators hat. Die Seitenstabilisatoren habe ich lieber mit wenig Gewicht und einem 90°-Winkel nach unten geneigt. Damit ergibt sich ein geringes Kippmoment.

Nur weil der Weltranglistenerste einen XXX-Stabilisator schießt, heißt das noch lange nicht, dass die­ses System für einen von uns gut ist. Abgesehen davon, dass Profis das schießen, für das sie bezahlt werden.

Empfehlenswert ist, möglichst viele Systeme zur Probe zu schießen und dabei mit unterschiedlichen Gewichtsverteilungen zu experimentieren. Manchen Schützen liegt es, wenn die Stabilisation sehr schwer ist, manche mögen lieber weniger Gewicht. Im Auszug sollte der Bogen ein neutrales Verhal­ten zeigen, also weder nach vorn, noch nach hinten „ziehen“. Nach dem Schuss (beim Nachhalten) sollte der Bogen nach vorn kippen. Wie stark ist Geschmacksache.

2.2 Dämpfer

Dämpfer dienen dazu, Vibrationen, die durch den Abschuss erzeugt werden, zu dämpfen und ihre teilweise schädlichen Auswirkungen (z.B. losgerüttelte Schrauben) zu verringern. Üblicherweise wer­den Dämpfungselemente an den Enden der Stabilisatoren befestigt (Gewinde 1/4“), es gibt aber auch mein System von Gabriel und Zusatzdämpfer, die man für bestimmte Anwendungen direkt am Bogen (Gewinde 5/16“ x 24) an­schraubt. Die Formular-Wurfarme von Hoyt beispielsweise werden oft mit solchen Dämpfern verse­hen.

Auch das ist etwas, was für jeden Schützen anders sein kann, und sowohl vom Schießstil als auch vom Material (Wurfarm, Sehne, Pfeile...) abhängt. Ihr müsst durch experimentieren herausfinden, welche Dämpferkombination für Euch gut ist und bei welcher Ihr Euch gut fühlt.

Es gibt Dämpfer von verschiedenen Firmen (OK, AGF, Doinker...), teilweise auch einstellbare. Jeder Dämpfer hat eine eigene Charakteristik (Härte, Dämpfungsvermögen) und es gibt nicht DEN Dämp­fer, weil jeder von uns anders schießt und vor allem ein eigenes Empfinden hat. Was für mich gut ist, kann für jeden anderen schlecht sein. Eventuell könnt ihr ein Dämpfersystem zum Testen auch von einem Mitschützen ausleihen.

Bildschirmfoto vom 2026 05 14 15 09 37

Gewichte können vor dem Dämpfer, nach dem Dämpfer und auf beiden Seiten angebracht sein. Durch probieren muss man selbst herausfinden, welche Kombination einem liegt. Dabei sollte man ruhig auch Dämpfer mit unterschiedlicher Charakteristik (weich, hart) ausprobieren. 

Schwere Gewichte vor dem Dämpfer sind weniger empfehlenswert, da sie den Stabilisierungseffekt im Schuss verkleinern. Derzeit geht der Trend zu schweren Gewichten an den Enden der Stabis ohne zusätzliche Dämpfer.

Ganz wichtig ist: Dämpfer und Stabilisierung „arbeiten Hand in Hand“ und müssen zueinander passen und aufeinander abgestimmt sein. Ein weich eingestellter Beiter-Stabilisator dämpft selbst schon und braucht daher einen ganz anderen Dämpfer (eventuell gar keinen) als ein harter ArcTeC-Stabilisator. Zu Stabilisierung und Dämpfung von Recurve-Bögen gibt es eine hervorragende Beschreibung (aller­dings nur in englischer Sprache) unter folgendem Link: (http://www.tenzone.org.uk/Equipment/stabilisation/pdfs/stab4a4.pdf)

3. Werbung und Versprechen

Wenn man sich gelegentlich die Werbung für Bögen, Pfeile und Zubehör ansieht, kommt man zu dem Schluss, dass die Industrie im Jahreshythmus neues Material erfindet, das dafür sorgt, dass wir Schüt­zen quasi nicht mehr danebenschießen können. Dass dabei immer wieder Dinge versprochen werden, die so nicht stimmen (können), möchte ich an zwei Bespielen zeigen.

In der heutigen Zeit ist es für Verbraucher oft schwierig, zwischen fundierten technischen Innovationen und reinen Marketingversprechen zu unterscheiden. Viele Unternehmen nutzen gezielte Werbestrategien, um ihre Produkte attraktiver erscheinen zu lassen, als sie es in der Praxis tatsächlich sind. Daher ist es ratsam, sich nicht ausschließlich auf Werbeaussagen zu verlassen, sondern eigene Erfahrungen zu sammeln oder unabhängige Tests und Berichte zu Rate zu ziehen.

Bei der Auswahl von Zubehör sollte man grundsätzlich kritisch bleiben und sich nicht allein von Werbeversprechen leiten lassen. Oft lohnt es sich, Erfahrungsberichte anderer Schützen zu lesen oder Produkte selbst auszuprobieren, bevor man eine Kaufentscheidung trifft. So kann man besser einschätzen, ob ein angeblich innovatives Produkt wirklich einen spürbaren Vorteil bringt oder ob die Unterschiede in der Praxis kaum ins Gewicht fallen.

Die Vielfalt an Angeboten und technischen Details kann schnell überfordern, besonders Einsteiger. Daher empfiehlt es sich, vor dem Kauf eines neuen Produkts nicht nur auf Werbeversprechen zu achten, sondern auch Meinungen erfahrener Schützen oder unabhängige Testberichte zu berücksichtigen. So lässt sich besser einschätzen, ob ein Produkt tatsächlich den eigenen Anforderungen entspricht oder ob die beworbenen Vorteile in der Praxis relevant sind.

3.1 Easton X10

Ein Händler bewirbt die Easton X10 Pfeile mit der Aussage: „Der X10 Schaft wurde speziell für den Weitschuss entwickelt, mit besonderem Augenmerk auf die Finalduelle auf 70 m“. Es ist unbestritten, dass der X10 ein sehr guter Pfeil ist, er hat allerdings keine nennenswerten Vorteile gegenüber dem ACE vom gleichen Hersteller, ist aber über 25% teurer und braucht schweineteure Spitzen.

Weder der Hersteller noch der Händler erklären, was an den 70 m-Duellen besonders ist, bzw. wodurch sich diese vom normalen Wettkampf über 70 m unterscheiden, außerdem sei festgehalten, dass der aktuelle Hallenweltrekord (18 m, 599 Ringe) bei den Herren mit X10 geschossen wurde, was dafür spricht, dass der Pfeil auch auf kürzere Entfernung funktioniert.

Es wird auch immer wieder behauptet, dass der X10 weniger windanfällig sei, da er schwerer und dünner ist. Es gibt eine Untersuchung, bei der rechnerisch X10 und ACE verglichen wurden. Dabei ergaben sich folgende Ergebnisse:

Pfeil 

Anfangsgeschwingigkeit (m/s) 

Flugzeit für 70 m (s) 

Seitenabweichung (cm) 

ACE

65,9

1,15

25

X10

64,1

1,16

22

 

Das heißt, der X10 hat auf 70 m bei gleichen Bedingungen eine um 3 cm geringere Seitenabweichung als der entsprechende ACE (aber aufgrund des Gewichts eine deutlich tiefere Visiereinstellung), was meiner Meinung nach den deutlich höheren Preis nicht rechtfertigt. Das mag ein Spitzenschütze, bei dem es u.U. auf genau diese drei 3 cm weniger Abweichung ankommt, anders sehen, der bekommt aber auch einen deutlichen Nachlass auf die Pfeile, wenn er sie nicht gar gesponsert bekommt. Einen technischen/physikalischen Grund, ACE durch X10 zu ersetzen gibt es nicht.

3.2 Neue Fletches

Es gibt mal wieder neue Fletches, die, glaubt man den Beteuerungen des Herstellers, das Bogen­schießen revolutionieren werden. In diesem Fall handelt es sich um die „KSL Jet vanes“, die so gestal­tet sein sollen, dass sie „die Luftwirbel zusammenziehen und dadurch die Reibungskraft verringern und so den Pfeil schneller machen“. Abgese­hen davon, dass turbulente Strömungen sich eben nicht berechnen lassen, ist die Aussage, dass die Wirbel zusammengezogen würden, physikalisch betrachtet Blödsinn.

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Auch die Aussage, dass sich durch diese Art Federn die Gruppierung verkleinert ist zu­nächst einmal nur eine Behauptung. Der Her­steller wird wahrscheinlich diese Dinger an verschiedene Weltklasse Schützen verschenken, bzw. diesen sogar Geld bezahlen, dafür, dass sie diese Fletches schießen. Und dann werden die Ergebnisse nicht den guten Schützen, sondern nur den Fletches zugeschrieben.

Es ist mehr oder weniger egal, was für Federn Ihr auf Eure Pfeile klebt, solange Ihr keine 4“-Natur­federn auf die Pfeile macht, mit denen Ihr 70 m schießen wollt und sorgfältig arbeitet. Eine Aussage über die Gruppengröße ist nur über eine aufwändige Versuchsreihe mit mehreren Pfeilsätzen mög­lich, und die Ergebnisse einer solchen hat bislang noch niemand gezeigt.

 

Was sind Bogensport-Mythen?

Quelle: Trainertipps November 2024

Mit Bogensport-Mythen meine ich verschiedene Behauptungen, die man immer wieder auf Bogen­plätzen zu hören bekommt und deren Richtigkeit eher ... sagen wir einmal fragwürdig ist. Oft be­kommt man dabei Dinge erzählt, die einfach falsch sind.

Wenn man dann solche Behauptungen genauer hinterfragt, hört man als Argument öfters, dass es der oder die Weltcup-Schützen genauso machen und dass das ja dann nicht falsch sein kann. Doch, kann es. Nur weil ein guter Schütze etwas macht, heißt das noch lange nicht, dass dies immer für jeden richtig ist. Es ist jedoch richtig für diesen einen Schützen. Gäbe es eine absolute Wahrheit, würden es alle guten Schützen gleich machen, und dass dies nicht so ist, sieht man auf jedem Wettkampf.

Kommen wir nun zu den verschiedenen Behauptungen.

1 Carbon-Wurfarme lassen sich leichter ziehen als Holz-Wurfarme

Das ist eine der „berühmtesten“ Behauptungen, die komplett falsch ist. Immer wieder hört man die Aussage, bei Carbon-Wurfarmen könnte man ein höheres Zuggewicht nehmen als bei Holzwurfarmen, da sich die Carbonwurfarme „leichter ziehen“ lassen. Was ist von dieser Behauptung zu hal­ten?

Rein technisch betrachtet ist sie falsch.

Alle Wurfarme werden mit dem Zuggewicht bezeichnet, welches sie bei einem genormten Auszug (üblicherweise 28“) haben. Demzufolge ergeben sowohl Holzwurfarme, als auch Carbonwurfarme bei gleichem angegebenem Zuggewicht die gleiche Zugkraft auf den Fingern (im Rahmen der übli­chen Fertigungstoleranzen). Es sind also 40 lbs eines Carbonwurfarmes = 40 lbs eines Holzwurfarmes (es wiegt ja auch 1 kg Federn nicht weniger als 1 kg Eisen).

In diesem Zusammenhang noch ein paar Bemerkungen:

  1. Wurfarme mit einfacher Konstruktion (Innenaufbau ist meist nur aus Holz und/oder Glasfaser) sind meist relativ schwer und träge. Modernere Konstruktionen mit hohem Carbon-Anteil sind leichter und schneller. Dadurch geben sie auch die gespeicherte Energie besser an den Pfeil ab (sie sind „ef­fektiver“) und beschleunigen so den Pfeil stärker. Das kann bedeuten, dass man unter Umständen mit einem etwas geringeren Zuggewicht auskommt, wenn man moderne Carbonwurfarme verwendet (und somit auch weniger Zuggewicht auf den Fingern hat).
  2. Wurfarme älterer Konstruktion, aber auch Wurfarme mancher Hersteller, haben den Ruf „härter“ zu sein als andere. Was bedeutet diese Aussage?

Alle Wurfarme werden mit dem Zuggewicht bezeichnet, welches sie bei einem genormten Auszug (üblicherweise 28“) haben. Jeder weitere Auszug ergibt nun auch ein höheres Zuggewicht. Über­schlägig kann man mit einer Kraftzunahme von 2...2,5 lbs pro Zoll mehr Auszug rechnen.

Bei manchen Wurfarmen steigt die Kraft etwas stärker an und diese Wurfarme werden dann härter genannt. Es stellt sich allerdings die Frage, ob ein durchschnittlich begabter Schütze den Unterschied mit den Fingern erspüren kann, es handelt sich dabei um ca. 1 lbs (0,453 kg) bei einem Gesamtgewicht von ca. 40 lbs auf den Fingern.

Wenn man eine solche Aussage ernsthaft machen will, muss man von beiden zu vergleichenden Wurfarmen eine Auszugskurve aufnehmen (und muss das sorgfältig tun) und dann diese ermittelten Kurven vergleichen. Eine Aussage wie z.B.: „Hoyt ist hart und Win&Win ist weich“ ist nur Marketing-Geschwätz und entbehrt jeglicher Grundlage.

Ein echtes „hart werden“ (d.h. ein überproportionaler Anstieg der Zugkraft, wird auch als Stacking bezeichnet) haben mehr oder weniger alle Wurfarme, das beginnt aber erst bei Auszuglängen deutlich oberhalb von 30“.

  1. Es gibt (nur wenige und sehr teure) Wurfarme, die sich durch ein spezielles Design der Recurves (des zurückgebogenen Bereichs) auszeichnen. Diese werden hergestellt von der Firma BORDER in England und von UUKHA in Frankreich. Diese Wurfarme sind im Recurve-Bereich deutlich stärker gekrümmt als die üblichen Wurfarme und sollen dadurch tatsächlich ein weicheres Auszugsverhalten (=flachere Auszugskurve) zeigen.

Eine korrekte Aussage dazu ist aber an Hand des Hersteller-Prospekts allein gar nicht möglich, solange keine gemessene Auszugkurve (und keine Vergleichskurve eines Konkurrenzprodukts) vorliegen.

2 Eine Sehne muss eingedreht werden, damit sie beim Lösen nicht auffächert

Es wird oft behauptet, dass man eine Sehne mindestens soundso oft (die Zahlen schwanken von 20 bis 40) eindrehen müsse, damit sie während des Schussen nicht „auffächert“ und dadurch bremst.

Was ist von dieser Behauptung zu halten?

Wenn eine Sehne auf einen Bogen aufgespannt ist, dann wird sie (je nach Zuggewicht des Bogens) mit ca. 250 N bis 350 N belastet und diese Belastung bleibt auch während des Schusses mehr oder weniger konstant. Zusätzlich muss man sich klar machen, dass der ganze Schuss (also vom Lösen bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Pfeil die Sehne verlässt) nur ungefähr 11/1000 Sekunden dauert. In diese Zeit beschleunigt die Sehne von 0 auf ca. 200 km/h, d.h. die durchschnittliche Geschwindigkeit be­trägt nur 100 km/h.

Der bei dieser Geschwindigkeit entstehende „Fahrtwind“ ist keinesfalls in der Lage, die einzelnen Stränge der Sehne gegen den Zug der Sehne aufzufächern, da die Kraft, die dieser „Fahrtwind“ auf die Stränge ausüben kann, viel zu klein ist.

Dennoch wird eine Sehne eingedreht. Das ist immer notwendig, um die korrekte Standhöhe einzustellen. Durch stärkeres Eindrehen verkürzt sich die Sehne und die Standhöhe des Bogens wird größer bzw. umgekehrt.

Ihr solltet darauf achten, dass Ihr die Standhöhe Eures Bogens immer gleich einstellt, haltet Euch da­bei an die Angabe in der Bedienungsanleitung. Solltet Ihr keine haben, dann gibt die folgende Tabelle ein paar Daumenwerte.

   Langer Wurfarm   Mittlerer Wurfarm   Kurzer Wurfarm 
 Kurzes Mittelteil (23“)   21,5...23,5  20,5...23,0  20,0...22,5
 Langes Mittelteil (25“)   22,0...24,0  21,5...23,5  20,5...23,0

 

Diese, aber auch die Angabe in den Bedienungsanleitungen, sind keine absoluten Werte und man sollte sie nicht übermäßig ernst nehmen. Ganz besonders, wenn man Wurfarme und Mittelteile ver­schiedener Hersteller mischt (also ein Hoyt-Mittelteil mit WIN&WIN-Wurfarmen), bzw. wenn kurze (23“) oder lange (27“) Mittelteile geschossen werden.

Der absolute Betrag der Standhöhe ist meiner Meinung nach nicht so wichtig, sofern Ihr Euch im Rahmen der Bedienungsanleitung bewegt. Manche sehr gute Schützen schießen für sich die Stand­höhe aus, in dem sie bei verschiedenen Werten jeweils den Gruppenumfang messen, andere verstel­len sie so lange, bis der Bogen am leisesten ist. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Standhöhe nicht unabhängig von Tillerwert und Nockpunktüberhöhung eingestellt wird, sondern diese Werte ebenfalls in das Tuning einbezogen werden müssen.

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass Ihr bei jedem Aufspannen prüft, ob die einmal festgelegte Standhöhe stimmt und Ihr sie durch ein-/ausdrehen korrigiert.

3 Eine Sehne muss für Links- und Rechtsschützen unterschiedlich eingedreht werden

Auch eine Behauptung, die man immer wieder hört. Wäre sie richtig und wäre die Richtung des Eindrehens wichtig, dann müsste der Händler beim Kauf einer neuen Sehne immer fragen: „Bist Du Rechts- oder Linksschütze?“ Mir ist diese Frage jedenfalls noch nicht begegnet und ich war schon bei einigen Händlern.

Warum aber behaupte ich, dass die Richtung des Eindrehens unwichtig ist?

Wenn der Schütze in die Sehne greift und zieht, dreht sich die Sehne nicht. Wenn er dann löst, also seine Finger öffnet, behaupten die Vertreter dieser Behauptung, würde die Sehne über die Finger­kuppen „rollen“ und dabei auf-bzw. abgewickelt werden.

Dazu muss man sich allerdings klarmachen, dass im Moment des Lösens die Finger quasi kraftlos wer­den und die Sehne mit dem vollen Zuggewicht nach vorn zieht. Zwischen Sehne und Tab-Leder ist nun fast keine Kraft mehr und die Reibung zwischen der Sehne und dem Leder ist dadurch sehr klein. Durch diese kleine Restkraft kann es zu keiner Verdrehung der Sehne kommen, besonders wenn man berücksichtigt, dass die Zugkraft in der Sehne (siehe Punkt 2) sehr groß ist.

Man kann versuchen, eine solche Verdrehung zu provozieren, indem man den Bogen versuchsweise einmal nicht voll auszieht und versucht die Sehne über das Leder „abrollen“ zu lassen. Dabei wird man merken, dass sich die Sehne quasi nicht dreht. Die kleine Drehung, die man beobachten kann, rührt daher, dass bei dieser Simulation das Lösen viel langsamer abläuft, die Handhaltung eine ganz andere ist als beim richtigen Lösen und dadurch die Reibung zwischen Tab und Sehne tatsächlich für eine leichte Drehung sorgen kann, die beim richtigen Schuss nicht auftritt.

4 Die Wickelrichtung der Mittelwicklung muss für Links- und Rechtsschützen unterschiedlich sein

Diese Behauptung hört man auch immer wieder und sie ist genauso falsch wie die, die ich unter Punkt 3 besprochen habe. Es wird oft behauptet, dass eine falsch herum gewickelte Mittelwicklung sich durch das „Abrollen“ über die Fingerkuppen öffnen bzw. lose werden würde.

Wenn eine Mittelwicklung lose wird, dann hat derjenige, der sie hergestellt hat, schlecht gearbeitet. Ich schieße nun schon einige Zeit, habe bei meinen Sehnen weder auf den Drehsinn beim Eindrehen, noch auf die Wickel-Richtung der Mittelwicklung geachtet und mir ist noch nie eine Mittelwicklung lose geworden.

Wenn man sich dabei besser fühlt, kann man bei den Sehnen auf die Eindreh- und/oder Wickelrich­tung achten, es schadet allerdings überhaupt nicht, wenn man es nicht tut. (Das gilt auf jeden Fall bei Recurve-Bögen. Bei Compoundbögen muß man prüfen, ob das Eindrehen Einfluss auf die Rotation des Peep-Sights hat).

5 Pfeile eines bestimmten Typs brauchen einen bestimmten FOC-Wert

Immer wieder hört man, dass ein bestimmter Pfeiltyp einen bestimmten FOC-Wert haben muss, damit er richtig fliegt. Was ist der FOC-Wert und warum ist er nicht wichtig?

FOC ist die Abkürzung für „forward of center“ (manche sagen „front of center“) und beschreibt den Abstand, den der Schwerpunkt des Pfeils vom geometrischen Mittelpunkt hat. Er wird nach der fol­genden Formel berechnet (Beispiel von EASTON):

136Ka0

Man balanciert dazu den Pfeil auf einer Kante aus, misst die Längen L und A und berechnet dann den FOC-Wert.

In manchen Publikationen liest man immer wieder Aussagen wie die folgende: „Ein höherer FOC-Wert (Schwerpunkt näher an der Spitze) bedeutet einen stabileren Pfeilflug mit mehr Wucht, jedoch parabelförmiger und darunter leidet die Reichweite. Aus einem niedrigeren FOC-Wert (Schwerpunkt näher am Mittelpunkt) resultiert eine flachere Flugkurve mit der man größere Distanzen überwinden kann, dafür muss man jedoch einen unruhigeren und unpräziseren Pfeilflug in Kauf nehmen.“

Oder: „Ist der FOC zu groß, geht die Spitze nach unten, ist er zu klein, geht die Spitze nach oben bzw. der Pfeil fängt an zu trudeln, weil das Heck nach vorne kommen will“

Diese Aussagen sind vollkommen falsch. Ein Pfeil wird sich immer entlang seiner Wurfparabel bewe­gen und dabei immer an der Tangente zu dieser Parabel ausgerichtet sein. Das macht er auch ohne Befiederung, da der Punkt, an dem die Luftwiderstandskraft angreift (das ist der Punkt, an dem die laminare Strömung in eine turbulente übergeht) immer hinter dem Schwerpunkt liegt. Eine Befiederung sorgt nun dafür, dass sich der Pfeil bei Störungen (z.B. Turbulenzen in der Luft) schneller ausrichtet.

Man darf dabei nicht den Fehler machen und einen Pfeil mit einem Speer zu vergleichen. Ein Speer ist dazu da, eine größtmögliche Weite zu erzielen und ist daher auf Auftrieb ausgelegt, wäh­rend ein Pfeil möglichst genau treffen soll.

Wichtig ist im Zusammenhang mit dem FOC Wert lediglich, dass alle Pfeile eines Satzes den gleichen Wert haben sollten, aber das ergibt sich von selbst, wenn man seine Pfeile sorgfältig baut. Wichtig ist, dass alle Pfeile eines Satzes genau gleich lang sind, die gleiche Spitze haben und mit den gleichen Federn bestückt sind. Dann werden das Gewicht und auch der FOC gleich sein. Wie der Wert des FOC ist, ergibt sich dann und es ist auf keinen Fall notwendig die Pfeile auf einen bestimmten Wert auszule­gen.

6 Die Befiederung soll in einem Winkel angebracht werden, um den Pfeil zu stabilisieren

In diesem Zusammenhang auch noch ein weiterer Mythos, der immer wieder auftaucht: Man liest immer wieder, man solle die Federn immer in einem Winkel auf den Schaft kleben, damit sich der Pfeil durch die dadurch hervorgerufene Rotation während des Fluges besser stabilisiert. Teilweise folgt noch der Hinweis, dass der Winkel bei Linkshandschützen und Rechtshandschützen unterschied­lich sein soll.

Auch diese Behauptung ist nicht korrekt. Ein Pfeil ist, ballistisch gesehen, ein Geschoß bei dem das Verhältnis von Länge zu Durchmesser groß ist. Dadurch liegt, wenn das Geschoß schnell genug fliegt, der Angriffspunkt der Luftwiderstandskraft immer hinter dem Schwerpunkt und dadurch wird das Geschoß stabilisiert. Die Befiederung verschiebt diesen Punkt noch weiter nach hinten und sorgt so dafür, dass sich der Pfeil bei Störungen (z.B. Turbulenzen in der Luft) schneller ausrichtet.

Bei Geschossen von Gewehren oder Pistolen ist das o.g. Verhältnis sehr klein und dadurch benötigen diese Geschosse eine Drallstabilisierung, die durch die Züge im Lauf der Waffen hervorgerufen wird. Dabei wird die Drehzahl der Geschosse sehr groß, während die Schrägstellung der Federn nur eine langsame Drehung zur Folge hat, die sowieso nicht stabilisierend wirken würde.

Prinzipiell kann man die Federn seiner Pfeile gerade aufkleben. Es gibt jedoch einen Grund, dennoch einen kleinen Winkel zu nehmen. Durch die langsame Drehung während des Fluges werden nun klei­ne Ungenauigkeiten bei der Herstellung der Pfeile statistisch ausgeglichen.


Warum Aufwärmen?

Quelle: Trainertipps Juli 2023

Am Trainingsplatz angekommen, den Bogen fix ausgepackt, und schon kann es losgehen, man ist eh schon spät dran.

Stopp.

Wie dem Schützen selbst wahrscheinlich klar ist, ist der Bogensport mit etwas Anstrengung verbunden. Hundert Pfeile lassen sich nicht mal so eben in einer Stunde schießen. Demzufolge werden Muskeln beansprucht, Gelenke und Sehnen belastet. Und genau hier gilt es vorzubeugen: ein kalter Körper hat nicht nur Probleme, so präzise zu funktionieren wie ein aufgewärmter, auch und insbesondere Gelenke und Sehnen nehmen eine Belastungssteigerung von null auf hundert mittel- und langfristig übel.

Also: vor dem Training ist Aufwärmen angesagt. Je nach Temperatur und vorheriger Belastung 10-15 Minuten.

Das gleiche gilt beim Wettkampf. Wenn man sich vor einem Wettkampf die Reihen der Sportler anschaut, so kann man die unter­schiedlichsten Aufwärmtechniken beobachten. Die einen laufen sich warm, die anderen schwingen wild die Arme hin und her und bei einigen wenigen sieht es so aus, als sollten Kaffee und Zigaretten den Körper in die Wettkampfverfassung bringen.

Aufwärmen hat mehrere Funktionen:

Zum einen ist es die gesamthafte Aktivierung zu dem anstehenden Training oder Wettkampf. Das kann man grob als die Einstimmung in das Geschehen verstehen. Es sind Bewegungsabläufe, Gewohnhei­ten und ähnliche Dinge, die zum Einsatz kommen. Es sind Dinge, die man immer vor einem Training und Wettkampf tut. (Ritual)

Zum anderen ist es die physische Vorbereitung des Körpers auf den sportlichen Einsatz. Hierun­ter ist die Aktivierung der speziellen Muskelgruppen zu verstehen. Die Aufgabe des Aufwärmens ist ganz klar die speziellen Muskelgruppen zu aktivieren. Das heißt, die Durchblutung zu fördern und auch sie in den Spannungszustand zu versetzen, den du letztendlich für die Umsetzung der geplanten Bewegungen brauchst. Das ist zwar deutlich weniger aufwändig als bei Läufern, Turnern usw., aber auch unser Sport fordert den Körper.

Oft wird der Fehler gemacht, dass dann im Aufwärmvorgang, um vermeintlich möglichen Muskelverletzungen vorzubeugen, schon auch gleich mit dem Stretching begonnen wird, das heißt mit dem Aufdehnen der Muskulatur, die vermeintlich verkürzt ist. Und wir wissen, zumindest in den Sportarten, wo diese Muskulatur dann aktiv gebraucht wird, dass du damit die Grundspannung, die du dir vorher über diese Aktivierung des Körpers eigentlich geholt hast, du diese wieder zusammenbrechen lässt. Das heißt also, du verlierst durch das Aufdehnen die Spannung der Muskulatur, die du vorher vorbereitet hast. Dehnen gehört somit grundsätzlich ans Ende des Wettkampfs oder ans Ende der Belastung. Ein leichtes Andehnen oder ein Vordehnen – das kann sehr wohl im Aufwärmvorgang Platz haben.

Zwischen Aufwärmen und Trainings- / Wettkampfbeginn sollten nicht mehr als 15 Minuten liegen. Sonst muss eventuell nochmals aufgewärmt werden.

Hier eine kleine Sammlung von Aufwärmübungen. Ist bestimmt für jeden was dabei.

Quelle: Trainertipps August 2023

Beim Bogenschießen werden bestimmte Muskeln, Gelenke und Bänder besonders gefordert – und sollten vorher ausreichend auf die Belastung vorbereitet worden sein.

Grundsätzlich gilt, alle Muskelgruppen, die ihr beim Bogenschießen benötigt, aufzuwärmen. Hier sind besonders Brust-, Rücken-, Schulter- und Armmuskulatur zu nennen. Aber auch Rumpf- und Beinmuskulatur nicht vergessen.

Bei den Übungen sollte der Körper aber nicht voll belastet werden, sondern höchstens bis zur Hälfte der maximalen Leistungsfähigkeit. So behaltet ihr später die nötige Ruhe, um konzentriert zu schießen. Das Theraband ist hier ein unterstützendes Hilfsmittel für bestimmte Übungen.

  • Unterarme zeigen nach vorn, Hände kreisen, dabei könnt ihr mit den Fingern noch Klavier spielen), nach 30 Sekunden die Richtung wechseln
  • Oberarme zeigen nach vorn, Unterarme kreisen um das Ellbogengelenk), nach 30 Sekunden die Richtung wechseln
  • Arme waagerecht halten, mit kleinen Kreisbewegungen um die Schultern beginnen, langsam den Radius vergrößern und wieder verkleinern, anschließend die Richtung wechseln und wiederholen
  • Beide Arme kreisen um die Schultern, nach 30 Sekunden die Richtung wechseln. Als Er­schwernis (und zum Verbessern der Koordination) kann man versuchen, die Arme gegenläu­fig kreisen zu lassen.
  • Kopfbewegung: Abwechselnd nach rechts und nach links drehen, jeweils 8 bis 10 Wiederholungen
    Abwechselnd den Kopf in den Nacken und das Kinn auf die Brust legen, jeweils 8 bis 10 Wiederholungen.

Die Hand gegen die Schläfe legen und mit dem Kopf dagegen drücken. Die Hand gibt nicht nach. Beide Seiten 3-5 Wiederholungen. Mit der Hand über den Kopf an die Schläfe fassen. Jetzt mit dem Kopf gegen die Hand arbeiten
> Achtung, Übungen im Kopfbereich langsam durchführen, Überbelastung vermeiden.

  • Auf einem Bein stehen, den Fuß des freien Beins kreisen lassen, nach 30 Sekunden kreisen des Unterschenkels um das Kniegelenk, nach weiteren 30 Sekunden mit dem freien Bein um das Hüftgelenk kreisen. Anschließend Standbein wechseln und wiederholen.
  • Hochdrücken in den Zehenstand, 8 bis 10 Wiederholungen
  • Hüftkreisen, jeweils rechts herum und links herum, 8 bis 10 Wiederholungen
  • Schulterübungen:
    Schultern nach oben zu den Ohren heben, kurz halten, dann tief nach unten senken. 8 bis 10 Wiederholungen.
    Schulterkreisen vorwärts und rückwärts, je 8 bis 10 Wiederholungen.

Zusätzlich können wir zum Aufwärmen ein Thera-Band nutzen.

  • Schulterbreit hinstellen und den rechten Fuß auf das Theraband positionieren. Rechten Arm locker nach unten hängen lassen und das Theraband anfassen. Nun mit gestreckten Arm das Theraband waagerecht nach oben ziehen. Dort 1-2 sec halten und langsam in die Ausgangsposition zurück gehen. Diese Übungen mit beiden Armen durchführen mit jeweils zwischen 9-12 Wiederholungen.
  • Schulterbreit hinstellen und den linken Fuß auf das Theraband positionieren. Rechten Arm an die linke Hüfte legen und dort das Theraband anfassen. Nun mit gestreckten Arm das Theraband diagonal nach rechts oben ziehen. Dort 1-2 sec halten und langsam in die Ausgangsposition zurück gehen. Diese Übungen mit beiden Armen durchführen mit jeweils zwischen 9-12 Wiederholungen.
  • Etwas mehr als schulterbreit hinstellen und leicht in die Knie gehen. Das Theraband doppelt nehmen und die Arme schulterbreit nach vorne strecken. Das Theraband in beide Hände nehmen und auseinander ziehen. Dort 1-2 sec halten und langsam in die Ausgangsposition zurück gehen. Auch bei dieser Übung zwischen 9-12 Wiederholungen machen.
  • Schulterbreit hinstellen und den linken Arm einknicken und von der linken Seite auf den Rücken legen. Das Theraband mit der linken Hand anfassen und mit der rechten Hand von oben das Theraband anfassen. Nun den rechten Arm nach oben ziehen, bis der Arm gestreckt ist. Dort 1-2 sec halten und langsam in die Ausgangsposition zurück gehen. Diese Übungen mit beiden Armen durchführen mit jeweils zwischen 9-12 Wiederholungen.
  • Die Arme zeigen nach vorn, beide Hände greifen das Band ungefähr schulterbreit und ziehen es langsam nach außen auseinander (10x wiederholen).
  • Die Arme zeigen nach oben, beide Hände greifen das Band ungefähr schulterbreit und ziehen es langsam nach außen auseinander (10x wiederholen).
  • Die Arme zeigen nach oben, beide Hände greifen das Band ungefähr schulterbreit, Eine Hand zieht nun das Band seitlich nach unten, die andere Hand bleibt nach oben gestreckt. 10x wiederholen, dann Seite wechseln und nochmals 10x wiederholen.
  • Die Bogenhand greift das Band und hält es fest, die Zughand greift in das Band (ähnlich wie in die Sehne). Anschließend ziehen wir das Band wie einen Bogen in den Anker und bewegen dabei den Ellbogen weiter (10x wiederholen).

 

Krafttraining

Quelle: Trainertipps Januar bis März 2026

Ich möchte nun ein paar Bemerkungen zum Krafttraining zum Be­sten geben. Das Thema „Krafttrai­ning“ kann ich nicht auf vier oder sechs Seiten behandeln, es wird daher ein längeres Kapitel der Trai­nertipps dazu geben.

Im ersten Teil stelle ich Euch ein paar Übungen vor, die dazu dienen, die Muskeln zu stärken, die Ihr benötigt, um Euren Rumpf zu stabilisieren. Der folgende Teil beschäftigt sich dann mit ein paar Übungen, die dazu dienen sollen die Brust- und Schultermuskulatur zu stärken, bevor es im dritten Teil mehrere bogenspezifische Übungen gibt.

Wenn Ihr Euch für ein solches Kraft-Training interessiert und mehr wissen wollt: Es gibt zu diesem Thema eine ganze Reihe von Büchern und Anleitungen online. Es kann hier nur eine sehr kurze Ein­führung zu diesem Thema geben und die Auswahl der Übungen ist sehr subjektiv. Es gibt Unmengen an Übungen und deren Variationen, von denen ich nur einige wenige vorstellen kann. Wenn man online nach weiteren Übungen oder Variationen sucht, sind die Suchbegriffe: Pilates, Core-Training, Stabi-Übungen, Cross-Fit... ein guter Start.

Ich werde versuchen, den Einsatz von Hilfsmitteln (Geräte, Hanteln...) auf ein absolutes Minimum zu beschränken und die meisten Übungen werden mit dem eigenen Körpergewicht gemacht. Ihr braucht aber eine einigermaßen weiche Unterlage (z.B. eine Yoga-Matte), später ein Theraband und für einige Übungen ist es nicht schlecht, wenn Ihr ei­nen kleinen Hantelsatz habt. Immer wieder gibt es bei verschiedenen Diskountern (ALDI, LIDL) Kurzhantelsets für kleines Geld.

 

Allgemeine Hinweise

Grundsätzlich sollten Kraftübungen immer am Ende (niemals zu Beginn) des Trainings gemacht wer­den. Die Übungen werden dazu führen, dass eure Muskeln müde werden und dann ist ein sauberes Schießen nicht mehr möglich. Das gilt besonders für die Übungen im letzten Teil, die ihr wahrscheinlich in der Bogenhalle oder auf dem Platz machen werdet. Die anderen Übungen könnt Ihr gut zu Hause machen und solltet dazu einen Tag aussuchen, an dem Ihr nicht mehr schießen wollt.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, wichtig bei den beschriebenen Kraftübungen ist, dass Ihr sie sauber und korrekt ausführt. Bitte beachtet die Hinweise, die ich bei den einzelnen Übun­gen gebe. Es kann sinnvoll sein, Euch bei den Übungen vor einen Spiegel zu stellen, damit ihr die Möglichkeit habt, Euch bei der Ausführung zu beobachten.

Fangt langsam an und steigert Euch stetig, zwei- bis dreimal pro Woche jeweils 20 bis 40 Minuten mit immer wechselnden Übungen wäre das Ziel. Ihr müsst nicht jedes Mal alle Übungen machen, wichtig ist eine gute Mischung und Abwechslung. Macht zwischen den Übungen immer eine kurze Pause und macht die Übungen nicht, wenn Ihr krank seid oder Euch nicht gut fühlt. Stoppt eine Übung unbe­dingt sofort, wenn Ihr Schmerzen haben solltet.

Wenn Ihr Interesse habt, können wir uns auch gern einmal in der Halle treffen und die (ggf. auch noch andere) Übungen gemeinsam machen. Wenn Ihr Fragen haben solltet, zögert bitte nicht, mich anzusprechen.

1. Übungen zur Rumpfstabilisierung

Die folgenden Übungen zielen darauf, die stützende Muskulatur im Rumpf zu stärken. Dazu gehören neben der Bauchmuskulatur auch die Muskeln im unteren Rückenbereich. Man sollte die Folge der Übungen so wählen, dass nicht zweimal nacheinander die gleiche Muskelgruppe beansprucht wird.

1.1 Crunches (Abbildung 1)

Ihr liegt auf dem Rücken, die Beine sind angewinkelt, Fußsohlen flach auf dem Bogen. Die Arme liegen neben dem Körper, die Fingerspit­zen locker seitlich am Kopf. Nun hebt Ihr, vom Kopf aus, den Ober­körper an, die Lendenwirbelsäule bleibt jedoch auf dem Boden. Nicht mit den Armen den Kopf nach vorn ziehen, die Bewegung muss aus dem Körper kommen.

Abbildung 1: 

Variationsmöglichkeiten:

- bei jedem Anheben den Oberkörper leicht drehen und jeweils mit einem Ellbogen auf das gegenüberliegende Knie zeigen.

- bei jedem Anheben den Oberkörper leicht drehen, das gegenüberliegende Bein anheben und jeweils Ellbogen und Knie berühren.

 

1.2 Unterarm-Stütz vorn (Abbildung 2)

Bei dieser Übung stützt Ihr Euch auf den, nach vorn gerichteten Un­terarmen und den Zehenspitzen ab. Beachtet, dass Ihr den Körper flach haltet, der Po wird nicht angehoben, es darf sich kein Hohlkreuz bilden, der Blick geht nach unten.

Abbildung 2: 

Haltet die Position mindestens 30 sec, steigert Euch langsam auf bis zu 2 min, brecht ab, wenn Ihr die Position nicht mehr sauber halten könnt.

Variationsmöglichkeiten:

- Wechselseitiges Anheben der Beine in die Waagerechte, halten für jeweils 10sec

- Wechselseitiges Anheben der Beine und des jeweils gegenüberliegenden Arms, halten für jeweils 10 sec.

 

1.3 Seitstütz (Abbildung 3)

Ihr stützt Euch bei dieser Übung mit der Seite eines Fußes und dem Unterarm der gleichen Seite ab und haltet den Körper gestreckt. Hal­tet die Streckung gerade, nicht mit dem Po nach hinten ausweichen.

Haltet die Position 30 sec, wechselt dann die Seite für ebenfalls 30 sec. Wiederholt beide Positionen noch zweimal, Pause dabei 20 sec.

Abbildung 3: sb7GJo

Variationsmöglichkeiten:

- Anheben des oben liegenden Beins, halten für jeweils 10 sec, absenken und wiederholen (dabei kann man die beiden Beine mit einem Theraband umwickeln, um den Widerstand zu erhöhen)

- Bewegen des obenliegenden Beins gestreckt nach vorn und hinten

- langsames Absenken und Anheben der Hüfte während der Übung

 

Die beiden Stützübungen (1.2 und 1.3) werden schwieriger, aber auch effektiver, wenn man die Beine auf einer beweglichen Unterlage (z.B. einem Gymnastikball) abstützt (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: kizu0f

Fortgeschrittene können auch versuchen, den Unterarm auf dem Ball abzustützen.

 

1.4 Unterarmstütz hinten (Abbildung 5)

Bei dieser Übung stützt Ihr Euch mit beiden Unterarmen hinter dem Körper und auf den Fersen ab und haltet den Körper gestreckt. Ach­tet darauf, dass der Kopf nicht vorgestreckt wird und der Körper nicht „zusammenklappt“.

Abbildung 5: 3dZAB5

Haltet die Position mindestens 30 sec, steigert Euch langsam auf bis zu 2 min, brecht ab, wenn Ihr die Position nicht mehr sauber halten könnt.

Variationsmöglichkeiten:

- wechselndes Anheben der Beine, halten für jeweils 10 sec

- Bewegen des angehobenen Beins nach links und rechts

- Abstützen auf beweglicher Unterlage

 

1.5 „Läuferrolle“

Bei dieser Übung handelt es sich um eine Kombination von bisherigen Übungen. Ihr beginnt mit dem Unterarmstütz (1.2), haltet die Position 30 sec, wechselt in den Seitstütz (1.3, z.B. links), haltet wie­der 30 sec, wechselt dann für 30 sec in den Unterarmstütz hinten (1.4) und beendet die Folge mit 30 sec Seitstütz rechts.

 

1.6 Beckenlift (Abbildung 6)

Ihr beginnt in der Rückenlage, stellt die Beine auf und stützt Euch auf die Fersen, die Arme werden gerade nach oben gestreckt. Nun wird das Becken möglichst weit hochgedrückt und wieder abgesenkt (20 Wiederholungen). Darauf achten, dass das Becken zwischen den ein­zelnen Wiederholungen nicht ganz abgelegt wird und die Spannung in Bauch und Rücken erhalten bleibt.

Abbildung 6: 5QYtnY

Variationsmöglichkeiten:

- wechselseitig ein Bein ausstrecken und halten

 

1.7 Vierfüßlerstand (Abbildung 7)

Ihr beginnt diese Übung, indem Ihr auf beiden Knien und beiden Händen steht. Nun werden wechselseitig die Arme und das jeweils gegenüberliegende Bein ausgestreckt, für 15 sec gehalten und wieder angesetzt. Achtet darauf, dass Ihr einen geraden Rücken behaltet, sowohl ein „Buckel“ als auch ein Hohlkreuz sind falsch.

Abbildung 7: D3fgKF

Macht diese Übung insgesamt 2 min (8...10 Wechsel).

 

1.8 Superman (Abbildung 8)

Ihr legt Euch mit ausgestreckten Beinen auf den Bauch und streckt die Arme nach vorn, die Daumen zeigen nach oben. Dann hebt Ihr Arme und Beine soweit wie möglich vom Boden ab und streckt da­bei den Rücken durch. Der Blick bleibt auf den Boden gerichtet.

Abbildung 8: LPGjAV

Die Position für 30 Sekunden halten und dann langsam absenken. Anschließend dreimal wiederho­len. Man kann wie auf dem Bild leichte Hanteln oder leichte/kleine Wasserflaschen verwenden, um die Übung zu erschweren.

Variationsmöglichkeiten:

- Arme seitlich ausstrecken

- Arme wechselseitig seitlich nach hinten führen, ohne den Boden zu berühren (ähnlich einer Kraulbewegung)

 

1.9 Sitzwaage (Abbildung 9)

Bei dieser Übung sitzt Ihr auf dem Boden und hebt die Beine leicht an. Haltet die Position ca. 30 sec, setzt die Beine wie­der ab und wiederholt das ganze dreimal.

Abbildung 9: DrADTP

Für den Fall, dass Ihr die Waage nicht gleich hinbekommt, könnt Ihr Euch zu Beginn mit den Armen hinter dem Körper abstützen.

Variationsmöglichkeiten:

- Radfahrbewegung mit den Beinen

- auf- und ab-Bewegung mit den Beinen ohne Absetzen.

 

1.10 Liegestütze (Abbildung 10)

Jeder von Euch kennt Liegestütze. Diese Übung ist einmal gut zum Stabi-Training, aber auch schon ein Übergang zum Krafttraining für Arme und Schultern. Achtet bei der Durchführung auf einen geraden Rücken, vermeidet unbedingt ein Hohlkreuz. Zu Beginn sollten die Hände etwas mehr als schulterbreit auseinander sein (die „hardcore-Variante“ ist dann die mit aneinandergelegten Händen).

Abbildung 10: 8Rm4b9

 

Anfänger können die Übung auch so machen, dass sie sich nicht mit den Zehenspitzen, sondern mit den Knien abstützen, eine andere Erleichterung ist das Abstützen mit den Händen auf einem erhöh­ten Gegenstand (Bank).

Macht so viel Liegestütze, wie Ihr sauber ausführen könnt, macht eine kurze Pause (bis der Puls wie­der normal ist) und wiederholt das Ganze.

Variationsmöglichkeiten:

- nur mit einem Bein abstützen

- einarmig ausführen.

- Beine oder Arme auf einer beweglichen Unterlage (Gymnastik-Ball) abstützen.

 

2. Übungen für Brust- und Schultermuskulatur

Die Übungen, die in den folgenden Abschnitten beschrieben sind, zielen hauptsächlich auf die Brust- und Schultermuskulatur. Dabei habe ich allerdings Übungen ausgesucht, die nicht vollkommen ein­seitig bestimmte Muskeln bzw. Muskelgruppen ansprechen sondern es werden immer auch die Mus­keln der Arme (vorrangig Trizeps) mit gestärkt.

2.1 Liegestütze (Abbildung 10)

Diese Übung ist - wie gesagt - ein Übergang zum Krafttraining für Arme und Schultern. 

Achtet bei der Durchführung auf einen geraden Rücken, vermeidet unbedingt ein Hohlkreuz. Zu Beginn sollten die Hände etwas mehr als schulterbreit auseinander sein (die „hardcore-Variante“ ist dann die mit aneinandergelegten Händen, die sog. „diamond-push-ups“).

Anfänger können die Übung auch so machen, dass sie sich nicht mit den Zehenspitzen, sondern mit den Knien abstützen, eine andere Erleichterung ist das Abstützen mit den Händen auf einem erhöh­ten Gegenstand (Bank).

Macht so viel Liegestütze, wie Ihr sauber ausführen könnt, macht eine kurze Pause (bis der Puls wie­der normal ist) und wiederholt das Ganze zweimal.

Variationsmöglichkeiten:

- nur mit einem Bein abstützen

- einarmig ausführen

- Beine oder Arme auf einer beweglichen Unterlage (Gymnastik-Ball) abstützen.

Speziell die letzte Variation mit dem Gymnastikball ist nicht nur eine Kraftübung für Schultern und Arme, sie ist auch eine hervorragende Stabilisierungsübung, da sie alle Rumpfmuskeln fordert.

 

2.2 Dips (Abbildung 11)

Diese Übung ist quasi die Rückwärtsvariante der Liegestütze. Ihr benötigt dazu zwei Stühle oder et­was ähnliches, aus dem Ihr Eure Hände abstützen könnt. Wie Ihr dem Bild entnehmen könnt, geht die Übung sogar am Sofa (z.B. während des Tatorts am Sonntagabend).

Abbildung 11: dVYGJ7

Ich finde allerdings die Ausfüh­rung, bei der man sich hinter dem Körper abstützt (Foto) etwas schwieriger, als wenn man sich auf zwei Stühlen neben dem Körper abstützt.

Beginnt mit einem Satz zu zehn Wiederholungen und steigert auf 3x20, zwischen den Sätzen 20 sec Pause.

Auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten, die Übung zu variieren:

- Füße weiter vom Körper entfernt aufsetzten

- Beine auf einem Hocker oä. erhöht abstützen

- Beine auf einer beweglichen Unterlage (Gymnastik-Ball) abstützen.

 

2.3 Reverse butterfly (Abbildung 12-14)

Diese Übung trainiert hauptsächlich den mittleren Teil des Trapezmuskels und den hinteren Delta-muskel der Schultermuskulatur. Gleichzeitig stärken wir dabei den großen und kleinen Rautenmuskel, der unterhalb des Trapezius liegt. Es gibt für diese Übung viele verschiedene Möglichkeiten, je nachdem, welche Gerätschaften zur Verfügung stehen.

Abbildung 12:  G0cil8

Solltet Ihr in einem Fitness-Studio sein, dann gibt es für diese Übung meist ein spezialisiertes Gerät (Beispiel siehe Abbildung 12). Al­lerdings hat nicht jeder die Möglichkeit in einem Studio zu trainieren und so ein Gerät zu nutzen.

Ohne Probleme kann man die Übung auch mit Kurzhanteln ausführen, muss dabei aber etwas mehr auf die korrekte Haltung achten, die bei der Verwendung eines Geräts einfacher einzuhalten ist. Man kann die Übung sitzend vorgebeugt oder stehend vorgebeugt machen (siehe Abbildung 13).

Abbildung 13: Bildschirmfoto vom 2026 05 15 09 22 36

Solltet Ihr keine Kurzhanteln anschaffen wollen, könnt Ihr auch einfach zwei Wasserflaschen verwen­den und die Intensität der Übung über den Füllgrad der Flaschen steuern (für den Anfang sind 1,5 l-Flaschen vollkommen ausreichend).

Ersatzweise kann man auch mit einem Theraband arbeiten, in dem man dieses durch eine Öse an der Wand führt und die beiden Enden in den Händen hält (Abbildung 14).

Abbildung 14: ifwfaC

Beginnt mit einem Satz zu zehn Wiederholungen und stei­gert zunächst die Anzahl der Sätze bevor Ihr das Gewicht bzw. die Zugkraft steigert.

 

2.4 Butterfly (Abbildung 15-16)

Diese Übung ist quasi das „Gegenteil“ des reverse butterfly und trainiert hauptsächlich den großen Brustmuskel und die unterstützenden Muskeln der vorderen Schulter, sowie nachrangig der Bizeps und der vordere Sägemuskel unterhalb der seitlichen Brust.

Abbildung 15: zpHplv 

Wenn Ihr in einem Studio eine Maschine zur Verfügung habt, könnt Ihr diese natürlich nutzen und durch die Variation der Gewichte die Intensität der Übung kontrollieren.

Achtet auf einen geraden Rücken und eine saubere, ruckfreie (also nicht Schwung holen) Ausführung.

Auch diese Übung kann man einfach (ohne Studio) mit Kurz­hanteln ausführen und auch hierbei können die Kurzhanteln durch mehr oder weniger gefüllte Wasserflaschen ersetzt werden. Dazu legt Ihr Euch beispielsweise auf eine schmale Bank (Abbildung 16 oben).

Abbildung 16: JQNGJz

Ebenso ist es möglich, diese Übung mit einem Theraband zu machen. Dabei muss nur das Band in Schulterhöhe an der Wand befestigt werden (z.B. durch eine Öse geführt werden; Abbildung 16 unten).

Hier ist wichtig, dass bei der Übung wirklich nur die Brust­muskeln und nicht gesamte Oberkörper eingesetzt wer­den.

Auch hier beginnt Ihr mit einem Satz zu zehn Wiederho­lungen und steigert zunächst die Anzahl der Sätze, bevor Ihr das Gewicht steigert.

 

2.5 Seitheben (Abbildung 17)

Bei den Seitheben Übungen mit aufrechtem Oberkörper ist der vordere, mittlere und hintere Delta-Muskel (Musculus deltoideus) an der Schulter der Hauptzielmuskel. In manchen Büchern wird die Übung „reverse butterfly“ (2.3) als vorgebeugtes Seitheben bezeichnet.

Abbildung 17: zepgpA

Man kann die Übung sowohl im Sitzen als auch im Stehen machen und kann, sofern man keine Hanteln hat, jederzeit zwei mehr oder weniger gefüllte Wasserflaschen nehmen.

Auch die Verwendung eines Therabandes ist möglich, dabei nimmt man in jede Hand ein Ende des Bandes und stellt sich mit beiden Füßen auf den durchhängenden Teil.

Bei der Ausführung im Stehen muss man darauf achten, dass man wirklich nur die Arme langsam anhebt und nicht mit dem ganzen Körper „Schwung holt“.

Beginnt diese Übungen wieder mit einem Satz zu zehn Wie­derholungen und steigert erst die Anzahl der Sätze (bis drei), dann die Anzahl der Wiederholungen (bis 20) bevor Ihr das Gewicht erhöht.

 

2.6 Frontheben (Abbildung 18)

Beim Frontheben mit Kurzhanteln werden die die vorderen Schultermuskeln (auch vorderer Delta-Muskel) trainiert. Man kann auch diese Übung im Sitzen und im Stehen machen, die Hinweise, die beim Seitheben genannt wurden gelten auch hier.

Abbildung 18: Nd82Sj

Manche Trainer empfehlen diese Übung einarmig zu machen, damit mehr Gewicht aufgelegt werden kann (man soll sich dann bei den letzten Wiederholungen mit der freien Hand „helfen“) aber das ist eher ein Tipp für Bodybuilder.

Man kann diese Übung sehr gut auch mit dem Theraband durchfüh­ren indem man in jede Hand ein Ende des Bandes nimmt und sich mit beiden Füßen auf den durchhängenden Teil stellt. Die Intensität steuert Ihr dabei mit der Länge des Bandes.

Auch hier mit einem Satz zu zehn Wiederholungen beginnen. Stei­gert erst die Anzahl der Sätze (bis drei), dann die Anzahl der Wiederholungen (bis 20) bevor Ihr das Gewicht erhöht.

Bei allen Hantelübungen müsst Ihr darauf achten, dass Ihr die Bewegungen langsam ausführt, Ihr dürft nicht mit dem Körper Schwung holen. Achtet auf saubere Ausführung, im Zweifel beobachtet Euch im Spiegel.

 

3. Übungen für Rücken- und Schultermuskulatur

Die Übungen, die in den folgenden Abschnitt beschrieben sind, zielen hauptsächlich auf die Rücken- und Schultermuskulatur. Dabei habe ich allerdings Übungen ausgesucht, die nicht vollkommen ein­seitig bestimmte Muskeln bzw. Muskelgruppen ansprechen, sondern es werden immer auch die Muskeln der Arme (vorrangig Trizeps) mit gestärkt.

 

3.1 Latissimus-Training

Der große, breite Rückenmuskel (Musculus latissimus dorsi) liegt an der linken und rechten Außen­seite des mittleren Rückens. Für die Stärkung dieses Muskels gibt es sehr viele Möglichkeiten, von denen aber einige (z.B. Lat-Zug und Rudern) eine Maschine erfordern, die Ihr wohl nur in einem Stu­dio findet. Es gibt aber für zu Hause einige Alternativen, die ich Euch in den nächsten Abschnitten zeigen möchte.

 

3.2 Rudern, vorgebeugt (Abbildung 19-20)

Diese Übung kann man sowohl mit einer Langhantel als auch mit zwei Kurzhanteln machen. Auch hier, wie bei allen Hantelübungen soll man die Übung nur mit den gewünschten Muskeln ohne Schwung des Körpers durchführen.

Abbildung 19: 30tb5C

Fangt mit einem Satz und wenigen Wiederholungen an, stei­gert erst die Anzahl der Sätze (bis drei), dann die Wiederholungen (bis 20) und erst dann das Gewicht. Auch hier ist es möglich die Hanteln durch gefüllte Wasserflaschen oder ein Theraband zu ersetzen. Ich halte die Übung mit einer Langhantel zwar für effektiver, aber wenn man zwei Kurzhanteln hat, ist das für unsere Zwecke vollkommen ausreichend. 

Alternativ kann die Übung auch nur mit einer Kurzhantel (siehe Abbildung 20) aber auch mit einem Theraband gemacht wer­den

Abbildung 20: 9fOCRJ

 

3.3 Klimmzug (Abbildung 21)

Diese Übung ist für Rücken und Bizeps eine der besten, aber auch eine der schwierigsten, da sie in der Intensität kaum „einstellbar“ ist. Man hat nun mal das volle Körpergewicht zu tragen und kann sich die Arbeit nicht einfacher machen.

Abbildung 21: C8C9oG

Die Übung kann man stark variieren, in dem man einer­seits den Abstand der Hände an der Stange verändert (je breiter, desto stärker wird der Latissimus beansprucht), andererseits die Griffhaltung ändert.

Bei einer engen Griffhaltung und dem sog. Untergriff zielt die Übung hauptsächlich auf den Bizeps, der beim Bogen­schießen aber nur von untergeordneter Bogen­schießen aber nur von untergeordneter Bedeutung ist.

 

3.4 Überzug (Abbildung 22-23)

Diese Übung stärkt einerseits unsere vorderen Sägemuskeln, als auch unseren großen Brustmuskel. Unterstützend wirken zum einen unser Latissimus am seitlichen Rücken und zum anderen unser Trizeps. 

Abbildung 22: zvzjtv

Ihr braucht für diese Übung eine Kurzhantel oder eine ge­füllte Wasserflasche, mit einem Theraband geht diese Übung nur sehr schwer. Beachtet, dass Ihr bei der Übung nicht ins Hohlkreuz fallt.

Fangt mit einem Satz und wenigen Wiederholungen an, steigert erst die Anzahl der Sätze (bis drei), dann die Wiederholungen (bis 20) und erst dann das Ge­wicht.

Eine schöne Alternative ist es, die Übung auf einem Gym­nastik-Ball zu machen, da Ihr dabei auch noch das Gleich­gewicht halten müsst, ähnlich wie bei den Übungen im ersten Teil (siehe oben, Abschnitt 1).

Abbildung 23: G3a878

 

3.5 Theraband spannen

Eine Übung, die dem bogenspezifischen Bewegungsablauf näher kommt, könnt Ihr mit einem Theraband ausführen. Sie ist auch gut geeignet, um sie in das Aufwärmprogramm (Ihr wärmt Euch doch auf, oder?) vor einem Training oder Wettkampf aufzunehmen.

Für diese Übung nehmt Ihr ein Ende des Therabandes in Eure Bogenhand und formt eine Schlaufe, in die Ihr mit Eurer Zughand eingreift. Das freie Ende lasst Ihr auf den Boden hängen und tretet mit dem Fuß unter Eurer Bogenschulter (Rechtsschützen mit dem linken Fuß) darauf. Nun könnt Ihr den kom­pletten Bewegungsablauf des Bogenspannes simulieren.

Um genau die Muskeln zu stärken, die beim Spannen des Bogens benutzt werden, kann man, wenn die Zughand im Anker angekommen ist, durch ein Fortset­zen der Bewegung (Ellbogen dreht um das Schultergelenk) quasi „weiterspannen“. Bewegt dabei den Ellbogen mehrmals aus dem Anker weiter, haltet ihn dort für ein paar Sekunden und lasst ihn dann langsam wieder in den Anker kommen.

Man könnte auch mit dieser Übung das Lösen simulieren; ich halte das aber nur für begrenzt sinnvoll, da in diesem Fall der Klicker fehlt und somit nicht der Klickerreflex konditioniert wird.

 

4. Bogenspezifische Übungen

Im Folgenden gibt es noch zwei Übungen, mit der Ihr die Bogenschulter in Training stärken könnt.

Hinweise zur Durchführung:

  • Wichtig ist, dass die Übungen schnell, aber auch sehr sauber und konzentriert durchgeführt werden.
  • Beide Übungen sollten nacheinander gemacht werden, zwischen den Passen sollten keine
    langen Pausen sein. Schießt auf 10m, damit ihr nicht viel Zeit beim Pfeilholen verliert.
  • Wie schon geschrieben, sollten Kraft-Übungen immer am Ende (nie zu Beginn) des Trainings gemacht werden, da nach den Übungen ein sauberes Schießen wahrscheinlich nicht mehr möglich ist.
  • Nach den Übungen schießt Ihr nur noch ca. 12 Pfeile ohne Auflage aus.

4.1 Übung 1 (Bogenhalten)

Die Übung wird folgendermaßen ausgeführt:

  1. Stellt Euch normal an die Schießlinie
  2. Nockt einen Pfeil ein
  3. Hebt den Bogenarm ohne mit der Zughand in die Sehne zu greifen, d.h. der Bogen wird nicht ausgezogen, die Zughand bleibt locker neben dem Körper hängen
  4. Zielt mit dem Visier auf die Mitte der Auflage
  5. Haltet den Arm für 10 Sekunden ausgestreckt und zielt in der Zeit weiter. Wenn Ihr die Übungen öfters gemacht habt, kann die Zeit schrittweise bis 20 Sekunden verlängert werden.
  6. Nehmt den Arm wieder herunter, greift mit der Zughand in die Sehne und macht einen sauberen Schuss, ohne lange zu warten.

Wiederholt die Übung (Schritte 2 bis 6) sechs- bis 12 mal.

Man kann den Trainingseffekt erhöhen, indem man eine Gewichtsmanschette um das Handgelenk des Bogenarms legt und somit das Haltegewicht erhöht.

4.2 Übung 2 (verzögerter Schuss)

Die Übung wird folgendermaßen ausgeführt:

  1. Stellt Euch normal an die Schießlinie
  2. Nockt einen Pfeil ein
  3. Hebt den Bogenarm und zieht den Bogen aus, bleibt aber ca. 0,5cm vor dem Klicker
  4. Haltet diese Position für 5 bis 10 Sekunden
  5. Nehmt nun die Spannung aus dem Bogen, bis der Klicker ungefähr auf der Mitte des Pfeils steht (nicht komplett entspannen)
  6. Haltet diese Position für 5 bis 10 Sekunden
  7. Zieht nun den Bogen wieder aus, bleibt aber wieder ca. 0,5cm vor dem Klicker
  8. Haltet diese Position für5 bis 10 Sekunden
  9. Zieht nun durch den Klicker und schießt den Pfeil

Wiederholt die Schritte 2 bis 9 mit 2x6 Pfeilen, versucht dabei so sauber wie möglich zu schießen.

Wenn Ihr anfangt zu zittern oder Euer Schießen unsauber wird, brecht Ihr die Übung ab.

4.3 Hinweise zu den Übungen

Zu Beginn sollte die Haltezeit bei der Übung 1 nur ca. 10 Sekunden sein und bei Übung 2 sollte die Haltezeit zu Beginn bei ca. 5 Sekunden sein. Dazu sollte der abgesetzte Vollauszug nur einmal wie­derholt werden.

Wenn die Anzahl der Pfeile zu groß sein sollte, um die Übungen ohne Zittern durchzuführen, redu­ziert Ihr die Zahl, aber bleibt bei zwei Passen.

Wenn Ihr das Training öfters durchführt, können die Haltezeiten und die Anzahl der Vollauszüge (bei Übung 2) schrittweise erhöht werden. Um die Intensität weiter zu steigern, könnt ihr –wie beschrie­ben- bei der Übung 1 noch eine Gewichtsmanschette an der Bogenhand befestigen.

Versucht die Übungen in jedem Training(*) unterzubringen, nach ca. vier Wochen solltet Ihr einen deutlichen Effekt bemerken. Beachtet aber bitte, dass Ihr die Schüsse technisch sauber schießt und nicht einfach rausballert.

(*) Nicht unbedingt sinnvoll sind diese Übungen in der direkten Wettkampfvorbereitung, also in den letzten zwei, drei Einheiten vor dem Wettkampf. Zu diesem Zeitpunkt ist ein Training auf Wettkampf-Auflagen und im Wettkampf-Modus (3 Pfeile/Passe in der Halle, 6 Pfeile/Passe im Freien) wesentlich sinnvoller, vor allem, wenn Ihr dabei auch noch den Wettkampf-Rhythmus (120sec/240sec) einhal­tet.


 

Den Schuss fühlen

Quelle: Trainertipps Mai 2023

Dieses Gefühl, wenn sich der Schuss löst und man schon, bevor der Pfeil auf der Auflage landet, weiß, dass er in der 10 steckt, ist wohl eins der besten Momente im Bogenschießen.

Um zu diesem Gefühl überhaupt kommen zu können, muss man sich und seinem Material vertrauen. Das perfekte Tuning für Bogen und Material ist damit nicht gemeint. Nicht jeder hat die Ressourcen und das Wissen, wie man einen Bogen gut einstellt und noch keiner hat ein Wunderrezept gefunden, wie die perfekte Einstellung aussieht. Man sollte jedoch seinem Material vertrauen, sich damit sicher fühlen und versuchen, es nach bestem Wissen und Gewissen einzustellen oder einstellen zu lassen. Wenn das getan ist, kann man mit Vertrauen in sein Material in einen Wettkampf oder ins Training starten und an sich als Schütze arbeiten.

Um sich selbst beim Schießen vertrauen zu können, muss man wissen, wie sich der eigene gute Schuss anfühlt. Jeder hat seinen eigenen Schießstil und muss sich auch nicht unbedingt verbiegen, um zu schießen, wie jemand anderes das tut. Natürlich kann man sich aber auch etwas von dem einen oder anderen Topschützen abschauen. Man muss es schaffen sich und seinen Stil in Einklang zu bringen und die Schüsse immer nach dem gleichen Schema zu schießen. Nach einem Schuss sollte man, wenn möglich sagen können, welche Note man diesem Schuss geben würde. Wichtig bei dieser Einschätzung ist es, dass man das Treffen bei der Bewertung nicht mit einbezieht, es soll lediglich der Schussablauf „benotet“ werden.

 

Eigenlob stinkt nicht

Quelle: Trainertipps Juni 2023

Wenn man die Schützen bei einem Wettkampf an der Schießlinie mal beobachtet, findet man schnell Schützen, die den Kopf schütteln. Gegenfrage: Habt ihr schon einmal einen Schützen an der Schießlinie gesehen, der genickt hat und nach einem Schuss vielleicht ein Lächeln auf den Lippen hatte? Also ich persönlich kenne nur wenige Schützen, die das tun. Aus rein psychologischer Sicht ist Kritisieren oder Kopfschütteln aber alles andere als fördernd. In der Verhaltenspsychologie wird auf ein Belohnungssystem gesetzt. Sprich Gutes wird gelobt und Schlechtes wird ignoriert, denn jeder strebt danach Lob zu bekommen. Da wir nicht jedes Mal jemanden hinter uns stehen haben, der uns für gute Schüsse lobt, sollten wir das für uns selbst übernehmen. Dabei ist nicht gesagt, dass man einfach bei jedem Schuss sagen soll:“ Oh der war aber großartig!“ Man kann entweder kleine Dinge loben (stehen gelassener Bogenarm, gutes Lösen, mutig durchgezogen…) oder auch den ganzen Schuss, wenn er denn gut war. Vermeiden sollte man das Kopfschütteln oder das Nennen der Dinge, die nicht gut waren. Denn wie gesagt, die Psyche reagiert besser auf Belohnung als auf Bestrafung. Es ist schwer, nun seine Gewohnheiten von jetzt auf gleich abzulegen, aber man sollte beim Kopfschütteln (wenn es dann doch mal passiert) immer auch daran denken, mal zu loben bzw. zu nicken.

Jedes Kind und auch wir Erwachsenen streben danach Anerkennung und Lob für geleistetes zu bekommen. Sie möchten auch mal in der Rolle sein, gelobt zu werden. Egal ob bei der Arbeit, zu Hause oder eben bei unserem Hobby. Wer einen Hund hat, weiß ebenfalls, wie gut Belohnungen bei der Erziehung helfen können.

Das Lob muss sich nicht immer nur auf den Schussablauf beziehen, es kann sich auch auf geschossene Ringzahl beziehen. Nur sollte es ehrlich und häufiger sein als eine Kritik.

 

Gefühl und Wollen

Quelle: Trainertipps Februar 2024

Jetzt möchte ich auf ein paar mentale Aspekte hinweisen, die unser Schießen beein­flussen. Wenn ein Schütze einen „perfekten Schuss“ fühlen und gleichzeitig bewusst ein X schießen will, so kommt er in einen Konflikt, da das Gefühl immer dominanter sein wird. Der Verstand kann mit dem X nur wenig anfangen, da es ein abstraktes Gebilde ist. Erst wenn das innere Gefühl (des guten Schusses) und ein geschossenes X zusammentreffen, kommt es zum Kick.

Dass dies so ist, erkennt man daran, dass wenn das Schussgefühl im Moment des Lösens zwar sehr gut ist, aber das X nicht getroffen wurde. In diesem Fall wird meist das gute Gefühl als Reaktion auf das nicht getroffene X durch das schlechte Gefühl des „Versagens“ ersetzt. Das schlechte Gefühl des „das verstehe ich nicht“ aufkommt und somit dominanter gegenüber dem Wollen wird. Üblicherweise beginnt der be­treffende Schütze dann mit (sinnloser) Visierschrauberei.

Die Menschen glauben, dass sie mit „Wollen“ in der Lage sind, Ziele zu erreichen. Prinzipiell ist das richtig, weil „Wollen“ die Fokussierung auf einen noch zu erreichenden Zustand darstellt.

Das Ziel beim Bogenschießen ist aber nicht das X oder die Zehn, sondern vielmehr der perfekte Schussablauf, denn das X ist die Folge einer langen Reihe aus vielen bewussten und unbewussten Handlungen und Abläufen.

Wenn man bewusst schießen wollte, müsste man seinem Denkapparat einen Auftrag geben und ihn zwingen alle diese Abläufe und Handlungen nacheinander abzuarbeiten. Damit allerdings beginnt man das

„Denken“ und der Verstand spielt dann mit dem Schützen z.B. folgenden Ablauf durch:

„ich stehe an der Linie...ich will das X....wie stehe ich?...nicht richtig...Fuß bewegen...gut so...stimmt meine Schulter?...ja...nee, doch nicht...jetzt aber ...Druckpunkt ist gut...ich steh im Gold...gut so...jetzt müsste der Klicker... Mist, unruhig... korrigieren...jetzt müsste...wieder unruhig...was macht denn mein Kopf?...wo bleibt denn der Klicker?...absetzen? nee, jetzt, doch?...jetzt verkrampfe ich...wieder im Gold...KLICKER...geht’s noch?...Jetzt, endlich...“.

Hoffentlich war das jetzt eine 6 oder 7 und der Schütze hat gelernt, dass er besser abgesetzt hätte. Es wäre für den Verstand fatal, wäre dieser Schuss eine 10 ist, denn so hätte er ein Erfolgserlebnis, würde dieses mit dem vollkommen verkorksten Schuss verbinden und auf diese Weise den Mist wiederholen. Denn der „Job“ des Verstandes ist ja, reproduzierbare Muster anzulegen.

Der Verstand sollte aber nur aus guten (wenn schon nicht perfekten) Schüssen Muster ableiten, die er dann im Unterbewusstsein speichert um sie später wieder abzurufen.

Im beschriebenen Fall würde sich das Absetzen zu einem Notfallprogramm entwickeln anstatt zu dem natürlichen Vorgang, der immer ablaufen sollte, wenn ein oder mehrere Elemente im Schuss nicht „pas­sen“. Aus dieser Erkenntnis sollte Absetzen als Chance (zum Neuaufbau eines guten Schusses) und nicht als Fehler verstanden werden.

Es gibt keine Möglichkeit, bewusst ein X zuschießen, ebenso wenig wie wir in der Lage sind unsere grund­legenden Körperfunktionen (Herzschlag, Verdauung...) bewusst zu steuern. Bewusst zu schießen bedeutet immer, dem Verstand eine Aufgabe zu geben und diese bewusst abzuarbeiten. Das dies nicht, bzw. nur sehr unzureichend funktioniert, kann man durch einen kleinen Versuch beweisen.

Man stelle sich auf die Schießlinie und gebe sich vier Schwerpunkte vor, auf die man bei den folgenden Schuss achten will (vier Schwerpunkte sind nur ein Bruchteil dessen, was man für einen perfekten Schuss benötigt). Nach dem Schuss wird man feststellen, wie unruhig man innerlich war, worauf man wirklich geachtet hat und vor allem, auf was man alles nicht geachtet hat.

Das Gold braucht keine eigene (isolierte und teils zur Verkrampfung führende) Konzentration. Das Gold ist vielmehr ein natürlicher Bestandteil des gesamten (perfekten) Ablaufs. Es gilt der Merksatz: Ich richte mein Handeln auf ein Ziel aus. Das Ziel aber darf nicht das Gold, sondern muss der perfekte Ablauf sein.

Bewusst ein Ergebnis (die 10) schießen zu wollen, würde diesen Satz umkehren und das Handeln dem Ziel unterzuordnen.

Das Unterbewusstsein kann viel besser schießen als das Bewusstsein. Unser Ziel muss sein, die Konzentrati­on auf den Ablauf und nicht auf das Ziel (die 10) zu legen.

Dazu noch zwei Anmerkungen:

  1. Es gibt das Sprichwort: „wenn man einen Stock aufhebt, dann hat man immer beide Enden in der Hand“. Auf uns angewendet bedeutet das, wenn man eine 10 schießen will, dann hat man sich im gleichen Moment auch mit der „Nicht-10“ auseinanderzusetzen und man braucht (schon vorher) ei­nen Plan, wie man mit dieser „Nicht-10“ umgeht.

Jeder kann für sich selbst prüfen, welche negativen Reaktionen (körperlich/geistig) eine „Nicht- 10“ auslöst und wie man damit umgeht.

Besser ist der Wille einen sauberen Schuss auszuführen, dann kann man, sofern dieser gelungen ist, immer noch ein gutes Gefühl haben, auch wenn es u.U. keine 10 war.

  1. Es ist möglich, das Bogenschießen bis zu einem bestimmten Leistungsstand auch unbewusst durch Beobachten zu lernen, weil man durch Beobachten sehr viel mehr aufnehmen kann als durch langes Erklären und Beschreibungen.

Aus diesem Grund schadet es nicht, sich Videos von sehr guten Schützen anzusehen (YouTube, archery-TV), aber auch das Beobachten von guten Schützen im eigenen Verein oder auf Turnieren kann hilfreich sein.

Wichtig ist dabei, die Konzentration auf den Schützen und nicht auf das Ziel zu lenken. Gut ist das Beobachten von Schützen, die nicht auf Auflagen schießen, da hier sowohl die Schützen als auch die Beobachter nicht vom Ziel abgelenkt werden können.

 

„Einfrieren („freezing“)“ oder „Hängenbleiben („hang-up“)“ unter dem Klicker

Quelle: Trainertipps Oktober 2025

Zum Thema „Einfrieren („freezing“)“ oder „Hängenbleiben („hang-up“)“ unter dem Klicker habe ich wieder einmal auf einen Artikel einer online-Zeitung zurückgegriffen und ihn übersetzt. Wenn jemand am Original von Andrew Smith interessiert sein sollte, Ihr findet ihn in der Ausgabe 119 des „Bow International magazine“ unter der Adresse: http://www.bow-international.com/features/psychology/how-to-cure-your-shooting-hang-ups/.

Einfrieren („freezing“) oder hängenbleiben („hang-up“) unter dem Klicker sind zwei Namen für das gleiche Problem: die Unfähigkeit, den Schuss sauber durchzuführen. Meine eigenen Anmerkungen habe ich wie üblich kursiv geschrieben.

 

1. Einleitung

Es kann schwierig werden, das genannte Problem auf dem Papier zu lösen, aber viele Schützen fin­den sich (zumindest hin und wieder) in der Position, in der sie den letzten Millimeter einfach nicht ziehen können. Es wird nicht jeder Pfeil sein, aber wichtige, kritische Pfeile während eines Wett­kampfs oder in einer Finalsituation. Der Klicker ist vollständig in den Schussablauf integriert, daher wird man bei der Betrachtung des Klickers allein zwar über Lösungsansätze nachdenken, aber die Lösung des Problems erfordert eine vollständige Betrachtung der Technik und des mentalen Be­reichs.

Es besteht kein Zweifel, dass der Gebrauch des Klickers die Ergebnis­se eines Schützen verbessern wird und dies ist der Grund, warum alle internationalen Top-Schützen einen Klicker verwenden. 

Viele Vereinsschützen scheinen al­lerdings immer wieder Probleme damit zu haben und selbst erfahrene Schützen können gelegentlich unter dem Klicker „festfrieren“.

Die Benutzung des Klickers ist einfach: Man legt den Pfeil auf die Auflage und unter das Blech des Klickers, spannt den Bogen bis der Pfeil gerade unter dem Klickerblättchen durchgezogen wurde. Nun macht es „Klick“ und in diesem Moment lässt man den Pfeil los, erinnert sich an das Nachhalten und beendet einen starken Schuss.

Der Klicker ist ein hörbares Gerät, welches dem Schützen zeigt, wann er den Pfeil lösen soll. In seiner einfachsten Form ist er nur eine Auszugskontrolle, die sicherstellt, dass man den Pfeil immer gleich weit auszieht. Der Grund dafür ist, dass die Pfeile immer die gleiche Energie bekommen und somit immer gleich fliegen sollten. Die Wahrheit ist allerdings, dass die ganze Schussausführung mehr Ein­fluss auf Genauigkeit und Entfernung hat. Persönlich betrachte ich [der Verfasser] den Klicker als eine Bestätigung, dass ich richtig schieße. Komme ich nicht durch den Klicker oder kommt er zu früh, dann stimmt etwas nicht mit meiner Technik. In diesem Fall gibt der Klicker ein Signal abzusetzen und den Schuss neu aufzubauen.

Entspannt sein, den Schuss machen zu wollen („commitment to the shot“), aufrecht stehen, die Linie halten und die Sehne über die Rückenmuskeln nach hinten ziehen sind Schlüsselelemente für eine gute Ausführung eines Schusses mit Klicker. Das bedeutet allerdings nicht, dass man perfekt schießen können muss, um einen Klicker zu verwen­den, auch ein Anfänger kann lernen, seinen Schuss mit dem Klicker richtig auszuführen.

Der Schlüssel ist, sich auf das Nachhalten zu konzentrieren und je häufiger man trainiert, um so voll­kommener wird man werden.

 

2. Warum frieren wir ein?

Wenn Dir Deine Schüsse auf dem Trainingsgelände leicht und einfach gelingen, ist das, was Dir bei dem Schuss durch den Kopf geht, wahrscheinlich das größte Problem, wenn es zum „Einfrieren“ kommt.

Es kann eingegrenzt werden auf eine unterbewusste Angst vor dem Versagen, den Gedanken daran, was passieren könnte und was die „anderen“ sagen könnten, wenn Du Dein Ziel nicht erreichst. Un­abhängig von Ermüdung, wenn wir während eines Wettkampfs in einer kritischen Situation sind, wenn wir die Medaille gewinnen oder eine Bestleistung erzielen wollen, dann wissen wir instinktiv, dass der nächste Pfeil treffen muss.

Ohne dass wir das Wahrnehmen, treten wir an die Schießlinie und geraten in Panik. Unser Bewusstsein setzt ein, möchte uns „beruhigen“ und will die Kontrolle über den Schussablauf übernehmen. Als Er­gebnis verspannen wir uns und es wird schwer zu schießen. Alles, was wir sonst im Training ohne bewussten Aufwand tun, ist vergessen und wir beginnen wie ein Anfänger zu schießen.

 

3. Angst vor dem Versagen

Der Schlüssel ist, dass statt dem Unterbewusstsein das Bewusstsein die Kontrolle übernommen hat. Das bedeutet, dass wir den Schussablauf plötzlich wieder bewusst wahrnehmen und beginnen, jeden Teilabschnitt daraufhin zu analysieren, ob wir alles richtig machen. Und je mehr wir versuchen wieder ein Gefühl für den Schuss zu bekommen, umso mehr konzentrieren wir uns auf Teilabläufe (z.B. das Zielen).

Es hat einmal jemand gesagt: „Durch mein Training und die vielen geschossenen Pfeile ist mein Unterbewusstsein in der Lage ohne Aufwand viele hundert 10er zu schießen. Warum lasse ich dann in einer kritischen Situation zu, dass mein Bewusstsein eingreift, obwohl ich ganz genau weiß, dass ich damit nur eine Handvoll 10er geschossen habe?“.

So, was können wir nun gegen diese „Übernahme“ tun? Unser Bewusstsein wird immer versuchen zu übernehmen und um das zu verhindern, müssen wir es ablenken. Wir müssen dem Bewusstsein etwas zu tun geben, damit es sich nicht in den Schussablauf einmischt. Das kann irgendeine Aufgabe sein und es ist egal, um was es sich handelt. Möglich ist dabei die Konzentration auf die Ellbogenbe­wegung oder das aufrechte Stehen oder aber die Gedanken an das Lieblingslied.

Diese Ablenkung erlaubt es dem Unterbewusstsein, den so oft eingeübten und über die Jahre verbes­serten Schussablauf allein durchzuführen.

Prinzipiell bin ich mit dem Autor einverstanden, was die Ablenkung angeht, würde aber versuchen das Bewusstsein eben nicht mit Teilbereichen des Schussablaufs (Ellbogenbewegung) abzulenken. Denkt an Euer Lieblingslied, denkt an eine schöne Situation oder eine gute Erfahrung, bloß nicht ans Schießen.

 

4. Bring den Schuss zum Ende

Der Schuss ist nicht beim „Klick“ zu Ende, aber es ist leicht für das Gehirn an dieser Stelle abzuschalten und den Fokus auf die restliche Ausführung zu verlieren.

Gute Pfeile zu schießen hat viel damit zu tun, in einen Rhythmus zu kommen. Hast du schon einmal bemerkt, dass Wenn Du gut schießt, alles vollkommen einfach und leicht geht?

Einfrieren kann auch ein Ergebnis davon sein, dass man den Schuss beim „Klick“ beendet und nicht mit dem Nachhalten. Der Klick ist zwar im letzten Teil des Schussablaufs, aber er ist eben nicht das Ende. Also konzentriert Euch nicht auf den Klick, sondern stellt sicher, dass Ihr auch richtig nachhaltet, was be­deutet, dass Ihr die Rückenspannung durch den ganzen Schuss aufrechterhaltet.

Wenn Ihr die Rückenspannung verliert und die Sehne nicht mehr weiter nach hinten gezogen wird, wird der Schussrhythmus gestört und es ist sehr schwer, wieder in die Bewegung zu kommen. Ein üblicher Grund für das Einfrieren ist die Tatsache, dass die Rückenspan­nung und die Bewegung nach hin­ten während des Zielens „verges­sen“ wird, weil die Aufmerksamkeit auf eine bewusste Kontrolle des Visiers (Zielen) gelenkt und der unterbewusste Schussablauf unterbro­chen wird.

Ein starkes, deutliches Nachhalten ist ein gutes Zeichen dafür, dass der Klicker richtig in den Schussablauf integriert ist und dass die Rückenspannung auch nach dem „Klick“ erhalten blieb. Wenn Ihr den Schuss schon beim Klick beendet, besteht die Gefahr, dass genau in diesem Moment die Rückenspannung verlorengeht und Ihr im Schuss quasi zusammenfallt, was üblicherweise einen kata­strophalen Fehlschuss zur Folge hat.

 

5. Entfernungen

Interessanterweise haben einige Schützen Probleme mit dem Einfrieren nur bei bestimmten Entfer­nungen, meistens bei den längeren. Das kann damit zusammenhängen, dass bei diesen Entfernungen der Bogenarm höher gehoben wird, anstatt die Linie zu halten und sich in der Hüfte zu beugen.

Diese Art von Fehler erzeugt zwei Probleme. Einerseits wird der gesamte Schussaufbau aus der Linie gezogen, was unterschiedlichen Druck auf den Zugfingern und eine Verlagerung des Druckpunkts zur Folge haben kann. Zum zweiten wird die Auszugslänge reduziert, was das Durchziehen durch den Klicker erschwert.

 

6. Müdigkeit

Wenn wir müde werden besteht die Gefahr, dass wir unsere Technik verlieren. Die Hüfte beginnt sich in Richtung Ziel zu bewegen, Die Bogenschulter kommt hoch und wir vergessen, unsere Rückenmuskeln richtig einzusetzen. Jedes dieser Probleme allein oder in Kombination macht es schwerer durch den Klicker zu kommen.

Ein weiteres Problem findet sich u.U. in unserer Zughand. Man wird es selten selbst bemerken, aber manche Schützen finden die wenigen fehlenden mm zum „Klick“, indem sie die Zugfinger zusätzlich krümmen. Das ist alles andere als ideal, da es zu einem unsauberen, ungleichmäßigen Lösen führt.

 

7. Zusammenfassung

Der Gebrauch des Klickers, der Schussablauf und die Schießtechnik hängen miteinander zusammen und funktionieren nicht isoliert. Einfrieren unter dem Klicker ist ein verbreitetes Problem und kann jederzeit während eines Wettkampfs bzw. im Verlauf einer „Karriere“ auftreten.

Das Verständnis, warum und wie dieses Problem entsteht, kann helfen, eine schnelle Lösung für den nächsten Pfeil zu erarbeiten. Der Schlüssel ist zu erkennen, dass es sich beim Einfrieren um ein Symptom für einen Fehler im Ablauf und fehlendes Vertrauen in den Schuss handelt.

Ein Hinweis noch von mir:

Ihr werdet im Zusammenhang mit dem Einfrieren (besonders während eines Wettkampfs) bestimmt schon den Rat bekommen haben, den Klicker etwas vorzuschieben, um leichter durchzukommen. Aus dem Artikel solltet Ihr erkannt haben, dass dies eine falsche Vorgehensweise ist.

Wenn Ihr einfriert, dann habt Ihr (abgesehen vom mentalen Problem der Versagensangst) ein Pro­blem mit Eurer Technik/Haltung und das verschlimmert Ihr, wenn Ihr in dieser Situation den Klicker verstellt. Überlegt lieber, wo Euer Problem gerade liegt, und versucht es zu beheben, anstatt am Symptom herumzudoktern.

Aktuelle Gedanken

Quelle: Trainertipps März 2026

Jetzt möchte ich über ein paar Dinge philosophieren, die mir in den letzten Monaten durch den Kopf gegangen sind oder die ich in verschiedenen Publikationen gefun­den habe. Teilweise sind es kommentierte Übersetzungen von Artikeln aus dem Internet, teilweise eigene Gedanken, die ich mit Euch teilen möchte - ohne sie dabei abschließend diskutieren zu wollen oder zu können. Sie sollen eigentlich mehr als Denkanstöße dienen, über die wir im Training auch einmal reden können.

 

Sollen wir Profis kopieren?

In jeder Sportart wird darüber nachgedacht, Profis und ihr Verhalten zu kopieren. Die Frage ist, soll­ten wir Bogenschützen das auch tun? Meine Antwort ist nein, außer man kopiert alles, nämlich Trainingsumfang, Trainer, Ausrüstung... eben alles. Andernfalls ist es keine gute Idee.

Artikel in einem Golf-Blog, in dem darüber diskutiert wurde, dass Golf-Profis häufig ein Spiel mit neuen Bällen beginnt und ob Amateure dies auch tun sollten.

Warum nehmen Profis bei einem neuen Spiel neue Bälle oder tauschen sie aus, wenn sie eine kleine Fehlstelle darauf sehen? Aus zwei Gründen: erstens müssen sie ihre Bälle nicht bezahlen und zwei­tens bringt ihr Verhalten Vorteile für ihren Sponsor, der nämlich mehr Bälle verkauft, wenn die Ama­teurspieler auch dauernd gebrauchte Bälle (die noch vollkommen in Ordnung sind) durch neue er­setzten, weil die Profis das ja auch tun. Die Profis werden sicherlich nicht dafür kritisiert, zu viele Bälle zu brauchen, solange sie die Amateure dazu bringen mehr Bälle zu kaufen.

Beim Bogenschießen machen wir teilweise dasselbe. Wir akzeptieren Empfehlungen von Profis und anderen sehr guten Schützen bezüglich unseres Materials und unserer Technik. Sie erzählen uns, dass sie dies oder jenes bei ihnen gut funktioniert und fast automatisch denken wir: „ich brauch das auch!“. In Wirklichkeit sind diese Schützen so gut, dass sie quasi mit jeder Ausrüstung besser zurecht­kommen als wir es je könnten. Ich betrachte all diese Hinweise und Empfehlungen von Schützen, die von der Industrie gesponsert werden, als wenig hilfreich.

Ich hatte einmal eine Aussage eines gesponserten Schützen, der behauptete, dass der Bogen seines Sponsors genauer sei als der eines Wettbewerbers. Aber Bögen erzeugen keine Genauigkeit. Sie er­zeugen die Startgeschwindigkeit für die Pfeile, sie erzeugen den Startwinkel und sie sorgen dafür, dass diese beiden Faktoren bei jedem Schuss so gleich wie möglich sind. Aber sie erzeugen keine Genauig­keit. Das macht der Schütze selbst durch richtiges Zielen und gleichmäßiges, sauberes Lösen.

Dieser Schütze wollte mit seiner Behauptung allerdings niemanden in die Irre führen, er wollte nur helfen, dass sein Sponsor mehr dieser Bögen verkauft, indem er etwas Gutes darüber sagte. Er selbst mag unter Umständen mit diesem Bogen bessere Ergebnisse geschossen haben, was aber nicht an seinem Bogen, sondern vielmehr an seinen Fähigkeiten liegt.

So, was ist nun die Gefahr dabei, wenn man versucht Profis zu kopieren? Die Gefahr liegt darin, ein Ziel zu verfolgen, für das wir gar nicht vorbereitet oder ausgerüstet sind es zu erreichen. Dadurch

wird der Versuch eine Verschwendung von Zeit und Geld, meistens sehr viel Geld. Beispielsweise erzählt uns ein Profi, er hätte mit seinem neuen Stabi-System dieses oder jenes Turnier gewonnen. Also laufen wir los und kaufen uns auch ein solches System. Wir bauen es an unseren Bogen und ... es fühlt sich anders an. Viele von uns meinen nun, sie hätten Ihr Equipment „besser“ gemacht. Aber haben wir das wirklich? Der einzige Weg, das festzustellen ist, die erzielten Ringzahlen beider Setups (nämlich von und nach dem Tausch) zu vergleichen. Die wenigsten von uns werden dies tun [weil es nämlich ein Haufen Arbeit wäre, diesen Vergleich mit genügend Pfeilen unter kontrollierten Bedin­gungen zu machen].

Nicht falsch verstehen, natürlich kann man sich bessere Ergebnisse kaufen. Das beste Beispiel dafür ist der Austausch eines alten, verbrauchten Satzes von Pfeilen gegen einen neuen, genau ausge­schossenen und getunten Pfeilsatz. Sofort wird man einen großen Unterschied in den erzielten Er­gebnissen sehen. Aber wird man den gleichen Unterschied bemerken, wenn man einen solchen aus­geschossenen und getunten Satz gegen einen ebenso behandelten eines anderen Herstellers tauscht?

Ich gehe jede Wette ein, unsereins wird dabei keinen Unterschied bemerken. Bei einem Top-Schützen mag dies anders sein, bei diesen werden sich kleinste Unterschiede eventuell in kleinen Verbesserungen niederschlagen. Bei diesen Schützen, bei denen zwei, drei Ringe Unterschied eventu­ell mehrere Platzierungen im Weltcup ausmachen können, macht es auch Sinn, viel Zeit und Geld in das Equipment zu stecken, Zeit und Geld, die uns Amateuren typischerweise fehlt.

Ist es nun falsch von Profis, Ihr Equipment zu loben? Man muss sich nur selbst fragen: wenn jemand dafür Geld bezahlt, damit man ein bestimmtes Material schießt und es den erzielten Ergebnissen nicht schadet, würde man das Geld nehmen? Würde man etwas Nettes über das Material und den Sponsor sagen? Denkt darüber nach, Es ist ein großer Unterschied zwischen der Situation eines Profis und der eines Amateurs, sowohl im Hinblick auf die Fähigkeiten, als auch im Hinblick auf das verfüg­bare Budget.

 

Ziele festlegen

Wenn man mit dem Bogenschießen beginnt, sollte man sich seine Ziele festlegen und dabei können folgende Fragen hilfreich sein.

  • Welche Art des Bogenschießens möchte ich schwerpunktmäßig betreiben?

Recurve, Compound, Blank?

Scheibe, Feld oder 3D?

  • Was bedeutet mir der Sport?

Was bin ich bereit für den Sport zu geben (Zeit, Aufwand...)?

  • Will ich auf Wettkämpfen schießen?
    Welche Wettkämpfe, mit welchem Ziel?

 

Einsatz und Ertrag

Bogenschießen ist eine hochkomplexe Sportart (ähnlich wie Golf). Erlernen und Beherrschen erfor­dert Geduld, Beharrlichkeit und Frustrationstoleranz. Das gestellte Ziel definiert den zur Erreichung erforderlichen Aufwand.

Wer nur einmal in der Woche trainiert und keine Wettkämpfe schießt, wird sich ziemlich sicher nicht verbessern. Das ist überhaupt nicht schlimm, es muss einem nur bewusst sein. Um sich langfristig zu verbessern, ist es erforderlich, mindestens zweimal (besser dreimal) pro Woche regelmäßig über eine längere Zeit zu trainieren.

Je öfter trainiert wird, desto größer der Effekt. D.h. je mehr Stunden Training (= mehr Pfeile) pro Wo­che, desto schneller wird die Entwicklung sein. Grundsätzlich gilt Trainingshäufigkeit vor Trainingsum­fang (also lieber öfter und kürzer als selten und lang), da ein Training der komplexen Abläufe in er­müdetem Zustand nicht mehr sinnvoll ist. Erst viel später (mit guter Technik) wird auch ganz bewusst unter Ermüdung (mental und körperlich) trainiert.

 

Zuggewicht

Bis ein Schütze sein endgültiges Zuggewicht erreicht, vergeht viel Zeit, bei Kindern und Jugendlichen oft mehrere Jahre. Zu schnelles Steigern kann Probleme (Gelenke) bereiten (besonders bei Kindern), daher immer nur in kleinen Schritten steigern und die Wurfarme am Anfang besser mieten, um Neukäufe in relativ kurzen Abständen zu vermeiden.

Mit geringerem Zuggewicht kann Technik viel besser trainiert werden, zu hohes Zuggewicht verhin­dert gute Technik.

Ältere Schützen müssen dabei aufpassen, dass sie nicht zu lange mit dem einmal erreichten Zugge­wicht weiter schießen. Mit dem Alter werden wir nicht stärker und müssen auch nicht mehr die Ent­fernungen der jüngeren Schützen bewältigen.

 

Ehrliches Umgehen mit sich selbst

Wenn ein Schütze mit seinen Leistungen und seinem Fortschritt unzufrieden ist, muss man analysie­ren, ob Erwartung und Einsatz (Zeit, Trainingshäufigkeit) zueinander passen. Nach dieser Analyse erfolgt dann die Entscheidung, ob man mehr trainiert oder weniger erwartet. Wenn Erwartung und Einsatz längerfristig nicht zueinander passen, dann wird es nahezu immer frustrierend und führt nicht selten dazu, dass Schützen den Sport aufgeben.

 

Leistungsentwicklung

Die Leistungsentwicklung eines Schützen verläuft normalerweise in Wellen. Zu Anfang werden die Ergebnisse schnell besser und nach Erreichen eines gewissen Stands, werden sich gute und schlech­tere Phasen normalerweise abwechseln. Das muss man akzeptieren. In einem solchen Fall heißt es: Dran bleiben und geduldig weiter trainieren. Rückschritte sollte man erwarten, dann sind sie nicht mehr so schlimm. Denn: „um auf den nächsten Berg zu kommen, muss man zunächst durch ein Tal“.

Dieser Satz gilt besonders, wenn man dabei ist, etwas an seiner Technik umzustellen. Fast immer führt eine Änderung der Technik zu einer Verschlechterung der Ergebnisse, bevor sie dann zu der angestrebten und erwarteten Verbesserung führt.

Wettkämpfe bzw. Leistungsüberprüfungen helfen dabei sich weiter zu entwickeln. Das Ergebnis auf dem Schießzettel lügt nicht.

 

Training

Wer im Training immer nur schießt (und noch dazu nur auf die Auflage), wird sich eher langsamer entwickeln als derjenige, der sich auf unterschiedliche Trainingsformen einlässt. Dabei hilft es sich bei vielen Quellen zu informieren (Internet, Bücher), wobei es wichtig ist, diese Quellen kritisch zu hin­terfragen.

Bogenschießen ist ein sehr individueller Sport (unterschiedliche körperliche Voraussetzungen). Was für einen Schützen gut ist, muss für den zweiten nicht unbedingt passen. Nur weil ein Weltcup-Schütze etwas macht, heißt das nicht unbedingt, dass das für einen Hobby-Schützen nachahmenswert ist.

Zu ergänzendem Kraft-Training für Bogenschützen habe ich einiges in den letzten drei Ausgaben der Trainertipps (Januar bis März 2026) geschrieben.

Training soll Spaß machen und darf nicht nur monotones Schießen sein. Mögliche Trainingsmittel:

  • Blindschiessen, Steifen schießen
  • (Spaß)-Wettkämpfe (z.B. Vereinsliga)
  • Unterschiedliche Entfernungen, unterschiedliche Ziele, wenig Auflageschießen
  • Video-Delay als Hilfsmittel nutzen

Jedes Mal, wenn Ihr ins Training geht, solltet Ihr Euch vorher überlegen, was Ihr in dieser Trainings­einheit machen wollt bzw. an welchem Element eurer Technik Ihr arbeiten möchtet. Macht Euch ei­nen Plan für Euer Training.

 

Wettkämpfe und Turniere

Das Schießen auf Wettkämpfen kann eine besondere Motivation bringen und lehrt uns, mit Erfolg und Misserfolg („der Tag ist entweder dein Freund oder dein Lehrer“) umzugehen. Beides muss man lernen.

Ein Misserfolg ist kein Weltuntergang, sondern normalerweise nur das Ergebnis eines schlechten Ta­ges. Wenn man Stress zu Hause oder auf der Arbeitsstelle hat, wenn man nicht gesund ist oder den Kopf gerade mit ganz anderen Problemen voll hat, dann kann man kaum gute Ergebnisse erwarten. Man darf sich ein schlechtes Ergebnis nicht zu Herzen nehmen, wir definieren uns ja nicht über unse­re Ergebnisse.

Einen Erfolg oder Misserfolg sollte man nie an der erreichten Platzierung festmachen. Ich habe den Spruch gehört: “Das Ergebnis bestimmt der Schütze, die Platzierung der Geg­ner“. Ihr allein bestimmt die geschossene Ringzahl und wenn Ihr im Rahmen Eurer Trainingsleistun­gen geblieben seid, solltet Ihr Euch freuen bzw. zufrieden sein. Wenn ein Konkurrent besser war, so ist das halt so, Ihr hättet nichts anderes tun können als das, was Ihr getan habt.

Ich persönlich orientiere mich während eines Wettkampfs nicht an den Ergebnissen meiner Konkur­renten, weil ich mich nicht mehr unter Druck setzen möchte.

Ihr müsst selbst herausfinden, ob Ihr ähnlich reagiert, oder ob das Wissen um die aktuelle Wettkampfsitua­tion Euch beflügeln kann.

 

Einige Gedanken zur Wettkampfvorbereitung

Quelle: Trainertipps April 2024

Die meisten, die schon an Wettkämpfen teilgenommen haben, kennen das Problem. Morgen findet ein wichtiger Wettkampf statt und Abend steigt beim besten Freund die Party des Jahres. Na­türlich geht man da hin und fasst (ebenso natürlich) die besten Vorsätze wie „ich trink‘ nichts“ oder „ich geh‘ ganz früh nach Hause“.

Wenn man allerdings erst mal auf der Party ist, verpuffen diese Vorsätze ziemlich schnell und eh‘ man es sich versieht, ist es 3:00h, man fällt leicht angesäuselt ins Bett und hat bis zum Aufstehen gerade mal drei bis vier Stunden Schlaf.

Das ist keine optimale Vorbereitung für einen Wettkampf, und es ist kaum zu erwarten, dass mit einer solchen Vorbereitung ein guter Wettkampf herauskommt. Je nachdem, welche Ziele Ihr Euch im Sport setzt, müsst Ihr für Euch entscheiden, was für Euch wichtiger ist: Party oder Wett­kampf.

Die folgenden Tipps sollen Euch helfen, Euch gut auf den kommenden Wettkampf vorzubereiten. Da­bei steht weniger die sportliche Vorbereitung im Vordergrund (dafür kommt Ihr ins Training), son­dern mehr die persönliche Vorbereitung und die des Materials.

 

Die Wochen vor dem Wettkampf

Sinnvoll ist es, in der direkten Vorbereitungszeit auf den Wettkampf zu der gleichen Tageszeit in Trai­ning zu gehen (sofern das möglich ist), damit Ihr Euch an diese Zeit gewöhnt. Es ist schon ein Unter­schied, ob ein Wettkampf früh um 8:00h beginnt oder erst gegen Nachmittag.

Testet während dieser Trainingseinheiten auch, was Ihr während des Wettkampfs an Essen vertragt und was nicht.

 

Am Tag zuvor

Überprüft am Abend vor dem Wettkampf nochmals Eure Ausrüstung. Schaut nach, ob Ihr alles zu­sammengepackt habt (was in die Ausrüstung gehört und Ihr auch dabeihaben solltet, findet Ihr in den Trainer-Tipps vom Dezember 2023).

Prüft ob Eure Pfeile beschriftet und vollständig befiedert sind, schaut nach Sehne und Ersatzsehne und überprüft, ob alle Schrauben fest angezogen sind. Bei Meisterschaften müsst Ihr Schützenaus­weis, Personalausweis und Startkarte dabeihaben.

Schaut nach der Wettervorhersage und richtet Euch auf das entsprechende Wetter ein. Packt ggf. Regensachen ein, wenn es sein kann, dass es während des Wettkampfs regnen könnte. Nehmt eher zu viel Kleidung mit als zu wenig, was Ihr nicht braucht, könnt Ihr dann im Auto lassen.

Klärt frühzeitig, wie Ihr zum Wettkampf kommt. Bildet, wenn möglich, Fahrgemeinschaften und fahrt gemeinsam zu den Wettkämpfen. Kalkuliert lieber zu viel als zu wenig Zeit für die Anfahrt ein (Denkt an Staus und Straßensperrungen...). Schaut in der Ausschreibung, wo der Wettkampf genau ist und schaut, ob eine Kontaktadresse angegeben ist, bei der Ihr Euch melden könnt, wenn Ihr z.B. im Stau steht.

Tankt das Auto (sofern vorhanden) auf, nicht überall könnt Ihr früh am Morgen noch tanken und packt euch eine leichte Wegzehrung ein.

 

Am Abend zuvor

Stellt Euch den Wecker, damit Ihr nicht verschlaft und geht nicht zu spät ins Bett, damit Ihr am nächsten Tag ausgeschlafen seid. Aller­dings wäre es nun auch verkehrt, seinen gewohnten Ablauf vollkommen zu ändern, nur weil morgen ein Wettkampf ist.

 

Am Wettkampftag

Fahrt frühzeitig los und plant eventuelle Verzögerungen (Stau, schlechtes Wetter...) ein. Gewöhnt euch an, mindestens eine Stunde (besser noch 1,5h) vor Wettkampfbeginn am Wettkampfort zu sein. Unter Umständen dauert es etwas, bis Ihr den Schießplatz und dort einen Parkplatz gefunden habt und außerdem braucht Ihr Zeit, Euer Material aufzubauen und Euch über die dortigen Verhältnisse zu Informieren.

Es gibt nichts Schlimmeres am Wettkampftag, als abgehetzt und aufgeregt am Wettkampf zu er­scheinen und unter Zeitdruck die restliche Vorbereitung (Anmeldung, Bogenaufbauen, Aufwärmen...) absolvieren zu müssen.

Wenn Ihr am Wettkampfort angekommen seid, meldet Euch beim Veranstalter an, damit dieser ei­nen Überblick über das Starterfeld hat. Bei der Anmeldung erhaltet Ihr Eure Startnummer und wisst somit, auf welcher Scheibe Ihr schießen werdet. Sucht Euch einen Platz und baut Euren Bogen in Ruhe auf, prüft nochmal alles auf Vollständigkeit und korrekte Einstellungen (ist das Visier auf die Wettkampf-Entfernung eingestellt?).

Informiert Euch nun in Ruhe, wo es etwas zum Essen und Trinken gibt und wo die Toiletten sind. Und, auch wenn Ihr es nicht mehr hören wollt: Wärmt Euch auf, es erleichtert Euch den Wettkampf und beugt Verletzungen vor.

 

Eine Bemerkung zu Ritualen

Die meisten von uns haben gewisse Rituale, die sie vor und während dem Wettkampf durchführen. Auch wenn es für Außenstehende manchmal etwas verwunderlich klingt, diese Rituale sollte man als Schütze pflegen und beibehalten. Diese Rituale oder Gewohnheiten (der Glücksbringer am Köcher, der immer gleiche Ablauf beim Aufbau des Bogens, dass immer gleiche Paar Schuhe...) geben uns Si­cherheit, weil wir uns, wenn wir ihnen folgen, immer in einer bekannten Situation befinden, auch wenn wir auf einem unbekannten Platz schießen.

Versucht für Euch, einen immer gleichen Ablauf der Wettkampfvorbereitung zu entwickeln. Das hat, wie oben schon gesagt, den Vorteil, dass Ihr Euch immer in einer bekannten Abfolge von Vorgängen befindet, und es wird es Euch helfen, die notwendige Konzentration zum Wettkampf aufzubauen.

 

Turniervorbereitung

Quelle: Trainertipps April 2025

Und wieder habe ich es mir einfacher gemacht, indem ich einen guten Artikel übersetzt und kom­mentiert habe (bin halt doch ein fauler Mensch). Auch diesmal stammt der Artikel von der website www.bow-international.com, die ich Euch dringend ans Herz legen möchte.

Den Original-Artikel von Andrew Smith, in dem er besonders Anfängern eine Art Checkliste für das erste Turnier an die Hand gibt, findet Ihr unter http://www.bow-international.com/features/essential-guide-to-tournament-prep/, wenn es Euch interessiert. Ich habe mir die Freiheit genommen, den Artikel frei zu übersetzen und meine eigenen Anmerkungen dazu zuschreiben; wie üblich sind meine Kommentare, die ich zusätzlich zu der Übersetzung in diesen Tipps geschrieben habe, in kursiv gesetzt. Einen ähnlichen, wenn auch deutlich kürzeren Artikel habe ich schon im April 2024 geschrieben.

 

1. In den Wochen vor dem Wettkampf

Es ist eine offensichtliche Aussage, dass man, je mehr man trainiert, umso besser auf den Wettkampf vorbereitet ist. Ausreichendes Training macht einen fit und man steigert sein Selbstvertrauen. Aber man sollte nicht nur trainieren, um trainiert zu haben. Es ist wichtig sich daran zu erinnern, dass jede Trainingseinheit einen Sinn haben sollte und daher sollte man in jeder Einheit auch an einem be­stimmten Element seines Ablaufs arbeiten und dabei jeden Pfeil konzentriert angehen.

In der direkten Vorbereitung ist es kein Fehler, zu der Tageszeit zu trainieren, zu der auch der Wett­kampf stattfinden wird, da es schon ein Unterschied macht, ob man um 9:00h oder um 14:00h starten muss.

Viele Top-Schützen nehmen die Pfeilzahl pro Trainingseinheit vor wichtigen Wettkämpfen zurück, man darf aber nicht vergessen, dass diese Schützen täglich trainieren. Unsereins, der mit Mühe auf zwei bis drei Trainings pro Woche kommt, hat zwar selten das Risiko des Übertrainierens, sollte aber doch beherzigen: Am Tag vor dem Wettkampf ist trainingsfrei.

In Anbetracht der Tatsache, dass wir unsere Wettkämpfe bei jedem Wetter schießen, ist es eine gute Idee auch zum Training zu gehen, wenn es regnet, heiß oder windig ist. Dadurch lernt man die Gege­benheiten kennen, gewöhnt sich an die unterschiedlichen Bedingungen und ist somit auf alles vorbereitet, was am Wettkampftag passieren kann.

Was Ihr bei Regen oder großer Hitze beachten solltet, steht weiter unten.

Wenn die Wettervorhersage für den Wettkampftag schon Regen ankündigt, schießt Eurer Abschluss Training ruhig in den Regenklamotten.

Etwas, was oft vergessen wird: Je fitter Ihr seid, umso besser schießt Ihr. Wenn Ihr also die Möglich­keit habt, etwas zusätzlich für Eure Fitness zu tun (z.B. Joggen, Fahrradfahren, schwimmen), so solltet Ihr das auch tun. 

1.1 Macht Euch Notizen

Wenn Ihr Euch bislang keine Notizen gemacht habt, wird es Zeit damit anzufangen. In diesen Notizen sollte man alles Wichtige aufschreiben. Das beinhaltet auch die Visiermarken und vor allem die Abweichungen davon, die man bei unterschiedlichem Wetter festgestellt hat. Dazu gehören auch die Bedingungen, die Ihr im Training hattet, was Ihr dabei getan und gefühlt habt.

Wenn Ihr gelegentlich höherklassige Wettkämpfe besucht, werdet Ihr sehen, dass die Top-Schützen teilweise nach jeder Passe zu ihren Aufzeichnungen greifen und Notizen machen.

1.2 Nehmt Eure Visier-Kennlinie früh auf

Die meisten Ringe verlieren Schützen aller Stufen bei der ersten Passe nach einem Entfernungswech­sel. Das betrifft nur die Schützen, die Wettkämpfe schießen, die solche Entfernungswechsel beinhalten (z.B. Große FITA, 900er-Runde). Falls Ihr also auf solchen Wettkämpfen startet, dann solltet Ihr unbe­dingt die verschiedenen Entfernungen frühzeitig ausschießen, Euch die Visiermarken aufschreiben und in den Trainings immer wieder überprüfen. Dabei werdet Ihr lernen, dass diese Visiermarken vom Wetter und anderen Bedingungen beeinflusst werden und Ihr lernt, mit diesen Veränderungen umzu­gehen.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Marken dann beim Wettkampf wieder etwas unter­schiedlich sind, aber durch die Erfahrungen beim Training könnt Ihr Euch darauf leichter einstellen.

1.3 Ausrüstung

Es ist wichtig, dass Eure Ausrüstung in Ordnung ist. Nehmt Euch Zeit, eventuelle Reparaturen vorzunehmen oder Ersatzteile zu beschaffen.

1.3.1 Pfeile

Draußen schießen wir sechs Pfeile pro Passe, daher sind acht gute Pfeile das absolute Minimum, um mit eventuellen Defekten und/oder Verlusten klarzukommen. Achtet darauf, dass Ihr Pfeile habt, die ordentlich gruppieren. Es gibt nichts Schlimmeres als den einen Pfeil von sechs, der immer aus der Gruppe fliegt. Denkt daran, dass Eure Pfeile mit Euren Initialen markiert sein müssen (auf dem Schaft, nicht auf den Federn, da diese wegfallen könnten). Es ist im Übrigen eine gute Idee, seine Pfeile zu nummerieren.

Es gibt verschiedene Methoden sich eine Anzahl gut gruppierender Pfeile auszuschießen. Ich mache es mir dabei relativ einfach und verzichte auf komplizierte Ausschießprozeduren mit statistischer Aus­wertung.

Meine Pfeile tragen alle eine Nummer und ich merke mir die Nummer des Pfeils, der außerhalb der Gruppe steckt und ich keinen Fehler beim Schuss erkennen konnte. Er wird in diesem Training aussortiert. Dieser Pfeil bekommt immer eine 2. Chance. Sollte er weiterhin außerhalb der Gruppe stecken, wird er eliminiert.

Beim nächsten Wettkampf verwende ich dann immer die Pfeile, die im Training am Besten funktioniert haben. Diese Methode erhebt nicht den Anspruch auf besondere Wissenschaftlichkeit, reicht aber für meine Belange vollkommen aus.

1.3.2 Ausrüstungs-Kennwerte

Stellt sicher, dass Ihr die Kennwerte eurer Ausrüstung, speziell des Bogens kennt. Ihr müsst die Zah­lenwerte von Tiller, Standhöhe und Nockpunktüberhöhung kennen, damit Ihr jederzeit prüfen könnt, ob sich eventuell etwas verstellt hat. Die Werte schreibt Ihr euch am besten in Eure Notizen, wo auch die anderen Werte, wie Visiermarken stehen.

Vor dem Wettkampf solltet Ihr immer diese Werte nochmals prüfen, nachdem Ihr den Bogenaufge­spannt habt (und am besten nochmals während/nach dem Einschießen). Achtet, während dem Schie­ßen auf ungewöhnliche Geräusche, da man an diesen oftmals frühzeitig ein Lockern von Ausrüstungs­teilen (Stabilisator lose, Visierschraube locker...) erkennen kann.

Ich habe mir angewöhnt, während dem Schießen regelmäßig zu prüfen, ob Button, Visier und Stabili­satoren noch fest sind. Ich habe wegen eines losen Buttons wahrscheinlich eine Landesmeisterschaft verloren.

1.3.3 Haltet Ersatzteile griffbereit

Es ist sehr wichtig, Ersatzteile griffbereit zu haben. Zumindest einen zweiten eingeschossenen Tab, eine zweite, ebenfalls eingeschossene Sehne und eine zweite Fingerschlinge muss man dabei haben. Wenn man sich keine zweite Pfeilauflage leisten möchte, eine der billigen Hoyt-Auflagen sollte man immer im Koffer haben (die sind nicht schlechter, Koreaner schießen mit sowas Weltrekorde).

Ob man einen zweiten Button dabeihaben soll, will ich nicht sagen, eine Ersatzfeder und ein Ersatz­stift gehören in den Bogenkoffer. Ein Ersatzkorntunnel (das kann ein billiger sein) und ein Ersatz­klicker schadet auch nicht. Es ist selbstverständlich, dass man alle notwendigen Werkzeuge für seinen Bogen dabei hat.

Was sonst noch alles in einen Bogenkoffer gehört und was man zu Wettkämpfen dabei haben sollte findet Ihr in den Trainer-Tipps vom Dezember 2023.

1.4 Wettkampfort

Man sollte sich frühzeitig darüber informieren, wo der Wettkampf genau stattfindet und wie man dort hinkommt. Schaut in der Ausschreibung, wo der Wettkampf genau ist und schaut nach, ob eine Kontaktadresse angegeben ist, bei der Ihr Euch melden könnt, wenn Ihr z.B. im Stau steht.

Vor Meisterschaften sollte man mindestens 1,5h früher anwesend sein (steht auch so auf den Start­karten), und eine gute Stunde vor dem Wettkampf ist immer eine gute Zeit, damit man sich mit den örtlichen Gegebenheiten (wo gibt’s was zu essen, wo sin die WC`s...) vertraut machen kann.

Denkt daran, Ihr braucht Zeit zur Anmeldung, dem Aufbauen des Bogens und dem Aufwärmen (das habt Ihr doch nicht etwa vergessen?).

Je früher Ihr dort seid, umso eher bekommt Ihr einen guten Platz, an dem Ihr Euer Zelt (sofern Ihr eines habt) aufbauen könnt und müsst nicht mit dem übriggebliebenen Platz vorlieb nehmen. Anstel­le eines Zelts kann man auch einen großen Schirm (oder ein sog. Anglerzelt) verwenden.

Versuche möglichst früh herauszufinden, wie der Wettkampf ablaufen wird. Schießt Ihr drei oder sechs Pfeile pro Passe? Gibt es Tonsignale? Gibt es eine Ampel mit oder ohne Zeitanzeige? Diese In­formationen stehen üblicherweise in der Ausschreibung, die man gründlich lesen sollte.

1.5 Wetter

Schaut nach dem Wetterbericht für den Wettkampftag und vergesst dann, was Ihr gehört / gelesen habt. Berei­tet Euch stattdessen auf alle Möglichkeiten vor. Das bedeutet, dass Ihr sowohl die Regensachen (wasserdichte Jacke, Regenhose, eventuell Regenüberschuhe) als auch den Sonnenhut und Sonnen­creme mitnehmt für den Fall, dass es nicht regnet und ein heißer Tag wird.

1.6 Ernährung

Top-Schützen haben gewöhnlich einen Ernährungsplan, der speziell auf ihre Bedürfnisse vor und während des Wettkampfs abgestimmt ist. Für unsereins empfehle ich, das zu essen, was man norma­lerweise essen würde und auf Experimente während eines Wettkampfs zu verzichten.

Es macht keinen Sinn, etwas Besonderes zu essen, um dann festzustellen, dass der Körper darauf ne­gativ reagiert. Besonders am Wettkampftag sollte man seine übliche Routine beibehalten. Wenn man normalerweise zum Frühstück zwei Tassen Kaffee trinkt, dann sollte man das auch am Wettkampftag tun, da der Körper genau das erwartet.

Denkt daran, dass Ihr während des Wettkampfs etwas trinken solltet, besonders wenn es heiß ist. Esst nichts Schweres während dem Schießen oder in der Pause, hebt Euch Schnitzel oder Bratwurst lieber für nach dem Wettkampf auf.

 

2. Am Tag zuvor

Macht Euch eine Liste der Dinge, die Ihr mitnehmen müsst (diese Liste kann z.B. in Euren Unterlagen stehen). Packt alles zusammen und überprüft lieber zweimal, ob Ihr alles dabeihabt. Ich kenne Schützen, die haben ihre Pfeile vergessen, ich kenne Schützen, die ohne Visier auf dem Wettkampf standen. Sagt nicht, das kann Euch nicht passieren; morgens in der Hektik bei der Abfahrt bleibt auch manchmal ein ganzer Bogenkoffer zurück.

Bei Meisterschaften vergesst nicht Schützen- und Personalausweis, ohne die werdet Ihr nicht zum Start zugelassen. Die Startkarte dagegen druckt Euch der Veranstalter gern nochmal aus, lässt sich das aber mit 5,--€ teuer bezahlen.

Bleibt nicht lange auf, sondern versucht gut zu schlafen. Am Tag vor dem Wettkampf lange aufzublei­ben oder eine Party zu feiern, gibt nur eine gute Entschuldigung dafür schlecht geschossen zu haben hilft aber für gute Ergebnisse nicht unbedingt.

 

3. Am Wettkampftag

3.1 Anreise

Steht rechtzeitig auf, frühstückt wie üblich, ladet Euer Auto (prüft nochmals, ob Ihr alles dabeihabt) und fahrt lieber zu früh als zu spät los. Rechnet immer mit Staus auf der Anreise und plant lieber eine Reserve ein.

3.2 Anmeldung und Aufbau

Wenn Ihr ankommt, meldet Euch frühzeitig an, holt Eure Startnummer, so es welche gibt und findet heraus, wo Euer Startplatz ist. Baut Euren Bogen auf und prüft nochmals, ob alles korrekt ist. In der Hektik wärt Ihr nicht die ersten, die Ihre Wurfarme falsch eingebaut, die Sehne verkehrt aufgezogen oder den Button vergessen haben. Prüft Standhöhe, Tiller, Nockpunktüberhöhung und die Visiereinstellung für die erste Wettkampfentfernung.

Sprecht Euch mit Euren Scheibenkameraden ab, schaut, ob Ihr mit den eventuell aufgestellten Spektiven zurecht­kommt (im Zweifel redet mit dem Kampfrichter und lasst sie entfernen, wenn sie Euch stören). Wartet nun auf die Materialkontrolle, esst noch eine Kleinigkeit und freut Euch auf den Wettkampf.

3.3 Wettkampf

Wettkämpfe sind nicht die Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren, hebt Euch das für das Training auf. Schaut während des Schießens nicht nach den Ringzahlen der anderen Wettkämpfer, es gibt nichts, was Ihr daran ändern könntet. Wer mit den Ergebnissen Probleme hat, sollte auch in der Pause nicht nach den Zwi­schenergebnissen sehen. Steht ihr schlecht, dann besteht die Gefahr, dass ihr euch „runterzieht“, steht ihr gut, werdet ihr eventuell übermütig.

Kümmert Euch nur um Euch, versucht Euch so gut es geht, zu entspannen und normal zu schießen. Versucht nicht etwas anders (etwas Besonderes) zu machen, nur weil es jetzt ein Wettkampf ist, das wäre der erste Schritt zu schlechten Ergebnissen.

Wir haben uns über unser Training darauf konditioniert, gute Pfeile im Gold zu bemerken. Und wenn Ihr auf die Scheiben der anderen Schützen schaut, werdet Ihr genau diesen Pfeil eines Konkurrenten bemerken. Das könnte gerade der beste Pfeil seiner Passe gewesen sein, aber wenn Ihr darüber nachdenkt, könntet Ihr davon überzeugt sein, dass derjenige besser schießt als Ihr und in negative Gedanken verfallen (obwohl das Ergebnis am Ende eventuell gerade das Gegenteil zeigt).

Vermeidet negative Gedanken oder „was wäre, wenn“-Überlegungen. Die meisten von uns nehmen Wettkämpfe zu ernst. Denkt immer daran, wir machen das zum Spaß und zur Entspannung. Das gilt nicht für den Fall, dass Ihr gerade im Weltcup-Finale schießt, da geht es wirklich um etwas, aber nur die wenigsten von uns werden eine solche Gelegenheit bekommen. Und selbst in einem solchen Fall hilft es nichts, wenn der Schütze dann verkrampft und etwas anders macht als im Training.

Wettkämpfe sind nichts Schlimmes, sie sind ein Gradmesser dafür, wie gut wir schießen und wir kön­nen damit unsere Fortschritte überprüfen. Ungewohnte Umgebungen und die allgemeine Wett­kampf-Atmosphäre bringen uns aus unserer „Komfort-Zone“ und es ist möglich, dass unsere Ergeb­nisse schlechter sind als im Training oder als wir erwartet haben.

Ihr könnt nichts mehr an den Pfeilen, die Ihr schon geschossen habt, ändern, aber mit einer positiven Einstellung könnt Ihr noch immer die Pfeile beeinflussen, die Ihr noch schießen dürft. Eine negative Einstellung und entsprechendes Verhalten beeinflusst auch die Schützen um Euch herum, was wahr­scheinlich ein Grund ist, warum gute Schützen immer versuchen werden, sich von Schützen mit nega­tiven Einstellungen fernzuhalten.

Bleibt positiv, auch wenn Ihr denkt, dass Ihr nicht gut schießt. Alle andern sitzen im gleichen Boot und am Ende des Tages schießt Ihr Euch vielleicht doch noch auf eine gute Platzierung.

Ich weiß, „Bleib positiv“ ist einfach gesagt, aber es schwierig getan. Ich habe von einer Psychologin in einem anderen Zusammenhang einmal einen Rat bekommen, wie man eine negative Gedankenspirale unterbrechen kann. Sie gab mir den Tipp, mir eine, von mir sehr positiv empfundene Erinnerung bildlich vorzustellen. Dieses Bild soll ich mir ins Gedächtnis rufen, wenn ich negative Empfindungen erfahre. Das kann z.B. Ärger in der Firma sein oder aber schlechte Pfeile während eines Wettkampfs. Es klappt nicht immer, aber dieser Tipp hat mir in schwierigen Situationen schon geholfen.

Nach dem Wettkampf, nachdem Ihr Euren Schießzettel überprüft und unterschrieben habt, bedankt Euch bei Euren Scheibenkameraden, Ihr seht Euch mit Sicherheit immer wieder auf Wettkämpfen.

Eine Bemerkung zu den Schießzetteln: Ihr seid allein verantwortlich für die Richtigkeit der Schießzettel und der darauf vermerkten Ergebnisse. Die Auswerter/Veranstalter rechnen nicht nach und nehmen die unterschriebenen Ergebnisse als richtig an. Wenn Ihr später einen Fehler zu Euren Ungunsten ent­deckt, wird dieser nicht mehr berücksichtigt. Schreibt deutlich und schreibt im Zweifel, falls der Schreiber eine unsaubere Handschrift hat, die Ergebnisse noch einmal extrem sauber auf den Zettel.

3.4 Nach dem Wettkampf

Nehmt Euch dann ein paar Minuten Zeit, den Wettkampf Revue passieren zu lassen und schreibt Euch die Erfahrungen des Tages auf, bevor Ihr sie vergesst. Diese Erfahrungen können Euch helfen, Euch beim nächsten Mal zu verbessern, also schreibt sowohl die Punkte auf, bei denen Ihr Verbesserungspotential seht, als auch die Punkte, die Ihr gut gemacht habt, weil Ihr die im Rah­men der folgenden Trainings festigen solltet.

Ich wünsche euch auf jeden Fall viele positive Erfahrungen und viel Spaß bei euren nächsten Wettkämpfen und Turnieren.

 

Psychospiele

Quelle: Trainertipps März 2025

Ich habe mir die Arbeit wieder etwas einfacher gemacht und wie­der einen Artikel einer amerikanischen Bogensport-Web-Seite als Basis genommen, ihn übersetzt und mit eigenen Anmerkungen versehen. Wer am Original interessiert ist, findet es unter dem fol­genden Link http://www.bow-international.com/features/how-to-combat-competitive-mind-games/

Von gutgemeinten, aber zum falschen Zeitpunkt gegebe­nen Tipps und Hinweisen bis zu richtigen „Psycho-Spielchen“ der Konkurrenz gibt es eine Reihe von Dingen, die einen Schützen in seiner Konzentration stören kann. Der folgende Artikel, der auf den Erfahrungen von Danielle Brown, einer englischen Para-Schützin, basiert, soll eine Hilfe geben, mit diesen Dingen umzugehen. Wie üblich sind meine Kommentare, die ich zusätzlich zu der Überset­zung in diesen Tipps geschrieben habe in kursiv gesetzt.

1. Wie geht man mit „Psycho-Spielen“ um?

Schießen im Wettkampf erfordert Konzentration, aber diese über die gesamte Wettkampfdauer auf­recht zu halten ist ein schwieriges Unterfangen und es können schon Kommentare oder Bemerkun­gen von anderen Schützen diese Konzentration nachhaltig stören.

Andere Wettkämpfer mit psychologischen Mitteln (Danielle nennt dies „mind games“) zu beeinflus­sen, wird oft als ein Teil des Wettkampfs betrachtet. Kommentare und clevere Manipulationen kön­nen die Fähigkeiten eines Schützen beeinflussen, wenn er dafür empfänglich ist und sich sein menta­ler Zustand dadurch verändert.

Psycho-Spiele können ein richtiges Problem werden. Manche dieser „Spielchen“ werden aus Spaß gespielt, andere dagegen in vollem Ernst. Es ist aber vollkommen egal, welche Motivation hinter die­sen Spielen steckt, wenn es die Fokussierung auf den Wettkampf stört, den Druck verstärkt und die Erwartungen erhöht, dann braucht ein Schütze wirksame Strategien, sich mit solchen „Spielchen“ auseinander zu setzen.

Danielles Ansicht zu dieser Art von „Spielchen“ ist, dass es eigentlich gar nicht wert ist, sich damit zu beschäftigen. Zum ersten meint sie, dass sie lieber ein Turnier gewinnt, weil sie an diesem Tag die beste der Teilnehmer ist. Ein Sieg, der durch die mentale Beeinflussung anderer Schützen erzielt wurde, ist für sie nicht viel wert. Zum anderen ist sie der Meinung, dass wenn man sich darauf kon­zentriert einen Konkurrenten zu beeinflussen, konzentriert man sich nicht auf das, was man eigent­lich tun sollte. Im Wettkampf sollte man sich auf sein eigenes Schießen konzentrieren, wenn unser Kopf wo anders ist, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass wir schlechter schießen.

Sie weist darauf hin, dass die Mehrzahl aller Schützen freundliche und nette Personen sind, die haupt­sächlich Spaß am Schießen haben wollen und beschreibt, wie ihr in einem Wettkampf ein Teil ihrer Ausrüstung kaputt ging und andere Schützen ihr bei der Reparatur halfen und sie dann noch das Tur­nier gewinnen konnte. Traurigerweise gibt es aber wie in jeder Sportart auch beim Bogenschießen ein paar Individuen, die das Ganze zu ernst nehmen und dabei bösartig werden können. Sie würden alles tun, um zu gewinnen und es ist ihnen egal, wem sie dabei weh tun.

1.1 Strategien gegen Ablenkung

Top-Schützen haben verschiedene Methoden entwickelt, um nach Ablenkungen ihre Konzentration wieder auf den Wettkampf zu lenken. Im Folgenden sind drei Strategien beschrieben, mit denen man auf Psycho-Spielchen reagieren kann.

1.1.1 Akzeptiere, das es vorkommt

Viele Schützen erklären, dass sie besser geschossen hätten, wenn sie nicht von anderen absichtlich aus der Konzentration gebracht worden wären. Sport ist nicht immer fair und damit muss man sich leider abfinden.

Der Trick ist, sich klarzumachen, dass Psycho-Spielchen nur wirken, wenn man es zulässt. Der erste Schritt damit klarzukommen ist zu akzeptieren, dass diese Spielchen Teil des Sports sind. Es ist nichts Persönliches, es ist nur ein Mittel zum Zweck. Die Leute, die solche Spielchen anwenden, wollen ge­winnen und sie kennen keine anderen Wege, dieses Ziel zu erreichen. Die Akzeptanz dieser Tatsache macht einen Schützen stärker, da sie den entstehenden Frust und die Bitterkeit reduziert und es ihm erlaubt, sich auf seinen eigenen Schuss zu konzentrieren.

1.1.2 Unterstützung von außen

Druck abzulassen ist ein guter Weg, mit diesem Problem umzugehen. Wenn man seine Probleme in sich hineinfrisst, wird man irgendwann explodieren, wie eine Flasche Sprudel, die man zu sehr ge­schüttelt hat.

Man sollte sich eine Person suchen, der man vertraut, die ein offenes Ohr hat und der es nichts aus­macht, wenn man in ihrer Gegenwart Druck ablässt. Ein guter Freund wird einen, wenn nötig, unter­stützen und bestätigen, wird einem aber auch sagen, wenn man auf einem falschen Weg ist. Gele­gentlich ist eine andere Sichtweise notwendig, um die Realität zu erkennen.

Die besten Unterstützer sind nicht die, die sich zu jeder Zeit mit dem Schützen identifizieren und immer seiner Meinung sind, sondern die, die wenn nötig auch „Teufels Advocat“ sein können

1.1.3 Nimm es als Kompliment

Niemand wird mit einem Schützen Psycho-Spielchen spielen, wenn nicht die Möglichkeit besteht, dass dieser Schütze den Wettkampf gewinnen kann. Diese Psycho-Spieler denken, dass sie nicht mit eigenen Mitteln gewinnen können und so setzen sie alles daran, dass die anderen Schützen schlechter schie­ßen, als es ihnen möglich ist.

Diese Tatsache ist für die eigene Wahrnehmung sehr wichtig, da dadurch eine eigentlich negative Situation sich das Ganze in eine positive verändert kann. Wenn andere Schützen beginnen Psycho-Spielchen zu spie­len, dann erkennen sie den Schützen als wertigen Gegner an, den sie auf andere Weise nicht schla­gen können und das sollte das eigene Selbstvertrauen eigentlich stärken.

Man kann nicht kontrollieren, was andere sagen oder tun, man kann aber kontrollieren, wie man auf solche Vorgänge reagiert. Man kann sich dazu entscheiden, diese Vorgänge an sich heranzulassen und damit seine eigene Leistung schwächen oder man kann sich dazu entscheiden, diese Vorgänge zu ignorieren und sich auf sich selbst zu fokussieren. Man muss immer daran denken, dass die Kommen­tare und Bemerkungen der Psycho-Spieler immer eine Reflexion der anderen sind und diese niemals auf sich beziehen.

 

2. Unbeabsichtigte Beeinflussung

Gelegentliche schlechte Ergebnisse sind Teil jedes Sports, die dauernde Fokussierung auf Ergebnisse kann zu einer Negativ-Spirale führen. Je mehr man während des Wettkampfs über die Ringzahlen nachdenkt, umso eher kommt man ins Grübeln und besonders bei schlechten Ergebnissen wird fast immer auch die Stimmung schlechter, man „zieht sich selbst runter“ und die Ergebnisse werden noch schlechter. Daher sollte man während eines Wettkampfs alles vermeiden, was einen dazu bringt über die Ergebnisse nachzudenken. Besser man sieht sich während eines Wettkampfs die Ergebnislisten nicht an.

In gewisser Weise ist es leichter, mit absichtlichen Beeinflussungsversuchen (echten Psycho-Spielchen) klarzukommen als mit gedankenlosen Kommentaren von Leuten, die es eigentlich gut meinen. Damit sind Leute gemeint, die einem Schützen eigentlich helfen wollen, aber reden, bevor sie nachgedacht haben und dann in einer Situation das Falsche sagen.

Ein Wettkampf zielt immer auf Ergebnisse und so beziehen sich Gespräche oftmals auf eben diese Ergebnisse, oder aber lenken die Aufmerksamkeit eines Schützen auf die Ergebnisse. Ein Einfaches „Wie läuft’s bei Dir?“ hören die meisten Schützen während eines Turniers. Das ist eine unschuldige Frage, aber sie lenkt die Aufmerksamkeit des Schützen auf die erzielten und/oder gewünschten Er­gebnisse. Als Antwort kann man in einem solchen Fall z.B. sagen: „Ich habe heute Spaß“ oder „ganz gut“ und man sollte versuchen, dann auch gleich das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Auch Bemerkungen wie „Heute läuft‘s aber gut bei Dir“ oder „Klappt heute nicht so toll“ beziehen sich auf die Ergebnisse und können dazu führen, dass ein Schütze ins Grübeln kommt. Man sollte versuchen, sich von solchen Gesprächen möglichst zu lösen.

 

3. Negative Personen

Es gibt noch eine weitere Art von Personen (seien es Wettkämpfer oder Begleiter), die den mentalen Status eines Schützen negativ beeinflussen können. Danielle nennt diese Personen „Vampire“. Dies sind Leute, die man besser nie danach fragt wie es ihnen geht, weil man in einem solchen Fall für lange Zeit festhängt und sich (meist in tiefsten Details) anhören muss, was ihnen seit dem letzten Aufeinandertreffen widerfahren ist. Diese Art von Personen ist dann in ihrem Element, wenn sie sich über irgendetwas beklagen kann und ihre dauernde negative Einstellung kann ihren Zuhörern jegli­che Energie rauben. Dies kann sehr belastend sein und traurigerweise ist der beste Weg mit so einer Situation umzugehen, sich umgehend daraus zu entfernen.

Wenn man sich in einem Wettkampf befindet und gut schießen möchte, soll man sich mit Leuten umgeben, die einem helfen eine positive Stimmung aufzubauen und man sollte Leute meiden, die einem Erfolg abträglich sind. Grundsätzlich sollte man sich von Leuten fernhalten, die immer und überall meckern und negative Stimmung verbreiten. Ebenso lästig können aber auch Personen sein, die einfach nicht aufhören zu reden und einen dadurch in der Konzentration stören.

Es gibt Mittel und Wege sich von solchen Leuten zu entfernen, ohne dabei gleich unhöflich zu sein. Ein schneller Weg zur Toilette oder ein „Ich muss mal kurz zum Kampfrichter“ können ganz gut wir­ken. Im Notfall kann man aber auch deutlich sagen, dass man jetzt gerne allein wäre.

Das Tragen von Kopfhörern (auch wenn man tatsächlich keine Musik hört) ist auch ein höflicher Hin­weis darauf, dass man jetzt nicht in der Stimmung ist zu reden.

 

Wetter: Regen

Quelle: Trainertipps März 2024

Zum Glück kommt es in unserer Gegend nicht so häufig vor, dass ein Turnier oder eine Meisterschaft bei Regen stattfindet. Ich hatte in den 17 Jahren, in denen ich jetzt schieße, bislang nur 5 Wettkämpfe, die komplett verregnet waren.

Dennoch ist es lohnend, sich darüber Gedanken zu machen, was sich bei Regen ändert und wie man als Schütze darauf reagieren sollte.

Haltet Euch trocken

Das hört sich jetzt einfach an, ist aber tatsächlich nicht ganz einfach.

Wenn es stärker regnet, solltet Ihr eine enganliegende Regenjacke tragen. Meistens ist es bei Regen auch etwas kälter und der nasse Körper kühlt schnell aus. Achtet bei der Jacke darauf, dass sie wirk­lich eng anliegt, damit sie nicht mit der Sehne in Konflikt kommt. Falls Ihr normalerweise ohne Steif-schutz schießt, solltet Ihr überlegen, ob Ihr das bei Regen ändert.

Besonderes Augenmerk müsst Ihr auf den Bogenarm legen. Dort dürfen auf keinen Fall störende Fal­ten entstehen. Falls notwendig, kann mit einigen Streifen Klebeband (solltet Ihr in der Wettkampfta­sche haben) der Ärmel eng gewickelt werden. Alternativ mit einem Überziehärmel (auch bei Kälte sinnvoll), den es von verschiedenen Herstellern gibt.

Bei Regen solltet Ihr, besonders wenn Ihr Brillenträger seid, eine Mütze tragen. Schildmützen sind dabei weniger geeignet, da im Vollauszug der Schirm mit der Sehne in Kontakt kommen kann. Besser sind da die Anglerhüte, die es für kleines Geld zu kaufen gibt. Diese kann man mit den weichen Rän­dern tief ins Gesicht ziehen, ohne daß sie die Sehne stören.

Bei starkem Regen ist eine Regenhose nützlich, auch Regenschuhe sind dann kein Luxus. Ersatzweise kann man zwei größere Plastiktüten über die Schuhe ziehen und mit Klebeband zubinden. Sieht doof aus, macht aber trockene Füße.

Wann immer möglich, stellt Euch unter, damit Ihr nur so viel Regen abbekommt wir unbedingt nötig. Zum Gang an die Scheibe und zum trockenhalten der Schießzettel kann ein Schirm gute Dienste lei­sten. Ihr solltet in Eurer Ausrüstung immer einen weichen Bleistift haben, da dieser auch auf feuch­ten Schießzetteln noch gut schreibt, während ein Kugelschreiber oft nicht mehr verwendet werden kann.

Für die Zeit nach dem Wettkampf solltet Ihr trockene Kleidung zum Wechseln dabeihaben, damit Ihr nicht durchnässt und frierend heimfahren müsst.

Haltet die Ausrüstung trocken

Versucht Euren Bogen trockenzuhalten, in dem Ihr ihn, wenn möglich in den Schießpausen unter­stellt. Auch ein größerer Schirm kann dabei helfen, achtet aber darauf, dass Ihr Eure Mitschützen nicht behindert.

Direkt vor dem Schießen solltet Ihr die Sehne durch leichtes „Zupfen“ von eventuell anhaftendem Wasser befreien. Wenn die Sehne Nass ist, ist sie schwerer und wird dadurch langsamer. Eure Pfeile stecken dann tiefer. Bogenhand und Bogengriff könnt Ihr mit einem Handtuch direkt vor dem Schießen trocknen, Ihr werdet aber dennoch immer einen leichten Wasserfilm zwischen Hand und Griff haben, und das Griffgefühl wird anders sein, als Ihr es gewohnt seid.

Euer Tab solltet Ihr unbedingt trocken halten, damit sich das Verhalten auf der Sehne nicht ändert. Steckt es daher in jeder Pause in eine Tasche, um es vor Nässe zu schützen. Ledertabs kann man von Zeit zu Zeit mit Lederfett leicht einreiben, das erhöht die wasserabweisende Wirkung, die Betonung liegt dabei auf leicht.

Haltet den Körper warm

Im Frühjahr und im Herbst kann es morgens noch empfindlich kalt sein. Nutzt eine Trainingsjacke um den Körper in den Schießpausen warm zu halten, zieht ggf. unter das Wettkampf T-Shirt noch ein weiteres T-Shirt mit langen Ärmeln an.

Ich gehe in der Zwischenzeit davon aus, dass Ihr Euch vor einem Wettkampf aufwärmt, besonders bei Kälte ist das eine zwingende Voraussetzung für ordentliches Schießen.

Gegen kalte Hände und Finger helfen die kleinen Handwärmer, die man für wenig Geld kaufen kann (bekommt man öfters auch als Werbegeschenk). Dies sind kleine Plastik-Beutel, die mit einer speziel­len Flüssigkeit gefüllt sind. Diese kann man durch Knicken der kleinen, in der Flüssigkeit liegenden, Metallteile (aber auch durch kräftiges „auf-den-Tisch-schlagen“) aktivieren. Die Flüssigkeit kristalli­siert dann und gibt dabei Wärme ab.

Nach Gebrauch werden die Beutel für 10 Minuten in kochendem Wasser (dabei verflüssigen die Kri­stalle wieder) wieder gebrauchsfertig gemacht.

Warme Getränke (muss nicht Kaffee sein) helfen Euch auch, den Körper warm zu halten.

Gewöhnt Euch an die Bedingungen

Es kann im Wettkampf regnen und es kann kalt werden. Da wir das Wissen, sollten wir auch alle Mög­lichkeiten nutzen, uns an die geänderten Bedingungen zu gewöhnen. Das bedeutet, dass Ihr auch dann zum Training gehen solltet, wenn es regnet und kalt ist.

Ihr lernt dabei, Euren Körper kennen und lernt wie Ihr auf Regen und Kälte reagiert. Wichtig ist dabei, dass Ihr mit der Regenausrüstung schießt (Jacke, zweites T-Shirt...) um Euch an das geänderte Gefühl zu gewöhnen. Ihr lernt dabei auch, mit dem geänderten Griffgefühl umzugehen.

Wichtig ist, dass Ihr lernt, wie Ihr das Visier verstellen müsst, um den Einfluss der nassen und damit langsameren Sehne und dem Einfluss des Regens auf die Pfeile auszugleichen. Grundsätzlich werden die Pfeile tiefer liegen, Ihr müsst also auch das Visier tiefer stellen. Wenn es im Wettkampf plötzlich anfängt stark zu regnen und Ihr die Chance habt die Mitschützen zu beobachten, nutzt diese Mög­lichkeit, um Hinweise zu bekommen, wie stark Ihr verstellen müsst.

Keine Ausrede

Versucht den Regen zu ignorieren und denkt nicht dauernd daran, weil Ihr sonst den Fokus auf den Wettkampf verliert. Regen ist, wie alle anderen Umwelteinflüsse, nur etwas, mit dem alle Schützen an der Linie klarkommen müssen und in letzter Konsequenz ist es nur Wasser (und Ihr seid nicht aus Zucker).

 

Wetter: Hitze

Quelle: Trainertipps Mai 2024

Bei sehr heißem Wetter zu schießen kann schwierig werden, wenn man nicht darauf vorbereitet ist. In den letzten Jahren herrschten immer wieder Temperaturen oberhalb von 36°C, manchmal zusam­men mit einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 70%.

Das Folgende ist eine Sammlung von Tipps, die ich aus einem englischen Artikel zusammengestellt habe. Das Original findet Ihr hier: https://worldarchery.org/news/142024/7-top-tips-shooting-hot-weather

Der Autor hat einige der Welt-Cup-Schützen nach Ihren Tipps gefragt, hier sind die Antworten.

Viel trinken

Achtet darauf, dass Ihr während des Wettkampfs immer genügend trinkt. Wenn Ihr Durst bekommt, habt ihr schon zu lange gewartet. Eine gute Idee ist es, nicht nur einfaches Wasser zu trinken, sondern auch noch die Mineralien, die Ihr beim Schwitzen verliert, wieder auszugleichen.

Dazu bieten sich Fruchtsaftschorle aus 1/3 Saft und 2/3 Mineralwasser an.

Bleibt im Schatten

Solange Ihr nicht an der Schießlinie steht, gibt es keinen Grund, Euch der Sonne auszusetzen. Sucht Euch einen schattigen Platz und wartet dort auf Euren Einsatz.

Wenn Ihr dann Pfeile holen geht, setzt Euch eine Mütze auf. Auch ein Sonnenschirm kann helfen.

Außerdem solltet Ihr Euch immer mit Sonnenschutzcreme eincremen, Sonnenbrand muss nicht sein.

Kühlt den Körper

Die niederländische Nationalmannschaft benutzt spezielle Kühlwesten, die dabei helfen, den Körper bei extremen Temperaturen kühlzuhalten. Diese Westen sind mit einem Gewebe ausgestattet, wel­ches eine Mischung aus Kristallen und Gel enthält. Diese Westen werden in Wasser getaucht und dieses Wasser verdunstet dann in der Sonne.

Oft genügt aber schon ein feuchtes Handtuch oder eine Schirmmütze, die man in einen Eimer Wasser taucht.

Gewöhnt Euch an die Temperaturen

Im Sommer kann es warm werden. Da wir das Wissen, sollten wir auch alle Möglichkeiten nutzen, uns an die höheren Temperaturen zu gewöhnen. Das bedeutet, dass Ihr auch dann zum Training gehen solltet, wenn es heiß ist. Wenn es wahrscheinlich ist, dass die nächsten Wettkämpfe warm werden, nutzt die Zeit davor, auch bei warmem Wetter zu schießen.

Ihr lernt dabei, Euren Körper kennen, lernt wie Ihr auf die Hitze reagiert und Ihr könnt experimentie­ren, um herauszufinden, was Euch hilft.

Passt auf eure Ausrüstung auf

Auch wenn heute die modernen Bögen nicht mehr besonders von Temperaturwechseln beeinflusst werden, sollten die Bögen dennoch vor extremer Sonneneinstrahlung geschützt werden, wenn mög­lich.

Bringt Euren Bogen während der Schießpausen auch in den Schatten oder deckt ihn mit einem Handtuch ab. Die Standhöhe sollte bei extremer Hitze öfters geprüft und ggf. nachgestellt werden.

Gelegentlich kann es passieren, dass sich durch die Hitze das Zuggewicht des Bogens leicht verändert. Dadurch können sich Eure Visiereinstellungen ändern. Dagegen könnt Ihr nichts tun, durch Training bei Hitze seid Ihr aber darauf vorbereitet.

Euer Körper reagiert

Der menschliche Körper reagiert auf Hitze. Wenn es heiß wird, werdet Ihr schwitzen und mit ver­schwitzen Händen bekommt Ihr unter Umständen Probleme mit dem Griff. Vielleicht reicht es schon, dass Ihr Eure Hände häufiger wascht, aber die meisten von uns brauchen zusätzliche Maßnahmen.

Mir hilft es, meine Hände mit Babypuder einzureiben, um einen sicheren Griff zu behalten, bei ande­ren ist es Magnesia (nutzen Turner, bekommt man in der Apotheke). Für ganz harte Fälle gibt es auch Antitranspirant-Spray aus der Apotheke.

Auch spezielle Bogengriffe, oder Griffbänder z.B. für Tennisschläger können helfen.

Ihr könnt aber auch hergehen und immer mit rutschiger Hand schießen, z.B. durch Eincremen der Hände vor Training und Wettkampf, dann ist rutschen durch Schwitzen kein Problem mehr.

Und zum Schluss:

Keine Ausrede

Versucht die Hitze zu ignorieren und denkt nicht dauernd daran, weil Ihr sonst den Fokus auf den Wettkampf verliert. Hitze ist, wie alle anderen Umwelteinflüsse nur etwas, mit dem alle Schützen an der Linie klarkommen müssen. Wer sich davon weniger beeinflussen lässt, hat vielleicht am Ende einen Vorteil.

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